Hamburger Terroranschlag: Tatverdächtige nun doch Islamisten

Peter Harth

Das Verlagsgebäude der Hamburger Morgenpost brennt – kurz nach dem Anschlag auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo. Das Werk von Terror-Nachahmern? Medien verneinen das. Behaupten sogar, dass die Ermittler einen »islamistischen Hintergrund« ausschließen. Dabei liegt der auf der Hand. Jetzt endlich die Kehrtwende im Blätterwald: Der Verfassungsschutz beobachtet einige der verhafteten Tatverdächtigen längst. Sie stehen IS-Kämpfern aus Deutschland nahe.

Der Brandanschlag auf das Gebäude der Hamburger Morgenpost (MOPO) sorgte international für einen Aufschrei. Kann das Zufall sein, nur wenige Tage nach den Charlie-Hebdo-Anschlägen in Paris? Eher nicht, denn die Hamburger Zeitung druckte am 11. Januar die islamkritischen Karikaturen nach. Auf der ersten Seite und mit der Schlagzeile: »So viel Freiheit muss sein!«

Die Rache der Islamisten liegt damit als Motiv auf der Hand. Trotzdem behaupten deutsche Medien bis vor wenigen Tagen unisono das Gegenteil. Etwa die Bild, die selbst nach der Verhaftung der Tatverdächtigen noch schreibt, dass es »offenbar keinen islamistischen Hintergrund« gibt. Internetseiten wie Migazin (Migration inGermany) greifen diese irreführende Botschaft auf und titeln erleichtert: »Doch kein islamistischer Hintergrund«.

Von Anfang an auch in Richtung Islamismus ermittelt

Das aber ist falsch. Den islamistischen Hintergrund gibt es sehr wohl – und die Hamburger Oberstaatsanwältin Nana Frombach sagt dazu: »Die Ermittlungen wurden von Anfang an auch in diese Richtung geführt.« Der Spiegel verschweigt das seinen Lesern selbst jetzt noch: »Beobachter gingen in der vorigen Woche davon aus, dass die Ermittler eher nicht mehr von einem islamistischen Anschlag ausgingen.« Eine Behauptung, die so gar nicht zu den Fakten passt, denn Islamwissenschaftler haben die Sonderkommission der Polizei unterstützt.

Am 20. März bleibt dem Hamburger Nachrichtenmagazin nichts mehr übrig, als zuzugeben: »Polizei verdächtigt Islamisten.« Die Hintergründe sollen aber nach wie vor »unklar« sein. Bereits am 4. März verhaftete die Polizei neun Tatverdächtige im Alter zwischen 16 und 21 Jahren bei einer Razzia in zwölf Wohnungen. Alle sind polizeibekannt.

»Sie gehören zu einem Kreis […] in der salafistischen Szene«

Sie stammen aus Nigeria, Kamerun, der Türkei und Deutschland. Fünf waren Schüler der Hamburger Max-Brauer-Schule, auf die ein Tag vor dem Anschlag auf dieMOPO auch ein Brandsatz fliegt. Die Hamburger Morgenpost berichtet als Opfer in eigener Sache sehr engagiert und belegt den islamistischen Hintergrund der Tatverdächtigen bereits zwei Tage nach ihrer Verhaftung stichhaltig. Da sind diese aber schon wieder auf freiem Fuß.

Am 6. März zitiert die Zeitung den Juristen Mahmut Erdem: »Die Täter sind keine harmlosen Jungs. Sie gehören zu einem Kreis, der sich in der salafistischen Szene bewegt.« Erdem ist Gründer einer Initiative besorgter Eltern, deren Kinder sich islamistischen Gruppen anschließen.

Gruppen wie dem »Altonaer Kreis«, der sich schon länger in der Salafistenszene bewegt. In diesem »Umfeld« sind auch die mutmaßlichen Täter der Brandanschläge aktiv, sagt Erdem. Bekanntester »Märtyrer« aus dem »Altonaer Kreis« ist Alfons R. (✝ 18). Auch er war ein Schüler der Max-Brauer-Schule. Der Islamist wird 2014 als Gotteskrieger für den IS von einem kurdischen Scharfschützen in Syrien erschossen. Nach seinem Tod besuchen Angehörige des »Altonaer Kreises« R.s Mutter: »Herzlichen Glückwunsch, er ist jetzt im Paradies.«

Der Verfassungsschutz beobachtete die mutmaßlichen Täter bereits vorher

Jurist Erdem erhebt schwere Vorwürfe: »Entweder sehen Sicherheitsbehörden die Aktivitäten nicht oder wollen sie nicht sehen.« Die Polizei hätte »schon längst in diesem Umfeld zuschlagen können und habe zu lange gewartet«, zitiert ihn die Hamburger Morgenpost. Dort heißt es auch: Die Eltern der Jugendlichen seien »selbst liberale Menschen«.

Ihre Kinder würden aber »die moderne liberale Gesellschaft« ablehnen. Der Anwalt sieht sogar Parallelen zu einer terroristischen Vereinigung: »Dieser Anschlag nach dem Abdrucken der Karikaturen war kein unüberlegter Aktionismus. Diese jungen Täter sind gut organisiert und planen ihre Taten.«

Am 17. März erfährt ganz Hamburg durch eine Kleine Anfrage im Senat, dass der Verfassungsschutz einen »Teil« der insgesamt neun Tatverdächtigen bereits vor den Brandanschlägen beobachtet hatte. Aufgefallen waren sie ihm an den Info-Ständen der Koranverteilungskampagne»Lies!«.

Hamburger Moscheen: »Kristallisationspunkt fanatischer Dschihadisten«

Zwei Moscheen in der Hansestadt sind für den Verfassungsschutz schon länger ein »Kristallisationspunkt fanatischer Dschihadisten«. Er beobachtet die Taqwa-Moschee und die Masjid-El-Iman-Moschee. Mindestens 50 Hamburger sind seit 2012 in den Irak oder nach Syrien gereist, um für die IS-Miliz zu kämpfen. Davon sind zehn gestorben. Experten sehen im Hamburger Salafismus vor allem eine Jugendbewegung.

Angesichts dieser erdrückenden Fakten stellen sich vor allem zwei bisher ungeklärte Fragen: Wie können die Medien all das ausblenden und hinter den Hamburger Brandanschlägen kein islamistisches Motiv sehen? Warum bemerkt der Verfassungsschutz nichts von der geplanten Terroraktion, obwohl er einen Teil der Tatverdächtigen beobachtet?

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