Tod eines V-Mannes

(Admin: Wenn jemand stirbt, sind das Versäumnisse des „Staates“???

Hier in diesem Beitrag gibt es ohnehin nur Halbwahrheiten und Mainstream-Geschwafel. Wer sich informieren möchte über Hinter- bzw. Abgründe, der sollte diesen Blog lesen, meine Empfehlung:  https://sicherungsblog.wordpress.com/  )

„Corelli“ war einer der wichtigsten Informanten des Verfassungsschutzes, er starb in der Obhut des Staates. Jerzy Montag, Sonderermittler des Bundestages, sieht Versäumnisse bei den Behörden.

Jerzy Montag empfiehlt neue Regeln für den Umgang mit V-Leuten in der rechten Szene.

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Jerzy Montag empfiehlt neue Regeln für den Umgang mit V-Leuten in der rechten Szene.

Am Tag, an dem aus dem Neonazi Thomas Richter der V-Mann „Corelli“ wird, liegt sein bisheriges Leben buchstäblich in Trümmern. Am Vortag hat er seinen 19. Geburtstag wild gefeiert, mit einer Rockband und 200 Freunden aus der Szene – doch gegen Mitternacht beginnt die betrunkene Meute, das Haus in Stücke zu schlagen. Fenster, Möbel, die Einrichtung – gegen fünf Uhr muss die Polizei anrücken. Und Thomas Richter hat ein Problem. Denn das Haus gehört einer zentralen Figur der rechtsextremen Szene der 90er Jahre: Meinolf Schönborn, Anführer der verbotenen „Nationalistischen Front“ (NF). Schönborn rastet aus, bedroht Richter, spricht von zehntausenden Euro Schulden.

Am Nachmittag desselben Tages im Oktober 1993 sitzt Thomas Richter bei der Polizei in Bielefeld und sagt, er wolle die Fronten wechseln. Zwei Jahre lang hatte er in der Detmolder NF-Zentrale bei Mentor Schönborn gewohnt, sich vom Handlanger zur festen Größe hochgedient. Nun liefert er seine Kameraden dem Verfassungsschutz ans Messer. In Razzien werden wenig später die NF-Strukturen zerschlagen. Es ist die Geburtsstunde des Spitzels „Corelli“, und für Jerzy Montag ist es ein Schlüsselmoment.

Es hat mich bewegt, als ich das in Erfahrung brachte“, sagt Montag. „Sie müssen versuchen, sich in den Menschen hineinzuversetzen: Ein 19-jähriges Bürschlein, das in seinem Leben außer der rechtsextremen Szene nie etwas kennengelernt hat, geht zum Staat und sagt, er möchte auspacken, aussteigen aus der Szene, ein bürgerliches Leben führen.“ Doch die Geheimdienstler bieten dem 19-Jährigen nicht etwa ein Aussteigerprogramm an – sondern den Einstieg in ein Doppelleben im braunen Sumpf. Geld gegen Informationen, das sind die Regeln des Paktes, fast 20 Jahre lang, bis zum Tod. „Es hat sich nie jemand mit dem Ausstiegswunsch beschäftigt“, sagt Montag. „Es gab nur den Blick: Huch, das ist eine Quelle, die können wir ausbeuten.“

Der V-Mann „Corelli“ ist eine der schillerndsten Figuren in jenem Graufeld zwischen rechtsextremer Szene und Verfassungsschutz. Es gibt kaum jemanden, der mehr über ihn weiß als Jerzy Montag. Der ehemalige Grünen-Abgeordnete wurde im Herbst 2014 vom Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags als Sonderermittler eingesetzt. Es gibt offene Fragen zu „Corelli“, und die Abgeordneten hätten gerne Antworten. Wusste „Corelli“ doch mehr über den NSU, als er zugab? Hat der Verfassungsschutz von ihm gelieferte Hinweise auf die Terrorzelle ignoriert? Welche Rolle spielte er beim Ku-Klux-Klan in Schwäbisch Hall? Der Spitzel selbst kann diese Fragen nicht mehr beantworten. „Als ich den Auftrag bekam, mich mit diesem Menschen zu beschäftigen, war er schon zwei Jahre tot“, sagt Montag.

Unter den merkwürdigen Todesfällen im Umfeld der NSU-Ermittlungen ist „Corelli“ der prominenteste. Im April 2014 starb er überraschend im Alter von nur 39 Jahren an einer „nicht erkannten Diabeteserkrankung“, wie die Obduktion ergab. Ein Tod unter staatlicher Obhut: Nach seiner Enttarnung 2012 war „Corelli“ in einem Schutzprogramm des Geheimdienstes untergebracht. Auch der Zeitpunkt des Todes löste Spekulationen aus: Kurz zuvor war eine CD aufgetaucht, die eine mögliche Verbindung „Corellis“ zum NSU darstellte. Nebenkläger im Münchner NSU-Prozess bereiteten bereits Anträge vor, um ihn als Zeugen vorladen zu lassen. Montag fand aber nichts, was Verdächtigungen nährte. „Es gibt keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Punkt. Mehr gibt es nicht zu sagen.“

Rest des Beitrages:

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Tod-eines-V-Mannes;art1158781,3429336

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NSU-Affäre – Die »Temme-Desinformation«

Falk Schmidli

Derzeit kocht die NSU-Affäre mächtig hoch. Der Grund ist die längst bekannte Gegenwart des hessischen Verfassungsschutzbeamten Andreas Temme beim Mord an Halit Yozgat und seine auffälligen Telefongespräche mit dem rechtsradikalen V-Mann und Skinhead Benjamin Gärtner (Codename »Gemüse« – VP389), der angeblich Kontakt zum sogenannten NSU gehabt haben soll. Viel interessanter ist, was alles nicht berichtet und nicht gefragt wird …

Telefonate und neue Erkenntnisse

Yozgat war das neunte Mordopfer der sogenannten »Döner-Mord-Serie«. Er wurde am 6.4.2006 in einem Internetcafé in Kassel mit zwei Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Durch neue Beweise in Form abgehörter Telefonate von Andreas Temme ist in diese Geschichte nun frischer Wind gekommen. Diese Telefonate wurden z.B. am Wochenende sehr ausführlich bei der Weltbehandelt.

Sie legen den Verdacht nahe, dass Temme direkt oder indirekt in den Mord involviert gewesen sein könnte. Zudem gibt es hierdurch einen neuen dünnen »Missing Link« zum NSU-Fall, da der von Temme geführte V-Mann Benjamin Gärtner angeblich Kontakte zum sogenannten NSU hatte.

Die Nebenklageanwälte haben mittlerweile neue Beweismittelanträge eingereicht. Sogar der hessische Ministerpräsident und ehemalige hessische Innenminister Volker Bouffier muss derzeit fürchten, in diese Angelegenheit hineingezogen zu werden. Er hat eine Informationssperre über eventuell involvierte V-Männer Temmes verhängt, um diese Quellen zu schützen. Der Presse-Mainstream hat sich mittlerweile auf den Verfassungsschutz eingeschossen und will offensichtlich eine Verschwörung zwischen Verfassungsschutz und Rechtsterrorismus herbeischreiben.

Sind solche Spekulationen wirklich schlüssig? Wir denken: Nein. Wir werden beleuchten, wie plausibel die neuen Interpretationen für die Anwesenheit Temmes »zur falschen Zeit am falschen Ort« sind. Dazu greifen wir auf die Akten zurück, die Dank des Whistleblowers »fatalist« im Internet verfügbar sind.

»Unschuldslämmer« Yozgats?

Halit Yozgat, nach dem mittlerweile ein Platz in Kassel benannt und für den auch eine Gedenktafel aufgestellt wurde, war laut Akten aus dem fatalist-Leak nach Auskunft von Zeugen nicht gerade fleißig, verkehrte des Öfteren im Rotlichtmilieu und war in der Schule deutlich unterdurchschnittlich. Halit Yozgat ging zum Zeitpunkt seiner Ermordung seit einigen Monaten zur Abendschule, um seine Mittlere Reife nachzuholen. Die Geschichte mit dem Abendgymnasium, wie das der Vater Ismail Yozgat in einem Interview mit der Zeit erzählte, ist also geschönt, so wie wahrscheinlich einiges an seinen Ein- bzw. Auslassungen. Wir erwähnen das nur wegen der Glaubwürdigkeit dieses Nebenklägers.

Gegen den ermordeten Halit Yozgat lief außerdem ein Ermittlungsverfahren wegen Versicherungsbetruges im Zusammenhang mit fingierten Autounfällen.

Hinweise auf Drogenhandel

Das Internetcafé, in dem Halit Yozgat meistens nachmittags arbeitete, wurde knapp ein Jahr lang von Oktober 2004 bis September 2005 wegen Betäubungsmittelkriminalität albanischer Dealer beobachtet. Es gab auch Vernehmungen von Zeugen, die auf Probleme Yozgats mit Türkenhindeuten, die offenbar über Gefängniserfahrung verfügten und auf das spätere Opfer anscheinend einschüchternde Wirkung hatten.

Des Weiteren gab es nach dem Mord Probleme, die Herkunft großer Geldmengen (130 000 DM) zu erklären, die ein Onkel des Ermordeten, Halim Yozgat, in Immobilien und einer Holding angelegt hatte. Vater Ismail Yozgat betrieb außerdem im Jahre 2001 schon ein Café namens »Anadolu Cay Evi«, in dem Heroingeschäfte abgewickelt wurden und das zum Showdown für einen Erpressungs-, Bedrohungs- und Drogenfall wurde.

Peinliche Ermittlungspanne

Halit Yozgat benutzte insgesamt vier Handys. Das ist ebenfalls auffällig, da es einen konspirativen Eindruck hinterlässt. Eines seiner Handys wurde nach seinem Tod von einem Autopsiehelfer des Klinikums Kassel entwendet der es merkwürdigerweise in der Hosentasche (!) der Leiche entdeckte. Die Daten darauf konnten nicht wiederhergestellt werden – ein sehr seltsamer Ermittlungsfehler, der nicht gerade sonderlich glaubwürdig ist – eigentlich gar nicht.

Drogenmilieu-V-Mann »Mehmet«

Ein weiterer Hinweis in Richtung Drogenhandel wurde am 22.8.2011, also nicht mal drei Monate vor dem unglaubwürdigen NSU-Start, vom Spiegel berichtet. Demzufolge gab es kurz vor dem Mord einen Hinweis eines V-Manns namens »Mehmet« aus dem türkischen Drogenmilieu. Dieser behauptete, dass die deutschen Behörden kurz vor dem Mord darüber informiert wurden, dass in Yozgats Internetcafé in Kassel »wieder etwas geplant« sei. Dieser Informant wusste angeblich von der Serie und der verwendeten Tatwaffe Ceska 83, was das Wort »wieder« im letzten Satz erklärt. Der V-Mann stellte sogar seine Mithilfe beim Auffinden der Tatwaffe gegen ein Entgegenkommen in seinem eigenen Fall in Aussicht.

Nach dieser Information sei das Lokal vom Geheimdienst beschattet worden. Der Name »Temme« ist beim Lesen dieses Satzes so ziemlich das Erste, was einem in den Sinn kommt.

Alternative zum »Motiv-Vakuum«

Anders gefragt: Könnte dieser Hinweis von »Mehmet« vielleicht die Anwesenheit von Andreas Temme erklären? Vermutlich besser als das Vakuum, das man neuerdings mit der Mutmaßung einer angeblichen Zusammenarbeit von Rechtsterrorismus und Verfassungsschutz zu füllen versucht.

Realistisch betrachtet gibt es derzeit keine plausible Erklärung, weder für Temmes Anwesenheit während der Tat, noch für einen Mord durch die angeblichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Überhaupt macht Rechtsterrorismus, der auf vollkommen unwichtige Personen wie Halit Yozgat abzielt, praktisch keinen Sinn, vor allem nicht mit Wissen und unter den Augen des Verfassungsschutzes.

Selbst wenn es innerhalb des Verfassungsschutzes eine Verschwörung geben sollte, die das Ziel hat, Rechtsterrorismus zu ermöglichen, wie kommt man dann ausgerechnet auf ein Opfer wie den 21-jährigen Yozgat? Solch eine Tat wäre aus der Sicht von Terroristen kaum zielführend – besonders vor dem Hintergrund der hohen eingegangenen Risiken. Seltsamerweise gab es auch nie Bekennerschreiben, weshalb man hilfsweise das fünf Jahre später erschienene, äußerst suspektePaulchen-Panther-Video als solches akzeptierte.

Vielmehr ist äußerst unglaubwürdig, was derzeit diskutiert wird: Temme soll ausgerechnet an diesem Tag in dem Internetcafé gesessen und angeblich sogar etwas über den bevorstehenden Mord gewusst haben.

Hintergrund dieser Überlegungen ist ein Telefonat mit Temmes Kollegen Hess, in dem folgender Satz gefallen sein soll: »Ich sach ja jedem, äh, wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert: Bitte nicht vorbeifahren!« Ahnte Temme aufgrund der »Mehmet«-Aussage lediglich, dass etwas derartiges irgendwann möglich sei, oder aber wusste er genau, dass es just an diesem Tag, dem 6.4.2006 um 17:01 Uhr tatsächlich stattfinden werde?

Absichtliche Beweise in einem Mordfall?

Die eigentliche Frage lautet: Warum sollte ein Verfassungsschutzbeamter vor Ort sein, wenn er Hinweise auf einen bevorstehenden Mord gehabt hätte? Warum hinterlässt er unnötigerweise Fingerabdrücke und DNA? Warum surft er in dieser heiklen Situation auch noch auf für einen verheirateten Mann möglicherweise peinlichen Seiten wie iLove mit einem dank angegebener Handynummer leicht zu identifizierendem Account namens »wildman70«?

Wie sich jetzt deutlich zeigt, kann ein solches Verhalten nur Probleme nach sich ziehen. Temmes gesamte Aussage zum Vorgang ist ja schon seit Jahren nicht glaubwürdig. Natürlich hätte er den toten Yozgat beim Verlassen des Internetcafés sehen müssen – die Räumlichkeiten und die Lage der Leiche erzwingen dies praktisch! Selbst das »50-Cent«-Stück, das er auf dem Tresen platzierte, macht stutzig, weil der Tresen direkt neben seinem Geldstück blutbesudelt ist.

Sündenbock Temme?

Vor allem aber: Warum verhindert der Verfassungsschutz bzw. Temme die Tat nicht? Die Anwesenheit Temmes macht doch keinen Sinn, bzw. nur dann, wenn er eben nicht wusste, dass dort etwas Derartiges passieren wird. Tatsächlich ist gerade die Anwesenheit Temmes ein klares und starkes Indiz dafür, dass er eben kein Vorwissen der Tat hatte.

Temme könnte auch einfach über seine Kontakte aus dem islamistischen V-Mann-Milieu dorthin bestellt worden sein, um später eine Spur in Richtung Verfassungsschutz zu legen. Temme wäre ja nicht der Erste, der an einen Tatort bestellt wird, um ihn hinterher damit zu belasten, oder zumindest um eine falsche Spur zu legen. Im Geheimdienstdunstkreis ist so ein Vorgehen ein wohlbekannter Schachzug. Dort nennt man Personen, die man an einen geplanten Tatort lockt, um sie zu kompromittieren, einen »Patsy«.

Stammkunde Temme

Derzeit wird viel über die Anwesenheit Temmes im Internetcafé berichtet. Die wichtigste Information fehlt allerdings, nämlich die Tatsache, dass Temme dort Stammkunde war und der Vater des Mordopfers ihn angeblich wochenlang kannte und auch bei einer polizeilichen Befragung eindeutig identifiziert hat. Das »wochenlang« ist nur deshalb fraglich, weil Temme sogar eine viel weitergehende Aussage machte. Er sagte, dass er seit 2003, also seit drei Jahren, in diesem Internetcafé Kunde war.

Das aber kann ebenfalls nicht ganz stimmen, da der Laden erst 2004 eröffnet wurde. Was stimmt also nun? Wie lange kannte Temme das Lokal bzw. wie lange kannten die Yozgats Temme? Waren die Beziehungen zu Temme auch noch anderer Art, z.B. beruflich motiviert? War ein Mitglied der Yozgat-Familie möglicherweise ein Informant, ein V-Mann? Ist diese Frage jemals gestellt worden und falls nein, warum nicht?

Nach alldem erscheint ein Mord im Drogenmilieu nicht weniger wahrscheinlich als einer durch NSU-Terroristen. Es ist ja nach wie vor mysteriös, um nicht zu sagen unerklärlich, warum sich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ausgerechnet Halit Yozgat als Opfer auserkoren haben sollen?

Tatsächlich erscheint das Motiv, das für den NSU-Mord kolportiert wurde, an den Haaren herbeigezogen, während ein Motiv im Drogenbereich durchaus möglich, wenn nicht wahrscheinlich ist. Bei einer kriminalistischen Analyse lautet die zentrale Frage »Warum?«. Und trivialerweise lautet die Antwort meistens: »Geld!«

Fazit

Durch die neuen Erkenntnisse gerät der Verfassungsschutz extrem unter Druck, wie man an den Problemen von Temme und Bouffier deutlich sehen kann. Es sieht aus, als würde gerade an der Theorie einer Verschwörung innerhalb des Verfassungsschutzes unter Mitarbeit rechtsradikaler V-Männer und der NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gestrickt, die in der Folge durch die Mainstream Medien verbreitet werden soll. Dies ist exakt die Richtung, die der NSU-Whistleblower »fatalist« bereits vor knapp drei Monaten (!) prognostizierte. Fatalist damals:

»Diese gescheiterte Kleinst-Terrorzellen-Trio-These, das ist die Version NSU 1.0. Sie wird zurzeit aufgegeben. Ersetzt werden soll sie durch die Version NSU 2.0: Ganz viele Mörder in ganz vielen Städten, Helfer überall sowieso. Daran arbeitet auch die Nebenklage fleißig mit … . Der Ausweg ist die Variante NSU 2.0: andere Täter, ein größeres Netzwerk, und das mit Wissen des Verfassungsschutzes. Mord unter den Augen nicht der Behörden, sondern mit Wissen eines kleinen verschworenen Kreises von Personen innerhalb der Sicherheitsbehörden. Man darf die Installation eines Sündenbocks namens Verfassungsschutz vermuten, sie ist tatsächlich längst in vollem Gange.«

Das wichtige Wort, das man sich merken sollte, lautet »Sündenbock«. Wie schnell sich diese Prognose manifestiert, ist äußerst verblüffend. Kopp Online wird die Entwicklung weiter kritisch beäugen, denn die offensichtlich manipulierten Beweise sind damit nicht vom Tisch. Wir bleiben dran.

PEGIDA Dresden offensichtlich V-Mann gesteuert und keiner weiß warum er mitläuft.

Veröffentlicht am 17.12.2014

Wie kann es sein das innerhalb weniger Tage / Wochen in der ganzen BRD gut organisierte Protestbewegungen und Vereine wie Pilze aus dem Boden schießen? Hat der Verfassungsschutz seine Finger mit im Spiel? Wer bezahlt die ganzen Flyer und Werbung und alles andere?
Und was ist bitte die Lösung dieser Probleme? Gegen Geldsystem und Gesetze hier Gesetze da hat man schon 70 Jahre lang erfolglos demonstriert. Wer glaubt denn das sich jetzt was ändern wird wenn das Grundproblem, die fehlende Verfassung Deutschlands, nicht angegangen wird? Wie will man ohne Volksherrschaft also ohne Demokratie Probleme lösen? Mit Demos? ;D;D;D;D;D

Verfassungsschutz überwacht Blogs mit “äußerst prorussischen Positionen”

 

Vferasunsschutz

Der Verfassungsschutz überwacht offensichtlich verschiedene Internetblogs und Websites. Als Grund reicht hierführ aus “äußerst prorussische Positionen” zu vertreten. Ob der Inlandsgeheimdienst auch Nachrichtensender mit “äußerst proamerikanischen Positionen” überwacht bleibt abzuwarten.

Der Chef des Verfassungsschutzes hat in einem Interview mit der Tageszeitung DIE WELT einige Aussagen getroffen, die für viel Diskussionsstoff sorgen dürften. So sagte Maaßen wörtlich:

“Es herrscht ein Wettbewerb an Meinungen, wie die Situation in der Ukraine einzuordnen ist. Allerdings beschäftigen wir uns erst mit dem Phänomen, wenn wir den Eindruck haben, dass ein ausländischer Dienst versucht, Einfluss auf die Meinungsbildung in Deutschland zu nehmen. In Teilen bemerken wir in Internetblogs oder Foren, dass in deutscher Sprache äußerst prorussische Positionen gepostet werden. Hier stellen wir uns die Frage, wer dahintersteckt. Die Zuordnung zu einem russischen Dienst ist sehr schwer zu treffen. Aber wir sehen mit Sorge, wenn versucht wird, auf die Meinungsbildung Einfluss in Deutschland zu nehmen.”

Der oberste Hüter des Grundgesetzes verbindet “prorussische Positionen” also mit der Tätigkeit ausländischer Geheimdienste und nimmt dies zum Anlass “Internetblogs [und] Foren” zu beobachten. Komisch, die meisten Menschen verbinden mit “prorussischen Positionen” eher eine politisch-gesellschaftliche Debatte im Zuge der Meinungsfreiheit des Grundgesetzes – das Herr Maaßen eigentlich schützen sollte. Zumindest eine Überwachung russischer Medien wie dem Sender RTDeutsch lehnte er ab. Hier müsse man unterscheiden zwischen Meinung und Propaganda.

http://www.neopresse.com/

MARTINA RENNER ERKENNT TERROR UNTER FALSCHER FLAGGE – NUR BEIM “NSU” NICHT

Die Politikerin Martina Renner ist Bundestags-Abgeordnete und Sprecherin für antifaschistische Politik in der Linksfraktion. Im Oktober 2014 hielt sie einen Vortrag mit dem Titel “Die Verbindung von NSU und Verfassungsschutz”. Dort stimmte sie in die Vorverurteilungen des Trios Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe ein – diese wären die Haupttäter einer rechtsextremistischen Anschlagsserie gewesen.

Gleichzeitig enthüllt Renner im selben Vortrag, dass der damalige hessische Geheimdienstler Peter Nocken beim Herrhausen-Anschlag versucht hatte, der Roten Armee Fraktion (RAF) die Tat unterzuschieben. Anschließend machte Nocken ausgerechnet beim Thüringer Geheimdienst Karriere, im Dunstkreis der (angeblichen) NSU-Terroristen, – trotz eines bei Nocken festgestellten, bis heute geheimen, “schwerwiegenden Sicherheitsrisikos”.

Der Historiker Daniele Ganser untersuchte und publizierte die Hintergründe des staatlichen Terrors unter falscher Flagge in Europa. Diese lange abgeleugneten staatsterroristischen Aktionen unter Führung der NATO sind heute unter dem Begriff  ”Gladio” (römisches Kurzschwert) bekannt.

Nach Gansers Erkenntnissen verüben Geheimdienste auch in Westeuropa Terroranschläge und hängen sie anschließend Dritten  an. Auch beim sogenannten “NSU”-Terror gibt es viele Hinweise auf derartige Zusammenhänge: Es besteht der Verdacht, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ermordet und die gefundenen “Beweise” im Todes-Wohnmobil und angeblichen Wohnhaus  von den Behörden manipuliert wurden. Möglicherweise mit dem Zweck, das “Trio” als Sündenböcke der Öffentlichkeit zu präsentieren und dadurch anderweitig laufende, potenziell kompromittierende Ermittlungen zu beenden.

Auch den Linken ist Terror unter falscher Flagge durchaus bekannt: Renner schnitt in ihrem NSU-Vortrag sogar das Bombenattentat auf Alfred Herrhausen an. Bis heute ist ungeklärt, wer den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank 1989 in seinem Auto in die Luft sprengte. Der Mord sollte der Roten Armee Fraktion (RAF) in die Schuhe geschoben werden – das misslang dank mutiger investigativer Recherche von Journalisten.

Friedensblick berichtete: “Der vertuschte Mord an Alfred Herrhausen.”

Eine Hauptrolle bei dem Skandal spielte seinerzeit wie oben erwähnt der hessische Geheimdienstler und Informanten-Führer Peter Nocken. Martina Renner: 

Quelle: youtube

“Er heißt Herr Nocken. Er hatte die Wiesbadener Staatsanwaltschaft auf dem Hals gehabt und das BKA. Das BKA hatte seine Büroräume im Landesamt geratzt. (…) Warum haben die das gemacht? (…) Er hat einen ehemaligen V-Mann [Herr Nonne] gedungen, genötigt eine Falschaussage zu machen. (…) Herrhausen-Mord. Ein Mord, der der RAF zugeschrieben wird.

Es gab eine lange Phase in der die Ermittlungen fruchtlos verliefen, die Medien machten Druck, “Bringt uns endlich mal ein paar Täter”. Die Polizei hatte nicht wirklich eine Idee, aber Herr Nocken hatte dann aber eine Idee. Er erinnerte sich, dass man im Zusammenhang mit der Startbahn-Geschichte einen Spitzel hatte, der zwar mittlerweile abgeschaltet war, aber den hat man reaktiviert. Bei dem Spitzel wusste man zudem, dass er suizidgefährdet ist. Dem Spitzel ist man dann sozusagen nahegetreten, er hat das mit zwei anderen Kollegen zusammengemacht. Er hat gesagt:

“Viel Geld und Du sagst aus die RAF hat bei Dir übernachtet und in Deinem Keller den Sprengstoff gehabt.”

Dann hat der gesagt: “Njet, mache ich nicht.”

Dann hat man gesagt: “Okay machen wir eine andere Variante: Du kannst auch vom Hochhaus fallen.”

Er war suizidgefährdet, dann war er weich. Man hat ihn zum BKA begleitet, er hat die Aussage gemacht. Er hat Personen belastet. Es hat sich dann erwiesen durch die Spurensuche in seinem Haus, durch Zeugeneinvernahmen von Nachbarn und Angehörigen von ihm, dass das alles hinten und vorne nicht stimmen kann.”

Martina Renner zeigte im Vortrag ein Foto von Herrn Nocken, als Zeuge beim Thüringer Untersuchungsausschuss:

nocken-nordmann-nonne-alfred-herrhausen

Quelle: youtube

Martina Renner:

“Nordmann ist der Tarnname des Herrn Nocken im LfV Hessen gewesen. Siegfried Nonne kannte seinen V-Mann-Führer immer nur unter dem Namen “Nordmann”. Erst durch die Arbeit des thüringer U-Ausschusses konnten wir nachweisen, dass Herr Nocken Herr Nordmann ist und Herrn Nonne auf dem Gewissen hat.”

Wie Herr Nocken 1993 nach Thüringen kam

“Er [Nonne] hat dann seine Aussage widerrufen und Herr Nocken hatte eine Anzeige am Hals, weil er hat jemanden genötigt zu einer Falschaussage. Er hat Geheimnisverrat begangen. Es gab mehrere Strafvorwürfe.

Und im laufendem Ermittlungsverfahren wird er Abteilungsleiter Beschaffung in Thüringen. Ja. Also an einer der entscheidenden Stellen im neu geschaffenen LfV [Landesamt für Verfassungsschutz] Thüringen, wird er trotz dieses laufenden Ermittungsverfahren in eine verantwortliche Position gehievt.

Mit ihm kommt eine ganze Kohorte, die ihn begleiten, quasi ein ganzer Tross aus Hessen, die hatten auch alle Dreck am Stecken. Also vorn mitgemacht bei den Machenschaften von Nocken in Hessen (…) Und das muss man auch wissen, wenn man das erklären will, was passiert ist.”

Nocken war von 1993 bis 2001 beim Thüringer Inlands-Geheimdienst, dem sogenannten “Verfassungsschutz”, unter anderem mit der Anwerbung von Informanten betraut gewesen. Auf Fragen nach der Geheimoperation “Rennsteig” antwortete er dem U-Ausschuss häufig mit Verweisen auf sein fehlendes Erinnerungsvermögen.

Auszüge aus dem Abschlussbericht des thüringer U-Ausschusses

“Der Zeuge Peter Nocken trug vor, als die „Operation Rennsteig“ im Sommer 2012 zur Sprache gekommen sei, habe er sich gar nicht gleich daran erinnern können. Erst als bekannt wurde, dass es sich um eine kombinierte Aktion des BfV, des MAD und der  Verfassungsschutzämter in Thüringen und Bayern gehandelt habe, seien ihm diese Vorgänge wieder eingefallen.”“Auf Vorhalt, dass Herr Wießner im Zusammenhang mit der „Operation Rennsteig“ von einem Treffen in München berichtet habe, antwortete der Zeuge Peter Nocken, er habe hieran keine Erinnerungen und könne auch ausschließen, deswegen beim BND gewesen zu sein. Auch weitere gemeinsame operative Einsätze zusammen mit dem BfV außer der „Operation Rennsteig“ während seiner Zeit seien ihm nicht erinnerlich.”

“Gefragt nach Gewährspersonen oder Informanten unterhalb der Schwelle der V-Leute, berichtete der Zeuge Peter Nocken, dass es bestimmt den Einen oder Anderen gegeben habe, der Informationen geliefert habe, ohne als Quelle verpflichtet zu sein. Mehr als zwei, drei oder vier seien das aber auf keinen Fall gewesen, an Namen könne er sich nicht erinnern.”

Wie eine Person wie Nocken in eine solche Position ausgerechnet nach Thüringen kommen konnte. Der ehemalige Spitzenbeamte, Ministrialrat a.D., Jürgen Schaper, antwortete, völlig unglaubwürdig:  Sie hätten …

“… ein Gartenfest oder Ähnliches gefeiert und dort habe Herr Nocken „auf alle von der Person her einen sehr netten Eindruck“ gemacht. Herr Nocken sei ein „gestandener Mann“ im Verfassungsschutz im Hessischen Innenministerium gewesen. (…) Das besagte Ermittlungsverfahren im Fall „Nonne“ sei ihm völlig unbekannt gewesen, sei ihm jetzt völlig neu.”“

“Auf Nachfrage zu Herrn Nocken hatte der Zeuge MinR a.D. Jürgen Schaper zunächst geantwortet, er denke nicht, dass er Herrn Nocken empfohlen habe, denn er habe diesen vorher gar nicht gekannt. Er wisse nur, dass er froh gewesen sei, als Herr Nocken kam. Als RD aus dem HessLfV sei dieser qualifiziert gewesen und sei später stellvertretender Leiter des TLfV geworden.Auf Vorhalt des o. g. „Personalkonzeptes“ gestand der Zeuge MinR a.D. Jürgen Schaper ein, Herr Nocken sei ihm aus Hessen im Rahmen einer Fachtagung zugetragen worden. Daraufhin habe er sich über diesen erkundigt. Als Herr Nocken dann zur Zeit, als der damalige Innenminister durch Herrn Schuster ersetzt worden sei, nach Thüringen gekommen sei, so der Zeuge, hätten sie ein Gartenfest oder Ähnliches gefeiert und dort habe Herr Nocken „auf alle von der Person her einen sehr netten Eindruck“

gemacht.

Herr Nocken sei ein „gestandener Mann“ im Verfassungsschutz im Hessischen Innenministerium gewesen. Der sei dann eine Zeit lang mitgelaufen und er – der Zeuge – habe den Eindruck gehabt, der könne das bewältigen. Ihm sei es darauf angekommen, gestandene Leute zu haben. Das besagte Ermittlungsverfahren im Fall „Nonne“ sei ihm völlig unbekannt gewesen, sei ihm jetzt völlig neu.”

Nocken war später sogar Vizepräsident des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz (TLfV). Laut seiner unsicheren Erinnerung im U-Ausschuss wurde er das entweder “1997 oder 1998″. In jener Zeit gab es sowohl in der Thüringer Polizei wie auch bei der Staatsanwaltschaft die Vermutung, dass der Geheimdienst seine Informanten vor Strafverfolgung schützt und am spurlosen Verschwinden des künftigen “NSU-Trios” im Februar 1998 unterstützend beteiligt war.

“Nach Angaben von Schultz schickte die Staatsanwaltschaft schließlich einen Brief mit 22 detaillierten Fragen an die LfV-Spitze. Unter anderem habe man wissen wollen, ob der Geheimdienst über Erkenntnisse zum Aufenthaltsort des Trios verfüge oder ob jemand aus dessen Reihen für das LfV arbeite. In der Folge sei ein Vertreter dieser Behörde, nach der Erinnerung des Zeugen möglicherweise der damals amtierende Vizechef Peter Jörg Nocken, in Gera erschienen und habe alle Fragen knapp mit Nein beantwortet. Schultz: „So etwas habe ich nie mehr erlebt.“ (bundestag)

Der Thüringer Untersuchungsausschuss stieß auf ein bis heute gut gehütetes Staatsgeheimnis: Es gab ein “Sicherheitsrisiko” bei Peter Nocken. Der damalige Chef des Verfassungsschutzes Harm Winkler äußerte 1993 im Zuge des Einstellungsverfahrens “Nocken” massive Sicherheitsbedenken: Zum einen gab es die Ermittlungen gegen Nocken im Zuge des Herrhausens-Anschlages. Zum zweiten bestand ein weiteres “schwerwiegendes Sicherheitsrisiko”“das an sich geheim gehalten werden müsse”, er könne es dem U-Ausschuss nicht “preisgeben”.

“(…) sodass entgegen seinen Warnungen Personen in das Amt versetzt wurden, die „verfassungsschutzfremd“ gewesen seien oder gegen die „erhebliche Sicherheitsbedenken“ bestanden hätten. Bei einer dieser Personen habe es sich um Herrn Nocken gehandelt, gegen den zum damaligen Zeitpunkt ein Ermittlungsverfahren der BAnw gelaufen sei. Die im Bericht bezeichneten Anschuldigungen seien ihm bekannt gewesen.
Nachdem er inoffiziell erfahren habe, dass Herr Nocken in das TLfV versetzt werden sollte, ohne dass dies mit ihm besprochen worden sei, habe er den StS Dr. Lippert und den Minister gewarnt und darauf hingewiesen, dass in dessen Person zwei Sicherheitsrisiken vorlägen.
Das eine sei das besagte Ermittlungsverfahren der BAnw gewesen. Das zweite Sicherheitsrisiko wolle er nicht preisgeben, weil das an sich geheim gehalten werden müsse. Es habe sich hierbei jedoch um ein „schwerwiegendes Sicherheitsrisiko“ gehandelt. Er habe dem Minister und dem StS angeboten, sie mündlich zu informieren. Jedoch habe der StS Dr. Lippert ohne irgendeine Reaktion oder Mitteilung an den Zeugen den Herrn Nocken in das TLfV versetzt, dessen Einstellung im Übrigen nicht im Personalkonzept des Zeugen vorgesehen gewesen sei. In Thüringen habe Herr Nocken dieselbe Funktion wahrgenommen wie in Hessen und sei als V-Mann-Führer eingesetzt worden. (…) Zu seiner Zeit habe er keine Hinweise erhalten, dass dieses Verfahren gegen Herrn Nocken abgeschlossen gewesen sei. Das habe er erst später erfahren.”

Der damalige Verfassungsschutzchef Winkler wurde daraufhin 1993 abgelöst und mit einer weiteren umstrittenen Personalie ersetzt: Helmut Roewer!

Die Linke muss sich fragen lassen, ob sie das Spiel der Geheimdienste mitspielt, wenn sie weiter das “Trio” als die Haupttäter der so genannten NSU-Taten propagiert. Es wäre längst an der Zeit, dass die Umstände der sogenannten “Selbstenttarnung des NSU” aufgeklärt werden, unter Mitwirkung der Linken und nicht gegen ihren Widerstand.

http://friedensblick.de/13499/martina-renner-kennt-terror-unter-falscher-flagge-aber-nicht-bei-nsu/

Geheimnisse um einen toten V-Mann – NSU Prozeß

I

Heute mal von der SZ

(Siehe dazu: https://marbec14.wordpress.com/2014/09/21/bundeskriminalamt-manipulierte-nsu-beweise/)

Im Innenausschuss wollen Abgeordnete mehr über den Tod des Neonazis und früheren Verfassungsschutz-Spitzels „Corelli“ erfahren. Nicht einmal der genaue Todeszeitpunkt ist klar. Und auch nicht die Hintergründe einer rätselhaften DVD.

Von Lena Kampf und Tanjev Schultz

Der überraschende Tod des Neonazis und V-Mannes Thomas R. alias „Corelli“ wirft weiterhin Fragen auf. Im Innenausschuss des Bundestags ließen sich die Abgeordneten jetzt über den Stand der Ermittlungen informieren. Corelli lebte zuletzt unter neuem Namen im Landkreis Paderborn, der 39-Jährige wurde am 7. April von Beamten des Bundesamts für Verfassungsschutz tot aufgefunden.

Laut Obduktion war die Todesursache eine Überzuckerung durch eine unerkannte Diabetes-Erkrankung. Der Todeszeitpunkt wird eingegrenzt auf den Zeitraum 4. April bis 7. April, präzisere Angaben gibt es bisher nicht.

Im Ausschuss traten neben drei Chefs des Verfassungsschutzes (des Bundesamts sowie der Landesämter in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern) auch der für die Todesermittlungen zuständige Staatsanwalt und die Polizeipräsidentin von Bielefeld auf.

Wenige Stunden vor seinem Tod hat Thomas R. sich offenbar noch ärztliche Hilfe holen wollen. Eine Auswertung seines Computers zeigte, dass am 4. April in den frühen Morgenstunden, um 4 Uhr 51, im Internet nach Internisten in Paderborn gesucht wurde. Die ihn betreuenden Beamten fanden ihn drei Tagespäter tot auf seinem Bett. Die Leichenstarre soll zu dem Zeitpunkt bereits nachgelassen haben. Eine Fremdeinwirkung wird von den Ermittlern ausgeschlossen.

Thomas R. war ein wichtiger Zeuge im NSU-Verfahren

Thomas R. war ein wichtiger Zeuge im NSU-Verfahren. Sein Name stand auf einer Kontaktliste, die 1998 in Jena gefunden und dem späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos zugeordnet wurde.

Im Frühjahr 2014 tauchte eine DVD auf, die ein anderer V-Mann in Hamburg an den Verfassungsschutz übergeben hat. Auf der DVD ist von einem „Nationalsozialistischen Untergrund“ und der „NSU/NSDAP“ die Rede, sie enthält zahlreiche historische Aufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Bisher ist ungeklärt, ob es eine Verbindung zur Terrorgruppe NSU gibt.

Der V-Mann aus Hamburg will die DVD im Jahr 2006 von Thomas R. alias Corelli bekommen und erst in diesem Jahr beim Aufräumen wiedergefunden haben. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist bei einer Hausdurchsuchung eine ähnliche DVD aufgetaucht.

NSU-Ermittler hatten Thomas R. schon vor Auftauchen der DVDs vernommen, damals leugnete er jede Verbindung zur rechten Terrorgruppe. Er sollte erneut vernommen und zu den DVDs befragt werden, aber die Ermittler kamen zu spät.

Ein aktiver Neonazi und Spitzel

Thomas R. lebte früher in Halle und war ein sehr aktiver Neonazi und Spitzel. Er berichtete dem Geheimdienst unter anderem über eine Ku Klux Klan Gruppe in Baden-Württemberg.

Thomas R. bekam eine neue Identität und zog nach Paderborn, nachdem er im Zuge der NSU-Aufklärung enttarnt worden war. Beamte des Bundesamts kümmerten sich intensiv um ihren Ex-Spitzel. In anderthalb Jahren sollen sie sich 50 Mal mit Thomas R. getroffen haben, von einer Diabetes-Erkrankung haben sie angeblich nichts gewusst.

R. soll nicht oft zum Arzt gegangen sein und sich bei einer Erkältung selbst behandelt haben, heißt es. Ein für den 2. April vereinbartes Treffen mit den Betreuern vom Verfassungsschutz soll er abgesagt haben, per SMS: „Liege flach im Bett.“ Als er dann nicht mehr erreichbar war, schauten die Beamten nach.

Die NSU-Ermittler des BKA haben Handys, die in der Wohnung von R. lagen, ausgewertet. Dabei stieß man auf einen gewissen „Tommy“, der mehrmals zu R. Kontakt vor dessen Tod gehabt haben soll. Im Aktenbestand des NSU tauche diese Person nicht auf, heißt es. Auf eine Vernehmung von „Tommy“ hat man bisher verzichtet.

Funkzellen und Verbindungsdaten wurden abgefragt, aber offenbar nicht ausgewertet, weil ja ein „natürlicher Tod“ festgestellt worden sei. Wieder einmal schieben sich die verschiedenen Behörden die Verantwortung gegenseitig zu – ein Muster, das man aus dem NSU-Fall zur Genüge kennt Maaßen, der Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz sagt, seine Behörde sei „nicht für Todesermittlungen zuständig“. Ungeklärt ist weiterhin, welche Bedeutung die DVD mit dem „NSU“-Kürzel in der rechten Szene hatte.

http://www.sueddeutsche.de/politik/nsu-prozess-geheimnisse-um-einen-toten-v-mann-1.2145835