„Ärzte für Assange“ warnen: WikiLeaks-Gründer wird praktisch zu Tode gefoltert 19.02.2020 • 06:45 Uhr

"Ärzte für Assange" warnen: WikiLeaks-Gründer wird praktisch zu Tode gefoltert

Über 100 Ärzte fordern die britische Regierung in einem Offnen Brief auf, die „psychologische Folter“ von Julian Assange zu beenden und ihn in ein Krankenhaus zu verlegen. Es ist ihr vierter Brief seit der Journalist vor Gericht erschienen ist. Keiner wurde bisher beantwortet.

Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange könnte in einem britischen Gefängnis sterben, nachdem er „effektiv zu Tode gefoltert“ wurde, erklären die „Doctors for Assange“, eine Gruppe von 117 renommieten Ärzten aus 18 Ländern, in einem kürzlich in The Lancet, einer führenden medizinischen Fachzeitschrift, veröffentlichten Brief.

Lichtinstallation vor dem Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, in dem Julian Assange derzeit einsitzt

In dem Brief heißt es, dass Assange dringend medizinische Versorgung benötigt und „langwieriger psychologischer Folter“ ausgesetzt war. Die Gruppe bittet erneut darum, dass er zur medizinischen Beurteilung und Behandlung in ein Universitätskrankenhaus verlegt wird.

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WikiLeaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson hatte zuvor allerdings erklärt, dass sich Assanges Gesundheitszustand verbessert und er nicht länger in Einzelhaft gehalten wird. Hrafnsson sprach vor der Gerichtsverhandlung zum US-Auslieferungsantrag in der nächsten Woche mit Journalisten.

Assanges Gesundheitszustand beunruhigt seine Unterstützer schon seit einiger Zeit.

Nils Melzer, der UN-Sonderberichterstatter über Folter, besuchte Assange im Gefängnis und berichtete, dass der Journalist „alle Symptome zeigte, die für eine längere Aussetzung von psychologischer Folter typisch sind“. In diesem Zusammenhang veröffentlicht er zahlreiche Berichte und Briefe an die Regierungen der USA, Großbritanniens, Schwedens und Ecuadors, die allesamt ignoriert worden. Auch das Auswärtige Amt weigert sich seit Monaten, die Berichte von Melzer zur Lage von Assange auch nur zur Kenntnis zu nehmen:

Zu diesem Zeitpunkt hatte Assange sieben Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in London in einem umgebauten Büro unter ständiger Überwachung verbracht, bevor er nach seiner Verhaftung ins Hochsicherheitsgefängnis von Belmarsh gebracht wurde.

Die Öffentlichkeit bekam Assange zuletzt bei seiner Anhörung zur Fallbearbeitung am 21. Oktober 2019 zu Gesicht. Laut Darlegung der „Ärzte für Assange“ war er zum Termin „blass, untergewichtig, alt und humpelnd“ erschienen und hatte sichtlich Mühe, „sich an grundlegende Informationen zu erinnern, sich auf seine Gedanken zu konzentrieren oder seine Worte zu artikulieren“. Am Ende des Verfahrens sagte der Journalist dem Richter, dass er „nicht verstanden habe, was vor Gericht passiert“ sei.

Mehr zum Thema – UN-Sonderberichterstatter über Folter widerlegt Aussagen des Auswärtigen Amtes zu Assange-Berichten

Der WikiLeaks-Gründer wird von Washington gesucht, weil er laut US-Interpretation „unrechtmäßig mit Hilfe der ehemaligen Geheimdienstanalytikerin Chelsea Manning geheime Dokumente im Zusammenhang mit der nationalen Verteidigung erhalten und offengelegt hat“. Das US-Justizministerium hat den Journalisten in 18 Fällen angeklagt. Ihm droht eine Höchststrafe von 175 Jahren.

Besorgt über das Auslieferungsverfahren und die medizinischen Bedürfnisse des Journalisten, hatte „Ärzte für Assange“ bereits im November 2019 zwei offene Briefe an die britische Regierung verfasst, ohne eine Antwort zu erhalten. Ebenso hatten sie die australische Regierung in einem Offenen Brief gebeten, sich für Assange einzusetzen, da er australischer Staatsbürger ist, aber ebenfalls keine Antwort erhalten.

!! Bitte teilen: Julian Assange aus der Haft entlassen

Julian Assange aus der Haft entlassen

Am 6. Februar stellten Günter Wallraff (Investigativjournalist), Sigmar Gabriel (Bundesaußenminister a.D.), Gerhart Baum (Bundesinnenminister a.D.) und Sevim Dagdelen (MdB) in der Bundespressekonferenz in Berlin den Appell “Julian Assange aus der Haft entlassen” vor, der von weit mehr als 100 Prominenten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Medien unterzeichnet wurde.

Bildergebnis für julian assange

imago images/ZUMA Press

Wir sind in großer Sorge um das Leben des Journalisten und Wikileaks-Gründers Julian Assange, der in kritischem Gesundheitszustand seit über einem halben Jahr im britischen Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in Auslieferungshaft sitzt. Wir unterstützen die Forderung des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen zum Thema Folter, Nils Melzer, nach einer umgehenden Freilassung von Julian Assange, aus medizinischen sowie aus rechtsstaatlichen Gründen.

Von 2012 bis 2019 erhielt Julian Assange in der Botschaft Ecuadors politisches Asyl vor einer drohenden Auslieferung an die USA, wurde jedoch bald auch dort…..

Ärzte fordern dringende medizinische Behandlung, um Julian Assanges Leben zu retten (Video)

Mehr als 65 renommierte Ärzte aus dem Vereinigten Königreich und zahlreichen weiteren Ländern fordern in einem offenen Brief dringende Maßnahmen, um das Leben des inhaftierten WikiLeaks-Gründers und Journalisten Julian Assange zu schützen.

Die Ärzte warnen davor, dass es womöglich schwerwiegende Folgen haben wird, wenn Assange nicht aus dem Gefängnis Belmarsh in ein Universitätsklinikum verlegt wird, wo er von einem erfahrenen medizinischen Team untersucht und behandelt werden könnte.

„Wenn eine so dringende Begutachtung und Behandlung nicht stattfindet“, schreiben sie, „haben wir angesichts der derzeit verfügbaren Anzeichen echte Bedenken, dass Herr Assange im Gefängnis sterben könnte. Die medizinische Situation ist daher dringend. Es gilt keine Zeit zu verlieren.“

Das Schreiben ist an die britische Innenministerin Priti Patel gerichtet, eine Kopie ging an die Schatteninnenministerin der Labour Party, Diane Abbott.

Diese außergewöhnliche Aktion der Ärzte inmitten des britischen Wahlkampfs trifft sich mit dem zunehmenden Widerstand der Bevölkerung gegen die gnadenlose Verfolgung von Assange. Dem in Australien geborenen Journalisten droht die Überstellung an die Vereinigten Staaten und eine 175-jährigen Haftstrafe, weil er Kriegsverbrechen der USA im Irak und in Afghanistan aufgedeckt hat.

Die Initiative zu dem offenen Brief ging von Dr. Stephen Frost aus. Der Spezialist für diagnostische Radiologie begann Ende Oktober, gemeinsam mit Kollegen an dem Schreiben zu arbeiten. Sein Entschluss, aktiv zu werden, wurde durch den Bericht ausgelöst, in dem der ehemalige britische Diplomat Craig Murray Assanges Erscheinen vor dem Westminster Magistrates Court am 21. Oktober beschrieb.

„Ich war schockiert“, erklärte Frost. „Als Arzt wurde mir plötzlich klar, dass es viel schlimmer war, als ich gedacht hatte, und dass ich etwas tun musste.“

Die Unterzeichner erklären ihre Unterstützung für die Befunde des UN-Sonderberichterstatters für Folter, Nils Melzer. Melzer hatte Assange am 9. Mai in Begleitung von zwei medizinischen Experten im Belmarsh-Gefängnis besucht. Sein Team kam zu dem Schluss, dass der WikiLeaks-Gründer nach fast zehn Jahren von willkürlichem Arrest und staatlicher Verfolgung an den Folgen einer langjährigen „seelischen Folter“ litt.

Am 1. November warnte Melzer, dass es Assange das Leben kosten könnte, wenn er weiterhin Willkür und Misshandlung ausgesetzt ist.

Frost bezeichnete Melzers Intervention als entscheidend. „Er tat furchtlos seine Arbeit und wurde nicht beachtet. Aber er war ein Experte auf seinem Gebiet, und wir respektierten seine Einschätzung. Man spürt es, wenn jemand die Wahrheit sagt.“ (Soll Julian Assange außergerichtlich eliminiert werden?)

 

Der offene Brief wurde von erfahrenen Ärzten aus zahlreichen Ländern unterzeichnet. Sie kommen aus dem Vereinigten Königreich sowie aus Schweden, den USA, Australien, Deutschland, Italien und Sri Lanka. Unter ihnen sind führende Psychiater, klinische Psychologen, Neurologen, Chirurgen und Allgemeinmediziner.

„Ärzte haben die berufliche Pflicht, mutmaßliche Folterungen, von denen sie Kenntnis erlangen, zu melden, wo immer sie auftreten“, schreiben die Unterzeichner. „Diese Berufspflicht gilt absolut und muss unabhängig vom Risiko für die berichtenden Ärzte erfüllt werden.“

In dem Brief ist im Einzelnen aufgeführt, in welcher zeitlichen Abfolge sich die Gesundheit Assanges in der ecuadorianischen Botschaft verschlechterte, weil ihm die britische Regierung wiederholt eine Behandlung im Krankenhaus verweigerte. Im Dezember 2015 stellte die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierung fest, dass „sich der Gesundheitszustand von Herrn Assange derart verschlechtert haben könnte, dass alles, was über eine leichte Erkrankung hinausgeht, seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde“.

Die Chronologie von Assanges Erkrankungen endet mit der aktuellen akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustands in Belmarsh. Die Unterzeichner bekunden ihre „ernsthaften Bedenken“ bezüglich Assanges Fähigkeit, an dem geplanten Prozess im Februar 2020 teilzunehmen. Am 24. Februar 2020 sollen wochenlange Anhörungen über eine Auslieferung an die USA beginnen, obwohl sich Assange momentan nach wie vor auf der Krankenstation des Belmarsh-Gefängnisses befindet, die von den Häftlingen als „Höllenstation“ bezeichnet wird.

In einem Nachtrag zum offenen Brief wird auf ein „Klima der Angst und Einschüchterung im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung von Herrn Assange“ hingewiesen. Ein Experte für Psychologie habe beklagt, „dass es viele Schwierigkeiten gegeben habe, Ärzte zu finden, die bereit waren, Herrn Assange in der Botschaft zu untersuchen“. Die Unterzeichner kommen zu dem Schluss: „Dass sich all dies seit vielen Jahren im Herzen von London abspielt, erfüllt viele von uns mit großer Traurigkeit und Scham.“

Mit ihrem offenen Brief machen die Ärzte klar, dass sie sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Sie nehmen ihre berufliche Pflicht ernst und haben Stellung bezogen, um das Leben von Julian Assange zu schützen.

Erklärungen der Unterzeichner

Dr. Stephen Frost, Spezialist für diagnostische Radiologie (Stockholm, Schweden): „Vorrangig müssen wir das Leben von Julian Assange retten, und dann müssen wir seine Gesundheit schützen, zumindest, soweit dies möglich ist. Dann können wir alle darüber diskutieren, wie es dazu gekommen ist, dass nicht weniger als fünf Staaten – Großbritannien, die USA, Australien, Schweden und Ecuador – sich offenbar bewusst und grausam gegen einen Menschen verschworen haben.

Wir stimmen der Einschätzung von Nils Melzer, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, zu, dass Julian Assange ausgerechnet im Zentrum Londons „seelisch gefoltert“ wurde. Wir überlassen es anderen, genau zu ermitteln, wie und warum dies zugelassen wurde.

Menschen auf der ganzen Welt erwarten, dass das Vereinigte Königreich das Richtige tut, wenn auch mit Verspätung. Wenn die britische Regierung die Warnungen der Ärzte missachtet und ihr derzeitiges rücksichtsloses, gefährliches und grausames Verhalten fortsetzt, werden Menschen aus der ganzen Welt zu Recht fordern, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir sagen, dass eine medizinische Notlage besteht, die beendet werden muss. Es gilt keine Zeit zu verlieren. Die Folter muss JETZT aufhören.“

 

Dr. Sue Wareham, Allgemeinmedizinerin im Ruhestand mit der Ehrenauszeichnung OAM (Australien): „Julian Assange hat, wie andere Häftlinge auch, ein Recht auf eine angemessene Gesundheitsversorgung, die ihm jedoch – nach den Erkenntnissen mehrerer erfahrener Beobachter – verweigert wird. Das ist völlig inakzeptabel und ein Hohn auf jede Gerechtigkeit oder auf ein ordentliches Verfahren. Es ist unerlässlich, dass seine körperlichen und seelischen Erkrankungen umfassend und rechtzeitig medizinisch behandelt werden.

Viele Australier sind beunruhigt darüber, dass unsere Regierung Julian Assange offenbar im Stich lässt, was angesichts der Verschlechterung seines Gesundheitszustands umso beschämender ist. Es scheint, dass die Regierung mutmaßliche Kriegsverbrechen, zu deren Aufdeckung Assange beigetragen hat, lieber vertuschen als untersuchen möchte.

Vor ein Gericht gehören diejenigen, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden oder die daran beteiligt waren, und nicht diejenigen, die Beweise dafür lieferten. Da die australische und andere Regierungen über die katastrophalen Kriege und andere Schandtaten lügen, an denen sich unsere Nation beteiligt, und die ‚nationale Sicherheit‘ als Standard-Vorwand für staatliche Geheimhaltung vorschieben, verlassen sich einfache Bürger zunehmend auf Whistleblower, um die Wahrheiten zu erfahren, auf die die Öffentlichkeit ein Recht hat. Whistleblower gehören geschützt und nicht bestraft.“

Professor Andrew Samuels, Professor für analytische Psychologie, University of Essex (seit Kurzem im Ruhestand); ehemaliger Vorsitzender des UK Council for Psychotherapy (2009-2012) (UK): „Psychotherapeuten wie ich, die mit Menschen arbeiten, die politisch traumatisiert wurden, wissen sehr gut, dass eine kollektive, staatliche, diffamierende, verletzende, isolierende Schädigung der persönlichen Würde – ebenso wie körperliche Folter – das Selbstvertrauen und das körperliche Wohlbefinden untergraben.

Man stelle sich vor, wie es für Assange ist, zu glauben, dass er von aller Welt als böser Mensch betrachtet wird, der aus der Menschheit ausgestoßen wurde. Allein das Wissen, dass ihm im Gegenteil eine informierte und fundierte Unterstützung und Verständnis von psychologischen Fachkräften und anderen zuteilwird, wirkt an sich schon therapeutisch.“

Dr. Lissa Johnson, klinische Psychologin (Australien): „Die Lage ist so, dass nicht nur die gesundheitlichen Folgen der Haftbedingungen von Assange schwerwiegende Fragen aufwerfen, sondern auch seine gesundheitliche Tauglichkeit, vor Gericht zu stehen und seine Verteidigung in die Hand zu nehmen, infrage steht. Daher ist eine unabhängige fachärztliche Begutachtung erforderlich, um festzustellen, ob Julian Assange gesundheitlich zu diesem anhängigen Gerichtsverfahren fähig ist.

 

Die britische Regierung muss entsprechend ihrer Verpflichtung auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit die dringende Warnung von medizinischen Fachkräften aus der ganzen Welt beachten und Julian Assange in ein entsprechend spezialisiertes und kompetentes Krankenhaus verlegen, bevor es zu spät ist.

Die Unterzeichner dieses offenen Briefes lassen sich nicht zum Schweigen bringen und beziehen offen Stellung aufseiten der zahlreichen renommierten Vertreter der Medizin und der Menschenrechte, die wiederholt und dringend gefordert haben, die gefährliche medizinische Vernachlässigung von Julian Assange zu beenden.“ (UN-Sonderberichterstatter beklagt Folter: Assange vor Gericht)

Literatur:

Propaganda als Machtinstrument: Fakten, Fakes und Strategien. Eine Gebrauchsanleitung

Bewußtseins- und Gedankenkontrolle

Die Macht um acht: Der Faktor Tagesschau (Neue Kleine Bibliothek)

Die Gefallsüchtigen: Gegen Konformismus in den Medien und Populismus in der Politik

Video:

Am 15. Oktober hatte der UN-Sonderberichterstatter über Folter öffentlich erklärt, dass Julian Assange von den USA und Großbritannien psychologisch gefoltert wird. Seit Wochen gibt die Bundesregierung vor, keine Kenntnis zu haben.

Hoffnungsschimmer für Julian Assange? – Richterin hat geheimdienstliche Interessenskonflikte

Die Richterin, die Assanges Auslieferungsverfahren leitet, steckt bis zum Hals in einem Interessenskonflikt aus familiären und finanziellen Abhängigkeiten, nämlich von genau jenen Geheimdiensten, die die Auslieferung des Whistleblowers an die USA vorantreiben.

von Rainer Rupp

Emma Louise Arbuthnot, geborene Broadbent, heute Lady Arbuthnot of Edrom, die Oberste Richterin von Westminster, wo sie auch das Auslieferungsverfahren gegen den in Großbritannien inhaftierten australischen Journalisten und WikiLeaks-Gründer Julian Assange leitet, wird wegen eines schwerwiegenden “Interessenkonflikts” und folglich wegen Befangenheit diesen Fall abgeben müssen. Das jedenfalls hat die Anwältin von WikiLeaks, Jen Robinson, am Freitag letzter Woche bei einer Veranstaltung in Sydney, Australien…..

 

Assanges Richterin vom Fall abgezogen, nachdem militärisch/geheimdienstliche Interessenskonflikte bekannt wurden

Lady Emma Arbuthnot, die Chefrichterin am Westminster-Gericht, die in einen Interessenskonflikt verwickelt ist, wird nicht länger den Vorsitz über das Auslieferungsverfahren des inhaftierten WikiLeaks-Herausgebers Julian Assange führen. Das sagte die WikiLeaks-Anwältin Jen Robinson am Freitag Abend auf einer Konferenz in Sydney.

„Ja, es gab einige Kontroversen über ihren Vorsitz in dem Verfahren, sagte Robinson.

„Sie wird in diesem Fall nicht länger den Vorsitz haben.“

(Anm.d.Ü.: Hier die Vorgeschichte der Richterin, u.a. zur Causa „Uber“ und Assange. Craig Murray bezeichnete am 14. Februar….

Kriminelle Propaganda

In einem ARD-„Tatort“ wird WikiLeaks diffamiert.

Kriminelle Propaganda

Wie kann eine Krimiserie für den Neoliberalismus und gegen WikiLeaks trommeln? Der französische Soziologe Luc Boltanski thematisierte nicht ohne Grund den Krimi als ideologisches Konstrukt des bürgerlichen Nationalstaats.

Ein Schuss, ein Schrei und „Alles Weitere nach der Obduktion“, so gehen TV-Kommissare allabendlich auf Mörderjagd. Eine wahre Institution im deutschsprachigen Fernsehen ist die „Tatort“-Reihe am Sonntag nach der Tagesschau. Deren letzte Folge „Elefant im Raum“ war unfreiwillig selbstentlarvend, fast komisch. Thema waren unabhängige Politblogs, mit Verweis auf WikiLeaks. Die Darstellung war tendenziös und sollte die Zuschauer offensichtlich gegen Politblogs einnehmen: Der Chef des fiktiven Blogs „Veritas“ (Wahrheit) wird als pomadig, sensationslüstern und arrogant inszeniert. Rücksichtslos publiziert er alles, was ihm im Netz anonym zugespielt wird, ist frech zum Kommissar und beruft sich lauthals auf die Pressefreiheit, wenn ihm der wackere Polizist Ohrfeigen und Kinnhaken verpasst.

Aus Sicht des Krimis geschieht Polizeigewalt gegen Journalisten meist völlig zu Recht, denn bei Mordermittlungen muss ja alles erlaubt sein. Der Kommissar bleibt der Held und wenn er mal wegen Kompetenzüberschreitung vom Dienst suspendiert wird, leidet der Krimifan mit ihm.

Kämpft der Kommissar nicht gegen das Böse und für uns alle? Aber sicher doch. Dabei wurden jetzt sogar die feuchtesten Träume der korrupten Machtelite wahr, wenn in der Filmhandlung ein kritischer Enthüllungsjournalist, der just miese Rüstungsgeschäfte aufdecken wollte, vorher von einem aufgehetzten Paranoiden attackiert wird. Vom wem aufgehetzt? Von einem kritischen Politblog. Genau wie im „richtigen“ Mainstream-Medienleben blieben im Krimi die nebenbei enthüllten Finanzschiebereien in karibischen Steuerparadiesen nahezu folgenlos.

Wo unsere Medienelite mit ihren famosen „Recherche-Netzwerken“ in Panama-Papers und Co elitäre Schweinereien aufdeckt, bleibt nachhaltige Kritik an den Herrschenden aus: Täglich grüßt bei ARD und Bertelsmann das Murmeltier der Migrationsgefahr die skandalöse AfD. Täglich jagt man dort der immer größer werdenden rechten Hälfte der Bevölkerung Angst vor den Fremden ein, der schrumpfenden „besseren“ Hälfte Angst vor der AfD, also vor den „Populisten“. Und die Populisten, das bleibt dabei kaum je unerwähnt, lauern immer an beiden Extremen, rechts wie links. Besonders lauert die Gefahr links, wo linksextreme Populisten eine gerechte Reichtumsverteilung fordern.

Die grundlegenden Strukturprobleme von Macht und Finanzwelt, von ausbeuterischer Reichtumsanhäufung und prekärer Verelendung, werden so systematisch ausgeblendet und auf einzelne Skandale, am besten fern in Panama, reduziert. Würden unsere Medien eine Kampagne gegen Steueroasen so hartnäckig führen wie jene gegen Julian Assange und WikiLeaks, sie wären längst trocken gelegt und das Schattenbank-Unwesen reguliert. In der Schweiz ärgerte die Geldelite sich ja besonders über WikiLeaks-Enthüllungen zur mächtigen Traditionsbank Julius Bär.

Neoliberalismus-Propaganda im Sonntagskrimi

Die konservative Sichtweise des Tatort-Drehbuchs basiert vermutlich auch auf einer unbewussten (?) ideologischen Parteinahme für den Neoliberalismus. Hätten die Drehbuch-Autoren nur gelesen, was der französische Soziologe Luc Boltanski in seinem inspirierenden Werk „Rätsel und Komplotte: Kriminalliteratur, Paranoia, moderne Gesellschaft“ (1) geschrieben hat. Der Krimi als Literaturformat entstand laut Boltanski mit dem Niedergang von Kirche und Adel, mit dem Aufstieg der bürgerlichen Nationalstaaten. Der Krimi ist heute ein wichtiges Ritual zur Feier einer neuen Religion des Nationalstaats: Der „Tatort“ als Ersatz für das Abendgebet. Der Staat, nicht mehr König und Kirche, sorgt heute für den Sinnzusammenhalt der Realität.

Bitte hier weiter lesen:

https://www.rubikon.news/artikel/kriminelle-propaganda

Hunderte demonstrieren vor dem Amtsgericht Westminster für Julian Assanges Freilassung

Von Richard Tyler
24. Oktober 2019

Am Montag versammelten sich etwa 200 Demonstranten vor dem Amtsgericht Westminster in London, um gegen die Auslieferung von WikiLeaks-Gründer Julian Assange an die USA zu protestieren. In den USA drohen ihm 175 Jahre Haft wegen Spionage.

Die Anhörung war erst der dritte öffentliche Auftritt von Assange, seit er im April von der britischen Polizei rechtswidrig in der ecuadorianischen Botschaft verhaftet wurde, die ihm bis dahin Asyl gewährt hatte. Sie diente der Vorbereitung für die Hauptanhörung zur Auslieferung im Februar 2020.

John Pilger spricht vor dem Gerichtsgebäude

Die Demonstration wurde vom Julian Assange Defence Committee organisiert und von der Socialist Equality Party (SEP) unterstützt. Neben Teilnehmern aus ganz Großbritannien waren auch Dutzende von „Gelbwesten“-Aktivisten aus Frankreich angereist.

Ab neun Uhr morgens forderten die Demonstranten lautstark: „Freiheit für Julian Assange!“ und „Es gibt nur eine Entscheidung: keine Auslieferung!“ Andere Unterstützer standen Schlange, um der Anhörung beizuwohnen. Die Polizei, die teilweise in Zivil auftrat, provozierte mit dem Versuch, die Demonstranten in einem winzigen umzäunten Bereich zusammenzupferchen. Im Verlauf der Demonstration drohte ein Beamter mit dem Einsatz der Tactical Support Group, einer Sondereinheit der Polizei, falls sich die Demonstranten nicht in den Bereich hinter die Absperrungen begeben. Obwohl sich alle weigerten, entschied sich die Polizei dagegen, vor so vielen Journalisten und unabhängigen Medienvertretern einen Zusammenstoß zu riskieren.

Chris Marsden fordert vor dem Amtsgericht von Westminster Freiheit für Julian Assange

Einer der ersten, der während einer kurzen Pause mit Neuigkeiten aus dem Gericht kam, war der ehemalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone. Auf die Frage nach Assanges Schicksal antwortete er: „Er hat den Leuten ermöglicht, die Wahrheit zu erfahren. Wir wurden unser ganzes Leben lang angelogen, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Amerika hat uns immer wieder betrogen, zum Beispiel beim Vietnamkrieg, der 3,8 Millionen vietnamesische Todesopfer gefordert hat. Sie verteidigen nur die Interessen der amerikanischen Wirtschaft. Sie sollten ihn freilassen.“

Nach mehr als zwei Stunden kam Emmy Butlin vom Julian Assange Defence Committee aus dem Gebäude, um zu erklären, was im Gericht passiert war. Sie schilderte, sichtlich aufgebracht: „Julian Assanges Gesundheitszustand verschlechtert sich täglich. Was macht er da drin? Warum foltern sie ihn? Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich vor unseren Augen. Dieses Unrecht darf nicht vor unseren Augen passieren. Wir werden ihn verlieren.“

Emmy erklärte, Richterin Vanessa Baraitser habe einen Antrag auf einen dreimonatigen Aufschub abgelehnt. Sie habe außerdem vorgeschlagen, die Anhörung im Februar sollte im Amtsgericht von Belmarsh stattfinden, wo es nur fünf Zuschauerplätze gibt. Auf diese Nachricht reagierten die Demonstranten mit dem Ruf „Schande! Schande!“

Emmy forderte: „WikiLeaks hat die Öffentlichkeit mit Informationen versorgt, mit wahren Informationen, und diese Richterin will uns fünf Plätze geben. Das ist inakzeptabel. Wehrt euch sofort!“

Emmy Butlin vom Julian Assange Defence Committee unterrichtet Demonstranten über die Vorgänge im GerichtGegenüber der WSWS erklärte Emmy, Assange habe im Gericht „abgemagert, wie ein Geist“ ausgesehen. Er habe „mit ruhiger Stimme erklärt, ein ganzer Staat wolle ihn vernichten. Er fing an, über seine Haftbedingungen zu reden, und die Richterin sagte nur: ,Ihre Haftbedingungen sind nicht Gegenstand dieser Verhandlung.‘“

Sie schilderte, dass eine spanische Sicherheitsfirma Assange im Auftrag der CIA in der ecuadorianischen Botschaft ausgespäht hat und erklärte, die USA hätten auf diese Weise „Aufzeichnungen über seinen Gesundheitszustand und über Unterhaltungen mit seinen Anwälten erhalten. Die Verteidigung hat wegen des Gerichtsverfahrens über diese Angelegenheit in Spanien um mehr Zeit gebeten.“

Weiter erklärte sie, die Kommunikation zwischen Julian und seinen Anwälten sei „erheblich beeinträchtigt, weil er keinen Laptop hat und nicht mit ihnen kommunizieren kann. Sie schicken ihm Sachen mit der normalen Post. Das dauert ewig, manchmal wird es nicht rechtzeitig geliefert. Was die Arbeit der Verteidigungsanwälte angeht, gibt es also ernsthafte Probleme mit Verzögerungen. Aber die Richterin hat eine Verlängerung abgelehnt und gesagt: ,Oh nein, Sie haben genug Zeit!‘“

Der nationale Sekretär der britischen Socialist Equality Party, Chris Marsden, erklärte in seiner Rede vor den Demonstranten: „Über dem Eingang dieses Gerichtsgebäudes steht: Dieu et Mon Droit – Gott und mein Recht! Daneben steht auch: gegründet 2011. Das ist das letzte Jahr, in dem Assange in Freiheit lebte.

Einige der etwa 100 Gelbwesten-Demonstranten, die zur Unterstützung von Assange angereist waren

Sie haben kein Recht, das zu tun, was sie tun. Wir sind im Recht. Die Verteidiger von Julian Assange, die Gegner der imperialistischen Kriege und der imperialistischen Kriegsverbrechen sind im Recht…

Alle hier Anwesenden haben das Recht auf ihrer Seite – gegen ein Komplott, eine Verschwörung und ein kriminelles Justizsystem, das Whistleblower – Gegner von Krieg, Kolonialismus und Verbrechen im industriellen Maßstab, die Millionen Menschenleben gefordert haben – zum Schweigen bringen will.

Das ist ihr Gericht. Unser Gericht ist das Gericht der internationalen öffentlichen Meinung! Überall wächst das Bewusstsein über die Schwere des Verbrechens, das an Julian Assange verübt wird. Wir wollen, dass die Arbeiterklasse einen Mann verteidigt, dessen Freiheit von größter Bedeutung für alle Männer, Frauen und Kinder auf der ganzen Welt ist… Wir werden diesen betrügerischen Prozess wegen fingierter Vorwürfe nicht akzeptieren – 175 Jahre wegen Spionage, obwohl sein einziges Verbrechen war, Journalismus auszuüben!

Wir sind hier, um dagegen Widerstand zu leisten. Und wir repräsentieren Millionen Menschen. Sie repräsentieren nichts… Ein verkommenes, schmutziges, korruptes System, das einen Unschuldigen ins Gefängnis bringen will.“

Er versprach: „Wir werden nicht nachgeben, bis Julian Assange, Chelsea Manning und alle anderen heldenhaften Whistleblower frei sind, die sich den Verbrechen an der Weltbevölkerung widersetzt haben.“

WikiLeaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson und der preisgekrönte Journalist John Pilger sprachen ebenfalls zu den Demonstranten.

Hrafnsson erklärte, es sei ein „weiterer enttäuschender Tag im Gericht gewesen“, weil die Richterin den Antrag auf mehr Vorbereitungszeit für die Verteidigung zurückgewiesen hat. „Julian selbst hat gesagt, eine Supermacht hat zehn Jahre lang Zeit gehabt, um das Verfahren gegen ihn vorzubereiten. Und er saß in den letzten sechs Monaten in Belmarsh ohne Zugang zu juristischen Dokumenten und hatte nicht mal einen Computer… Wie soll das fair sein? Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Es ist überhaupt nicht fair.“

Weiter erklärte er, Assanges Anwälte hätten die Einstellung des Verfahrens gefordert, weil es in einem bilateralen Vertrag zwischen den USA und Großbritannien „im Prinzip heißt, dass man niemanden wegen eines politischen Vergehens ausliefern kann – und genau das passiert hier. Das Verfahren hätte schon vor langer Zeit eingestellt werden müssen – hier findet ein Prozess gegen den Journalismus statt, und dagegen muss man kämpfen!“

Pilger erzählte, Julian Assanges Stimme sei „so schwach gewesen, dass wir ihn kaum hören konnten. Er hörte sich fast wie ein anderer Mensch an. Das haben die Jahre in der Botschaft und die monatelange Haft in Belmarsh aus ihm gemacht.“

Demonstranten vor dem Amtsgericht Westminster

Er bezeichnete das Verfahren als „groteske Absurdität“, da das Auslieferungsabkommen zwischen Großbritannien und den USA angeblich Auslieferungen „wegen politischer Vergehen“ verbietet. Im Fall von Assange sind die Vergehen „rechtlich gesehen politisch. Das ist kein Agitprop und keine Meinung – sie sind politisch.“

Weiter erklärte er, Assange werde im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh „schlimmer als ein Mörder behandelt. Mörder dürfen Kontakt zu anderen Häftlingen haben, Julian nicht.“ Die Behörden halten ihn nahezu in Einzelhaft. „Das ist ein bewusstes Vorgehen, und dahinter steht ein Schurkenstaat – ein Staat, der seine eigenen und internationale Gesetze ignoriert.“

Die britische Socialist Equality Party übertrug einen Livestream von der Protestveranstaltung auf ihrer Facebook-Seite, der von Besuchern aus der ganzen Welt verfolgt wurde.

Nach der Demonstration fasste Chris Marsden die Erfahrungen des Tages und die Lehren zusammen: „Das war eindeutig eine Fortsetzung der Versuche, Julian Assange in die USA abzuschieben, wo ihm 175 Jahre Haft wegen Spionage drohen… Wenn es nach der britischen herrschenden Klasse und ihrem Justizapparat geht, gibt es in diesem Schauprozess nur ein mögliches Urteil: Assange wird an Amerika ausgeliefert und für immer zum Schweigen gebracht.“

https://www.wsws.org

RT-Exklusiv: Aufnahmen von Assange kurz vor Gerichtstermin in London

RT-Exklusiv: Aufnahmen von Assange kurz vor Gerichtstermin in London

RT-Exklusive: Wikileaks-Gründer Assange kommt im Auslieferungsverfahren vor Gericht in London
Der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks Julian Assange ist am Montag vor einem Londoner Gericht zu einer Anhörung erschienen, in der es um das Auslieferungsersuchen der Vereinigten Staaten ging. Dort werden ihm diverse Fälle von Spionage und Geheimnisverrat zur Last gelegt.

Dutzende Menschen versammelten sich vor dem Gebäude des Westminster Magistrates Court, um ihre Unterstützung für Assange zu zeigen.

Der gebürtige Australier befindet sich derzeit wegen Verletzung von Kautionsauflagen im britischen Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Im Falle seiner Auslieferung drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft. Viele seiner Unterstützer und Freunde bezweifeln, dass er in den USA einen fairen Prozess bekommt.

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