Unser schönes Deutschland – Der Naumburger Dom

Historische Ansicht, um 1910/20

Krypta
Stifterfiguren Ekkehard II. und Uta )https://de.wikipedia.org

Der Naumburger Dom St. Peter und Paul in Naumburg (Saale) ist die ehemalige Kathedrale des Bistums Naumburg. Der bestehende Dom stammt größtenteils aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Er gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Spätromanik in Deutschland und ist daher eine Station an der Straße der Romanik.

Heute wird der Dom von einer Stiftung verwaltet – den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und zum Kollegiatsstift Zeitz.

Geschichte

Der Naumburger Dom entstand mit der Verlegung des Bistums aus seinem Ursprungsort Zeitz nach Naumburg im Jahr 1028. Nahe an der slawischen Grenze gelegen, sollte der Sitz des Bistums in der modernen Naumburger Burg der Ekkehardinger vor Angriffen geschützt sein. Außerdem konnte die großzügig geplante Missionierungsarbeit in Richtung der slawischen Länder von dort ausgehend organisiert werden. Kurze Zeit nach der Bischofssitzverlegung wurde östlich der Burg der Bau eines ersten frühromanischen Domes begonnen.

Der erste frühromanische Dom

Der mit der Verlegung des Bistums begonnene frühromanische Dom wurde in knapp 20 Jahren komplett erbaut und vermutlich im Jahr 1042 eingeweiht. Wie im vorhergehenden Bistum Zeitz wurde auch der neue Naumburger Dom den Heiligen Peter und Paul geweiht. Er stand in der ursprünglichen Bauweise etwa 200 Jahre. Davon blieb er in de ersten 100 Jahren in seiner Gestalt und Größe unverändert. Unter Bischof Udo I. dann begann man einen umfassenden Umbau, dessen Hauptunternehmen der Einbau einer hochromanischen Krypta unter dem Ostchor war. Sie wurde 1170 gebaut und als einziger Bauteil in den heutigen, spätromanisch- gotischen Dom übernommen.

Der erste Naumburger Dom war als dreischiffige, kreuzförmige Basilika gebaut. Zu ihr gehörten ein durchlaufendes Querhaus im Osten, ein Hauptchor und zwei Nebenapsiden. Die Fundamente der Anlage sind weitgehend noch bis in die Gegenwart erhalten. Neben dem ersten Dom befand sich die Stiftskirche der Ekkehardinger. Sowohl Dom als auch Stiftskirche der Familie wurden im 13. Jahrhundert abgetragen, um an ihrem Ort den spätromanisch-gotischen Dom zu errichten.

Reglindis, Statue im Naumburger Dom (2007) https://de.wikipedia.org

Der spätromanisch-gotische Dom

Unter dem Naumburger Bischof Engelhard (1207-1242) begann man etwa um 1210 mit dem Neubau des viertürmigen Doms, an dessen Endpunkt er in seiner heutigen Art fertig stand. Vom Vorgängerdom übernahm man die Krypta und Teile des Fundamentes, von der Stiftskirche die beiden Turmwände. Im Jahre 1242 wurden das das fertige Lang- und Querhaus, der Ostchor, die beiden Osttürme und die Unterbauten für die Westtürme eingeweiht. Im Jahr 1250 wurden der Kreuzgang und die Klausur vollendet. Zuletzt begann man mit dem Bau des Westchors, vermutlich kurz nach 1249. Insgesamt dauerte der Bau des Domes über ein Jahrhundert. Der sich in diesem Jahrhundert vom romanischen zum gotischen verändernde künstlerische Stil ist deswegen vom Betrachter an ihm auszumachen.

Naumburger Meister

Weltbekannt ist der Naumburger Dom vor allem durch die Arbeiten des Naumburger Meisters, eines namentlich unbekannten Architekten und Steinbildhauers des Mittelalters. In Naumburg war er für die Planung, Ausstattung und Ausführung des Westchores verantwortlich und verband dort Architektur, Plastik und Glasmalerei. Bei den Arbeiten im Naumburger Dom kann man von dem Hauptwerk dieses Steinbildhauers sprechen, wovon sich auch die Namensgebung des Meisters ableitet. Besonders erwähnenswert sind die Reliefs zur Passionsgeschichte am Westlettner und die zwölf lebensgroßen Stifterfiguren im Westchor.

Bauliche Besonderheiten

Der gotische Westlettner

Obwohl der Ostlettner des Naumburger Doms der älteste uns in dieser Qualität und Gänze erhaltene mittelalterliche Lettner ist, ist sein Westlettner in seiner künstlerischen Gestaltung besonders erwähnenswert. Er bildet die Verbindung zwischen Langhaus und Westchor und schließt, wie auch sein Gegenstück im Osten, den hinter ihm liegenden Chorraum als Pforte von der Gemeindekirche ab. Als sichtbare Kirchenfassade betont er so den besonderen Status des Westchors als eigenständige Kirche. Diesen auf den Fundamenten der alten Stiftskirche erbauten Westchor durften zunächst nur Geistliche der älteren Stiftskirche benutzen. Der Westlettner des Naumburger Domes ist in seinem Aufbau und den verwendeten Schmuckformen der kostbarste der Lettner des Mittelalters. Die hervorzuhebenden Merkmale des Lettners sind – neben den akkuraten und naturgetreuen Blattornamenten, von denen an jedem die Art der Pflanze konkret und bestimmbar ist – die Kreuzigungsgruppe als Eingang zum Chor und ein Relief, das die Passionsgeschichte darstellt. Ob sie von dem gleichen Naumburger Meister stammen, dessen Werk auch die Gestaltung der Stifterfiguren des Westchors ist, ist nicht abschließend geklärt. Die beiden letzten Szenen der Passion, die Geißelung und Kreuzigung, sind nach altem Vorbild gearbeitete barocke Ergänzungen aus Holz. Besonders betont ist innerhalb der Passion die Rolle von Petrus, dem Schutzpatron der Kathedrale. Als Schlusspunkt der Passion steht die Kreuzigungsgruppe. Der Kreuzstamm ist gleichzeitig Mittelpfosten des Portals in den Westchor, der Türsturz ist der Kreuzbalken. Die Aufstellung der Kreuzigungsgruppe im Lettner ist für die damalige Zeit ungewöhnlich, hingen bis dahin übliche Triumphkreuze hoch über Lettner und Chorschranke. Die Kreuzigungsgruppe im namburger Dom verbindet so in sich die drei Funktionen des Triumphkreuzes, Laienaltars und der Pforte, indem die Besucher unter den Armen Jesu hindurch in den Westchor eintreten. Zu Füßen Jesu stehen Maria und Johannes an den Seiten des Portals. Ihr Leid im Augenblick der Kreuzigung zeigt sich lebendig nachempfunden in ihren Gesichtern und Haltungen. Die Passion Christi wird in dem Naumburger Relief und der Kreuzigungsgruppe als Lebensweg eines Menschen dargestellt und Interpretiert. Es ist zu dem Betrachter keine Herrschaftliche Distanz, in der Christus allein als Messias betont würde.

Der frühgotische Westchor

Der unter dem Einfluss der französischen Gotik erbaute Westchor des Naumburger Doms ersetzt die einstige Stiftskirche der Ekkehardinger. Nach einer erhalten gebliebene Urkunde von 1249 rief der Bischof Dietrich II. von Wettin alle Gläubigen dazu auf, das von den ersten Stiftern begonnene Werk mithilfe von Spenden fortzusetzen. Bis ca. 1260 entstand der Chor. Sein Raum ist zweiteilig gegliedert: der Vorraum quadratisch mit sechsteiligem Gewölbe; im Chorschluss aus den 5 Seiten eines Achtecks. Das Licht fällt ein zwischen gotisch schmale, hohe Fenster. Drei davon bestehen noch zu großen Teilen aus den Scheiben der Erbauungszeit. Die Bilder erzählen von Tod und Gericht, Tugend und Lastern. Die Arbeiten am Westchor fanden unter der Leitung des Baumeisters und Bildhauers statt, der für sie als Naumburger Meister in die Kunstgeschichte einging. Der Westchor galt als selbständige Kirche und ist der heiligen Maria geweiht.Die in ihm befindlichen 12 Stifterfiguren gelten seit den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts als Inbegriff mittelalterlicher Kunst.

Geläut

Am 24. Dezember 2005 lauschten tausende Naumburger dem erstmals nach über 30 Jahren wieder zu hörenden Festgeläut des Domes. Zuvor hatte der Dechant der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegialstifts Zeitz, Georg Graf von Zech-Burkersroda, die Gäste begrüßt und allen gedankt, die mit großen und kleinen Spenden zur Sanierung des Geläuts und zur Installation einer elektrischen Läutevorrichtung beigetragen hatten.

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Glasmalerei

Die Ausstattung des Naumburger Doms ist im Hinblick auf Alter und Qualität der Glasmalereien von höchster Bedeutung. Neben den wertvollen aus dem 13. Jahrhundert noch erhaltenen Glasfenstern des Westchors, finden sich Fenster aus dem 14. und 15. Jahrhundert im Ostchor des Domes. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden in beiden Chören sowie im Langhaus Ergänzungen und Neuschöpfungen eingebracht, so das nun eine unglaubliche Vielfalt der Glasmalkunst betrachte werden kann. Im Jahr 2007 gestaltete Neo Rauch die vier Fenster der Elisabethkapelle im Nordwest-Turm des Domes neu.

Elisabeth-Kapelle

Neo Rauchs Entwürfe für die Glasfenster der Elisabeth-Kapelle

Die Elisabeth-Kapelle, ein quadratischer Raum im Erdgeschoss des Nordwestturmes, entstand im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts und ist der Heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht. Die Kapelle ziert aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Die Elisabeth-Kapelle ist 2007 anlässlich des 800. Geburtstags Elisabeths wieder zugänglich gemacht worden und dient als „Raum der Stille“. Sie enthält neben einem Altar eine die wohl älteste Steinplastik der Heiligen Elisabeth (von um 1235) und drei Glasfenster, die 2007 von dem bekannten Maler Neo Rauch gestaltet wurden. Die drei Fenster zeigen idealisierte Szenen aus dem Leben Elisabeths: Elisabeths Verabschiedung von ihrem Mann vor dem Aufbruch zum Kreuzzug, Kleiderspende an Bedürftige und Pflege von Kranken betitelt.

Die ungewohnte Darstellung des Wirkens der Heiligen Elisabeth, die als demütige Hilfe für die Opfer und als Beschwörung der Soldaten in den Wirren und Grausamkeiten moderner Kriege gesehen werden kann, überzeugte die Stiftung für Bibel und Kultur. Sie zeichnete Neo Rauch mit dem Stiftungspreis 2010 aus. „Seine künstlerische Gestaltung weicht in ihrer Konkretheit nicht aus, sondern betont besonders die soziale Dimension der Gestalt Elisabeths. Die eindrücklichen Szenen aus dem Leben der Heiligen hebt Rauch ins Zeitlose und Gegenwärtige“, lautete die Begründung. Die Kapelle sei „durch die Figur Elisabeths und durch Neo Rauchs künstlerische Gestaltung ein Ort für das deutsche und europäische Bewusstsein“.

Landesausstellung

Dem Naumburger Meister war 2011 eine umfassende Ausstellung gewidmet:

Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen
Landesausstellung Sachsen-Anhalt
29. Juni bis 2. November 2011 in Naumburg (Saale)

Liste der Domprediger

Erster Domprediger

sachsen-anhalt-wiki.de

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