Warum sind Russland und China (und der Iran) vorrangige Feinde der herrschenden Elite der Vereinigten Staaten von Amerika?

John V. Walsh

Ist es nicht merkwürdig, dass die vorrangigen Feinde der Vereinigten Staaten von Amerika noch immer Russland und China sind, obwohl der Kalte Krieg schon lange vorbei ist? Das ist eine gute Frage, über die man angesichts Vladimir Putins Besuch bei Xi Jinping in Peking nachdenken sollte.

Es besteht kein Zweifel, dass Russland und China in den Augen der imperialen Elite der Vereinigten Staaten von Amerika diesen Paria-Status innehaben. In den letzten Monaten haben wir gesehen, wie die Vereinigten Staaten von Amerika versucht haben, Russland nach Osten zu stoßen und auseinanderzureißen. Zur gleichen Zeit durchquerte Obama Ostasien und versuchte, eine antichinesische militärische und wirtschaftliche Allianz im Westpazifik mit Japan als Angelpunkt zusammenzuheften. Es fällt in der Tat ins Auge, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich mit Neonazismus in der Ukraine und japanischem Militarismus am anderen Ende Asiens verbündet haben. Das geschieht trotz der beträchtlichen Änderungen, die sowohl in Russland als auch in China stattgefunden haben, wobei keiner von den beiden noch behaupten würde, an einem antikapitalistischen Kreuzzug interessiert zu sein. Das einzige Land, das ihnen bezüglich der Schmach nahekommt, mit der sie vom Westen überhäuft werden, ist der Iran. Warum bleiben diese Länder, besonders Russland und China, die Feinde des Westens? Da der Kampf gegen den Kommunismus sowjetischer Prägung lange vorbei ist, ist der Grund dafür sicher kein ideologischer.

Dieses Rätsel findet seine Antwort in einer Andeutung Jean Bricmonts in seinem Buch Humanitarian Imperialism (Humanitärer Imperialismus). Er beobachtet, dass die Hauptströmung der politischen Entwicklung in den letzten 100 Jahren nicht die Niederlage des Faschismus oder der Fall des Kommunismus sowjetischer Prägung war, sondern der Kampf gegen den Kolonialismus des Westens. Und dieser Kampf ist bei weitem nicht vorbei, denn der größte Teil der Welt unterliegt nach wie vor der totalen oder teilweisen Beherrschung durch den Westen, ein Zustand, den Sartre und Nkrumah als Neokolonialismus bezeichneten. Die kolonialisierten Völker der Welt, die überwältigende Mehrheit der Menschen leben noch immer unter den schlechtesten materiellen Bedingungen. Ursprünglich beschrieb Nkrumah den Neokolonialismus folgendermaßen:

Das Ergebnis des Neokolonialismus ist, dass ausländisches Kapital für Ausbeutung benutzt wird statt für die Entwicklung der weniger entwickelten Teile der Welt. Investitionen steigern unter dem Neokolonialismus die Kluft zwischen den reichen und den armen Ländern der Welt, anstatt sie zu schmälern. Der Kampf gegen Neokolonialismus richtet sich nicht gegen den Ausschluss des Kapitals der entwickelten Welt vom Einsatz in weniger entwickelten Ländern. Er ist darauf gerichtet, die Finanzmacht der entwickelten Länder daran zu hindern, so eingesetzt zu werden, dass sie die weniger entwickelten Länder in die Armut treibt.

In der Welt nach dem Kalten Krieg hat die Herrschaft des Westens zunehmend die Form von direkter militärischer Aktion durch die Vereinigten Staaten von Amerika angenommen, mit deren weltumspannendem Imperium von Militärbasen, dem Sturz aufsässiger Regierungen oder der „Integration“ von deren Militär mit dem Westen, wie es zur Zeit in Afrika mit hohem Tempo betrieben wird.

Wie passen Russland und China in diese Strömung der Geschichte?

Vor der Bolschewistischen Revolution sah Lenin den Ersten Weltkrieg als einen Krieg unter den großen europäischen Kolonialmächten, in dem England und dessen Alliierte gegen Deutschland und dessen Alliierte antraten, in dem es um koloniale Beute und imperiale Macht ging. Oder wie gesagt wurde, England gehörte die Welt und Deutschland wollte sie haben. Dieser Krieg unter Imperialisten führte die Bolschewistische Revolution 1917 herbei, mit der einfachen Forderung nach „Brot, Land und Frieden,“ und auch eine deutsche sozialistische Revolution, welche aber scheiterte und die Bolschewiken zwang, im eigenen Bereich zu bleiben.

Die Bolschewiken waren todernst. Sie nahmen Russland und dann den Rest der UdSSR heraus aus der westlichen Einflussphäre, aus dem Bereich der westlichen Kolonialmächte, und sie brachten industrielle Entwicklung in ihr rückständiges Land. Das Scheitern einer Revolution in Europa und der militärische Überfall nach dem Ersten Weltkrieg auf Russland durch den Westen einschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika bedeuteten, dass die Sowjetunion nicht länger auf den Westen blicken konnte in Hinblick auf Fortschritt in Richtung „Sozialismus.“ Und aufgrund Lenins Auffassung, dass die kolonialisierten Länder gegen den Imperialismus rebellieren müssen, um voranzukommen und sich zu entwickeln, machten die Bolschewiken sich auch die Sache des Antikolonialismus zu eigen – von Afrika über Lateinamerika über Asien und, am wichtigsten, bis nach China.

Am Ende wurde Russland zu einer Großmacht und es blieb über 70 Jahre lang außerhalb des Einflussbereichs des Westens, fast drei Generationen lang. Sozialismus und Kommunismus wurden sicher nicht erreicht, was immer man darunter verstehen will. Und das ist etwas, was die meisten linksgerichteten oder „progressiven“ westlichen Intellektuellen bis zum heutigen Tag verwirrt, besonders die Trotzkisten und ihre in der Vergangenheit stecken gebliebenen ideologischen Weggefährten. Diese Auffassung verfehlt allerdings den wesentlichen Gesichtspunkt des Kampfes gegen den Kolonialismus. Eine stolze Unabhängigkeit, ein Entkommen aus der Armut und ein Abbruch nahezu aller institutionellen und wirtschaftlichen Beziehungen mit dem Westen wurden zu vollendeten Tatsachen in Russland. Wenige Russen studierten im Ausland und wenige Menschen aus dem Westen studierten in Russland. Zwischen den beiden gab es keine Beziehungen aus alten Schultagen.

Dann kam der Zweite Weltkrieg, ein Versuch Deutschlands, Europa zu erobern und die Sowjetunion zu vernichten. Aus diesem Krieg kam eine weitere große Revolution, nämlich die Befreiung Chinas. China hatte vieles versucht, um der Demütigung zu entkommen, die ihm vom Westen zugefügt worden war, darunter einen Versuch von Sun Yat-Sen und seinen Anhängern, eine chinesische Demokratie nach westlichem Muster zu errichten. Einer dieser Anhänger war Mao Tsetung. Mit dem Scheitern Suns und dem Sieg Lenins erblickte Mao seine Chance, und auch er übernahm eine leninistische Parteistruktur, aber mit Schwerpunkt auf der Landbevölkerung. Mao Tsetung formulierte es im Juli 1949 folgendermaßen: „Die Russen machten die Oktoberrevolution … und die revolutionäre Energie … der arbeitenden Menschen Russlands, bis dato verborgen und ungesehen vom Ausland, brach aus wie ein Vulkan, und die Chinesen und die gesamte Menschheit fingen an, die Russen in einem neuen Licht zu sehen. Dann, und erst dann traten die Chinesen in eine völlig neue Ära in ihrem Denken und ihrem Leben ein.“

1946 hatte China Japan besiegt und 1949 errang die chinesische sozialistische Revolution den Sieg. Und dann schloss China das Tor zum Westen und baute seine Unabhängigkeit auf. Die Beziehungen zum Westen wurden nahezu zwei Generationen lang völlig abgebrochen. Nachdem seine Unabhängigkeit von Mao sichergestellt und eine Basisentwicklung erreicht worden war, konnte China „das Tor öffnen,“ aber von einer Position der Stärke aus. Dengs Reformen verwandelten China in eine große Wirtschaftsmacht. China ist heute das zweitmächtigste Land auf dem Planeten und unterhält wieder Beziehungen mit dem Westen – aber zu seinen eigenen Bedingungen, wie auch Russland.

Die Kommunisten Russlands haben also nicht den Kommunismus erreicht. Aber sie erreichten Unabhängigkeit und große wirtschaftliche und militärische Stärke. Sicher war Chinas Errungenschaft der größte Schlag gegen den Kolonialismus nach dem Zweiten Weltkrieg und der größte antikoloniale Sieg in der Geschichte. Westeuropa und die Vereinigten Staaten von Amerika taten alles, was sie konnten, um die chinesischen Kommunisten zu besiegen, und sie scheiterten. Sie standen auf der falschen Seite der Geschichte – der kolonialen Seite, der Seite von Beherrschung und Demütigung ganzer Völker.

So finden wir heute diese beiden großen Mächte Russland und ‚China, vor kurzem einander in die Arme getrieben durch die endlosen Kreuzzüge des Westens, die auf ihre Unterminierung gerichtet sind. Zusammen bilden sie ein großes Machtzentrum außerhalb der Kontrolle des Imperiums der Vereinigten Staaten von Amerika. Auf globale Vorherrschaft ausgerichtet, können die Vereinigten Staaten von Amerika ein derart aufsässiges und alternatives Machtzentrum nicht tolerieren. Der Grund dafür ist, dass ein solches Zentrum eine Alternative für andere bildet, die ihre Unabhängigkeit vom Westen erreichen wollen. Eine Organisation wie BRICS würde nicht existieren, oder falls doch, ohne das „R“ und das „C“ ziemlich bedeutungslos sein.

Der Kampf gegen den Kolonialismus ist aber noch nicht zu Ende. Sicher werden Indien, der größte Teil Lateinamerikas, ein großer Teil Ostasiens und der größte Teil Afrikas sich noch aus der Umklammerung des Westens befreien und ihr volles wirtschaftliches Potenzial entwickeln müssen. (Sie haben die Unterentwicklung sicher nicht überwunden, solange sie sich in der Umklammerung des Westens befinden.) Mancherorts haben sich Regierungen entwickelt, die sich gegen die Vereinigten Staaten von Amerika auflehnen, wie in Bolivien, Venezuela und Ecuador. Wo einst die Vereinigten Staaten von Amerika Schlachten gegen aufständische Befreiungsbewegungen führten, kämpfen sie jetzt, um den Sturz widerspenstiger Regierungen oder Führer zu erreichen, wie Bricmont feststellt. Auch das ist ein Kennzeichen des Neo-Imperialismus. Einige wie Mossadegh, Allende oder Chavez waren aufrechte Demokraten, die ihre Völker aus der Armut bringen wollten. Andere waren nicht so demokratisch eingestellt, aber die Ablehnung des Westens ist zum gemeinsamen Nenner derjenigen geworden, die der Westen zu vernichten sucht. Wie die Welt jetzt weiß, haben „Demokratie“ und „Menschenrechte“ nichts zu tun mit der neo-imperialen Strategie der Vereinigten Staaten von Amerika. Die beiden kreuzen nur zufällig den Weg.

Seien wir uns klar über diese Übersicht. Dieser Überblick soll nicht ein Lobgesang auf die kommunistische Natur der großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts sein. In Wirklichkeit haben diese Revolutionen hinsichtlich der Ziele versagt, die sie sich selbst gesetzt hatten. Sie haben zu keinem Zeitpunkt eine egalitäre Gesellschaft erreicht. Aber sie fanden den Weg zu Unabhängigkeit und Entwicklung und jetzt zu fortgeschrittener Entwicklung, auf dem sie sich heute noch immer befinden. Und sie dienen als eine Alternative zum Westen – eine mächtige wohlgemerkt. In diesem Sinn könnten sie als zufällige Revolutionen bezeichnet werden. Wenig in der Geschichte geschieht nach einem Drehbuch, egal wer es schreibt. Es kann jedenfalls gesagt werden, dass in Hinblick auf den großen Kampf gegen Kolonialismus und für menschlichen Fortschritt die russische und die chinesische Revolution auf der richtigen Seite der Geschichte waren. Und sie bildeten die bedeutenden Schritte in diesem Kampf im 20. Jahrhundert.

Zu guter Letzt ist der Iran der dritte der vorrangigen Feinde der Vereinigten Staaten von Amerika und des Westens. Interessanterweise folgte der Iran dem selben Kurs wie China und Russland. Nach dem Sturz des rechtmäßig gewählten sozialdemokratischen und nationalistischen Mossadegh durch die CIA und die Einsetzung eines brutalen Diktators, des Schah, stürzte eine Revolution, in diesem Fall unter der Führung von Geistlichen und darüber hinaus gewaltfrei, den Schah und kappte die Verbindungen zum Westen. Das geistliche Establishment spielte im Iran die selbe Rolle, die die kommunistischen Parteien in China und Russland gespielt hatten. Sie führten eine Revolution für Unabhängigkeit und Entwicklung an und haben den Iran 35 Jahre lang weitgehend aus dem Einflussbereich des Westens herausgehalten. Sie werden sich jetzt mit dem Westen weitgehend zu ihren eigenen Bedingungen einlassen, wie es China und Russland gemacht haben. Die Form der Organisation des Befreiungsschlags ist nicht so bedeutsam, noch ist es die Ideologie. Sie kann reichen vom Kommunismus bis zum Islam, und andere Ideologien und Organisationen können genauso gut dienen. Vielleicht beobachten wir einige neue Formen der Organisation in Ecuador, Bolivien und Venezuela. Die Entschlossenheit und Intelligenz, mit denen der Befreiungsschlag ausgeführt wird, und das Ausmaß, in dem die einfachen Menschen ihn unterstützen und daraus Nutzen ziehen, sind die entscheidenden Faktoren.

Aber für diejenigen auf der Linken, die religiösen Antikrieg-Aktivisten und Libertären, die die Jahre hindurch gegen die Kriege des Westens gekämpft haben, sind das gute Nachrichten. Diejenigen, die gegen den „Interventionismus“ des Westens gekämpft haben, standen auf der richtigen Seite der Geschichte – bewusst oder öfter auch unbewusst. Ausgehend von den verschiedenen Ideologien, die die antikolonialen Bewegungen im Westen angenommen haben, kann leicht sein, dass die hauptsächliche Motivation die Seite in uns ist, die menschlich ist, vielleicht unser innerer Bonobo versus unser innerer Schimpanse.

Nun hat leider die dominierende „progressive” Strömung im Westen weitgehend eine antikoloniale Haltung über Bord geworfen. Die Welt wird nicht länger gesehen durch die Linse des bei weitem noch nicht beendeten antikolonialen Kampfes, sondern durch die zweifelhaften Kategorien von „Menschenrechten“ und „realer, wahrhafter Demokratie.“ Typen wie Pussy Riot haben Mao in den Augen der westlichen „Progressiven“ ersetzt. Und viel zu viele „Progressive,“ darunter zum Beispiel Juan Cole und Amy Goodman, jubelten über den Obama/Hillary-Krieg gegen Libyen, als Gaddafi zerschmettert wurde. In diesen „progressiven“ Kreisen blieb unerwähnt, dass Gaddafi Libyen den höchsten Entwicklungsstand von ganz Afrika bescherte, an vorderster Front im Kampf gegen die von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützte Apartheid stand, sowohl in Südafrika als auch in Israel, und einen Pan-Arabismus und Pan-Afrikanismus befürwortete, der auf Unabhängigkeit vom Westen ausgerichtet war.

Mit einem Wort, die „Progressiven” des Westens betrachten jetzt die Vorgänge auf der Welt durch die falsche Linse, die gleiche, die ihre Beherrscher benützen, wenn es ihnen passt. Es ist an der Zeit, zur korrekten Art der Betrachtung dessen zurückzukehren, was auf der Welt vorgeht. Nur dann wird die antikoloniale und antiinterventionistische Bewegung in der Linken wiederhergestellt werden.

Für die aufrichtigen Libertären ist die Angelegenheit einfacher. Sie haben immer schon die Ansicht vertreten, dass unsere Regierung sich nicht in das Leben anderer Länder einzumischen hat. Für sie lag der Schwerpunkt auf der Gegenseite von Neokolonialismus, Neoimperialismus. Sie wollen einfach nicht, dass ihre Regierung sich im Ausland einmischt, glauben nicht, dass das moralisch ist und wollen nicht dafür bezahlen, also ein bisschen vom guten soliden Ayn-Rand´schen Eigeninteresse. Wenn die Progressiven sich aus dem falschen Ruf nach Demokratie und Menschenrechten freispielen, der ihnen angedreht worden ist, dann steht das Tor offen für eine sehr breite Antikriegs-, antiimperiale Bewegung. Und der Bedarf an einer solchen Zusammenarbeit ist lebenswichtig, damit wir nicht in einen Weltenbrand stolpern.

http://antikrieg.com/

Pentagon bestätigt, dass Truppen der Vereinigten Staaten von Amerika im Frühjahr in der Ukraine eingesetzt werden

Unbekannte Anzahl von Soldaten zu Ausbildungszwecken in Lviv

Jason Ditz

Der Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten von Amerika in Europa General Ben Hodges besuchte heute die Ukraine, während Vertreter des Pentagon Pläne bestätigten, im kommenden Frühjahr Soldaten in die kriegszerrissene Ukraine zu einer „Ausbildungsoperation“ zu schicken.

Die Vertreter sagen, dass die Zahl der Soldaten derzeit noch nicht festgelegt worden ist, und dass die Soldaten Teil einer Bemühung sind, den „Rechtsstaat” in dem Land zu stärken.

Unter „Rechtsstaat” verstehen sie, das ukrainische Militär, das seine Einberufungen von Wehrpflichtigen hochkurbelt, soweit zu bringen, dass es die Rebellen im Osten bezwingen kann. Diese haben Reformen gefordert, nachdem die neue Regierung eine Reihe von strengen Beschränkungen gegen den von ethnischen Russen bewohnten Osten verhängt hat.

Vorläufig sehen die Pläne vor, die Soldaten in Lviv zu stationieren, weit im Westen, was die Kräfte der Vereinigten Staaten von Amerika abhalten soll, direkt in den Bürgerkrieg im Land verwickelt zu werden, obwohl die Vertreter des Pentagon sagen, dass das erst der „erste Schritt für weitere Ausbildung“ ist, was heißt, dass weitere Operationen erfolgen könnten, die die Soldaten näher an die Front bringen

http://antikrieg.com/aktuell/2015_01_22_pentagon.htm

Folter á la Amerika

Hugh Gusterson (antikrieg)

Als Anthropologe bin ich fasziniert von dem Begriff „enhanced interrogation“ („höherwertige Vernehmung“). Er muss sicher einen Ehrenplatz einnehmen im amerikanischen Lexikon der Regierungseuphemismen für Gewalt, gemeinsam mit Wendungen aus dem nuklearen Diskurs wie „Kollateralschaden“ (für die massenhafte Tötung von Zivilisten), „Ereignis“ (für eine atomare Explosion), „Gegenschlag“ (für die atomare Zerstörung einer Stadt), „chirurgischer Schlag“ (ein gezielter Schlag mit Atomwaffen) und „saubere Bomben“ (Atomwaffen, die angeblich weniger Strahlungswirkung als Sprengwirkung haben). Wie Carol Cohn in ihrem klassischen Artikel über die Sprache von Atomstrategen „Sex and Death in the Rational World of Defense Intellectuals“ (Sex und Tod in der rationalen Welt von Intellektuellen im Bereich der Verteidigung) bemerkt, bilden „saubere Bomben“ wohl die perfekte Metapher für die Sprache der Verteidigungsanalysten und Waffenkontrollore. Diese Sprache hat eine enorme destruktive Kraft, aber ohne emotionalen Niederschlag.“

Dasselbe trifft zu, wenn es um „höherwertige Vernehmung” („enhanced interrogation“) geht. Mein Wörterbuch sagt mir, dass „to enhance“ „verbessern in Wert, Qualität, Erwünschtheit oder Attraktivität“ heißt. Das Wort „enhanced“ wird üblicherweise verwendet für Bilder, Lebensmittelaromen und Elektronik, warum also nicht auch für Folter? Der Rest der Welt verwendet die klassische Folter, mit Elektroden, Zangen, Knüppeln und Blutflecken. Die Vereinigten Staaten von Amerika, die ja exzeptionell sind, setzen höherwertige Folter ein, zu der rektale Fütterung (anders gesagt anale Vergewaltigung), eine Woche langer Schlafentzug, „beleidigende Ohrfeigen,“ eiskalte Bäder, Stresspositionen, 18 Stunden in eine Kiste einsperren, Wasserfolter (waterboarding) und Drohungen, deiner Mutter die Kehle zu durchschneiden gehören. Aber keine Blutflecken.

„Höherwertige Vernehmung“ ist Folter á la Amerika. Exzeptionelle Folter. Folter, die behauptet, keine Folter zu sein. Post-Folter?

Diese einzigartig amerikanische Art von Folter hat sechs kennzeichnende charakteristische Eigenschaften:

Erstens, sie vermeidet Werkzeuge, die im Mittelalter oder in Kerkern der Dritten Welt benutzt werden (ausgenommen die Jahrhunderte alte Technik des waterboardings). Wenn wir nicht die klassischen Werkzeuge des Folterhandwerks einsetzen – Elektroden an die Genitalien, Knüppel auf die Rippen – dann, so die Theorie, kann nicht Folter sein, was wir tun. Darüber hinausgehend darf es kein Blut, Verbrennungen oder Narben geben, nachdem das die Zeichen der klassischen Folter sind. Amerikanische Folter ist innovativ und sauber. Sie hinterlässt keine verräterischen Spuren.

Zweitens müssen amerikanische Foltertechniken von wissenschaftlichen Experten entwickelt sein, damit sie nachweislich modern, vernünftig und wissenschaftlich sind. In diesem Fall waren es die Doktoren der Psychologie James Mitchell und John Bruce Jessen, deren Firma für die Perfektion der glänzenden neuen Vernehmungstechniken von den Steuerzahlern der Vereinigten Staaten von Amerika 81 Millionen Dollars kassiert hat.

Drittens wird die amerikanische Folter medizinisch überwacht. Der Hippokratische Eid – füge keinen Schaden zu – verleiht den Folterern ein Feigenblatt der Straflosigkeit, obwohl die Doktoren der CIA, die bei den Folterungen anwesend waren, von der American Medical Association wegen Verrats an ihrer Berufsehre verurteilt worden sind. In einer bizarren Aufsplitterung ihrer widersprüchlichen Verpflichtungen gegenüber den Opfern und deren Folterern sorgten diese Ärzte dafür, dass Gefangene, die der Agonie ausgesetzt wurden, ihre Arme stundenlang in schmerzhaften Stellungen gefesselt zu haben, dabei sitzen konnten, wenn sie gebrochene Knochen in ihren Füßen hatten, dass die Nahrung von Gefangenen so eingestellt wurde, dass sie nicht auf Dauer deren Speiseröhre schädigen würde, wenn sie sich während des waterboarding erbrachen, und dass Tylenol (ein Schmerzmittel) verabreicht wurde, um die Schmerzen der Folter zu mildern.

Viertens, der Anschein der Legalität muss aufrecht erhalten werden. Kein Problem, dass die „black site“(schwarze Orte)-Praxis der Einrichtung von geheimen Gefängnissen, um dort zu foltern, nach Auffassung der meisten Juristen klar gegen die Genfer Konvention und die Konvention gegen Folter (1994 von den Vereinigten Staaten von Amerika ratifiziert) verstieß. Washington musste Juristen finden, die bestätigten, dass die neuen Vernehmungstechniken keine Folter sind, denn der Anschein von Legalität, egal wie lachhaft, ist von entscheidender Bedeutung. So bescheinigten John Yoo und James Bybee vom Rechtsbüro in George W. Bushs Justizministerium, dass, solange es nicht zu Tod oder bleibendem Organschaden kam, es keine Folter war, wenn man einen Gefangenen wiederholt an den Rand des Todes durch Ertrinken brachte, ihn gefesselt in schmerzhaften Stellungen beließ, ihm tagelang den Schlaf vorenthielt oder Gegenstände in seinen Anus einführte. Die Vernehmungsbeamten konnten dann sagen, dass sie es schriftlich hätten, dass sie keine Folterer waren. Daher konnte der CIA-Beamte Jose Rodriguez zu Fox News sagen: „Alle diese Techniken wurden von den Juristen genehmigt.“ Eine gefolterte Interpretation des Gesetzes übertrumpft den gesunden Menschenverstand.

Fünftens, Hand in Hand mit amerikanischem Exzeptionalismus wird die Folter als eine Ausnahme präsentiert, aber als eine, die die Regel bestätigt. „Wir foltern nicht,“ sagte Präsident George W. Bush. „Wir foltern keine Menschen. OK?“ sagte George Tenet, Bushs CIA-Direktor. Das ist die Artikulation der Regel, deren beharrliche Verkündung mit ihrer Annullierung in der Praxis zusammenfällt. Daher sagen uns die Apologeten, dass die Tage nach den Attacken von 9/11 eine verzweifelte Zeit waren, in der „harte Methoden“ ausnahmsweise zulässig waren, um sicherzustellen, dass es zu keinen neuen Attacken kommen wird, während uns Führer sagen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht foltern. Und seit 9/11 haben die Vereinigten Staaten von Amerika sich wiederholt auf ihren Status als zu Menschenwürde und Freiheit verpflichtete exzeptionelle Nation berufen, um im Ausland und an schwarzen Orten Aufhebungen von Menschenwürde und Freiheit zu erlauben – eine Kette von Aufhebungen, die eine uneingestandene de facto Umkehrung der „wir foltern nicht“-Regel bilden.

Zuletzt, sechstens, werden Spindoktoren herangeschafft, um Sprachschöpfungen wie „höherwertige Vernehmung“ zu kreieren, die als phraseologische Wolke verdecken, was darunter liegt. „Höherwertige Vernehmung“ ist ein Madison Avenue-Begriff wie „neu und besser,“ der etwas als neuer erscheinen lassen will, während er seine Mängel vernebelt. Und, wie alle Euphemismen, die geistige Qual derjenigen abstumpft, deren Arbeit es ist, anderen Schmerzen zuzufügen. Es ist ein Werkzeug für das, was der Anthropologe Didier Fassin als „moralische Anästhesie“ bezeichnet. „Höherwertige Vernehmung“ ist eine aus einer ganzen neuen Familie euphemistischer Phrasen, die uns der „Krieg gegen den Terror“ beschert hat – ein Cousin anderer bösartig farbloser Neologismen wie „ungesetzlicher Kämpfer“ (ein Guerilla ohne Uniform), „außergewöhnliche Überstellung“ (illegale Entführungen durch den Staat), und „persönlicher Treffer“ (die absichtliche Tötung per Drohne von Menschen, deren Identität nicht bekannt ist).

Während Länder wie Ägypten und Myanmar die Folter Strolchen überlassen, die die Körper ihrer Opfer in fensterlosen Zellen bearbeiten, haben die Vereinigten Staaten von Amerika in der Erwartung, neues aus dieser Arbeit zu machen, Psychologen, Ärzte, Juristen und Spindoktoren hinzugezogen, um daraus eine nach bürokratischen Regeln funktionierende Folter zu machen, die so beschaffen ist, dass sie mit plausiblen Kriterien abgestritten werden kann. Das ist Folter im amerikanischen Stil.

Euphemismen wie „höherwertige Vernehmung” sind aber auch ein Zeichen für unterdrücktes Schamgefühl. Die Zuflucht zum Euphemismus verrät die Scham über das, was nicht ehrlich benannt werden kann. Jetzt kehrt endlich die Ehrlichkeit zurück. Nachdem mehr Kommentatoren und Politiker offen das altmodische Wort „Folter“ verwenden, wird die Hohlheit des Euphemismus offenkundig, und er verliert seine Kraft, zu vernebeln, was in den versteckten Orten der CIA getan worden ist. Jetzt findet sich „höherwertige Vernehmung“ zunehmend in ironischen Anführungszeichen und vermittelt ein Gefühl von Starrheit und Absurdität der Sprecher der Regierung, die darauf bestehen, diesen Begriff weiterhin zu verwenden.

Der erste Schritt bei der Konfrontation mit den Verbrechen, die in unserem Namen begangen worden sind, ist die Zurückforderung unserer Sprache. Hören wir auf, von „höherwertiger Vernehmung“ zu reden, und wenn Amerikaner verteidigen wollen, was ihre Regierung getan hat, dann sollen sie zumindest Folter bei ihrem wahren Namen nennen.

 

Zu Jahresende bleiben die Vereinigten Staaten von Amerika im Krieg, aber nicht so öffentlich

Regierungsvertreter beschwören ‘Ende’ des Afghanistankriegs, aber wenig hat sich geändert

Jason Ditz  (antikrieg)

Seit 2001 waren die Vereinigten Staaten von Amerika an jedem Jahresende ein Land im Krieg, mit militärischen Kräften, die Territorium im Ausland okkupierten. Das ist heuer genauso der Fall, ungeachtet der gegenteiligen Rhetorik.

Präsident Obama hat in diesem Monat versucht, den Krieg gegen Afghanistan als „vorbei“ hinzustellen, ja sogar als „Erfolg“ nach über 13 Jahren Besatzung und Ausgaben von über einer Billion Dollars, konservativ geschätzt.

Doch alles, was wirklich in Afghanistan geschah, war ein Übergang von der alten, von der NATO betriebenen Okkupation zu einer neuen, mehr von den Vereinigten Staaten von Amerika dominierten. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben in Wirklichkeit die Anzahl der Soldaten aufgestockt, die sie 2015 im Land belassen wollen, und der Kampf wird weitergehen.

Obwohl noch ungewiss ist, wie lang der Afghanistankrieg über das Jahr 2015 hinaus weitergehen wird, haben die Vereinigten Staaten von Amerika ein Abkommen mit der afghanischen Regierung, Soldaten bis 2024 und darüber hinaus dort zu stationieren.

Inzwischen sah das Jahr 2014 die Wiederaufnahme des Kriegs gegen den Irak, mit etwa 3.000 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika im Land oder auf dem Weg in einen massiven Luftkrieg gegen ISIS, wobei für den letztendlichen Bodenkrieg große Mengen von Fahrzeugen in Kuwait angehäuft werden.

Angesichts des noch immer offenen Endes des Kriegs gegen Afghanistan und der Expansion von ISIS im Irak und in Syrien, wobei größere Eskalationen zu erwarten sind, sieht es so aus, als würden die Konflikte im Allgemeinen beschleunigt, und nicht gebremst.

Dass die Administration so entschlossen zu sein scheint, Amerika so hinzustellen, als ginge es in eine Nachkriegszeit, obwohl sogar mehrere Kriege andauern, legt die Vermutung nahe, dass die allgemeine Kriegsverdrossenheit endlich auch die Regierungskreise erreicht, aber statt vernünftig zu handeln und die Kriege zu beenden, versuchen diese die Fiktion zu verkaufen, dass die Kriege vorbei sind.

http://krisenfrei.de/

Der Ausblick für das Neue Jahr

Paul Craig Roberts (antikrieg)

Washington hat 2015 als ein Jahr des Konflikts vorgesehen. Der Konflikt könnte heftig ausfallen.

Washington ist die Ursache des Konflikts, der sich schon seit einiger Zeit zusammengebraut hat. Russland war zu schwach, um etwas zu unternehmen, als das Clinton-Regime die NATO an Russlands Grenzen vortrieb und illegal Jugoslawien angriff und das Land in kleine leicht kontrollierbare Teile zerbrach. Russland war auch zu schwach, um etwas zu unternehmen, als das George W. Bush-Regime den ABM-Vertrag kündigte und Antiraketen-Raketenbasen an Russlands Grenzen errichtete. Washington log Moskau an, dass der Zweck der ABM-Basen sei, Europa vor nicht existierenden iranischen atomaren Langstreckenraketen zu schützen. Wie auch immer, Moskau begriff, dass der Zweck dieser ABM-Basen darin bestand, Russlands atomare Abschreckung zu schwächen, und dadurch Washingtons Möglichkeiten zu stärken, Russland zu Vereinbarungen zu zwingen, die Russlands Souveränität gefährdeten.

Mit Sommer 2008 hatte Russland seine Stärke zurückgewonnen. Auf Washingtons Befehl griff die von den Vereinigten Staaten von Amerika und Israel ausgebildete und ausgerüstete georgische Armee in den Morgenstunden des 8. August die abgespaltene Republik Südossetien an und tötete russische friedenserhaltende Soldaten und Zivilisten. Einheiten des russischen Militärs reagierten umgehend und innerhalb weniger Stunden war die von Amerika ausgebildete und bewaffnete georgische Armee verjagt und geschlagen. Georgien war wieder in den Händen Russlands, zu dem die Provinz im 19. und 20. Jahrhundert gehört hatte.

Putin hätte Michail Sakaschwili, den amerikanischen durch die von Washington angestiftete „Rosenrevolution” als Präsident Georgiens installierten Hampelmann hängen, und Georgien wieder in die russische Föderation eingliedern sollen. Stattdessen zog Russland in einem strategischen Irrtum seine Streitkräfte zurück und ließ Washingtons Hampelregime bestehen, um Russland weiterhin Probleme zu bereiten. Washington drängt hart darauf, Georgien in die NATO einzubeziehen und damit weitere Militärstützpunkte der Vereinigten Staaten von Amerika an Russlands Grenze zu errichten. Wie auch immer, damals hielt Moskau Europa für unabhängiger von Washington, als es wirklich ist, und vertraute auf gute Beziehungen mit Europa, um amerikanische Basen aus Georgien herauszuhalten.

Heute macht sich die russische Regierung keine Illusionen mehr darüber, dass Europa imstande ist, eine unabhängige Außenpolitik zu betreiben. Der russische Präsident Vladimir Putin hat öffentlich festgestellt, dass Russland gelernt hat, dass Diplomatie mit Europa zwecklos ist, weil die europäischen Politiker die Interessen Washingtons und nicht die Interessen Europas vertreten. Außenminister Sergei Lavrov bestätigte vor kurzem, dass Gesten des Guten Willens von Seiten Russlands nicht imstande sind, diplomatische Ergebnisse zu erreichen.

Mit der Erschütterung der irrigen Meinung Moskaus, dass Diplomatie mit dem Westen friedliche Lösungen herbeiführen kann, hat sich die Realität durchgesetzt, verstärkt durch die Dämonisierung Vladimir Putins durch Washington und seine Vasallenstaaten. Hillary Clinton bezeichnete Putin als den neuen Hitler. Während Washington ehemalige Teile des russischen und sowjetischen Reichs in sein eigenes Imperium eingliedert und sieben Länder bombardiert, behauptet Washington, Putin sei militärisch aggressiv und strebe danach, das sowjetische Imperium wiederherzustellen. Washington bewaffnet das Neonazi-Regime, das Obama in der Ukraine eingerichtet hat, während es falsch behauptet, dass Putin ukrainische Provinzen überfallen und annektiert hat. Alle diese unverhohlenen Lügen werden unermüdlich von den westlichen Medienhuren wiedergegeben. Nicht einmal Hitler verfügte über derart gefügige Medien wie Washington.

Jede diplomatische Bemühung Russlands wurde von Washington abgeblockt und hat nichts erreicht. Russland wurde daher jetzt von der Realität gezwungen, seine militärische Doktrin auf den neuen Stand zu bringen. Die am 26. Dezember bestätigte neue Doktrin hält fest, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die NATO eine bedeutende militärische Bedrohung für die Existenz Russland als ein souveränes unabhängiges Land darstellen.

Das russische Dokument erwähnt Washingtons Kriegsdoktrin des präventiven Atomangriffs, den Einsatz von Antiraketen-Raketen, die Aufrüstung der NATO-Kräfte und die Absicht, Waffen im Weltraum einzusetzen, als klare Hinweise dafür, dass Washington sich darauf vorbereitet, Russland anzugreifen.

Washington führt auch wirtschaftlich und politisch Krieg gegen Russland, indem es versucht, die Wirtschaft mit Sanktionen und Attacken gegen den Rubel zu destabilisieren. Das russische Dokument hält fest, dass Russland mit Versuchen des Westens, einen Regimewechsel durch „Aktionen, die auf die gewaltsame Änderung der russischen verfassungsmäßigen Ordnung, die Destabilisierung des politischen und sozialen Umfelds, und die Desorganisation des Funktionierens von Regierungseinrichtungen, entscheidenden zivilen und militärischen Einrichtungen und der Infrastruktur des Informationswesens Russlands gerichtet sind“ konfrontiert ist. Vom Ausland finanzierte NGOs und russische Medien in ausländischem Besitz sind Werkzeuge zur Destabilisierung Russlands in Washingtons Händen.

Washingtons rücksichtslos aggressive Politik gegenüber Russland hat das atomare Wettrüsten wiederbelebt. Russland ist dabei, zwei neue Interkontinentalraketensysteme zu entwickeln und wird 2016 ein Waffensystem einsetzen, das das Antiraketen-Raketen-System der Vereinigten Staaten von Amerika zunichtemachen soll. Kurz gesagt, die bösartigen Kriegstreiber in Washington haben die Welt auf den Weg gebracht, der in Richtung nukleares Armageddon führt.

Sowohl die russische als auch die chinesische Regierung begreifen, dass ihre Existenz durch Washingtons hegemonische Ambitionen bedroht ist. Larchmonter berichtet, dass die russische und die chinesische Regierung beschlossen haben, ihre Wirtschaften zu vereinigen und ihre militärischen Befehlszentralen zu verbinden, um Washingtons Pläne abzuschmettern, beide Länder an den Rand zu drängen. Von nun an bewegen sich Russland und China gemeinsam an den wirtschaftlichen und militärischen Frontlinien. (http://www.mediafire.com/view/08rzue8ffism94t/China-Russia_Double_Helix.docx)

Die Einheit zwischen dem Bären und dem Drachen reduziert den Traum der verrückten Neokonservativen von einem „amerikanischen Jahrhundert“ zu gefährlichem Unsinn. Larchmonter schreibt: „Die Vereinigten Staaten von Amerika und die NATO bräuchten den Erzengel Michael, um China-Russland zu besiegen, doch alles weist darauf hin, dass der Erzengel Michael mit dem Bären und dessen orthodoxer Kultur verbündet ist. Es gibt keine Waffe, keine Strategie, keine für die nahe Zukunft vorstellbare Taktik, um eine dieser wachsenden Wirtschaften zu schädigen, jetzt, wo sie miteinander an der Basis verbunden sind.“

Larchmonter sieht Hoffnung in der neuen Weltpolitik, die durch die Verbindung zwischen Russland und China entstanden ist. Ich bestreite das nicht, aber wenn die arroganten Neokonservativen realisieren, dass ihre Hegemoniepolitik einen Gegner geschaffen hat, den Washington nicht besiegen kann, dann werden sie auf einen präventiven Atomschlag drängen, bevor das gemeinsame russisch-chinesische Befehlszentrum voll funktioniert. Um einen Überraschungsangriff zu verhindern, sollten Russland und China mit höchstem nuklearem Alarmzustand operieren.

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika – in der Tat die gesamte westlich orientierte Wirtschaft von Japan bis Europa – ist ein Kartenhaus. Seit der wirtschaftliche Abstieg vor sieben Jahren begann, konzentrierte sich die gesamte westliche Wirtschaftspolitik auf die Unterstützung von ein paar überdimensionierten Banken, Staatsschulden und des US-Dollars. In der Folge haben sich die Wirtschaften selbst und die Fähigkeit von Bevölkerungen, damit zurechtzukommen, verschlechtert.

Die Finanzmärkte beruhen auf Manipulation, nicht auf Grundlagen. Die Manipulation ist nicht haltbar. Wenn die Schulden explodieren, machen negative reale Zinssätze keinen Sinn. Wenn die realen Einkommen der Konsumenten, die realen Kredite der Konsumenten und die realen Verkaufszahlen stagnieren oder fallen, ist der Aktienmarkt eine Blase. Mit Russland, China und anderen Ländern, die vom Gebrauch des Dollars für die Bezahlung internationaler Rechnungen abrücken, mit Russland, das eine Alternative zu dem SWIFT-Finanznetzwerk entwickelt, mit BRICS, die Alternativen zu IWF und Weltbank entwickeln, und mit anderen Teilen der Welt, die ihre eigenen Kreditkarten und Internetsysteme entwickeln, könnte der US-Dollar gemeinsam mit den Währungen Japans und Europas, die gedruckt werden, um den Wechselkurs des Dollars zu stützen, einen dramatischen Abfall im Wechselkurs erfahren, was die importabhängige westliche Welt außer Betrieb setzen würde.

Meiner Ansicht nach brauchten die Russen und Chinesen zu lange, um das Böse zu begreifen, das Washington kontrolliert. Daher riskieren beide Länder einen Atomangriff, ehe ihre gemeinsame Verteidigungsstrategie voll in Betrieb geht. Nachdem die westliche Wirtschaft ein Kartenhaus ist, könnten Russland und China die westliche Wirtschaft zum Einsturz bringen, ehe die Neokonservativen die Welt in den Krieg treiben können. Da Washingtons Aggression gegen beide Länder kristallklar ersichtlich ist, haben Russland und China jedes Recht auf die folgenden Verteidigungsmaßnahmen.

Da die Vereinigten Staaten von Amerika und die Europäische Union wirtschaftlichen Krieg gegen Russland führen, könnte Russland behaupten, dass der Westen durch die Zerstörung der russischen Wirtschaft Russland der Fähigkeit beraubt hat, Kredite an die europäischen Banken zurückzuzahlen. Wenn das die schwach kapitalisierten Banken der EU nicht auf die Knie bringt, kann Russland bekanntmachen, dass jetzt, wo die NATO-Länder in der russischen Kriegsdoktrin als Feinde des russischen Staats angeführt sind, Russland die Aggression der NATO gegen Russland nicht mehr länger dadurch unterstützen kann, dass es Erdgas an NATO-Mitglieder verkauft. Wenn die Schließung eines Großteils der europäischen Industrie, rapid steigende Arbeitslosenzahlen und Bankenpleiten nicht zur Auflösung der NATO und somit zum Ende der Bedrohung führen, dann können die Chinesen handeln.

Die Chinesen halten eine sehr große Menge von in Dollar bewerteten Finanzanlagen. Genauso wie die Agenten der Federal Reserve, die Bullionbanken, in Perioden mit wenig Aktivität riesige Mengen von kurzfristigen Papieren auf den Goldterminmarkt werfen, um den Goldpreis nach unten zu drücken, kann China das Äquivalent in Staatsanleihen der Vereinigten Staaten von Amerika von Jahren des Quantitative Easing (Gelddrucken zur Entlastung) in wenigen Minuten verschleudern. Wenn die Federal Reserve schnell Dollars druckt, mit denen sie die enorme Menge von Staatsanleihen kauft, damit das finazielle Kartenhaus nicht implodiert, können die Chinesen die Dollars, die sie für die Staatsanleihen bekommen, auf den Währungsmarkt werfen. Während die Federal Reserve wohl Dollars drucken kann, um damit die Staatsanleihen zu kaufen, kann die Fed keine fremden Währungen drucken, um mit diesen die Dollars zu kaufen.

Der Dollar würde zusammenbrechen, und mit ihm die Macht des Hegemons. Der Krieg wäre vorbei, ohne dass ein Schuss oder eine Rakete abgefeuert wurde.

Meiner Ansicht nach sind Russland und China es der Welt schuldig, den Atomkrieg zu verhindern, den die Neokonservativen, die die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika kontrollieren, anstreben, indem sie einfach entsprechend auf Washingtons wirtschaftliche Kriegsführung reagieren. Russland und China halten alle Karten, nicht Washington. Russland und China sollten keine Warnung geben. Sie sollten einfach handeln. In der Tat sollten sie nicht Schritt für Schritt vorgehen, sie sollten einfach alle Geschütze auf einmal abfeuern. Bei vier Banken der Vereinigten Staaten von Amerika, die Derivate im Wert eines Vielfachen des Weltbruttosozialprodukts halten, käme die finanzielle Explosion einer atomaren gleich. Die Vereinigten Staaten von Amerika wären erledigt, und die Welt wäre gerettet.

Larchmonter hat wahrscheinlich recht. 2015 könnte ein sehr gutes Jahr werden, aber präventive wirtschaftliche Maßnahmen von Seiten Moskaus und Pekings könnten erforderlich sein. Putins derzeitiger Plan scheint zu sein, sich vom Westen abzuwenden, die Provokationen zu ignorieren und Russlands strategische und wirtschaftliche Interessen mit denen in Asien zu harmonisieren. Das ist eine humane und vernünftige Vorgangsweise, aber sie lässt den Westen in Ruhe und unbeeinträchtigt von seinen wirtschaftlichen Schwächen. Ein ungestörter Westen bleibt eine schwerwiegende Gefahr nicht nur für Russland und China, sondern auch für die Amerikaner und die gesamte Welt.

Dollarsklaverei bald auch in Kuba?

Lateinamerika feiert die Annäherung zwischen den USA und Kuba. Als ich diese Meldung las, war mein erster Gedanke: mit diesem Schritt führt die USA, wie sie es immer tun, etwas böses im Schilde. Haben sie mit ihrem grünen Klopapier (US$) nicht schon genug Elend auf diesem Planeten angerichtet?

Die BRICS-Staaten sind gerade dabei, sich von diesem Falschgeld loszulösen und eigene Handelswährungen aufzubauen. Und jetzt das!

Die Kubaner werden das Falschspiel der USA in einigen Jahren bitter bereuen. Sie werden mit dem US$ genauso versklavt, wie die FED es inzwischen mit dem ganzen Globus getan hat. Dann bleibt nur noch der Iran und Nordkorea, deren Geldpolitik unabhängig von der FED ist. Der Iran steht schon lange im Visier dieser Dollar-Sklavenhalter.

Europa ist Dank der EU und des Euro auch zum US$-Sklaven geworden. Die Schweiz befindet sich seit einiger Zeit auch auf dem Weg dorthin, indem sie vor einigen Jahren den Schweizer Franken an den Euro gebunden haben und jetzt ihre stabile Währung abwerten.

Nun, die USA bzw. die FED haben ihre Agenten nicht nur in der EU/EZB (Draghi), sondern auch in Berlin, der Schweiz … usw. Demnächst dann auch in Havanna. Was auf die Kubaner zukommt, wenn sie sich mit den USA einlassen, beschreibt Paul Craig Roberts in seinem folgenden Aufsatz:

Regimewechsel in Kuba

Paul Craig Roberts (antikrieg)

Die Normalisierung der Beziehungen mit Kuba ist nicht das Ergebnis eines diplomatischen Durchbruchs oder eines Sinneswandels auf Seiten Washingtons. Die Normalisierung ist das Ergebnis der Suche von Konzernen der Vereinigten Staaten von Amerika nach Profitmöglichkeiten in Kuba, wie zum Beispiel der Entwicklung der Internet-Breitband-Märkte in Kuba.

Ehe die amerikanische Linke und die kubanische Regierung sich über die Normalisierung freuen, sollten sie bedenken, dass mit der Normalisierung amerikanisches Geld und eine Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika kommen. Das amerikanische Geld wird die kubanische Wirtschaft übernehmen. Die Botschaft wird eine Basis sein für CIA-Leute, die die kubanische Regierung unterminieren. Die Botschaft wird eine Ausgangsbasis bilden, von der aus die Vereinigten Staaten von Amerika NGOs einrichten können, deren leichtgläubige Mitglieder zur rechten Zeit zu Demonstrationen gerufen werden können, wie in Kiew, und die Botschaft wird es Washington ermöglichen, eine neue Garnitur von politischen Führern zu präparieren.

Kurz gesagt, Normalisierung der Beziehungen bedeutet Regimewechsel in Kuba. Bald wird Kuba ein weiterer von Washingtons Vasallenstaaten sein.

Konservative und Republikaner wie Peggy Noonan und Senator Marco Rubio haben klar gemacht, dass Castro „ein böser Mann ist, der ein Fast-Paradies in ein schwimmendes Gefängnis verwandelt hat“ und dass die Normalisierung der Beziehungen mit Kuba nicht „die Legitimität des Castro-Regimes garantieren wird.“

Noonan vergisst Guantánamo, Washingtons ausgelagertes Foltergefängnis in Kuba, wo hunderte unschuldige Menschen einen großen Teil ihres Lebens lang von den exzeptionellen Amerikanern eingesperrt und gefoltert worden sind. Die kubanische Revolution hatte die Absicht, die Kubaner von fremder Beherrschung und Ausbeutung durch ausländische Kapitalisten zu befreien. Wie immer es mit den Erfolgen aussehen mag, ein halbes Jahrhundert der Feindseligkeit Washingtons hat mit den wirtschaftlichen Problemen Kubas ebensoviel zu tun wie die kommunistische Ideologie.

Die Selbstgerechtigkeit der Amerikaner ist extrem. Noonan ist froh. Amerikanisches Geld macht sich jetzt auf den Weg, Castros Lebenswerk zu zerstören. Und wenn das Geld es nicht schafft, wird es die CIA schaffen. Die Agentur hat schon lange darauf gewartet, sich für die Schweinebucht zu rächen, und die Normalisierung der Beziehungen eröffnet die Möglichkeit dazu.

“Mit der Annäherung zwischen Washington und Havanna wird sich die ohnehin rasche Zunahme von sozialer Ungleichheit, Armut und Klassengegensätzen auf der Insel ebenso beschleunigen wie die reaktionären Reformen, mit denen die noch verbliebenen Errungenschaften der Revolution bereits abgebaut werden.” (Quelle)

Iran: Fälschungen von nuklearen Dokumenten voller Fehler

Unzählige falsche Namen auf „Beweisen“ für Waffenaktivitäten

Jason Ditz

Noch immer unter dem Druck der Vereinigten Staaten von Amerika, „geheime Dokumente” zu erklären, die der IAEA über seine angeblichen Aktivitäten betreffend Atomwaffen zugegangen waren, besteht der Iran darauf, dass es sich um offenkundige Fälschungen handelt, die keine ausführliche Antwort rechtfertigen.

Die Stellungnahme des Iran bemerkt, dass die Dokumente eine Reihe von grundlegenden Irrtümern sowie eine große Zahl von falschen Namen beinhalten, was auf einen bestimmten nicht genannten Mitarbeiter der IAEA als wahrscheinlichen Fälscher hinweise.

Das ist nicht das erste Mal, dass sich ein gegen den Iran vorgelegtes Schriftstück als gefälscht herausstellte, da einige davon nicht nur falsche Angaben über bekannte iranische nukleare Infrastruktur beinhalten, sondern sogar grundlegende Fehler im Bereich der Kernphysik.

Das Problem liegt darin, dass in vielen Fällen die IAEA die fehlende Glaubwürdigkeit derartiger Dokumente ignoriert und diese einfach immer wieder dem Iran an den Kopf wirft, wobei sie betont, dass sie nichts, was der Iran vorlegt, als „offizielle Antwort“ betrachtet.

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