Umweltkatastrophe Brasilien: Biologische Friedhöfe, weinende Indigene und geschlossene Strände – Update

flut

Auf seiner Reise von 650 Kilometer hat der giftige Schlamm nur biologische Friedhöfe hinterlassen (Fotos: BombeirosMinasGerais)

Zwei Wochen nach dem Bruch eines Staudamms in Mariana (Bundesstaat Minas Gerais) hat die Flut von 62 Millionen Kubikmeter Schlamm, Schutt und Mineralien den Strand von Regency im Bundesstaat Espirito Santo erreicht. Der Giftschlamm hat bei seiner Reise zum Atlantik das Leben an den Ufern des Flusses Doce zerstört, Umweltschützer sprechen von biologischen Friedhöfen. „Die Situation kann man mit wenigen Worten zusammenfassen: der Fluss ist tot“, so Luciano Magalhães, Leiter Wasser- und Abwasserkanalservice der Region. Forscher Marcos Freitas von der Bundesuniversität von Rio de Janeiro (UFRJ) bekräftigt seinen Kollegen. „Auf seiner Reise von 650 Kilometern hat der giftige Schlamm nur biologische Friedhöfe hinterlassen“. In den Nachrichtensendungen des brasilianischen Fernsehens werden weinende Indigene gezeigt, denen die Zukunft geraubt wurde.

drechsflut

Die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens hat zur Aussetzung der Zufuhr von Trinkwasser von über 250.000 Menschen geführt. Die Menge von Arsen, Cadmium, Blei, Chrom, Nickel, Kupfer und Quecksilber liegt laut dem brasilianischen Institut für Wasserwirtschaft weit über dem gesetzlich zulässigen Grenzwert. Die brasilianische Regierung bezeichnet den Vorfall als „Umweltkatastrophe“ und hat dem Betreiber der Mine „Samarco“ eine Geldbuße in Höhe von insgesamt fast 430 Millionen US-Dollar auferlegt.

Umweltschützer gehen jedoch davon aus, dass die Schäden in die Milliarden gehen und letztendlich unberechenbar sind. Sie weisen darauf hin, dass Pflanzen und Tiere in einem Becken von über 83.000 Quadratkilometern, das entspricht der Größe Österreichs, vom Umwelttod betroffen sind. Auf mehr als 850 Kilometer Länge hat der Rio Doce noch nicht abschätzbare Schäden an Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus und Industrie hinterlassen. „Kein Geld dieser Welt reicht aus, um uns zu helfen. Der Fluss ist tot und kommt nie wieder zurück. Alles, was wir wollten und hatten, ist nicht mehr da. Sie haben uns unsere Freude genommen/gestohlen“,weint Mauro Krenak, Fischer in der Region.

Mindestens 16 weitere Staudämme in vier Bundesstaaten sind gefährdet. Eine Tragödie wie in Marina kann sich jederzeit wiederholen.

Update

Die Kommunalregierung vom Verwaltungsbezirk Linhares (ES) gab am Mittwochnachmittag (Ortszeit) bekannt, dass ab sofort zwei Strände im Mündungsgebiet des Rio Doce gesperrt werden. Demnach haben wechselnde Winde giftige Sedimente an den Praia Regência und Povoação getrieben, das Umweltministerium bezeichnet die Maßnahme als „präventiv“.

http://latina-press.com/news/

Anzahl getöteter Umweltaktivisten erreichte 2014 neuen Rekordwert

titel1

Menschen sterben bei Widersetzung gegen Abholzung, Wasserkraftwerke, Bergbauminen und Landstreitigkeiten. Weltweiter Bedarf an Holz soll sich bis 2050 verdreifachen. Laut einem Bericht starben letztes Jahr mindestens 116 Umweltaktivisten bei Kampagnen gegen Bergbauminen, Abholzung, Wasser- und Landraub.

Wie die in Großbritannien ansässige Gruppe „Global Witness“ berichtet, ist die Anzahl der Todesfälle im Steigen begriffen, indem durchschnittlich zwei Menschen pro Woche umkommen – ein Fünftel mehr als 2013.

Wie die Studie ergab, wurden einige Aktivisten während Protesten von der Polizei oder von Auftragskillern erschossen, während viele weitere von Unternehmen bedroht wurden, denen sie sich widersetzt hatten.

Laut des Berichts „How Many More?“, könnte die Todesrate noch viel höher sein, indem die Schauplätze der Zusammenstöße zumeist abgelegene Dörfer und Dschungelgebiete sind, so dass viele Todesfälle nicht offiziell registriert werden (Alternative Heilung: GcMAF und der mysteriöse Tod von 14 Ärzten (Videos) und Das mysteriöse Sterben von Top-Bankern und „Staatsfeinden“ setzt sich fort (Videos) und Zufall? Innerhalb von 24h sterben drei Journalisten – sie planten Dokumentarfilm über 9/11).

Indem Honduras, gemessen an der Einwohnerzahl, das gefährlichste Land war, ereigneten sich annähernd drei Viertel der bekannten Todesfälle in Mittel- und Südamerika, während Brasilien, Kolumbien und die Philippinen ebenfalls eine hohe Anzahl an Toten zu verzeichnen haben (Dammbruch wird zum brasilianischen Fukushima (Videos)).

Ungefähr 40 Prozent der Opfer waren Ureinwohner, die in Streitigkeiten über Wasserkraftwerke, Bergbauminen, Abholzung, Land und Wasser verwickelt waren.

„In Honduras und überall auf der Welt werden Umweltschützer am helllichten Tag erschossen, entführt, bedroht, oder als Terroristen gehandelt, weil sie sich dem so genannten Fortschritt in den Weg stellen“, sagt Billy Kyte, ein Aktivist bei Global Witness.

„Die wahren Urheber dieser Verbrechen kommen durch eine mächtige Verflechtung von Konzern- und Staatsinteressen ungeschoren davon. Dringendes Handeln ist erforderlich, um die Bürger zu schützen und die Täter vor Gericht zu bringen.“ (Wohlstand auf dem Rücken der Dritten Welt: Sklavenarbeit für unseren Fortschritt! (Video))

bild2

(Luftaufnahme eines von heimlichen Goldminen verwüsteten Gebiets im brasilianischen Nationalpark Jamanxim)

Viele Fälle wurden nicht von der Justiz aufgeklärt, aber zu den mutmaßlichen Mördern gehören paramilitärische Gruppen, Polizei, private Sicherheitsdienste und das Militär.

Global Witness ruft Regierungen und internationale Vereinigungen dazu auf, Verbrechen gegen Aktivisten zu beobachten, zu untersuchen und zu bestrafen und sich, besonders im Fall von Honduras, bei angenommenen Übergriffen an den UN-Menschenrechtsrat zu wenden.

Weiterlesen hier:

http://www.pravda-tv.com/2015/12/anzahl-getoeteter-umweltaktivisten-erreichte-2014-neuen-rekordwert/

Umweltschäden: Hormone in Gewässern lassen Weibchen zu Männchen werden

13. August 2015

bild

Warum Froschweibchen plötzlich zu Männchen werden: Zwar warnen Experten immer wieder, Chemikalien oder Medikamentenreste nicht in den Abfluss zu entsorgen, doch viel zu viele Menschen halten sich nicht daran. So gelangen in verschiedenen Weltregionen Hormone und deren Abbauprodukte in die Umwelt. Im Tierreich hat das teils enorme Folgen. Insbesondere bei Amphibien.

Abbauprodukte von Hormonen in Gewässern

Die Rückstände von Pestiziden, anderen Chemikalien und Arzneimittel belasten die Umwelt und Menschen auf der ganzen Erde. Davor warnen Experten bereits seit Jahren. In vielen Regionen der Welt gelangen auch immer wieder Abbauprodukte von Hormonen in Flüsse und Seen.

Eine aktuelle Untersuchung, über die die „Welt“ online berichtet, belegt, dass dies für die dort lebenden Tiere gefährlich werden kann. In der Studie haben chinesische Forscher den Effekt von häufig in Gewässern zu findenden Substanzen auf Amphibien untersucht. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal „Environmental Toxicology & Chemistry“. Es zeigte sich, dass ein in Gewässern weltweit zu findendes Abbauprodukt des Hormons Testosteron Froschweibchen vermännlichen lässt – und zwar in Konzentrationen, wie sie in der Umwelt zumindest regional schon jetzt vorkommen.

Natürliche und künstlich hergestellte Substanzen

Den Wissenschaftlern zufolge hätten die Keimdrüsen von Kaulquappen in Versuchen bei sämtlichen Weibchen verschieden stark männliche Ausprägungen entwickelt. Kein einziges Weibchen habe demnach noch ausschließlich weibliche Geschlechtsmerkmale gezeigt. Vom Hormonsystem wird die Ausschüttung von chemischen Botenstoffen des Körpers – den Hormonen – gesteuert. Diese haben eine wesentliche Bedeutung für den Stoffwechsel, das Wachstum sowie die Entwicklung. In der Umwelt gibt es zahlreiche hormonell wirksame Substanzen, wie beispielsweise Phytoöstrogene in Soja. Viele andere sind jedoch künstlich hergestellte Substanzen, die unter anderem aus Pestiziden, Plastikmaterialien oder auch Medikamenten stammen. Dass solche hormonaktiven Chemikalien die Gesundheit bedrohen, haben Forscher in Europa schon vor Jahren festgestellt.

Nur noch Männchen und uneinheitliches Geschlecht

Die Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking untersuchten die Wirkung von 5-Alpha-Dihydrotestosteron (DHT), einem Abbauprodukt des Testosterons. Dieses wird unter anderem von Kraftsportlern eingesetzt, um mehr Muskelwachstum zu bewirken. Die Forscher wählten den Wasserfrosch Pelophylax nigromaculatus als Versuchstier. Es handelt sich dabei um eine in Asien weit verbreitete Art, deren Bestand jedoch regional, insbesondere in China, derzeit erheblich schwindet. Die Kaulquappen wurden in verschiedene Aquarien mit Konzentrationen von 40, 400 oder 4.000 Nanogramm DHT pro Liter im Wasser gesetzt. Laut den Forschern zeigte die Analyse nach abgeschlossener Metamorphose zum Frosch, dass es in allen Becken nur noch Männchen und Tiere uneinheitlichen Geschlechts, jedoch kein einziges organisch eindeutiges Weibchen mehr gab.

Menschlichen Hormonen ähnelnde Chemikalien

Menschlichen Hormonen ähnelnde Chemikalien sind weltweit in vielen Flüssen, Seen und anderen Gewässern zu finden. Erst im vergangenen Jahr zeigte eine Studie, dass auch deutsche und europäische Gewässer stärker chemieverseucht sind, als gedacht. Ein Großteil der hormonähnlichen Substanzen stammt au dem Abwasser, selbst Kläranlagen filtern sie kaum aus. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, welche Folgen weibliche Hormone oder ihnen ähnliche Substanzen für Wasserlebewesen haben können. So verweiblichen beispielsweise männliche Fische mit Östrogen im Wasser, im Extremfall bis zur kompletten Geschlechtsumwandlung. Und auch für männliche Hormone (Androgene) habe es den chinesischen Forschern zufolge bereits einige Analysen gegeben. Dabei seien aber hohe Konzentrationen im Mikrogrammbereich verwendet worden, die in der Umwelt gar nicht vorkämen.

Bei einer Studie in China seien für 5-Alpha-Dihydrotestosteron Konzentrationen von 39 bis 55 Nanogramm pro Liter in Oberflächengewässern und 326 bis 621 Nanogramm pro Liter in Abwasser gemessen worden. Das entspreche den beiden Versuchsreihen mit geringerer und mittlerer Konzentration.

Kein einziges Tier mit weiblichen Geschlechtsstrukturen

Wie es heißt, weise der Umstand, dass selbst bei 40 Nanogramm DHT kein einziges Tier mehr ausschließlich weibliche Geschlechtsstrukturen zeigte, darauf hin, dass schon sehr geringe Gehalte der Substanz wirksam sind. Dabei sei das Zusammenspiel mit anderen hormonellen Substanzen in Gewässern noch gar nicht berücksichtigt. Ihre Gesamtwirkung sei möglicherweise einer von mehreren Faktoren beim weltweit zu beobachtenden Amphibiensterben. Der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Bd, gilt als eine Hauptursache dafür. Doch auch Faktoren wie die Vernichtung von Lebensräumen, Schadstoffeintrag und die Ausbreitung anderer Erreger spielen dabei eine bedeutende Rolle.

Literatur:

Entgiften statt vergiften von Uwe Karstädt

Sepp Holzers Permakultur: Praktische Anwendung für Garten, Obst- und Landwirtschaft von Sepp Holzer

Lass dich nicht vergiften!: Warum uns Schadstoffe chronisch krank machen und wie wir ihnen entkommen von Joachim Mutter

Quellen: PublicDomain/heilpraxisnet.de vom 12.08.2015

http://www.pravda-tv.com/

Das geheime Leben der Bäume (Videos)

27. Juli 2015 aikos2309

leben-der-baeume

Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt.

Ein neuer Blick auf alte Freunde!

Erstaunliche Dinge geschehen im Wald: Bäume, die miteinander kommunizieren. Bäume, die ihren Nachwuchs, aber auch alte und kranke Nachbarn liebevoll umsorgen und pflegen. Bäume, die Empfindungen haben, Gefühle, ein Gedächtnis. Unglaublich? Aber wahr! – Der Förster Peter Wohlleben erzählt faszinierende Geschichten über die ungeahnten und höchst erstaunlichen Fähigkeiten der Bäume. Dazu zieht er die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ebenso heran wie seine eigenen unmittelbaren Erfahrungen mit dem Wald und schafft so eine aufregend neue Begegnung für die Leser: Wir schließen Bekanntschaft mit einem Lebewesen, das uns vertraut schien, uns aber hier erstmals in seiner ganzen Lebendigkeit vor Augen tritt. Und wir betreten eine völlig neue Welt …

„[…] ein faszinierendes Buch über eine gewaltige Kreatur, der es offenbar gelungen ist, sich vor unser aller Augen zu verstecken.“ (Wieland Freund in Die Welt)

Er hat es wieder getan! Der „Baumflüsterer“ Peter Wohlleben hat es erneut geschafft, uns mit seinem neuen Buch sprachlos und sehr demütig zu machen.

Bäume! Nein, sie sind nicht „nur“ schöne, grüne Pflanzen, die uns an heißen Tagen Schatten spenden und unter denen wir uns bei einem Gewitter nicht aufhalten dürfen.

Was wissen wir überhaupt über sie?

Wussten Sie, dass die Eiche ein Weichei ist und Buchen ihren Nachwuchs säugen und kranken Exemplaren helfen, indem sie sie „füttern“? Dass Wurzelspitzen gehirnähnliche Strukturen haben und sich somit die Frage stellt, ob Pflanzen denken können? Dass in einer Handvoll Walderde mehr Lebewesen stecken als es Menschen auf der Erde gibt? Dass Stadtbäume ein extrem hartes Leben haben? Als Hundebesitzer sollte einem letzteres bewusst sein, denn die Markierungen des Hundes verätzen die Rinde des Baumes und können zu seinem Absterben führen.

Wer liest, dass Bäume Gefühle haben und dass Baumeltern mit ihren Kindern zusammenleben, der geht mit einem anderen Bewusstsein in den Wald. Viel zu viele Menschen haben verlernt, die Kostbarkeit der Natur und der tierischen und pflanzlichen Lebewesen in ihr zu schätzen.

Alle die, die eine Pelletheizung oder einen Holzofen besitzen, könnten allerdings bei der Lektüre dieses Buches in Gewissenskonflikte geraten. Denn möchten Sie einem säugenden Buchenbaby die Jahrhunderte alte Mutter wegnehmen und fällen lassen, nur, damit Sie es Zuhause kuschelig warm haben?

Hier ein paar Beispiele aus dem Buch:

– Bäume können durchaus aufeinander Rücksicht nehmen. Wenn etwa zwei Bäume eng nebeneinander stehen, sieht man oft, dass nur dünne Äste in Richtung des anderen Baumes zeigen. Während nach allen anderen Seiten dicke Äste raumgreifend wachsen, um möglichst viele Blätter zum Einfangen des Sonnenlichts zu haben, tasten sich nur zarte Ästchen vorsichtig in Richtung des benachbarten Baumes vor. Keiner der Bäume will mit dem anderen in Konkurrenz treten, sondern beide achten rücksichtsvoll darauf, dass jeder genug Licht erhält, um gesund zu bleiben.

– bei Unwetter und Sturm bilden Bäume oft eine Art Solidargemeinschaft. Wo ein einzelner Baum umfallen würde, stützen sich die Mitglieder eines intakten Buchenwaldes gegenseitig. Und zwar, indem sie durch ihre unterschiedlichen Kronen und Stämme auch unterschiedlich hin und her pendeln, gegeneinander schwanken, ihre Bewegungen damit abbremsen und somit ein Aufschaukeln und Umfallen verhindern.

– Bäume können sich gegenseitig vor Schädlingen warnen und tun dies oft auch. Wenn z.B. eine Buche von Insekten befallen wird, warnt sie ihre Kollegen über Duftbotschaften. Diese können dann in Abwehrstellung gehen und Abwehrstoffe in der Rinde einlagern. In der afrikanischen Savanne gibt es eine Akazienart, die das Gas Ethylen ausstößt, wenn eine Gazelle ihre Blätter abfrißt. Damit warnt die Akazie ihre Nachbarn, die einen Stoff in ihre Blätter einlagern, der diese ungenießbar macht.

– Bäume leiden oft unter einer für sie ungünstigen Umgebung – genau wie wir Menschen. So ergeht es etwa Straßenbäumen, die neben einer Laterne stehen. So wie wir Menschen brauchen auch Bäume ihren Schlaf, um sich zu regenerieren. Das können sie aber nicht, wenn sie nachts unter Dauerbelichtung stehen. Sie leiden unter dem Schlafentzug – genau wie wir Menschen dies tun würden.

Fazit: Peter Wohlleben ist ein Autor, der es vermag, den Leser nicht nur zu unterhalten und zu faszinieren, sondern auch aufzurütteln. Er schärft ein Bewusstsein für die Natur und unsere Umwelt – und macht uns letztendlich so zu einem besseren Menschen. Das ist eine besondere Gabe und ein Geschenk, für das ich dem Autor danken möchte.

Das Buch verändert die Sichtweise auf Bäume und Pflanzen generell und wird sicher auch viele andere Leser zum Nachdenken anregen. Während bei Tieren inzwischen ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass diese oft leiden und unsere menschliche Rücksichtnahme benötigen, werden Bäume oft noch als reine Rohstofflieferanten angesehen – schließlich können sie ja nicht so fühlen wie Tiere. Aber was gibt uns das Recht, Bäume deshalb als Lebewesen unterer Art einzustufen? Oder wollen wir mit dieser scharfen Trennung zwischen Tier und Pflanze nur unser Gewissen manipulieren? Bäume können schließlich auch kommunizieren, genauso leiden wie Mensch oder Tier. Also verdienen sie auch genauso unsere Beachtung und Rücksichtnahme. Hierfür ein Bewusstsein zu erzeugen, ist das wichtige Verdienst des Buches.

Hier geht es zur Leseprobe.

Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens. Hermann Hesse

Literatur:

Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt von Peter Wohlleben

Der Geist der Bäume: Eine ganzheitliche Sicht ihres unerkannten Wesens von Fred Hageneder

Bäume verstehen: Was uns Bäume erzählen, wie wir sie naturgemäß pflegen von Peter Wohlleben

Quellen: PublicDomain/randomhouse.de vom 27.07.2015

http://www.pravda-tv.com/

Zeitbombe Nitrat: Krebsgefahr durch Trinkwasser (Videos)

nitrat-krebs-trinkwasser-deutschland

Deutschland gehört zu den größten Trinkwasserverschmutzern in der EU. Die Nitrat-Grenzwerte sind bei über der Hälfte aller deutschen Messstellen erhöht und Brüssel warnt massiv vor den Krebsgefahren durch Nitrat.

Kot und Urin aus der Massentierhaltung gefährden unser Wasser. Denn diese Gülle wird auf die Felder gekippt und sickert ins Grundwasser. Die Zahlen sind dramatisch: Der Nitrat-Grenzwert wird in der Hälfte aller Messstellen in Deutschland nicht mehr eingehalten. Dabei kann der Stoff beim Menschen Krebs auslösen.

Seit Jahren wird über die flächendeckende Verunreinigung des Grund- und Trinkwassers durch die Landwirtschaft debattiert. Doch ein Eingreifen der Agrarpolitik lässt bis heute auf sich warten. Schon längst bestimmen die Pharmakonzerne, Chemiegiganten und die Gier nach Profit die Politik. In Wahrheit sind die angeblich billigen Nahrungsmittel, die schon längst zu den teuersten gehören, betrachtet man die gesundheitlichen Folgeschäden bei Mensch, Tier und Umwelt.

Deutschland hat ein Nitratproblem

Die Nitratgehalte in den Gewässern sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die intensive landwirtschaftliche Düngung stark angestiegen. Die Stickstoffverbindung diffundiert nicht nur aus Gülle in den Boden, sie kommt auch mit künstlichem Dünger in die Landschaft und seit einigen Jahren landet sie zusätzlich als Gärrest aus Biogasanlagen auf den Äckern.

Der VSR-Gewässerschutz kritisiert bereits seit Jahrzehnten die Fokussierung im Grundwasserschutz allein auf die Wassergewinnungsgebiete – es bedarf nach Auffassung der Umweltschützer hingegen einen flächendeckenden Schutzes. Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung darf auch der ökologische nicht vernachlässigt werden. Das mit Nitraten belastet Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann über Weser weiter zur Nordsee. Dort wirkt das Nitrat als Dünger und fördert das Algenwachstum. Es kommt zur Eutrophierung, die jeder Urlauber auch an der Schaumbildung an den Stränden sehen kann.

Damit Sie erkennen, wie lange dieses Problem schon bekannt ist – einige Berichte:

2010

Die intensivierte Bioenergieproduktion auf den Äckern verschärft ein großflächiges Problem: 89 Prozent der Flüsse und Bäche, 57 Prozent der Seen und 38 Prozent der Grundwasserleiter in Deutschland sind nach den Kriterien der Europäischen Gemeinschaft derzeit in einem »schlechten chemischen Zustand«. Für die Verunreinigungen im Grundwasser seien »nahezu ausschließlich die Nitratbelastungen aus der Landwirtschaft verantwortlich«, konstatierte im Jahr 2010 das Umweltbundesamt. 15 Prozent des hiesigen Grundwassers lagen über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. 36 Prozent wiesen »deutlich bis stark erhöhte Nitratwerte auf«, nur bei knapp der Hälfte der beprobten Wasserstellen lagen die Werte im Rahmen der natürlichen Belastung (unter zehn Milligramm pro Liter).

2013

Ein breites rotes Band zieht sich von Süd nach Nord durch Schleswig-Holstein. Hier ist das Grundwasser gefährdet, weil es zu viel Nitrat enthält. Insgesamt sind es 22 von 55 Grundwasserkörpern – etwa der Hälfte der Landesfläche. Weil das Trinkwasser in vielen Gebieten Schleswig-Holsteins aus dem Grundwasser gewonnen wird, muss es an etlichen Orten mit wenig belastetem Wasser gemischt oder kostspielig aufbereitet werden. Nur so ist der Grenzwert von 50 mg/l einzuhalten. Das macht Sinn: Nitrat kann beim Menschen die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse einschränken, vor allem aber im Körper jene Nitrosamine bilden, die als krebserregend gelten.

Fachleute wie Prof. Taube, der an der Kieler Universität das Problem seit Jahren erforscht, überraschen die Nitratwerte nicht. Schließlich wird nicht nur mit der Gülle aus der Tierhaltung gedüngt, sondern auch mit den Gärresten aus den Biogasanlagen. Allein in Schleswig-Holstein sind das 630. „Die Gärreste, die vom Mais in den Biogasanlagen übrigbleiben, enthalten wie Gülle Stickstoff“, sagt Taube. „deshalb werden diese Reste auch wie Gülle als Dünger eingesetzt.“

Allein der Dünger aus den schleswig-holsteinischen Biogasanlagen entspreche der Gülle von 150 000 Kühen. Eine riesige Menge, die die Betreiber möglichst kostengünstig loswerden wollen. Deshalb werden die Gärreste meist als Dünger in der Umgebung eingesetzt. Angesichts der riesigen Mengen führt das immer noch viel zu oft zu Überdüngungen, kritisiert Taube. Quelle

2015

Gülzow hatte Wasser aus mehr als 40 privat genutzten Brunnen in der Gemeinde Ganderkesee analysiert. Interessierte konnten die Proben bei ihm abgeben und untersuchen lassen. In mehr als einem Drittel der Fälle lag Gülzows Angaben zufolge die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Den höchsten Wert lieferte die Probe aus einem Brunnen in Hengsterholz mit 205 Milligramm pro Liter. Die Vergleichszahlen aus dem Jahr 2012 zeigten, dass sich die Situation tendeziell verschlechtert habe, so der Physiker. Quelle

Dieses sind nur einige Ausschnitte und wenn Sie googlen werden Sie noch viele weitere Nachrichten finden.

trinkwasser1

Krebs durch Nitrat im Trinkwasser

In einer Studie der University of Iowa an fast 22 Tausend Frauen in 2001 wurde darauf hingewiesen, dass Nitrat im Trinkwasser das Risiko für Blasenkrebs erhöht. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift „Epidemiology“ berichteten, sind bereits geringe Mengen Nitrat im Trinkwasser gefährlich. Frauen, die über zehn Jahre lang Trinkwasser mit mehr als 11 Milligramm Nitrat pro Liter verwendet hatten, hatten ein fast drei Mal so hohes Risiko, Blasenkrebs zu bekommen wie Frauen, in deren Trinkwasser weniger als 1,6 Milligramm Nitrat war, fanden die beiden Leiter der Studie, Peter Weyer und James R. Cerhan.

Der Grenzwert liegt in Deutschland bei 50 Milligramm Nitrat je Liter Trinkwasser. Nitrat gelangt durch Natur- und Kunstdünger in das Trinkwasser. Bis zu einem Fünftel des aufgenommenen Nitrats kann von Bakterien im Körper zu dem giftigen Nitrit umgewandelt werden. Im Magen, Darm oder in der Blase können sich dann aus dem Nitrit die gefährlichen Nitrosamin-Verbindungen bilden, die Krebs auslösen.

Video:

Besonders große Mengen Gülle landen auf den vielen Maisflächen. Während die Überdüngung bei anderen Pflanzen zu einer Ertrags – und Qualitätsminderung führen kann, vertragen die Maispflanzen die zu hohen Stickstoffgaben. Die von der Pflanze nicht aufgenommenen Nährstoffe landen als Nitrat jedoch in unseren Gewässern.

Die Belastung der Umwelt mit reaktivem Stickstoff ist ein vielfach unterschätztes Problem. Es geht nicht alleine um die Vermeidung von Nitratbelastungen im Trinkwasser.

Zu hohe Nährstoffeinträge führen zu weitreichenden Schäden an der Biodiversität. Zum Beispiel beeinträchtigt die verminderte Vielfalt blühender Pflanzen auf Wiesen und Äckern die Ernährungsgrundlage von Bestäubern wie Bienen.

Die Überdüngung der Meere führt zu verstärkter Algenbildung. Sichtbare Folge ist die Schaumbildung an den Stränden der Ost- und Nordsee.

trinkwasser-2

Zeitbombe im Trinkwasser – Gülletourismus mit Lastwagen

Am Niederrhein – insbesondere im Kreis Kleve – wird im Gegensatz zu anderen Regionen in zahlreichen Massentierhaltungen sehr viel Fleisch und Milch „erzeugt“. Aus diesen Betrieben mit viel zu wenig zur Verfügung stehenden Flächen wird die Gülle zu vieharmen Betrieben transportiert. Doch im Kreis gibt es einfach zu viel Gülle, die verteilt werden muss.

Dadurch, dass sich viele Ackerbaubetriebe anstatt Gülle vom Niederrhein lieber aus Niederlande oder aus dem Nachbarbundesland Niedersachsen die braune Brühe zur Düngung ihrer Flächen anliefern lassen, steigt die aufzubringende Gesamtmenge noch zusätzlich an. Im Kreis Kleve fallen jährlich bereits 11.000 Tonnen Stickstoff aus Gülle an.

Fast 2.000 Tonnen werden zudem aus Niederlande und Niedersachsen importiert.

Besonders große Mengen landen auf den vielen Maisflächen. Während die Überdüngung bei anderen Pflanzen zu einer Ertrags – und Qualitätsminderung führen kann, vertragen die Maispflanzen die zu hohen Stickstoffgaben. Die von der Pflanze nicht aufgenommenen Nährstoffe landen als Nitrat jedoch in unseren Gewässern. Daher stellt auch der im Kreis Kleve in den zahlreichen Biogasanlagen eingesetzte große Maisanteil eine Nitratbelastung der Niers dar. Da der Mais auch schon mit Gülle gedüngt wird, erhöhen die in den Anlagen anfallende Gärreste noch die Stickstoffmenge, wodurch die Gefahr der Überdüngung ansteigt.

Video:

Kleve ist nur ein Beispiel von vielen.

Pro Jahr produziert ein Schwein zwischen 1.000 und 1.500 Liter Urin und Kot. Zum Beispiel fallen in dem Betrieb, der im PLANET E SENDUNG VOM 19.07.2015, vorgestellt wurde, jährlich rund 2,3 Millionen Liter flüssige Gülle an. Um die enormen Mengen aus der Massentierhaltung in den Griff zu bekommen, hat sich ein Gülletourismus etabliert: Lastwagen fahren Fäkalien quer durch Deutschland – von den überquellenden Mastbetrieben zu Höfen mit wenig oder ohne Tierhaltung. Auf Nährstoffbörsen im Internet werden die tierischen Abfälle angeboten…

Nitrat kann in hoher Konzentration Krebs auslösen. Deshalb gibt es seit 1991 eine europäische Nitrat-Richtlinie, um die Nitratbelastung des Grundwassers zu reduzieren. Doch in Deutschland hapert es bis heute an der Umsetzung dieser Richtlinie. An vielen Messstellen wird der Grenzwert von 50mg Nitrat pro Liter zum Teil deutlich überschritten. Fachleute machen vor allem die Landwirtschaft für das Nitrat im Grundwasser verantwortlich, Bauern streuen mehr Dünger und Gülle auf die Felder, als die Pflanzen aufnehmen können…

Lesen Sie hier weiter…

Die Regierungen haben viel zu lange der Agrar- und Biogas-Lobby das Zepter überlassen. Zudem fehlen Kontrollen und Sanktionen. Deutschlands Agrarpolitik stinkt im wahrsten Sinne des Wortes.  Wenn Sie ebenfalls betroffen sind, dann wenden Sie sich an Ihre Gemeinde und machen Sie auf die Missstände aufmerksam. Nur wenn jeder von uns aktiv wird, können wir etwas bewegen – schließlich geht es um unser Trinkwasser!

Literatur:

Entgiften statt vergiften von Uwe Karstädt

Sepp Holzers Permakultur: Praktische Anwendung für Garten, Obst- und Landwirtschaft von Sepp Holzer

Lass dich nicht vergiften!: Warum uns Schadstoffe chronisch krank machen und wie wir ihnen entkommen von Joachim Mutter

Quellen: netzfrauen.org vom 20.07.2015

http://www.pravda-tv.com/

Atombombentests: Dom des Todes (Video)

10. Juli 2015

titelbild

Mitten im Pazifik tickt eine Zeitbombe: ein riesiger Beton-Dom, gefüllt mit Plutonium aus US-Atombombenversuchen. Nun bedrohen 101 498 Kubikmeter radioaktiv verseuchter Schutt die Bewohner des Atolls – und den Pazifischen Ozean.

Wie ein halb vergrabener Baseball ragt die Betonkuppel aus dem Sand. Kletterpflanzen kämpfen auf Betonplatten um einen Platz an der Sonne, unter gewaltigen Wolken ziehen Seevögel ihre Kreise.

Auf der Spitze der Kuppel hat jemand das Baujahr eingekratzt: 1979. Offiziell heißt dieses Gebilde Runit Dome – benannt nach der winzigen Insel, auf der es liegt, Runit Island. Ein Tempel, ein Ufo, mitten im Pazifik, weit weg von der Zivilisation. 2173 Kilometer bis Japan, 2827 Kilometer bis Hawaii. Und dennoch leben hier Menschen. Den Fremdkörper auf ihrer Insel nennen sie: das Grab.

Unter dem Betondeckel liegt Amerikas Vermächtnis des Kalten Kriegs, 101 498 Kubikmeter radioaktiv verseuchter Schutt, verstrahlt durch Plutonium, entstanden während der zwölfjährigen Phase amerikanischer Atombombentests auf den Marshall-Inseln. Die Inseln waren nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1986 Treuhandgebiet der Amerikaner. Diese nutzten die Region über Jahre als nukleares Testgelände.

Unheilvolle Mischung aus Atomtests und Klimaveränderung

Der Runit Dome ist nicht für die Ewigkeit gebaut. Bereits jetzt zeigt er Risse, der Boden ist nicht versiegelt. Niemand weiß genau, wie viel Plutonium schon nach draußen gelangt ist, in die Lagune, den Pazifik, die Weltmeere. Plutonium ist einer der giftigsten radioaktiven Stoffe mit einer Halbwertszeit von bis zu 24 000 Jahren.

Wissenschaftler und Umweltaktivisten schlagen Alarm. Sie fürchten, dass Taifune oder Sturmfluten die Zementplatten lösen oder das direkte Umfeld des Domes unter Wasser setzen könnten. Infolge der  natürlichen Klimaveränderung könnte der Meeresspiegel bis zum Jahre 2100 um einen Meter steigen, und ebenfalls Teile des Geländes überfluten. Zwischen der Lagune und der Kuppel liegen nur wenige Meter Strand und ein paar Büsche. Auf der anderen Seite der Insel trennt nur eine Mauer aus aufgeschütteten Steinen die Konstruktion vom Meer. Bei Flut bilden sich Pfützen, das Meer sickert durch die Mauer.

Insgesamt 67 Atombomben detonierten zwischen 1946 und 1958 auf den Atollen Eniwetok und Bikini, 43 davon auf Eniwetok. Ihre kombinierte Sprengkraft war so groß, als hätte man in diesen zwölf Jahren jeden Tag 1,6 Hiroshima-Bomben gezündet. Das nukleare Dauergewitter vertrieb die Inselbewohner. Für 33 Jahre mussten sie auf dem Nachbaratoll Ujelang ausharren. Jetzt leben sie wieder auf ihrem Atoll und fragen sich, wie verstrahlt ihre Inseln tatsächlich sind. Doch die Einwohner haben noch nicht einmal ein Wort für Strahlung, das Konzept der Radioaktivität verstehen viele von ihnen nicht. Man sieht sie nicht, man fühlt sie nicht, man riecht sie nicht. Sie sprechen von dem Gift, das sie verseucht und den Tod bringt.

Der Dome ist das einzig Greifbare, was aus der Testperiode übrig geblieben ist. Für die älteren Einwohner Eniwetoks symbolisiert er den Tod. Manche Teenager machen Ausflüge zu ihm, laufen barfuß und ohne Schutzvorrichtungen auf ihm herum oder schlafen gar auf seiner Spitze – wegen des „kühlen Winds da oben“. Für sie war der Dome immer schon da.

bild1

Ihren Atommüll kippten die Amerikaner einfach in die Lagune

Die Marshall-Inseln schlossen 1986 ein Assoziierungsabkommen mit den USA, das ihnen gleichzeitig die Unabhängigkeit gewährte. Das Abkommen sichert der Inselnation zwar Entschädigungszahlungen für die Atomtests zu, schob aber die rechtliche Verantwortung für den Runit Dome der Regierung der Marshall-Inseln zu.

Zugleich versuchte man, das verseuchte Atoll zumindest teilweise wieder zu sanieren. Die Reinigung kostete 218 Millionen. Doch von den 40 Inseln des Atolls sind heute nur drei so sauber, dass Menschen auf ihnen leben können. Selbst die wichtige nördlich gelegene Insel Enjebi wurde aufgegeben, vor Beginn der Atombombentests hatte dort die Hälfte der Bevölkerung des Atolls gelebt. Stattdessen wurden die drei südlichen Inseln Eniwetok, Medren und Japtan die ersten von den Tests beeinträchtigten Inseln, die wieder dauerhaft von Menschen in Besitz genommen wurden. Allerdings müssen sich die beiden Stämme des Atolls, die Dri-Enjebi und die Dri-Eniwetok, diese Inseln seitdem teilen.

Sogar ein Schiffswrack aus deutschen Kolonialzeiten liegt auf dem Grund der Lagune
Auf Runit, wo 14 der 43 Bomben explodierten, trugen Vertragsarbeiter und von der US-Army eingezogene Männer den verseuchten Boden ab. Am liebsten hätten die Amerikaner den Aushub einfach in den Ozean gekippt. Das wäre am billigsten und am einfachsten gewesen, war aber verboten. Für einen Transport des Materials in die USA wiederum fehlte der politische Wille. Schließlich mischten die Arbeiter den radioaktiven Schotter einfach mit Zement und schütteten ihn in den 107 Meter breiten Krater, der 1958 durch den Abwurf einer 18-Kilotonnen-Bombe im Rahmen der Operation „Cactus“ auf der Insel entstanden war. Mit Betonplatten wurde diese riesige nukleare Mülltonne dann versiegelt. Fertig war Runit Dome. Was dort nicht mehr Platz fand, wurde dann doch in die Lagune gekippt. Die Entsorgungsverbote für Atommüll gelten nur für das offene Meer.

Atomtests – Die strahlende Insel

Ihre Farben hat die Lagune behalten, sie schimmert in allen Schattierungen von Blau. Sogar ein Schiffswrack aus deutschen Kolonialzeiten liegt hier. Das Wasser lädt zum Baden ein. Doch die Sedimente der Lagune sind so verseucht, dass die Radionuklide mittlerweile ihren Weg aus der Lagune finden. Eniwetoks Plutonium lässt sich bis ins Südchinesische Meer und ins Mündungsgebiet des chinesischen Perlflusses nachweisen. Dabei liegt die nächste menschliche Siedlung nur 22 Kilometer entfernt auf Eniwetoks gleichnamiger Hauptinsel.

Unterdessen schieben sich die Regierungen der USA und der Marshall-Inseln gegenseitig die Verantwortung für das toxische Problem zu. Während viele Menschen in Eniwetok befürchten, dass der Dome eines Tages aufbrechen und den radioaktiven Schutt noch weiter verteilen könnte, verharmlost das amerikanische Energieministerium die Risiken: Risse gebe es in fast allen Arten von Beton, sie seien eine Folge des Trocknens und Schrumpfens des Materials, sagt Terry Hamilton, wissenschaftlicher Direktor des Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL), das im Auftrag des Ministeriums Atolle der Marshall-Inseln untersucht. Eine Studie des Instituts aus dem Jahr 2013 kam zu dem Schluss, dass die Lagune im direkten Umfeld des Domes ohnehin schon stärker verseucht ist als dessen Inneres.

„Aber zumindest der Schutt ist innerhalb des Domes eingeschlossen“, sagt Hamilton. Radionuklide gelangen trotzdem durch den unversiegelten Kraterboden in die Lagune. „Es gibt keinen unmittelbaren Grund zur Sorge, dass die Risse in der Betonkuppel potenziell schädliche Mengen an Radioaktivität freisetzen, die für die Menschen in der Nähe gefährlich werden“, sagt Hamilton. Er fügt hinzu, dass Risse in der Betonkuppel dennoch repariert werden sollten, „um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen“.

bild2

(Orte der Atomtests auf dem Eniwetok-Atoll)

„Es ist eine kleine Insel. Lasst sie uns absperren“

Wirklich zuverlässig lassen sich die Gefahren wohl erst einschätzen, wenn sich die Datenlage verbessert hat. Ein Gesetz aus dem Jahr 2012 verpflichtet das US-Energieministerium zu regelmäßigen Risikoanalysen und Sicherheitsüberprüfungen, die Ergebnisse erreichen die Bevölkerung jedoch nicht.“Klar ist jedenfalls, dass die lokale Regierung weder über das Fachwissen noch die Mittel verfügt, um mögliche Probleme zu beheben“, sagt Riyad Mucadam, Klimaberater des Präsidenten der Marshall-Inseln. Bei Klimaverhandlungen mit den USA sei der Dome noch nie angesprochen worden, auch innerhalb der Regierung rede man nicht darüber. Das Problem wird einfach verdrängt.

Eniwetoks Senator Jack Ading, der in der Hauptstadt Majuro 965 Kilometer entfernt lebt, bezweifelt, dass sein Heimatatoll sicher ist. Er verweist auf gescheiterte Bemühungen, die ebenfalls von Atomtests verseuchten Atolle Rongelap und Bikini wieder zu besiedeln. Trotz der Beteuerungen der USA, dass die Inseln sicher seien, ließen sich die Einwohner von Rongelap 28 Jahre nach ihrer Rückkehr auf ihr Heimatatoll 1985 vom Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior evakuieren – sie fühlten sich nicht sicher, da viele von ihnen krank wurden. Die Einwohner Bikinis verließen nach einem etwa sieben Jahre dauernden Wiederbesiedlungsversuch 1978 ihr Atoll. Sie alle leben seitdem im Exil, verstreut auf den anderen Atollen und Inseln der Marshalls. Ading fragt sich: Wieso sollte es auf dem Eniwetok-Atoll anders sein?

Einig ist man sich, dass die Menschen vom besonders belasteten Runit Island fernbleiben sollten. Dabei gibt es dort noch nicht mal Warnschilder. Auch die Geigerzähler der Besucher schlagen nicht aus. Die gemessene Strahlung ist nicht höher als die natürliche Strahlung, was allerdings keine Entwarnung bedeutet. Der Geigerzähler misst vor allem Cäsium-137, das eine Halbwertszeit von nur 30 Jahren hat. Das Hauptproblem Eniwetoks ist aber das Plutonium. Selbst winzige Mengen dieser Substanz können sich in Organen wie Leber, Lunge oder im Skelett ablagern und Krankheiten wie Krebs verursachen. Häufig gelangt Plutonium durch das Einatmen von verstrahltem Staub in den Körper. Senator Jack Ading würde die Insel am liebsten einzäunen. „Wenn die USA Geld für Kriege wie im Irak haben, werden sie doch 10 000 Dollar für einen Zaun haben. Es ist eine kleine Insel. Lasst sie uns absperren.“

Video hier:

http://www.pravda-tv.com/2015/07/atombombentests-dom-des-todes-video/

An den verstrahltesten Orten graben die Inselbewohner nach Kupfer

Doch die Inseln von Eniwetok lassen sich schwer abschotten. Die Einwohner des Atolls suchen auf den kontaminierten Inseln nach Nahrung – so wie sie es in der Vergangenheit getan haben. Ein sich selbst versorgendes System: Auf manchen Inseln fangen sie Krabben, auf anderen sammeln sie Eier, ernten Früchte oder fangen Vögel. Mit nur drei gereinigten Inseln funktioniert dieses System nicht mehr. Auf der einzigen Straße der Hauptinsel laufen ein paar Schweine herum. Sie müssten eigentlich eingepfercht werden, denn sie fressen die jungen Triebe der wenigen kostbaren Nutzpflanzen ab. So richtig scheint es aber niemanden zu kümmern. Es würde wohl richtig knapp werden, käme nicht drei Mal im Jahr ein Schiff, das Waren liefert: Dosenfleisch, Mehl, Reis, Konserven.

Die Dosennahrung hat dazu geführt, dass die Hälfte der Bevölkerung Diabetes hat – und gleichzeitig hungert, denn das Versorgungsschiff kommt fast immer zu spät. Dann gibt es über Wochen hinweg Mehl mit Kokosnuss. Zwar gibt es auch eine Flugzeug-Landebahn, sie nimmt fast ein Drittel der Insel ein. Doch mittlerweile setzt nur noch etwa alle zwei Jahre eine kleine Chartermaschine dort auf.

Ansonsten lebt die wachsende Bevölkerung auf dem Atoll von einem schrumpfenden Treuhandfonds, der mit dem Assoziierungsabkommen aufgelegt worden war. Pro Quartal und Kopf erhalten die Einwohner Eniwetoks 100 Dollar Entschädigung. Es ist ein dürftiger Betrag, wenn man die wahren Kosten der Atombombenversuche berechnet. Das „Nuclear Claims Tribunal“, eine Organisation der Marshall-Inseln, hat die Kosten durch den Landverlust auf 244 Millionen Dollar geschätzt.

Die Menschen auf dem Atoll haben kaum Möglichkeiten, selbst Geld zu verdienen. Obwohl das US-Energieministerium und das LLNL den Konsum von Kokosnüssen und lokalem Fisch für unbedenklich halten, darf beides nicht exportiert werden. Den Einwohnern bleibt der Ackerbau auf dem felsigen Korallenboden, der nach dem Abtragen der fruchtbaren, aber verstrahlten Erde übrig geblieben ist. Heute sind die Dri-Eniwetok hoch verschuldet.

bild3

(Der Tag, an dem die Sonne zweimal aufging. Am 1. März 1954 zerstörte „Bravo“, die größte Wasserstoffbombe in der Militärgeschichte der USA, das Bikini-Atoll. Karikatur aus dem Daily Mirror von 1954)

„Eniwetok hat kein Geld. Was sollen wir tun, um Geld zu verdienen?“, fragt Rosemary Amitok, die mit ihrem Mann Hemy in einem der vielen gegen Taifune gesicherten Häuser aus nacktem Beton lebt. Die Amitoks sind deshalb ins Altmetallgeschäft eingestiegen, so wie viele Inselbewohner. Seit zwei Jahren fahren sie mit dem Boot rüber nach Runit und graben in den alten Militäranlagen nach Kupfer. Während Rosemary im Zelt kocht, gräbt Hemy im Boden nach Metallteilen und anderen Überresten der amerikanischen Militäranlagen.

Seit er weniger Kupfer an Land findet, taucht er vor der Insel nach weiterem Restmetall. Zurück in Eniwetok verkaufen sie das gefundene Kupfer an einen chinesischen Händler, der den einzigen Laden dort betreibt. In einem vom Inselrat gemieteten Stauraum lagert er Kupfer, Seegurken und Muscheln, die er dann nach Majuro schifft und von dort nach Fujin in China. Das Paar verdient ein bis zwei Dollar für ein halbes Kilo Kupfer. Davon kaufen sie Lebensmittel, finanzieren das Studium der Kinder in Majuro und bezahlen das Benzin für ihr Boot.

„Diese Männer graben an den verstrahltesten Orten und atmen dabei hunderttausendmal höhere Dosen von radioaktiven Partikeln ein als jene Männer, die in der Lagune tauchen“, sagt Ken Buesseler, Chemiker an der Woods Hole Oceanographic Institution, der zu Beginn des Jahres auf Runit war, um Grundwasserproben zu sammeln. Menschen, die nach Kupfer und Metallabrieb tauchen, sind weniger gefährdet, da die Isotope im Wasser stärker verdünnt sind. Genaueres wird das Team von Buesseler erst sagen können, wenn es Wasserproben auf Plutonium wird analysieren können. Bislang fehlt es noch an Forschungsgeldern, die Analysen sind teuer.

Immerhin überwachen zwei einheimische Angestellte in einem halb verlassenen Labor auf Eniwetok die Plutoniumwerte der Personen, die Kupfer auf den verseuchten Inseln suchen. Kaputt hingegen ist das Messgerät, das eigentlich den Cäsium-137-Gehalt in den Körpern der Inselbewohner überwachen sollte. Die lokale Bevölkerung versteht das alles nicht so recht. Viele Einwohner beschweren sich, dass sie zwar Urinproben abgeben, aber die Ergebnisse nicht erklärt bekommen.

Tony de Brum, der Außenminister der Marshall-Inseln, sitzt auf seiner Terrasse mit Blick auf die Lagune von Majuro und ärgert sich: Warum es die USA noch nicht einmal geschafft hätten, sich bei den Inselbewohnern für die Atombombenversuche zu entschuldigen? Er versteht es nicht.

Das Bikini-Atoll, mittlerweile Unesco-Weltkulturerbe, ist im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert. Eniwetok hingegen gerät immer weiter in Vergessenheit – obwohl dort mehr Bomben detonierten. Dabei findet sich auf dem Atoll immer noch ein kleines Paradies. „Wenn Sie nach Eniwetok fahren, gehen Sie auch nach Enjebi, einer der schönsten Inseln der Marshalls“, sagt de Brum: intakte Vegetation, Bäume voller Früchte. Doch wer dort leben wollte, müsste in kniehohen Stiefeln umherlaufen, sein Haus auf Stelzen errichten und dürfte nur eine Kokosnuss pro Tag essen. Wegen dieser Sache, die man weder riechen noch sehen kann.

Literatur:

Das Szenario eines Dritten Weltkriegs: Die geheimen Pläne des Pentagons zur Errichtung einer Neuen Weltordnung von Michel Chossudovsky

Am Vorabend des Dritten Weltkriegs: Was Hellseher für unsere nahe Zukunft prophezeien und was politische Fakten bestätigen von Peter Orzechowski

The Day After – Der Tag danach (Limited Uncut Edition) von Gayne Rescher

Bikini: Über ein Atom-Versuchsgelände in der Südsee von Fritz Kramer

Quellen: PublicDomain/sueddeutsche.de vom 04.07.2015

http://www.pravda-tv.com/