Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft – Bernhard Walpen

   Eine hegemonietheoretische Studie zur Mont Pèlerin Society

 

 

Kurztext: Die erste deutschsprachige Geschichte der Mont Pèlerin Society, des zentralen intellektuellen Netzwerks der neoliberalen Konterrevolution, von ihrer Gründung in einem Schweizer Dorf 1947 bis heute.

Die Mont Pèlerin Society ist ein Zusammenschluss einflussreicher Ökonomen, Publizisten und Gesellschaftstheoretiker. Über die Präsenz in den „Kasematten“ der Zivilgesellschaft (Gramsci), den Betrieben und Konzernen, aber auch in den Parteien und Regierungen wird Hegemonie durchgesetzt. Im Zusammenhang mit dieser neoliberalen Hegemoniegewinnung zeichnet Bernhard Walpen die Entwicklung der Mont Pèlerin Society nach. In einer breit angelegten sozialgeschichtlichen wie ideologietheoretischen Studie wird die Geschichte dieses internationalen Netzwerks aufgerollt, der Weg seiner Intellektuellen und ihres einflussreichen „policy makings“, von der Institutsgründung im Umfeld des legendären Walter Lippmann Kolloquiums von 1938 über den Ausbau dieses „Netzwerkes“ in den 1950er und 1960er Jahren, die „antikeynesianische“ Revolution in den 1970er Jahren bis hin zur marktradikalen ideologischen Unterfütterung des gegenwärtigen High-Tech-Kapitalismus.

Mit der Geschichte der Mont Pèlerin Society wird zugleich die Geschichte einer sich transnational selbstformierenden Gemeinschaft „organischer Intellektueller“ (Gramsci) des globalen Kapitalismus geschrieben: von Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises, Milton Friedman, Walter Eucken, Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow, Karl Popper bis Ludwig Erhard u.a. Das Buch beruht auf umfangreichen Archivrecherchen und Originalliteratur und wird für weitere Forschungen unverzichtbar sein.

Der Autor:
Bernhard Walpen, Sozialwissenschaftler in Luzern (Schweiz), Redakteur im Themenbereich Wirtschaftsgeschichte der Zeitschrift „Sozial.Geschichte“, Mitherausgeber von „The World Wide Web of Neoliberalism“ (2005 bei Routledge).

Band 1 der Schriften zur Geschichte und Kritik der politischen Ökonomie.
Herausgegeben von Karl Heinz Roth und Michael R. Krätke

Rezensionen

Think Tank des Neoliberalismus

In vielen globalisierungskritischen Debatten um die Denkschulen neoliberaler Globalisierung taucht wiederkehrend ein Ortsname auf. Die „Mont Pèlerin Society“ (MPS) gilt als bedeutendster Think Tank des Neoliberalismus. Sie wurde im April 1947 im Dorf Mont Pèlerin oberhalb des Genfer Sees gegründet – als „Kader des Neo-Liberalismus“, wie ein Mitgründer der Zeitschrift Le Monde erklärte. Zu jener Zeit galten im kapitalistischen Westen die wirtschaftspolitischen Ordnungsvorstellungen von John Maynard Keynes als Leitlinien von Politik und Wirtschaft. Eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik mit staatsintegrativen Maßnahmen in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik galten den Neoliberalen als unzulässige und sozialistisch gesteuerte Eingriffe in die Natur des Marktes. Einer der theoretischen Köpfe des Neoliberalismus, Friedrich August von Hayek, erklärte in der Zeitschrift „WirtschaftsWoche“ schon vor Jahrzehnten unter dem wegweisenden Titel „Ungleichheit ist nötig“ der Leserschaft: „Der Begriff der sozialen Gerechtigkeit (ist) in einer marktwirtschaftlichen Ordnung völlig sinnlos.“ Für die Ideologen des Neoliberalismus ist soziale und materielle Ungleichheit ein ebenso natürlicher wie notwendiger Bestandteil der Gesellschaftsordnung. Hayek: „Für die Wissenschaft der Anthropologie mögen alle Kulturen der Welt gleich gut sein, aber zur Aufrechterhaltung unserer Gesellschaftsordnung müssen wir die anderen als weniger gut ansehen.“ Hayek und andere neoliberalen Vordenker wie Ludwig von Mises, Milton Friedman, Walter Eucken, Wilhelm Röpke u.a. gehörten zum Kreis der MPS, dem wegweisenden Modellprojekt der heutigen neoliberalen Institute und Initiativen. Die erste realpolitische Umsetzung ihrer Gesellschaftsvorstellungen entdeckte jene Gesellschaft in dem von ihr massiv unterstützten chilenischen Staatsstreich des Diktators Pinochet gegen die gewählte sozialistische Regierung Allendes und der nachfolgenden autoritären Neoliberalisierung Chiles. Über die blutige Diktatur Pinochets äußerte sich Hayek 1981 wie folgt: „Eine freie Gesellschaft benötigt eine bestimmte Moral, die sich letztlich auf die Erhaltung des Lebens beschränkt: nicht auf die Erhaltung allen Lebens, denn es könnte notwendig werden, das eine oder andere individuelle Leben zu opfern zugunsten der Rettung einer größeren Anzahl anderen Lebens. Die einzig gültigen Maßstäbe für die ‚Kalkulation des Lebens’ können daher nur sein: das Privateigentum und der Vertrag.“ Wenn über die MPS debattiert oder geschrieben wird, taucht als Quelle von Zitaten und Erläuterungen oft ein Aufsatz von Bernhard Walpen und Dieter Plehwe aus der Zeitschrift PROKLA auf. Nun hat der VSA-Verlag die Dissertation von Bernhard Walpen zur MPS in einer vom Autor gekürzten und überarbeiteten Form herausgegeben und damit ein Grundlagenwerk über die die Genese des Neoliberalismus im Allgemeinen und die MPS im Besonderen der interessierten LeserInnenschaft bereitgestellt, an dem in Zukunft niemand vorbeikommt, der sich mit der Thematik beschäftigen will. Walpen benennt seiner voluminösen und außerordentlich kenntnisreichen Untersuchung die hegemonietheoretischen Analysen von Antonio Gramsci, die Schriften von Foucault und Bourdieu sowie regulationstheoretische Schriften zum gegenwärtigen Kapitalismus als theoretische Bezugsrahmen. Dies hat zur Konsequenz, dass Walpen nicht nur grundlegend die Gründungsgeschichte und die Entwicklung der MPS nachzeichnet, sondern darüber hinaus deren Entwicklung in den Kontext der Durchsetzung neoliberaler Gesellschafts- und Regulierungsvorstellungen stellt. Historisch ausgehend von ersten neoliberalen Programmschriften Walter Lippmanns in den Dreißiger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts wird die Entwicklung der MPS von ihrer Gründung bis in die Jahrhundertwende umfassend beleuchtet. Walpen weist darauf hin, dass die MPS keinesfalls verschwörungstheoretisch als eine Art geheim steuerndes Subjekt zu verstehen sei: „Mein Ziel war und ist es nicht, einen moralischen Diskurs zu führen, der die eigene Position als ‚gut‘ und die andere als ’schlecht‘ oder gar als ‚böse‘ darstellt, sondern eine kritische Darstellung der MPS und des Neoliberalismus zu liefern.“ Die MPS ist laut Walpen „nur ein Teil eines größeren, mehr oder weniger losen, Zusammenhangs von Think Tanks, Stiftungen, Netzwerken, Bildungsinstituten und Basisorganisationen. In dieser Matrix ohne steuerndes Subjekt engagieren sich von fundamentalistischen Gläubigen, Unternehmern, Politikerinnen, Intellektuellen und z.T. bis hin zu Präsidenten Individuen mit unterschiedlichen konkreten politischen Inhalten und Ausrichtungen. Weitgehende Einigkeit herrscht aber in zentralen Fragen zu Markt und Staat.“ Zugleich ist der Untersuchung Walpens eindeutig zu entnehmen, dass die MPS verknüpft ist mit dem neoliberalen Flügel der extremen Rechten. So verkündete Antonio Martino, MPS-Mitglied und zudem Regierungsmitglied unter Berlusconis Forza Italia, „that Margaret Thatcher’s and Ronald Reagan’s leadership has translated the revolution in economic thinking into actual policy changes.“ Mit dem Titel seiner Untersuchung spielt Walpen auf einen Buchtitel von Karl Poppers Hauptwerk an: „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (1945). Poppers „offene Gesellschaft“ richtete sich gegen den Sozialismus. Popper benutzte in seinen Schriften ebenso Anspielungen auf andere Schriften: Seine zeitgleich erschienene Schrift „Das Elend des Historizismus“ bezog sich auf die Marxsche Schrift „Das Elend der Philosophie“, einer Antwort auf Pierre Joseph Proudons „Philosophie des Elends“. Als Titelillustration hat der Autor eine Radierung von Francisco de Goya aus dem Jahre 1810 mit dem Titel „Gegen das Allgemeinwohl“ gewählt. Walpen hat mit seiner Untersuchung ein Standardwerk zum Thema geliefert, das wegweisend sein wird für alle künftigen Beschäftigungen mit der MPS. Die Untersuchung ist erschienen als erste Ausgabe in der Reihe „Schriften zur Geschichte und Kritik der Politischen Ökonomie“, deren Herausgeber Michael Krätke und Karl Heinz Roth in loser Folge „wegweisende Arbeiten zur Geschichte der politischen Ökonomie neu oder wieder zugänglich“ machen wollen. Sollte diese Neuerscheinung ein Gradmesser für das Niveau weiterer Veröffentlichungen sein, ist die Messlatte sehr hoch angelegt. TERZ-Tip: Ein Klassiker für die Zukunft! Al C. in Heft 12-04 der Düsseldorfer Stattzeitung für Politik und Kultur „terz“

Leseprobe 1

Einleitung (Auszug)

„Verschiedene Aspekte der Intellektuellenfrage, neben den oben angedeuteten: Es ist erforderlich, einen organischen, systematischen und durchdachten Aufriss davon zu machen. Verzeichnis der Tätigkeiten vorwiegend intellektueller Art. An die kulturelle Tätigkeit gebundene Institutionen. Methode und Methodenprobleme der intellektuellen und kulturellen Arbeit, der schöpferischen wie der popularisierenden. Schule, Akademie, Zirkel verschiedenen Typs als Institutionen gemeinschaftlicher Ausarbeitung des kulturellen Lebens. Zeitschriften und Zeitungen als Mittel, um bestimmte Typen von Kultur zu organisieren und zu verbreiten.“
Antonio Gramsci, Gefängnishefte (Gef, H. 12, § 1, 1512f.) „Man muss dies Zeug im Detail studieren, um zu sehn, wozu der Bourgeois sich selbst und den Arbeiter macht, wo er die Welt ungeniert nach seinem Bilde modeln kann.“
Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 (MEW 23, 779, Fn. 241) „Das Verzweifelte, dass die Praxis, auf die es ankäme, verstellt ist, gewährt paradox die Atempause zum Denken, die nicht zu nutzen praktischer Frevel wäre.“
Theodor W. Adorno, Negative Dialektik (1980, 243) Geschriebenes erscheint zunächst als Einzelnes, scheinbar zusammenhangslos und zerstreut: als wissenschaftlicher Artikel oder als Feuilletonbeitrag. Ein Zusammenhang zwischen einzelnen Publikationen mag sich über die Zeit und unzählige Orte erstrecken. Der „lose“ Artikel in einer Zeitung scheint unbedeutend. Einige bemerken Wiederholungen zu einer Sache, andere wittern eine Verschwörung darin. Tauchen Namen bekannter Persönlichkeiten auf, wird eine Vereinigung oder Organisation möglicherweise interessanter und bedeutender. Handelt es sich dabei um etwas, das der Zeit den Stempel aufdrückt, mag das Interesse zusätzlich anwachsen. In der vorliegenden Untersuchung wird dem von scheinbar „isolierten“ Individuen Geschriebenen nachgegangen. Viele der einzelnen Artikel, die in der Arbeit behandelt werden, vermitteln ein Bild seriöser wissenschaftlicher Debatten zu wichtigen sozialen Problemen. Manchmal schillern Ereignisse und Bilder in Schäferidyllen hinüber. Die folgende Geschichte nimmt ihren Ausgangspunkt auf einer Aussichtsterrasse über Vevey, die mit einer Standseilbahn erreicht wird. Unten liegt der Genfer See, danach ziehen Weinreben den Hang hoch. Der mächtige Gebäudekomplex unten an den Gestaden des Sees ist das Headquarter des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé. Er wird in dieser Geschichte keine Rolle spielen, auch nicht seine Oberaufseher, dies ist das deutsche Wort für das harmloser klingende Manager (vgl. Walpen 1993). Ihre Interessen haben die Vertreter der Chefetage bei Nestlé in anderen Zusammenschlüssen und Organisationen wahrgenommen, so in den Bilderberg-Konferenzen, dem European Round Table of Industrialists (ERT) oder dem World Economic Forum (WEF) (vgl. dazu Gill 1990, 129-132 u. 259f., Ross 2000, Apeldoorn 2000, Graz 2003a u. 2003b, Maurer 2003 u. Lapham 1999).[1] Doch verlassen wir nochmals kurz die schnöde Welt politökonomischer Interessen und wenden den Blick auf die dem See gegenüberliegende Seite der Alpen. Dort ragen die Dents du Midi auf und wirken eindrücklich auf die Betrachtenden. Um wie viel idyllischer muss diese „heile“ Landschaft nach dem Zweiten Weltkrieg gewirkt haben? Über die Ostertage des Jahres 1947 wird in Mont Pèlerin im Hôtel du Parc eine Vereinigung gegründet, die den Namen des Ortes trägt: die Mont Pèlerin Society (MPS). Der Anfangspunkt des Interesses an dieser Vereinigung lässt sich nicht mehr genau bestimmen, er liegt aber in der täglichen Lektüre der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) und vor allem des Wirtschaftsteils, wo regelmäßig über die Jahrestagungen der MPS berichtet wurde und wird. Es waren dann insbesondere die markigen Artikel des aktuellen Leiters des Wirtschaftsressorts, Gerhard Schwarz, die mich veranlassten, mich genauer mit der MPS zu beschäftigen. Später stellte sich die Frage, was sind mögliche Gründe, dass der Neoliberalismus zu einer dominanten Weltanschauung aufgestiegen war. Was ist überhaupt seine Geschichte? Wie ist er zu verstehen? Sind die vorliegenden Versuche, den Neoliberalismus zu begreifen, überhaupt dem Gegenstand angemessen? Dieser Anfang hat Ähnlichkeiten mit den Anfängen anderer, die kritisch zur MPS und zum Neoliberalismus arbeiten. In lokalen oder nationalen Kontexten erscheinen jährlich ein oder zwei Artikel, die über MPS-Treffen berichten. Normalerweise genügt das nicht, damit ein eigenes Forschungsinteresse entstehen kann. Es bedarf weiterer Raster, in denen dann solche Artikel hängen bleiben. Mein Raster umfasste eine intensive Auseinandersetzung mit Karl R. Popper und Friedrich August von Hayek.[2] Dass beide Mitglieder der MPS waren, ließ mich aufmerken. Ab Anfang der 1990er Jahre begann ich systematisch die Artikel zur MPS in der NZZ zu sammeln. Bald stellte sich heraus, dass die Treffen zumeist in den Monaten September oder Oktober stattfanden. Danach erfolgte die Recherche in den älteren Ausgaben der NZZ, wo erstaunlich viel zu finden war.[3] Die Beschäftigung mit der Mont Pèlerin Society scheint ein eher exotisches Thema zu sein, was nicht nur durch die schiere Unbekanntheit, auch innerhalb der kritischen Sozialwissenschaften, ganz zu schweigen von der „öffentlichen Meinung“,[4] bedingt ist, sondern ebenso durch eine insgesamt oberflächliche Auseinandersetzung mit ihr (Ausnahmen sind Busino 1990; Plehwe 1994, 1997 u. bes. 2000; Hartwell 1995; Cockett 1995; Pasche/Peters 1997). Erstaunlicher ist das um so mehr, als jene Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die zur MPS publizieren bzw. publiziert haben, ihre Bedeutung für die ökonomischen, politischen und hegemonialen Bereiche durchaus erkannten (vgl. Anderson 1998; Desai 1994; George 1996 u. 1997; Udry 1996; Bourdieu 1996) und obwohl die MPS und marktradikale Think Tanks schon früh die Aufmerksamkeit erweckt haben (Friedrich 1955; Collard 1968; vgl. Nash 1976). Zugleich ist aber die Mitgliedschaft in der MPS inzwischen in (neo-)liberalen Kreisen eine Art Ehrenzeichen geworden: „membership has become a badge of honor among classical liberals.“ (Higgs 1997, 624) Die politische Verortung entscheidet über die Gewichtung und Auswahl von Themen sowie über den Zeitpunkt der allfälligen Aktualität. Stuart Hall hat in seiner den Kairos erfassenden Analyse des Thatcherismus, noch vor dessen Machtantritt, erkannt: „›Thatcherism‹ has given these elements [anti-collectivism and anti-statism] of neo-liberal doctrine within conservative ›philosophy‹ an extensive rejuvenation.“ (Hall 1978, 46) Er wies auf die Rolle hin, die Intellektuelle wie Friedrich August von Hayek und Milton Friedman für die Vermittlung und Durchsetzung des Neoliberalismus spielten, und verdeutlichte schon den Zusammenhang, dass ideologische Wirksamkeit aufgrund ihrer materiellen Bedingungen zu begreifen sei: „Ideological transformations, however, do not take place by magic.“ (47) Dabei ging Hall auf die Bedeutung des Institute for Economic Affairs ein, das eng mit der MPS verzahnt ist, ohne jedoch diesen Zusammenhang zu kennen (oder zu nennen). Im Zusammenhang mit der Reorientierung und Neubestimmung seiner Forschungsarbeiten analysierte Michel Foucault Anfang 1979, also vor der Wahl Margaret Thatchers und Ronald Reagans als Regierungschefin Großbritanniens resp. Präsident der USA, die Genese des Neoliberalismus. Den Zuhörenden empfahl er die kritische Lektüre der Werke von Hayek und von Ludwig von Mises (vgl. Miller 1993, 310). Sein Interesse erstreckte sich auf das Colloque Walter Lippmann, das 1938 in Paris stattfand, und zwei Richtungen innerhalb des Neoliberalismus, den Ordoliberalismus und die Humankapitaltheorie (vgl. Lemke 2001 u. 1997). In einem später erschienen Artikel ging auch Sven-Erik Liedman den Ursprüngen des Neoliberalismus und Neokonservatismus nach, beschränkte sich aber auf ein Nachzeichnen der ideologischen und wissenschaftlichen Einflüsse dieser Bewegungen. „Gegen neoliberale und neokonservative Ideen zu kämpfen, bedeutet nicht nur, gegen abstrakte Ideen zu kämpfen. Die abstrakten Ideen, wie die meisten abstrakten Ideen, haben ihre Wurzeln in der Praxis selbst.“ (Liedman 1982, 503) Auch wenn der Bedeutung der analysierten ideologischen Einflüsse von Neokonservatismus und Neoliberalismus durchaus zugestimmt werden kann, blieb Liedmans Arbeit trotz Verweis auf die Praxis ziemlich abstrakt. Nicht zufällig kommt er mit keinem Wort auf Think Tanks, Stiftungen und andere Institute neoliberaler Ideologieproduktion und Politikberatung zu sprechen. Ohne diese Rekonstruktion des Zusammenhangs zu leisten, gerät die ideologische Wirkungsmacht zur Magie, wie es Hall in seinem oben zitierten Beitrag etwas irreführend sagte. Im gleichen Zeitraum fanden sich schon erste Beiträge zum Neoliberalismus im Feuilleton (vgl. Ziegler 1984). Insgesamt aber blieb die Beschäftigung mit dem Neoliberalismus marginal. Erst der Zusammenbruchs des Staatssozialismus und die Rebellion der Zapatistas sorgte dafür, dass die Thematik politisch relevant wurde. Diese eklatanten Defizite analytischer und kritischer Arbeiten zu den Theorien innerhalb des neoliberalen Spektrums lenkten meinen Blick auf die Linke selbst. Insbesondere die sich seinerzeit marxistisch verstehende Linke provozierte – von heute aus betrachtet, da der Neoliberalismus global einen bestimmenden Einfluss ausübt – die Frage danach, weshalb sich in ihren Debatten und Analysen kaum ernsthafte Beschäftigungen mit den vielfältigen Beiträgen des Neoliberalismus finden lassen, schrieb sie sich doch oft genug die „konkrete Analyse der konkreten Situation“ (Lenin) auf ihre Fahne. Die Gründe dafür sind vielfältig, sie können aber m.E. nicht nur mit Verweis auf die konkreten (Klassen-)Kämpfe und „den“ Kapitalismus erklärt werden, sondern es müssen auch die Verflachungen und Erstarrungen der eigenen theoretischen Ansätze[5] sowie die Verwerfungen innerhalb des Marxismus kritisch analysiert werden.[6] Durch die sich insgesamt rasch wandelnden sozialen Verhältnisse sah sich ein die abstrakte Kapitallogik behauptender oder ein in den marxistisch-leninistischen Kategorien befangener Marxismus immer weniger fähig, die konkreten Veränderungen analytisch zu erfassen. Zudem hat der Fordismus auch zu fordistischen Varianten des Marxismus geführt, nicht nur in dem Sinne, dass massenhaft Analysen gleichsam in Serienfertigung hergestellt worden sind, sondern auch in dem Sinne, dass der analytische Blick auf die Zentren des Fordismus fixiert blieb. Die dezentralisierenden[7] und raum-zeitlichen Veränderungen in der kapitalistischen Produktionsweise wurden kaum beachtet. Die vorliegende Studie sieht sich vor jene Probleme gestellt, die Michel Pêcheux (1983a, 384) schon vor zwei Jahrzehnten hervorgehoben hat, dass wir nicht mehr mit einer „Festung“, sondern mit einem „paradoxen Raum“ konfrontiert sind, dessen Objekte nicht durch „feste[] Grenzen“ gekennzeichnet sind.

[1] Informationen zum ERT und WEF finden sich auf deren Homesites: http://www.ert.be und http://www.weforum.org. Wie das Beispiel von Jean-Christophe Graz zeigt, ist die WEF-Direktion nicht sehr kooperativ, was Studien über das WEF betrifft. So intervenierte die Direktion bei Graz, der im Rahmen eines Projekts des Schweizerischen Nationalfonds einen Fragebogen verschickt hat, denn er habe bei den WEF-Mitgliedern „viel Verwirrwung gestiftet und Schaden angerichtet“ (WEF-Generaldirektor Charles McLean, zit. Maurer 2003).
Die Bilderberg-Gruppe verfügt über keine eigene Homesite. Informationen finden sich unter: http://www.bilderberg.org. Diese Homesite argumentiert, wie so vieles, das über Bilderberg geschrieben wird, verschwörungstheoretisch (weniger ausgeprägt Ross 2000).
[2] Der Ausgangspunkt meiner Beschäftigung mit Popper und Hayek, aber z.B. auch mit Lepages Der Kapitalismus von morgen (1979), Friedmans Kapitalismus und Freiheit (1962) oder George Gilders Reichtum und Armut (1981), reicht in die Mitte der 1980er Jahre zurück. Mein Schwergewicht lag aber auf den ersten beiden Intellektuellen.
[3] Vgl. dazu u.a. die Artikel von Ernst Bieri, Heini 1972, Martin Janssen, Carlo Mötteli, Schoeck 1957 u. Gerhard Schwarz.
[4] Inzwischen findet die MPS als Stichwort auch Eingang in die Brockhaus Enzyklopädie (vgl. Bd. 15. Mannheim 1991 [19., völlig neu bearb. Aufl.], 83) oder wird in Fernsehen und Radio erwähnt, so z.B. im Interview mit dem MPS-Mitglied Otto von Habsburg (Vis-à-vis mit Frank A. Meyer, Schweizer Fernsehen 1, 29.01.2001, 22.20-23.25) oder in der Sendung Trend zum Thema „Das Ende des Wirtschaftsliberalismus?“ (Radio der Deutschen und Rätoromanischen Schweiz [DRS] 1, 22.9.2001, 8.30-8.50).
[5] Arbeiten, die sich der konkreten Analyse der theoretischen sowie wirtschaftspolitischen Entwicklung widmeten, fanden insgesamt nur in kleineren Kreisen eine Rezeption. Dazu zählen u.a. die vor allem im deutschen Sprachraum wenig bekannten Arbeiten von Suzanne de Brunhoff (eine Ausnahme jetzt: Brunhoff 2002), die sich insbesondere mit den neoklassischen und monetaristischen Arbeiten kritisch beschäftigte.
[6] Michel Pêcheux hat im Februar 1982 auf die neuesten, widersprüchlichen Entwicklungen hingewiesen, in denen sich eine „neolibertäre Tendenz zum Nicht-Staat und eine neokonservative Tendenz […] interessierter Liebe zum Staat“ (1983, 384) herausgebildet haben und angemerkt, dass diese mit den herkömmlichen „Kategorien des orthodoxen Marxismus überhaupt nicht gefasst werden“ könnten.
[7] Wenn von Dezentralisierung gesprochen wird, bedeutet das nicht, dass Herrschafts- und Machtverhältnisse abgebaut worden seien, wohl eher hat deren Reartikulation stattgefunden. Ebenfalls folgt daraus nicht, die Handlungskompetenz der Individuen sei angewachsen, sondern wiederum nur, dass sie unter neuen Bedingungen erfolgt, was für einige sicher zu einer Zunahme, für andere aber zu einer Abnahme entsprechender Kompetenzen führte.

Inhalt:

Einleitung (Auszug als Leseprobe)
Kapitel I
„Rue Montpensier 2“ in Paris: Erste Adressanzeige des Neoliberalismus

1. Nenn’s positiv: „The Good Society“ oder: Lippmann liefert ein erstes Programm
2. August 1938: Colloque Walter Lippmann und Institutsgründung
3. Neoliberalismus im Plural
3.1. Entstehungskontexte
3.2. Das Wort wird Diskurs
3.3. Durchbrüche
3.4. Kapriolen im Kampf um Begriffe
Kapitel II
Das „Rütli“ des Neoliberalismus: Mont Pèlerin

1. Mehrere Köpfe bewahren neoliberale Ideen: Auf dem Weg zur Gründung der Mont Pèlerin Society
2. Exkurs: Neoliberalismus im Faschismus und Nazismus
3. Esoterische Intellektuelle gründen einen „Klub“: Weitere Transformation im „Säkularisierungsprozess der Sekten“
3.1. Einige Wege führen nach Mont Pèlerin
3.2. Auftakt des „experiment in collaboration“
3.3. „Säkularisierte Sekten“ als Form transnationaler Vergesellschaftung
4. Forschungsarbeit für die „nächsten zwei Generationen“: Agenda- und Themen-Setting
Kapitel III
Ein entscheidender Kampf wird intern geführt: Die so genannte „Hunold Affäre“

1. Ein Hegemonialapparat wird gegründet: Das Institute of Economic Affairs
2. In den Fängen der eigenen Ideologie: Antikommunismus lähmt (das Denken)
3. Mit einer kleinen Hilfe vom Leviathan
4. Auftritt Sherlock Holmes oder: Bruno Leoni führt Regie
5. Kontinuierliche Weiterarbeit und Ausbau des Netzes Ende der 1950er und in den 1960er Jahren
Kapitel IV
Unter Druck und ausgereizt: Der Fordismus

1. „1968“: Eine überhebliche Linke spottet
2. Die 1970er Jahre: Zeit der „Reconquista“
3. Das Aufkommen neuer Hegemonialapparate
Kapitel V
Im „großen Dom der Freiheit“

1. Festigung der Stellung, Prestigegewinnung und Bearbeitung neuer Themen
2. „An influence on public opinion which is daily making possible what only recently seemed utterly remote“
3. Marktradikale Think Tanks: Weltweiter Ausbau und Vernetzung
4. Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Ernüchterung über das Ausbleiben der Verheißung
Kapitel VI
„Genug ist nicht genug“

1. Networking: MPS als eine Drehscheibe
2. Die „Anatomie des Staates“: Marktradikaler Blick auf die Einzelteile, denn: „Der Sozialismus ist tot, aber Leviathan lebt weiter“
3. Die etwas andere Zivilgesellschaft oder: „the chief end whereof is the preservation of Property“
4. Zwei Richtungen: „Laissez-faire“ vs. hegemoniale Strategien
5. „Glaubwürdiger“ Neuanfang

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Geheimsache Staatsangehörigkeit Freiheit für die Deutschen

Geheimsache Staatsangehörigkeit

Wie wird man am schnellsten zum Reichsbürger? Das geschieht, indem man nach den Regularien der BRD den Nachweis der deutschen Staatsangehörigkeit beantragt, und dann in Folge den „Staatsangehörigkeitsausweis“ erhält. Alleine dieser verwaltungstechnische Vorgang genügt heute schon, um als „Reichsbürger“ behandelt zu werden. Wussten Sie, dass ein Reisepass oder ein Personalausweis nicht dazu ausreicht, Ihre deutsche Staatsangehörigkeit nachzuweisen? Wenn Sie beispielsweise als Deutscher in den USA oder Russland eine Firma gründen wollen, verlangen die dortigen Behörden Ihren „Staatsangehörigkeitsausweis“ als Nachweis, dass Sie Deutscher sind. Noch nie davon gehört? Diesen Ausweis erhalten Sie beim Landratsamt, und er kostet nur 25 Euro. War Ihnen bekannt, dass Sie nur mit dem „Staatsangehörigkeitsausweis“ die Bürgerrechte laut Grundgesetz die sog. Deutschenrechte beanspruchen können? Aber wieso wissen wir das nicht, und wieso erhält man dieses Dokument nicht ganz automatisch mit der Geburt ausgehändigt?

 

War Ihnen bekannt, dass es die Voraussetzung für die Verbeamtung von Polizisten, Richtern oder Staatsanwälten sprich aller Beamten ist, die deutsche Staatsangehörigkeit durch genau dieses Dokument nachzuweisen? Müssten wir dann nicht gerade diese Beamten politisch korrekt als Reichsbürger bezeichnen? Wieso macht die BRD den Staatsangehörigkeitsausweis zur Geheimsache? Könnte die Offenbarung dieses Geheimnisses über die Zukunft Ihres Vermögens entscheiden? Könnte diese neue Erkenntnis darüber hinaus vielleicht sogar zu einem von Deutschland ausgehenden, weltweiten Frieden führen? Max von Frei beantwortet diese Fragen im Detail belegt durch geltende und gültige Gesetze sowie zahlreiche Dokumente und erklärt darüber hinaus, wieso die BRD nicht wirklich souverän ist und weshalb die Menschenrechte in Handelsrecht und Staaten in Firmen umgewandelt werden.

https://www.kopp-verlag.de

3 Tage im Spätherbst: Wie Hellseher weltweit seit Jahnhunderten eine 3-tägige Finsternis für unsere Zeit vorhersehen Von Stephan Berndt

3 Tage im Spätherbst: Wie Hellseher weltweit seit Jahnhunderten eine 3-tägige Finsternis für unsere Zeit vorhersehen

Wie Hellseher weltweit seit Jahnhunderten eine 3-tägige Finsternis für unsere Zeit vorhersehen
Gebundenes Buch
Die 3-tägige Finsternis
Visionen einer globalen Weltkrise, gefolgt von einem kosmischen Eingriff

Seit rund 1000 Jahren sagen hellsehende Menschen eine globale Krise voraus, die auf dem Höhepunkt eines kulturellen und moralischen Niedergangs eintreten soll – eine Krise, die in einem Weltkrieg endet. Bevor dieser Weltkrieg jedoch zu einem alles vernichtenden Atomkrieg eskaliert, würde eine kosmische, nicht irdische Kraft oder Macht in das Geschehen eingreifen – so die betreffenden Prophezeiungen – und dem Weltkrieg noch rechtzeitig ein Ende setzen.

Wie glaubwürdig sind diese Prophezeiungen? Ist in naher Zukunft tatsächlich mit einer apokalyptischen Katastrophe zu rechnen? Stephan Berndt ist diesen Fragen nachgegangen. Er hat die Prophezeiungen zahlreicher Seher analysiert und interpretiert.

Die konkreten Beschreibungen einer 3-tägigen Finsternis finden sich nicht nur bei Hellsehern im christlichen Abendland. Entsprechende Prophezeiungen von nordamerikanischen Indianern, Mongolenund aus alten islamischen Quellen zeigen, dass die 3-tägige Finsternis von seherisch begabten Menschen überall auf der Welt seit langer Zeit vorausgesehen wird.

Auch wenn es zum Teil leichte Unterschiede in den Vorhersagen gibt: die zentrale Botschaft aller Visionen deckt sich. Demnach steht die Menschheit unmittelbar vor dem Dritten Weltkrieg. Auf seinem Höhepunkt wird es zu einer 3-tägigen Finsternis kommen. Ursache dafür ist ein Himmelskörper, der die Erde passiert und dabei verschiedenste Naturkatastrophen und einen Polsprung auslösen wird. Bei diesen Ereignissen werden hunderte Millionen von Menschen den Tod finden.

Stephan Berndt zeigt in bisher nie gekannter Deutlichkeit, dass die Prophezeiungen der 3-tägigen Finsternis kein Hokuspokus, keine Fälschungen oder Irrtümer…

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Steine der Macht – Band 7: Das Blut vom Untersberg

Steine der Macht - Band 7 - Das Blut vom Untersberg

 

Kurzbeschreibung
Mit Claudia entdeckt Wolf in der ägyptischen Ostwüste am Roten Meer einen dritten schwarzen Stein in einem Stollen, und ein junger Archäologe zeigt ihnen ein interessantes Artefakt aus Edelstahl, welches in einem Grab am Gizeh-Plateau gefunden wurde. Auch die Cheopspyramide ist Ziel ihrer Reise, und Wolf und Claudia erhalten die Möglichkeit, sie eingehend zu erforschen.

Um einer sehr gut dokumentierten Ufo-Landung nachzugehen, reisen Wolf und Claudia auf die Kanaren. Bei einem Rundflug machen sie dabei von der Luft aus erstaunliche Entdeckungen. Als sie die Pyramiden von Gümar besuchen, finden sie einen weiteren Hinweis auf einen schwarzen Stein, der dort in einer Höhle gefunden wurde. Doch warum diese Steine an den verschiedensten Orten der Welt auftauchen, ist nach wie vor rätselhaft – und warum es möglich ist, an bestimmten Orten in die Vergangenheit und Zukunft zu gelangen, ebenso. Denn es gibt zwar eine Erklärung, aber die ist einfach zu unglaublich … oder?

https://www.kopp-verlag.de


Finis Germania – Rolf Peter Sieferle

Finis Germania

Der Spiegel löscht politisch unkorrektes Sachbuch aus seiner Bestsellerliste

Wenn Sie in den vergangenen Tagen einen Blick auf die Spiegel-Bestsellerliste geworfen haben, wurde Ihnen kein wahrheitsgetreues Bild der erfolgreichsten Buchtitel in Deutschland präsentiert. Die Chefredaktion des Spiegel hat das Ranking manipuliert und einen der erfolgreichsten Titel heimlich von der Liste gestrichen: das politisch unkorrekte Sachbuch Finis Germania.

Das Werk des verstorbenen Historikers Prof. Rolf Peter Sieferle ist in den vergangenen Wochen heftig diskutiert worden. Normalerweise sollte Finis Germania auf Platz 6 der Bestsellerliste geführt werden. Doch nun ist es plötzlich verschwunden.

Aktuell wirbt der Spiegel mit dem Slogan: »Keine Angst vor der Wahrheit.« Doch wovor fürchtet sich der Spiegel, dass er klammheimlich ein erfolgreiches Sachbuch von seiner Bestsellerliste nimmt und damit dem Meinungswettbewerb entzieht?

Lesen Sie jetzt, was der Spiegel Ihnen verheimlichen möchte!