Monsanto wird Lobbyzugang zum EU-Parlament entzogen: So geht starke Demokratie!

Heute haben die Vorsitzenden der Fraktionen im Europäischen Parlament beschlossen, Lobbyisten und andere Vertreter des US-Saatgutkonzerns Monsanto die Zugangsausweise zum Parlament zu entziehen. Die Grünen/EFA-Fraktion hatte diesen Schritt beantragt, nachdem sich Monsanto weigerte, an einer Anhörung zu den “Monsanto Papers” im Parlament teilzunehmen. Dazu sagt der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, Sven Giegold:

“So geht starke Demokratie. Wer sich der Demokratie entzieht, dem muss man den Lobbyisten-Zugang entziehen. Wenn Monsanto in Europa Geschäfte macht, muss es sich auch vor dem EU-Parlament seiner Verantwortung stellen. Es gibt weiterhin erhebliche Zweifel an der Beurteilung von Glyphosat. So lange ein Gesundheitsrisiko nicht ausgeschlossen werden kann, darf die Zulassung von Glyphosat nicht verlängert werden. Die Bundesregierung sollte wie Frankreich und Italien sein Veto gegen die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der EU einlegen.

Es ist das erste Mal, dass einem Unternehmen der Lobbyisten-Zugang zum Europaparlament entzogen wird. Das Parlament spielt gegenüber Monsanto eine seiner stärksten Karten aus. Wir Grüne haben vorher erfolgreich für diese scharfen Regeln gestritten, die nun angewendet werden. Wer sich nicht an demokratische Regeln hält, darf keine privilegierten Zugang zur Demokratie haben.”

Antwort von Monsanto an das EU-Parlament, in der sich das Unternehmen einer Anhörung verweigert: Monsanto declining EP invitation 29082017

http://www.sven-giegold.de

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Schwarze Liste: Kalifornien sagt Monsanto den offenen Kampf an


von Jane Simpson

„Es ist großartig zu sehen, dass die Demokratie in Kalifornien noch am Leben ist und Richter sich noch für die Naturwissenschaft erheben, selbst gegen die mächtigsten Umweltverschmutzer dieser Erde.“So lauteten die Worte von Robert F. Kennedy Jr., nach dem Kalifornien angekündigt hatte, das Pestizid Glyphosat auf die „Schwarze Liste“ der krebserregenden Chemikalien zu setzen.

Endlich! Seit heute ist es offiziell. Als erster US-Bundesstaat hat Kalifornien den offenen Kampf gegen den Agrochemie-Riesen Monsanto aufgenommen. Das Pestizid Glyphosat, das als weltweit meistverkaufter Unkrautvernichter mit dem Produktnamen Roundup eingesetzt wird, steht seit dem 1.7.2017 auf der Liste der krebserregenden Chemikalien.Dies teilte die US-amerikanische Gesundheits- und Umweltbehörde Office of Environmental Health Hazard Assessment (OEHHA) auf ihrer Internetseite mit. Die Behörde verwies dabei auf ein bereits seit 1986 geltendes Gesetz zum Schutz des Trinkwassers. Dadurch sei der Staat verpflichtet, gesundheitsschädliche und krebserregende Substanzen kenntlich und öffentlich zu machen. Dies bedeutet allerdings für Monsanto, dass alle seine Produkte, die Glyphosat beinhalten, künftig mit einer Krebswarnung ausgezeichnet werden müssen!

Der Report der IARC, der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation WHO, der Glyphosat als krebserregend eingestuft hat, gab jetzt Kalifornien endgültig den Ausschlag, diesen Schritt zu gehen. Massive Proteste von tausenden krebserkrankten Betroffenen, Bürgerinitiativen und schließlich mehr als 700 Klagen gegen Monsanto beim US-Bundesgerichtshof bildeten bereits die vorbereitende die Grundlage für die Entscheidung Kaliforniens.

Ackergift

Bildquelle: http://www.gesundheitlicheaufklaerung.de

Monsanto muss Glyphosat in Kalifornien als krebserregend deklarieren

Monsanto und andere Glyphosat-Hersteller müssen nun binnen eines Jahres alle Produkte, die zumindest in Kalifornien vertrieben werden, mit einer Krebswarnung versehen. Ein herber Rückschlag für Monsanto in Kalifornien, worauf der Agrochemie-Konzern bereits reagierte und den entschlossenen Kampf gegen Kaliforniens Entscheidung angekündigt hat. Man sehe diese Entscheidung noch lange nicht als endgültig an und man werde sehr aggressiv gegen diese unzulässige und falsche Einschätzung vorgehen, kündigte Scott Partrigde, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Monsanto, an.

Sollten weitere Staaten Kaliforniens Beispiel folgen, was Monsanto mit allen Mitteln zu verhindern versucht, könnte die Monopolstellung des Pestizidherstellers bald schwinden. Denn aktuell wird Glyphosat noch weltweit am häufigsten eingesetzt – nicht nur auf Feldern, sondern auch in Gärten, auf Golfplätzen, in Weinbergen und auf Obstplantagen. Dies wird Monsanto mit allen Mittel zu verhindern zu versuchen.

EU-Behörden lassen sich von Monsanto-Studien kaufen

Auch in Deutschland und in der EU wird Glyphosat flächendeckend versprüht. Hier haben jüngst die europäische Chemikalienagentur Echa und EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA für Negativ-Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Zulassung von Glyphosat in der EU gesorgt. Denn aufgrund der den beiden Behörden vorliegenden Studien kam die EU-Kommission zu dem Schluss, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Watergate berichtete kürzlich ausführlich über diesen beispiellosen Skandal.

Ein Wissenschaftler aus den USA hatte für Aufsehen gesorgt, denn im Zuge der anstehenden Entscheidung der EU-Kommission über die weitere Zulassung von Glyphosat in der EU hatte er gefordert, dass Gesundheits- und Umweltbehörden ihre Entscheidungen auf Basis von unabhängigen Studien treffen müssten. Denn wie nun herauskam, haben Echa und EFSA ihr Urteil, Glyphosat sei nicht krebserregend, auf Basis von Studien aus der Agrochemie-Industrie, genauer gesagt von Monsanto gefällt. Die offizielle Stellungnahme der Behörden zu diesem Skandal steht jedoch noch aus.

Durch Kaliforniens Beispiel reagieren jetzt auch deutsche Ärzte

Aufgrund der kalifornischen Entscheidung hat jetzt nun auch der DeutscheÄrztetag reagiert. Die Vereinigung kündigte an, sich aufgrund der umstrittenen Forschungsergebnisse nun selbst mehr für die Erforschung der Risiken von Glyphosat auf die Gesundheit einzusetzen. Sie forderten jetzt klar das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf, die Risiken von Pestiziden, insbesondere von Glyphosat zu untersuchen. Die Ärzte forderten weiter, die Untersuchungen anhand von langfristigen und vor allem industrieabhängigen Studien anzugehen. Auch die europäische Bürgerinitiative „Stop Glyphosat“ hat es geschafft, 500.000 Stimmen gegen die Zulassung von Glyphosat zu sammeln. Dieser Antrag liegt nun bei der EU-Kommission vor – diese muss den Antrag binnen drei Monaten prüfen.

Merkel fällt den Deutschen erneut in den Rücken

Bundeskanzlerin Merkel, der ja nach eigener Aussage so sehr am Wohle des deutschen Volkes gelegen ist, hat auf dem Bauerntag Ende Juni, von der Presse weitestgehend unbemerkt, einmal mehr bewiesen, wie sehr ihr das eigene Volk am Herzen liegt. Denn hier versprach sie den anwesenden Vertretern von deutschen Landwirten, sich persönlich dafür einzusetzen, dass deutsche und europäische Landwirte weiter Glyphosat anwenden dürfen! Wörtlich sagte sie: „Wir stehen zu Ihnen“ und „Wir haben Ihnen unser täglich Brot zu verdanken“. Bauern brauchten sich nicht zu verstecken, weil sie Glyphosat auf ihren Feldern einsetzten, so Merkel. CDU/CSU würden sich, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat einsetzen.

Diese Aussage von Merkel ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht aller Deutschen, sondern auch ins Gesicht der Landwirte. Dass wir Bauern und Landwirten unser täglich Brot zu verdanken haben, ist unbestritten. Landwirte kann man sogar als Helden bezeichnen, denn ihr Beruf wird meist durch widrigste Umstände erschwert. Nicht genug, dass sie körperlichste Schwerarbeit leisten. Sie werden durch den täglichen Umgang mit dem Gift Glyphosat und anderen Giften gefährlichsten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Sie setzen im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben für die Lebensmittelproduktion aufs Spiel. Zudem werden Landwirte mit immer schwierigeren wirtschaftlichen Situationen konfrontiert. Dumping Preise und sinkende Subventionen machen kleinen und mittelständischen Betrieben schwer, mit großen landwirtschaftlichen Konzernen, vor allem aus dem Ausland mitzuhalten. Vielen droht das Aus.

Mehrheit der Landwirte lehnt Glyphosat ab

Außerdem hat Merkel anscheinend übersehen, dass die Mehrheit der Landwirte in Deutschland Gentechnik und Glyphosat im Grunde ablehnen. Schließlich setzen sie nicht nur ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, sondern auch die ihrer Nutztiere. Zudem will kein Landwirt in böser Absicht Umwelt und Natur zerstören – bietet sie doch deren und unser aller Lebensgrundlage. Vielmehr ist es so, dass Landwirte oft in der Falle der Patenthalter von Monsanto und Co. gelandet sind. Denn solche Patente zwingen Landwirte, jedes Jahr das Saatgut und die Pestizide von Agrochemie-Konzernen erneut zu kaufen. Ein Teufelskreis, aus dem es nur sehr schwer ist, alleine herauszukommen.

Wir hoffen, dass Kalifornien ein leuchtendes Beispiel ist, das nun weltweit die Runde machen wird. Deshalb ist die Verbreitung dieser Informationen so wichtig. Helfen Sie mit.

Ihre
Jane Simpson

http://www.watergate.tv/

Schwerer Schlag für Monsanto: Kalifornien setzt Glyphosat auf Liste potentiell krebserregender Stoffe

Ab dem 7. Juli wird Glyphosat in Kalifornien auf die Liste mit Chemikalien gesetzt, die krebserregend sein können. Ferner hat der Generalinspekteur der EPA (amerikanische Umweltschutzbehörde) eine Ermittlung angestrengt wegen möglicher Konspiration zwischen einem früheren hochrangigen Beamten der EPA und Monsanto.
Protest gegen Monsantos Pflanzengift Roundup Foto: JOEL SAGET/Getty Images

Monsanto war völlig verwirrt über diese Entscheidung Kaliforniens Glyphosat auf der Liste von fast 800 giftigen Chemikalien des Staates aufzuführen und verklagte den führenden Agrarstaat der USA, weil Landesbeamte ihre Entscheidung hinsichtlich einer Warnung vor Krebsgefahr auf Erkenntnisse einer in Frankreich beheimateten Gesundheitsorganisation gründeten. Doch trotz des Widerspruchs des Chemiegiganten Monsanto entschied im Januar 2017 eine Richterin, Kalifornien würde als erster Bundesstaat diese Warnung ausbringen. Monsanto hatte den führenden Agrarstaat der USA verklagt, weil Landesbeamte ihre Entscheidung hinsichtlich einer Warnung vor Krebsgefahr auf Erkenntnisse einer in Frankreich beheimateten Gesundheitsorganisation gründeten.

Nun ist es soweit: Durch die Maßnahme in Kalifornien könnten Monsanto und andere Konzerne, die solche Unkrautvernichter produzieren, gezwungen werden, Warnungen auf die Produktverpackungen zu kleben.

Wie die Netzfrauen bereits im August 2016 berichteten, steht laut der Environmental Protection Agency of California Glyphosat, der Hauptbestandteil in Roundup, in direktem Zusammenhang mit der Krebsentwicklung. Der „Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986“, auch bekannt als „Proposition 65“, ist ein Gesetz, unter welchem alle Chemikalien, die mit Krebs, Geburtsdefekten und Fortpflanzungsschäden im Zusammenhang stehen, vom Staat aufgeführt und veröffentlicht werden. Ebenso beinhaltet diese Liste auch alle krebserregenden Chemikalien, die von der International Agency for Research on Cancer (IARC) — einer Tochteragentur der World Health Organization – veröffentlicht werden. Laut IARC-Bericht, veröffentlicht im März 2015, ist Glyphosat als „möglicherweise krebserregend” angesehen.

Fallstudien von berufsbezogenem Kontakt in den USA, Kanada und Schweden berichten auch von einem erhöhten Risiko für das Non-Hodgkin-Lymphom, das nach Anpassungen zu anderen Pestiziden blieb.

Generalinspekteur der EPA ermittelt, ob ein Angestellter der Behörde mit Monsanto konspirierte

Der Generalinspekteur der EPA (amerikanische Umweltschutzbehörde) hat eine Ermittlung angestrengt wegen möglicher Konspiration zwischen einem früheren hochrangigen Beamten der EPA und Monsanto, dem Hersteller des Unkrautvernichters Glyphosat. Dies geht aus einem Brief hervor, den er am vergangenen Freitag  (2. 6.) an einen Abgeordneten sandte und den auch die Huffington Post erhalten hat.

Die Aktion des Generalinspekteurs ist die Antwort auf eine Bitte von Ted Lieu, einem demokratischen Abgeordneten für Kalifornien im Repräsentantenhaus, um eine Ermittlung in der Frage, ob der EPA-Angestellte mit dem Agro-Giganten konspirierte zum Zweck einer tendenziösen Forschung über Glyphosat. Seine Bitte gründete sich auf Medienberichte, die im Zuge einer Gerichtsverhandlung gegen Monsanto freigegeben worden waren. Diese hatten behauptet, Glyphosat errege Krebs. Ferner stand zu vermuten, dass die Firma Forschung beeinflusst und Wissenschaftler angeheuert haben könnte, um dies zu vertuschen.

„Wie Sie sich vorstellen können, ist das öffentliche Interesse an solchen Konspirationsvermutungen groß“, schrieb Generalinspekteur Arthur A. Elkins Jr. in seiner Antwort an Lieu am 31. Mai. „Darum habe ich das Büro des Generalinspekteurs für Ermittlungen gebeten, eine Untersuchung von verschiedenen Überprüfungsfällen der Behörde durchzuführen.“

Die EPA und Lieu erwiderten nicht umgehend die Bitten um Stellungnahmen zu dieser Geschichte. Die Dokumente des Gerichtsverfahrens enthalten interne E-Mails von Monsanto und erwähnen Jess Rowland, einen ehemaligen Manager der Pestizid-Abteilung, der im April 2015 gegenüber Firmenfunktionären angeblich damit angegeben hatte, er könne Forschungen zu Glyphosat „abschießen“. Ein Monsanto-Manager für Zulassungsfragen schickte eine E-Mail an Kollegen, in der er angab, Rowland hätte ihm gesagt: „Wenn ich das [hier] abschießen kann, sollte ich eine Medaille bekommen“. Zur selben Zeit ersuchte Monsanto Rowland offensichtlich um Hilfe, um eine Überprüfung von Glyphosat zu verhindern, die durch die Behörde für giftige Substanzen und Seuchenregister, einer Abteilung des US-amerikanischen Gesundheitsamts, durchgeführt werden sollte.

Rowland schied im vergangenen Jahr aus der EPA aus. Anwälte von Klägern haben ihn wiederholt vernommen wegen Unterstellungen, dass Monsanto ihm durch Dritte möglicherweise Geld hat zukommen lassen. Rowlands Rechtsanwalt, William E. Lawler III, spielte den Brief des Generalinspekteurs in einer E-Mail an die Huffington Post herunter. „Jess Rowland ist ein angesehener früherer Beamter, der der EPA 26 Jahre lang in Ehren gedient und von dieser Lob während und nach seiner Zeit dort erhalten hat“, schreibt Lawler. „Er besitzt höchste Integrität und Moral und hat nichts Falsches getan“.“

Monsanto reagierte nicht auf viele Bitten um Stellungnahmen. Generalinspekteure besitzen weitgehende Autorität, wenn es um Ermittlungen bei Korruption innerhalb von Bundesbehörden geht, erklärt Michael Hubbard, ein pensionierter Beamter, der insbesondere für Verbrechensermittlungen in der EPA zuständig war.

Wenn das Büro des Generalinspekteurs eine Ermittlung beginnt, werden die Ermittlungsbeamten Rowlands frühere Kollegen und Vorgesetzte befragen, Datensätze auslesen und seinen E-Mail-Verkehr überprüfen, so Hubbard. Weiterhin könnten Ermittler der Public-Integrity-Abteilung des Justizministeriums einbezogen werden oder Zwangsvorladungen könnten vorgenommen werden, um Zugang zu Rowlands Bankdaten zu erhalten.

„Es ist sinnvoll zu schauen, wohin Geld fließt“, sagt Hubbard. „Hat er von Monsanto Geld angenommen? Floss Geld zu ihm oder zu einem seiner Partner?’“

Die Gerichtsverhandlungen gegen Monsanto entfachen Debatte in Europa, wo Regierungen in Betracht ziehen, Glyphosat weiterhin in der EU zuzulassen

Die Nachrichten über die Gerichtsverhandlungen gegen Monsanto sind über den Atlantik gedrungen und haben eine Debatte in Europa entfacht, wo Regierungen in Betracht ziehen, Glyphosat weiterhin in der EU zuzulassen, sagt Bart Staes, ein belgischer Parlamentsabgeordneter der Grünen Partei.

„Seit zwei Jahren sind politische und wissenschaftliche Debatten im Gange, weil die Zulassung für Glyphosat ausgelaufen ist und wir bis zum Ende des Jahres eine Entscheidung treffen müssen“, sagt Staes.

Die internationale Behörde für Krebsforschung, die Abteilung der WHO, die sich mit Krebs befasst, veröffentlichte im März 2015 das Ergebnis, dass Glyphosat krebserregend ist. Aber die EFSA, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, eine wissenschaftliche Abteilung der EU, die lebensmittelrelevante Fragen auswertet, gab im Oktober 2015 ihr Ergebnis bekannt, nämlich, dass dem nicht so sei. Die beiden stützen sich auf unterschiedliche Kriterien […], so Staes: Während die IARC sich auf veröffentlichte Studien stützt, hat die EFSA auch Zugang zu Daten, die sich im Eigentum von Firmen befinden.

In der vergangenen Woche sandte Christopher Portier, der frühere stellvertretende Direktor des National Institute of Environmental Health Sciences, einen Brief an den Präsidenten der Europäischen Kommission, in dem er feststellt, dass er einige Rohdaten von Tierversuchen erneut überprüft hätte, aus denen die EFSA geschlussfolgert hatte, dass Glyphosat keinen Krebs erzeuge. In ihnen hätte er acht Tumorfälle gefunden, die die EFSA bei ihrer Überprüfung nicht berücksichtigt hatte. Portier schied vor kurzem aus seiner 40-jährigen Dienstzeit in der US-amerikanischen Regierung aus und ist nunmehr als Teilzeit-Berater tätig für den Environmental Defense Fund und für eine Rechtsanwaltskanzlei, die in Rechtsstreitfälle um Glyphosat involviert ist. Mitglieder des EU-Parlaments hatten ihn darum gebeten, einen Teil der firmeneigenen Daten zu überprüfen, die die EFSA ihnen zur Verfügung gestellt hatte. Er ist zwar nicht befugt, diese Daten weiter zu verbreiten, aber er sagt dazu: „Die Rechtsanwälte in den USA haben diese [Daten] nicht gesehen“, sagte Portier der Huffington Post.

Portier, der nach eigenen Aussagen diese Arbeit unentgeltlich macht, sagte, er werde selbst an den Administrator der EPA schreiben, weil „sie auch alle Tumorfälle unberücksichtigt gelassen haben“.

„Sie haben diese Informationen seit Jahrzehnten in ihren Unterlagen, aber sie haben sie nie analysiert“, sagte er der Huffington Post.

Der Chef der IARC sagte kürzlich der US-amerikanischen Zeitung Politico, seine Organisation sehe sich einem Ansturm der Kritik ausgesetzt angesichts ihrer Schlussfolgerungen zu Glyphosat. Ähnlich war die Gegenreaktion der Tabakindustrie zu Beginn des 21. Jahrhunderts gewesen, nachdem sie erklärt hatte, dass passives Rauchen krebserregend sei.

Staes sagt, die Gerichtsverfahren wegen Glyphosat in den USA haben weitere Besorgnis darüber entfacht, dass Monsanto mit vorgeblich unabhängigen Wissenschaftlern gemeinsame Sache gemacht hat. „Nun bekommen wir es schwarz auf weiß, dass es ein Gemauschel zwischen Wissenschaftlern und Monsanto gab, für den erstere nur Marionetten waren.“

Angeregt durch Portiers Brief haben Staes und drei weitere Parlamentsmitglieder eine Klage eingereicht, in der sie fordern, dass die EFSA alle Daten über Glyphosat öffentlich macht. „Es geht zunehmend darum, dass Firmen die Wissenschaft kontrollieren, die dann wiederum von Zulassungsbehörden genutzt wird“, sagt Staes. „Dies geht [noch] weit über Glyphosat hinaus“.

(Netzfrauen/mh)

Dokumentarfilm: Tödliche Agri Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet

Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Zulassung in der Europäischen Union läuft dieses Jahr aus. Der Konzern Monsanto unternimmt alles, um ein Verbot von Glyphosat zu verhindern. Die neue Dokumentation „Tödliche Agri Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet“ der Journalistin Gaby Weber verdeutlicht, welche dramatischen Auswirkungen u.a. der Einsatz von Glyphosat auf die Menschen und die Natur in Argentinien hat.

Jeder Mensch muss essen, aber nicht jeder kann sich hochwertige oder rein biologisch angebaute Lebensmittel leisten. Deshalb verdienen Konzerne mit der industriellen Herstellung von Nahrungsmitteln Milliarden von Euro. Doch der Preis für den finanziellen Erfolg der Giganten ist hoch.

Die Journalistin Gaby Weber zeigt in ihrem neuen Dokumentarfilm „Tödliche Agri Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet“ die dramatischen Folgen für die Umwelt und die Menschen in Argentinien auf.

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht Monsanto, genmanipuliertes Saatgut und das allmächtige Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.

In der argentinischen Pampa werden auf zig Millionen Hektar Land gentechnisch veränderter Soja und Mais und andere Nutzpflanzen fast ausschließlich in Monokulturen angebaut. Diese Methode erleichtert zwar die Pflege und Ernte, laugt aber die Böden aus und erhöht zudem die Anfälligkeit der Pflanzen für Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter.

In gewaltigen Mengen kommen deshalb unterschiedlichste Herbizide, Insektizide, Fungizide und künstlicher Dünger zum Einsatz – und eben auch Glyphosat. Was den Verbrauch des Unkrautvernichtungsmittels angeht, dürfte Argentinien den weltweiten Rekord halten.

Anfangs war der kombinierte Einsatz aus genmanipuliertem Saatgut und Glyphosat für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Doch heute ist das Modell gescheitert.

Nicht für die Investmentfonds, die mit Nahrungsmitteln spekulieren, und auch nicht für die Konzerne, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Die Krebsrate in den Soja-Anbaugebieten liegt zwei- bis dreimal höher als in der Stadt.

Riesige Landesteile sind überschwemmt, weil der Boden die Niederschläge nicht mehr aufnehmen kann.

Und was die Lebensmittelindustrie von diesen Feldern in die Supermärkte bringt und exportiert, und den Verbrauchern als makellose Produkte anbietet, enthält Stoffe, die gesundheitsschädlich und somit giftig sind.

Gaby Weber, die in ihrer Dokumentation nicht nur Landwirte, Agrar-Experten, Wissenschaftler, Mediziner und Politiker zu Wort kommen lässt, bringt ein Thema in die Diskussion, das auch alle Verbraucher in Europa angeht: Die Zulassung von Glyphosat in der Europäischen Union läuft dieses Jahr aus, und Monsanto unternimmt alles, um ein Verbot zu verhindern.

Im Sommer 2016 hatte die EU-Kommission die Zulassung von Glyphosat um 18 Monate verlängert, auch um Untersuchungen durch die Echa (Europäische Chemikalienagentur) abzuwarten. Die Echa hat Glyphosat als nicht krebserzeugend eingestuft.

Doch damit ist nicht alles gesagt. Die Dokumentation „Tödliche Agri Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet“ greift grundsätzliche Fragen auf und zeichnet ein kritisches Bild der industriellen Nahrungsmittelherstellung und der mit ihr verbundenen Zerstörung von Natur und Mensch.



Video: Gaby Weber; Titelbild (Symbolfoto): Abgeerntetes Maisfeld (Foto von Axel Hindemith, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21839959)

EuGH entscheidet zu Anspruch auf Informationen über Krebserreger Glyphosat

Gesundheits-EinMalEins

Der Europäische Gerichtshof verkündet am Mittwoch, ob die EU-Kommission Informationen über die vollständige Zusammensetzung des von der WHO als „wahrscheinlich krebserregendem“ Unkrautgift Glyphosat preisgeben muss.

Glyphosat steht in der EU wohl vor dem Aus. Foto: Patrick Pleul/Archiv/dpa

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) verkündet am Mittwoch (09.30), ob die EU-Kommission Informationen über die vollständige Zusammensetzung des Unkrautvernichters Glyphosat preisgeben muss. Dies fordern Greenpeace und weitere Umweltschützer.

Die erste Instanz hatte auf deren Klagen hin die EU-Kommission zur Herausgabe entsprechender Dokumente verpflichtet, weil dies im Hinblick auf „Emissionen in die Umwelt“ geboten sei.

Die EuGH-Generalanwältin hält die Anwendung dieser Norm jedoch für falsch. Folgt der Gerichtshof ihrer Ansicht, muss die Vorinstanz die geforderte Freigabe der Informationen erneut im Einzelfall und am Maßstab der Pflanzenschutzverordnung prüfen.

Die WHO hatte das Pflanzengift als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. (afp)

http://www.epochtimes.de/

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Ökozid: Internationales Monsanto-Tribunal in Den Haag (Videos)

Der brasilianische Gesundheitswissenschaftler spricht vor dem Internationalen Monsanto-Tribunal, einer zivilgesellschaftlichen Initiative, die am Wochenende in Den Haag stattfand.

Bauern, Wissenschaftler, Anwälte sowie Betroffene aus verschiedenen Teilen der Welt berichten hier über die zweifelhaften Geschäftspraktiken des Agrarkonzerns. Ihnen gegenüber sitzen fünf renommierte Juristen aus Nord- und Südamerika, Afrika und Europa.

Nach dem Tribunal werden sie ein juristisches Gutachten dazu erstellen, ob Monsanto Menschenrechtsverletzungen und Ökozid – verstanden als die Zerstörung natürlicher Ökosysteme – angelastet werden können. Monsanto selbst hat eine Teilnahme abgelehnt.

Am Samstag stehen die Auswirkungen des massiven Einsatzes von Glyphosat im Zentrum des Interesses. Glyphosat ist der aktive Wirkstoff in Monsantos Herbizid Roundup (Wir sind das »Unkraut« für Monsantos Roundup). Es ist das weltweit am häufigsten verwendete Ackergift und kommt unter anderem beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in großen Mengen zum Einsatz.

Neben Marcelo Firpo berichten Zeugen aus Argentinien, Frankreich, USA und Sri Lanka über Gesundheitsschäden, die sie mit der Anwendung dieser Herbizide in Zusammenhang bringen. Die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation IARC stufte den Stoff im vergangenen Jahr als »wahrscheinlich krebserregend für den Menschen« ein.

Konträr dazu halten das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Anwendung von Glyphosat in der Landwirtschaft für unproblematisch – mit »an den Haaren herbeigezogenen Argumenten«, so der Toxikologe Peter Clausing.
Er gehört zum Vorstand des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN) und hat sich intensiv mit der Datenlage beschäftigt. Der IARC werde beispielsweise vorgeworfen, dass sie zu einigen Studien keinen Zugang hatte, die die Wirkung von Glyphosat an Mäusen getestet hatten (Glyphosat: Laut WHO nun doch nicht krebserregend – Wissenschaftler erwarten erhöhte Krebsraten (Video)).

Indes: »Diese Studien, die von den Glyphosat-Herstellern selbst geliefert wurden, führen eigentlich zwingend zu dem Schluss, dass der Stoff krebserregend ist«, so Clausing. Nur durch falsche Behauptungen und durch das bewusste Verschweigen mancher Aspekte sei es den Bewertungsbehörden möglich gewesen, die beobachteten Krebseffekte zu negieren.

Fest steht: der massive und weiter ansteigende Herbizidverbrauch ist ein globales Problem. Klar ist aber auch, dass es zu kurz greifen würde, Monsanto als einzelnen Verantwortlichen hierfür anzuprangern.

Viele Zeugen des Tribunals verweisen darauf, dass das von Monsanto propagierte Landwirtschaftsmodell teilweise erhebliche Unterstützung aus der Politik genießt – sei es in Brasilien, wo die Regierung die Vergabe von Krediten an Landwirte an den Kauf bestimmter Produkte abhängig gemacht habe oder in Australien, wo die Regierung selbst als kommerzieller Akteur aufgetreten sei.

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(Auch in Tokio wurde am Wochenende gegen Monsanto demonstriert)

Zudem ist Monsanto ein globaler Agrarkonzern neben anderen – und das nur noch für begrenzte Zeit, zumindest in der gegenwärtigen Form: Mitte September hatte Bayer angekündigt, den Konzern übernehmen zu wollen (Übernahme-Poker Bayer-Monsanto bedroht die Welternährung).

Unter anderem die Coordination gegen Bayer Gefahren (CBG), die seit 36 Jahren Konzernkritik in Leverkusen betreibt, will dafür sorgen, dass das nicht reibungslos über die Bühne geht.

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»Bayers Jahresumsatz von 40 Milliarden Dollar entspricht dem Bruttoinlandsprodukt ganzer Staaten wie Tunesien oder Ghana«, sagt CBG-Mitarbeiter Antonius Michelmann bei einem Vortrag am Samstagabend im Rahmen der Peoples Assembly, die zeitgleich zum Monsanto Tribunal stattfindet.

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Damit sei eine enorme ökonomische Machtposition verbunden, die demokratischer Entscheidungsfindung entgegen laufe. Vom Hearing in Den Haag erwarten sich die Bayer-Kritiker unter anderem eine breite Vernetzung. Angesichts der globalen desolaten Lage gelte es, »realistisch zu sein und das unrealistische zu versuchen: Wir müssen diesen Konzernen die Kontrolle entreißen«.

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Der laut Wikipedia „1901 gegründeter und seit 1927 börsennotierter Konzern mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri, der Niederlassungen in 61 Ländern hat“, lehnte die Einladung zur Verteidigung auf diesem Volkstribunal ab.

Sogar die Annahme der Einladung soll, darauf wurde auf der gestrigen Pressekonferenz in Den Haag hingewiesen, verweigert worden sein. Trotzdem erklärte Monsanto in einem offenen Brief, dass das Tribunal ein „Scheinprozess“ sei, „bei dem Kritiker, die gegen landwirtschaftlichen Fortschritt und gegen Monsanto sind (Gentechnik-Verschwörung: E-Mails belasten Monsanto und Bayer), die Organisatoren, den Richter und die Jury spielen, und bei dem das Ergebnis von vornherein feststeht.“

                                       

Das wundert wenig, wenn man sich die Zeugen der Anklage anschaut: Michael Heussen, WDR Köln, tut das, ist in Den Haag vor Ort, und berichtet in der Tagesschau (www.tagesschau.de, 15.10.2016) wie folgt:

„Bauern, Imker und Gesundheitsexperten aus Nord- und Südamerika, Asien und Afrika berichten über die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schäden, die durch das Unternehmen Monsanto, seine Produkte und seine Geschäftspraktiken entstanden sein sollen. Die indische Umweltaktivistin Vandana Shiva etwa spricht von 300.000 indischen Bauern, die sich wegen Monsanto das Leben genommen haben. Das von Monsanto hergestellte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird angeprangert, weil es krebserregend sein soll.

Zwar sind „nach den Leitprinzipien der Vereinten Nationen (Hinter den Kulissen der Vereinten Nationen: Wer wirklich das Sagen hat)für Wirtschaft und Menschenrechte … Unternehmen“ wie Monsanto „zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet“, schreibt Regina Schwarz in der Tageszeitung „Junge Welt“ (www.jungewelt.de, 15.10.2016), wozu „auch das Recht auf Leben, auf Gesundheit und auf eine gesunde Umwelt“ gehöre, dennoch gebe es „bis heute kein offizielles Rechtsinstrument, das die strafrechtliche Verfolgung von Konzernen wegen Verbrechen gegen die menschliche Gesundheit und die Umwelt“ ermögliche.

Deswegen sind Volkstribunale wie gegen den Chemiegiganten Monsanto wichtig und richtig.

Das Tribunal will anschließend eine rechtliche Empfehlung aussprechen und erhofft sich unter anderem, dass „Umweltzerstörung“ als Straftatbestand in internationales Strafrecht aufgenommen wird.

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Die Aktivisten dürften Den Haag absichtlich als Ort ihres Protests gewählt haben – der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat seinen Sitz in der niederländischen Stadt.

Literatur:

Food, Inc. – Was essen wir wirklich?

Gekaufte Wahrheit

Saat der Zerstörung. Die dunkle Seite der Gen-Manipulation von F William Engdahl

Videos:

Quellen: PublicDomain/Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten/neues-deutschland.de/weltexpress.info am 17.10.2016