Andreas von Rétyi
In diesem Monat teilte die US-Marine mit, ihre neue Laserwaffe funktioniere jetzt perfekt. Noch ist die begonnene Versuchsphase nicht abgeschlossen. Seit Sommer befindet sich das Laser Weapon System (LaWS) auf dem US-Kriegsschiff USS Ponce. Nun wurde dieser Laser offiziell zu Verteidigungszwecken freigegeben.
In den vergangenen sechs Jahren hat die US-Marine laut offiziellen Angaben rund 40 Millionen US-Dollar in Forschung, Entwicklung sowie Tests einer neuen Laserwaffe investiert. Die Vereinigten Staaten treiben Programme zu Laser- und Teilchenstrahlenwaffen zielstrebig voran – nur ein Aspekt von vielen, die deutlich unterstreichen, dass Weltfrieden auch für die Zukunft eine Illusion bleibt. Freilich soll die neue LaWS-Waffe lediglich Defensivzwecken dienen, doch die Praxis kann bekanntlich schnell anders aussehen.
2010 erhielt das Unternehmen Kratos Defense & Security Solutions aus San Diego, Kalifornien, den Auftrag, LaWS im Rahmen des Programms Directed Energy and Electric Weapon Systems (DE&EWS) der US-Marine zu entwickeln, um einen wesentlichen Fortschritt bei der Verteidigung von Schiffen zu erzielen. Schon relativ bald fanden erste Tests statt.
Im Mai 2010 berichtete das Naval Sea Systems Command (NAVSEA), die unter anderem für die Konstruktion von Marine-Gefechtssystemen zuständige US-Organisation, mithilfe von LaWS erfolgreich eine Drohne bei San Nicolas Island vor der kalifornischen Küste verfolgt und zerstört zu haben. San Nicolas Island (SNI) zählt zur Gruppe der Channel Islands, wird von der US-Marine genutzt und bereits seit 1933 als Waffentestgelände geführt.
In den folgenden Jahren wurde daraus ein U. S. Naval Missile Center. Auf der rund 15 Kilometer langen Insel entstanden verschiedene neue Gebäudekomplexe sowie ein Rollfeld. Vermutungen gehen schon länger in die Richtung, das Militär könne SNI sogar zu einem »verlängerten Arm« der Geheimbasis Area 51 in Nevada ausgebaut haben. Fest steht, dass hier weitgehend abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit durchaus rege Betriebsamkeit auf militärischem Sektor herrscht.
Der LaWS-Test vom Mai 2010 war natürlich keineswegs der erste Drohnenabschuss durch einen Laser, doch wurde diese Aktion als wesentlicher Schritt für die Entwicklung solcher Laserwaffensysteme dargestellt. Als Beispiel für frühere Experimente dieser Art kann unter anderem eine Versuchsreihe von 2009 gewertet werden, die auf dem kalifornischen China-Lake-Testgelände durchgeführt wurde, in einem eher wenig ansprechenden Teil des sonnigen US-Bundesstaats.
Damals zerstörte die US-Luftwaffe mehrere Drohnen per Laserkanone. Wesentlich mitbeteiligt an der Entwicklung eines »Navy-Todesstrahls« für LaWS ist auch das amerikanische Unternehmen RC Optical Systems (RCOS),bekannt für seine optische Spitzentechnologie. Im Rahmen von Sonderprojekten konstruiert RCOS spezielle Varianten seiner präzisen Ritchey-Chrétien-Teleskope zu militärischen Laseroptiken oder auch Überwachungssystemen um.
So befindet sich beispielsweise am 120 Tonnen schweren 3,6-Meter-Advanced Electro-Optical System (AEOS) der Weltraumüberwachungsanlage auf Maui, Hawaii, als Leitrohr ein verstärktes 24-Zoll-RCOS-Teleskop mit Carbontubus. Das AEOS der U.S. Air Force gilt als das gegenwärtig weltbeste Satellitenverfolgungsinstrument und erreicht eine Schwenkgeschwindigkeit von bis zu 20 Winkelgrad pro Sekunde.
2013 drangen verschiedene Informationen nach außen, der US-Marine sei es nun gelungen, die weltweit erste »Todesstrahlen-Waffe« zu bauen und eine einsatzfähige Version im folgenden Jahr auf einem Kriegsschiff zu installieren. So kam es dann auch. Diese neue Kanone soll Nahbereichsverteidigungssysteme wie dasClose In Weapon System (CIWS) vonRaytheon – auch als »Phalanx« oder wegen seines Aussehen inoffiziell als »R2-D2« bezeichnet – zwar nicht ersetzen, aber doch ergänzen.
Spätestens aus den 1980er Jahren sind Tests von Hochenergiewaffen mit chemischen Lasern im Megawattbereich bekannt. Die Navy erklärte die hierzu verwendeten Substanzen und ihre Reaktionsprodukte (vorwiegend Halogenwasserstoffe und Halogene) allerdings als weitgehend zu gefährlich für den Einsatz an Bord, so dass diese Laser unter anderem deshalb trotz besserer Leistung laut Aussagen des US-Verteidigungsministeriums von schwächeren Festkörper-Lasern abgelöst wurden.
Welche Leistung LaWS genau erzeugt, bleibt noch offen. Schätzungen gehen von einem Bereich zwischen 15 und 50 Kilowatt aus. Dabei werden im Prinzip sechs Schweißlaser gemeinsam auf ein Ziel gerichtet, wobei im Testbetrieb 33 Kilowatt erzielt worden seien. Geplant sind Leistungen vom Zehnfachen. Diese Systeme sollen das bisherige »Sortiment« im Kurzstreckeneinsatz ergänzen, zur reinen Selbstverteidigung gegen Drohnen und Boote, so heißt es. Doch später sollen die Waffen auch in der Lage sein, Antischiffsraketen effektiv abzuwehren.
Bekannt ist die Wetterabhängigkeit vergleichbarer Einrichtungen. Das soll natürlich in der Testphase gründlich geprüft werden. Laserstrahlen büßen Leistung ein, wenn sie feuchte Luft oder die salzhaltige Atmosphäre über dem Meer durchdringen. Doch attestiert die Navy ihrem LaWS, sämtliche Erwartungen zu übertreffen. So habe es auch bei hoher Luftfeuchtigkeit und sogar nach einem Staubsturm noch gut funktioniert. Auch der erreichte Wirkungsgrad sei erstaunlich – mit 35 Prozent.
LaWS kann mit unterschiedlicher Stärke eingesetzt werden, sei es, um eine angreifende Person »lediglich« zu blenden und somit nicht-letal abzuwehren, sei es aber auch, um bei hoher Leistung Sensoren zu zerstören oder Explosivstoffe aus der Ferne zu zünden. Ein gezielter Schuss auf den Motor eines kleinen Bootes würde es sofort manövrierunfähig werden lassen. Die Zielgenauigkeit ist hoch, die Kosten pro Schuss bleiben hingegen sehr niedrig – ein weiterer Vorzug dieses Systems.
Es ist fast schon gefährlich ökonomisch. Munition muss hergestellt, transportiert und gelagert werden, die Kosten summieren sich schnell, so dass je nach Projektil Hunderte, Tausende oder gar Millionen Dollar pro Schuss auflaufen. Währenddessen wird für den einzelnen Laserschuss weniger als ein Dollar veranschlagt. Geht diese Rechnung wirklich auf, so könnte dieser deutliche Kostenvorteil auch schnell seine Schattenseiten offenbaren.
Die auf der USS Ponce installierte LaWS-Einheit wird mit ihrer sehr leistungsfähigen RC-Optik ebenfalls auch zu Überwachungszwecken eingesetzt und bereits als eine Art »Hubble-Teleskop« für den Ozean bezeichnet. Dabei bleibt das System leicht bedienbar. Jeder, der im Videospiel geübt sei, könne auch mit LaWSoperieren. So vorteilhaft das klingt und fürs Militär sein mag, birgt diese Praktikabilität auch einige Risiken. Nur ein wenig extrapoliert, kann dies alles schnell wieder neue Optionen des Terrors oder eben entsprechende Argumente liefern.
Die Kriegsindustrie jedenfalls ist voll im Gange. Ob neue Entwicklungen der DARPA, Cyber- oder Laserkrieg, ob rätselhafte Vorgänge über dem Atlantik oder bizarre Explosionen in Russland, was auch immer, die Menschheit befindet sich durch skrupellose Manipulationen und brandgefährliche Spiele einer machtbesessenen »Elite« wieder auf einem äußerst bedrohlichen Kurs. Von wahrer Zivilisation – doch eigentlich gar keine Spur auf diesem Planeten.