“Mein Leben war meine Arbeit.” – Diesen Spruch hörte ich neulich von einer Bekannten, die diesen zufällig aufschnappte, als sich ein älterer Mann darüber beklagte, nicht mehr arbeiten zu können bzw. zu dürfen. Warum dieser Spruch völlig dumm und hohl ist, möchte ich mal aus meiner Sicht heraus erklären.
Es mag ja vorkommen, daß es Leute gibt, die in ihrer Arbeit einen Sinn sehen. Das ist nicht verwerflich. Doch wenn man sein Leben nur nach der Arbeit ausrichtet, dann ist man ziemlich arm dran.
“Mein Leben war / ist meine Arbeit” – sagt im Grunde genommen aus, daß bei so einigen Mitmenschen die Gehirnwäsche bestens funktioniert hat. Denn mein Leben ist nicht die Arbeit, sondern in erster Linie meine Familie, meine Freunde, mein Heim, meine Interessen und Hobbies. Arbeit ist nur dafür da, um leben zu können, denn man lebt nicht, um zu arbeiten, sondert arbeitet, um zu leben.
Wessen Leben einzig und allein die Arbeit war und dann einsam und verlassen mit Depressionen herumsitzt, hat irgend etwas falsch gemacht. So jemand hat sich im kulturellen Sinne geistig nie weiterentwickelt und warum ich das behaupte, hat auch seinen Grund. Solche Leute sind meistens paar mal geschieden, haben keinen Kontakt zu ihren erwachsenen Kindern, nie ein Hobby und Interessen entwickelt. Alles völlig beziehungsunfähige Menschen, die nach getaner Arbeit nie etwas anderes kennenlernten, als die Verblödungsglotze und dann beim “Nicht-mehr-arbeiten-dürfen” auch nichts anderes kennen, als von frühmorgens bis abends in die Glotze zu sehen.
Wer sein Leben derartig der Arbeit unterordnet, daß Beziehungen auf der Strecke bleiben und man dann später bei der Erwerbsunfähigkeitsrente herumhockt und mit seiner Zeit nichts anzufangen weiß, hat den Sinn der Arbeit nicht verstanden.
Die Neandertaler “arbeiteten” maximal 3 Stunden am Tag und existierten auf diesem Planeten ca. 250.000 Jahre lang. Der heutige Mensch springt erst so seit ungefähr 70.000 Jahren auf dieser Erde herum. Der Neandertaler hat weniger produziert als der heutige Mensch, weniger Ressourcen verbraucht und lebte 180.000 Jahre länger, als es den heutigen Menschen gibt, der mittlerweile schon kurz vor seiner Ausrottung steht.
Für den Neandertaler war in erster Linie wichtig, daß die Sippe / Familie besteht und was dafür notwendig war, wurde erledigt. Dazu gehörte das Jagen, Höhlenbau, Kleidung machen etc. pp. Aber der Neandertaler war nie so blöde, daß er seine Arbeit über das Wohl seiner Sippe stellte. Es gibt heute noch Naturvölker, die das Wort “Arbeit” in unserem Sinne gar nicht kennen.
Ich persönlich habe Arbeit immer als notwendiges Übel angesehen, obgleich ich auch Phasen hatte, in denen ich gerne arbeiten ging. Aber wenn es nicht unbedingt sein muß, dann buckel ich mich aber auch nicht krumm für andere.
Nun hat dieser ältere Mann gesagt, daß er manchmal Depressionen bekommt, weil er nicht mehr arbeiten DARF. Also ich kenne niemanden, der einem anderen die Arbeit verbietet. Arbeit hat man schließlich immer: Fenster putzen, Essen kochen, Staubsaugen, Wäsche waschen und bügeln, Reparaturen, Basteln, Garten pachten. – Mein Vater war glücklich als er mit 55 in Vorruhestand gehen konnte (Invalidenrente, Bergmannsrente, Ruhestandsgeld) und widmete sich seinem liebsten Hobby: dem Garten … Im Grunde kommt man nie zur Ruhe und hat zu tun.
Wer aber keine geistigen Fähigkeiten entwickelt und nur die Maloche irgendwo kennt und sich dafür hat dressieren lassen, der hat irgendwas falsch verstanden. Aber genau solche Leute sind im heutigen Dreckskapitalismus beliebt. Zum einen, weil die Gehirnwäsche durch Medien perfekt funktionierte und zum anderen, weil solche Systemzombies gebraucht werden. Schuften für wenig Geld bei wenig Freizeit und zur Befriedigung Konsum auf Kredit, damit man noch tiefer in der Scheiße steckt und noch mehr buckelt für ein System, das ohnehin dem Untergang geweiht ist und keine 15 Jahre mehr in seiner Form überlebt.
Das Wichtigste im Leben ist die Familie. Die ist immer da wenn man sie braucht, sofern man es nicht bei seiner Familie verschissen hat und sofern man auch Familiensinn besitzt. Ist die Arbeit da, wenn man Sorgen und Nöte hat? Sind Arbeitskollegen zur Stelle wenn es einem schlecht geht? Sicherlich gibt es da paar wenige, aber die werden niemals eine Familie ersetzen können. Wer das nicht frühzeitig begreift, weil er sein Leben der Arbeit untergeordnet hat, wird IMMER irgendwann mutterseelenallein herumsitzen und sich beklagen.
Das Problem des Homo Oeconomicus liegt darin, daß er Arbeit immer mit Erwerbsarbeit gleichsetzt und unfähig ist, sich geistig zu entwickeln. Von den 40 Millionen Erwerbstätigen gibt es 39 Milionen, die nur noch als Zombies ohne Sinn und Verstand durch’s Leben stürzen. Das sind die immer Getriebenen, die unfähig sind, Beziehungen zu entwickeln, die selbst Samstags an der Ampelkreuzung hupen, nur weil jemand 3 Sekunden zu langsam ist.
Wenn mir mal langweilig sein sollte, was zu 99% NIE vorkommt, dann suche ich mir Beschäftigung:
- Wäsche waschen
- Knöpfe an Bettwäsche wieder annähen
- schauen, wo es etwas zu reparieren gibt
- eine lang gehegte Idee versuchen umzusetzen
Aber die Erwerbsarbeit als Lebensinhalt zu sehen, käme mir nie in den Sinn. Sie mag zwar wichtig sein, doch wichtiger sind Familie und Freunde, Rückhalt, Hobbies, das EIGENE Leben fernab jeglicher Buckelei für andere. Denn in erster Linie lebt und tut man etwas für sich und nicht irgendwo in irgendeiner Klitsche für irgendwelche Dreckskapitalisten, denen selbst noch nie das Wasser im Arsch gekocht hat.
Die Arbeit allein als Lebensinhalt zu sehen, machen ja nicht einmal Pop- und Rockstars. Selbst die sagen, daß ihnen Familie sehr wichtig ist und gönnen sich Auszeiten und das hat NICHTS damit zu tun, daß die teilweise sehr reich sind. Die haben auch Verträge, an denen sie sich halten müssen und bei Bruch mit hohen Konventionalstrafen belegt werden. Dennoch haben die den Arsch in der Hose, zu sagen, daß auch mal Schluß mit der Schufterei ist.
“Mein Leben war / ist meine Arbeit.” – Diesen Spruch können nur Leute sagen, deren Leben hohl und leer wie eine Seifenblase und deren geistiges Niveau irgendwo zwischen Dummheit, Blödheit und Scheiße im Hirn angesiedelt ist.