Putin in Krim-Doku: Wir durften die Menschen nicht den Nationalisten ausliefern

Wiedervereinigung der Krim mit Russland

Rund ein Jahr nach der Wiedervereinigung der Krim mit Russland erinnert sich der russische Präsident Wladimir Putin in einer Fernsehdokumentation an die Ereignisse vom Frühjahr 2014.

Schon am Tag des nationalistischen Umsturzes in Kiew hat Putin in der Nacht zum 23. Februar in einer Sitzung mit den Leitern der Sicherheitsdienste über einen Rettungseinsatz für den entmachteten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch beraten. „Wir beendeten die Sitzung etwa um sieben Uhr morgens“, erinnerte Putin in einem Trailer der Dokumentation „Krim. Der Weg in die Heimat“, der am Sonntag von dem Staatssender Rossija 1 ausgestrahlt wurde.

Video auf russisch im Original.

„Nach der Sitzung habe ich zu meinen Kollegen gesagt, die Situation in der Ukraine ist so, dass wir gezwungen sind, die Arbeit an einer Rückholung der Krim nach Russland zu beginnen. Denn wir können dieses Territorium und die Menschen, die dort leben, nicht im Stich lassen und dürfen sie nicht den Nationalisten ausliefern.“

Als erstes haben Meinungsforscher im Auftrag der russischen Behörden eine Umfrage auf der Krim durchgeführt. Putin erinnert sich: „Es stellte sich heraus, dass sich etwa 75 Prozent der Krim-Bevölkerung einen Beitritt zu Russland wünschten.“ Rund zwei Wochen später werden bei einem Referendum auf der Krim mehr als 96 Prozent der Wähler für eine Wiedervereinigung mit Russland stimmen. „Unser Endziel war keine Eroberung und keine Annexion der Krim, sondern das Endziel bestand darin, den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung darüber zu äußern, wie sie weiter leben wollen“, so Putin in der Doku. Hätten die Menschen auf der Krim anders entschieden, hätte Russland das akzeptiert.

Am 22. Februar 2014 war es in der Ukraine zu einem Umsturz gekommen. Die Opposition erklärte Präsident Viktor Janukowitsch für abgesetzt. Obwohl die von der Verfassung vorgeschriebene 75-Prozent-Mehrheit im Parlament nicht erreicht wurde, stellten Oppositionsparteien eine Übergangsregierung, die von den westlichen Staaten umgehend anerkannt wurde. Dagegen haben die von Russischstämmigen dominierten Halbinsel Krim und die östlichen Regionen Donezk und Lugansk den nationalistisch geprägten Machtwechsel in Kiew nicht anerkannt.

Am 16. März 2014 stimmte die Krim-Bevölkerung in einem Referendum mehrheitlich für eine Abspaltung von der Ukraine und für eine Wiedervereinigung mit der Russischen Föderation. Zwei Tage später unterzeichneten Putin und die Regierung der Krim einen Vertrag über die Aufnahme dieser Schwarzmeerhalbinsel und der Stadt Sewastopol in die Russische Föderation.

Nach den Ereignissen in Kiew demonstrierten auch in den ostukrainischen Industriegebieten Donezk und Lugansk tausende Menschen für ein Referendum und mehr Selbständigkeit für ihre Regionen. Regimegegner besetzten Verwaltungsgebäude, bauten Barrikaden und riefen schließlich „Volksrepubliken“ aus. Daraufhin schickte die neue ukrainische Regierung Truppen gegen die Protestregionen. Bei schweren Gefechten zwischen dem ukrainischen Militär und örtlichen Volksmilizen sind laut den jüngsten UN-Angaben mehr als 6000 Zivilisten getötet worden. Seit dem 15. Februar gilt im Kampfgebiet Waffenruhe.

Die Krim gehörte seit 1783 zu Russland, bevor der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow 1954 diese Schwarzmeer-Halbinsel symbolisch von der Russischen Sowjetrepublik an die Ukrainische Sowjetrepublik – beide im Bestand der Sowjetunion – „verschenkte“. Nach dem Zerfall der Sowjetunion im Dezember 1991 blieb die von Russen dominierte Krim automatisch in der Ukraine.
http://de.sputniknews.com/politik/20150310/301415131.html#ixzz3TyunQ2xi

Besinnliches zum Tag des Mauerfalls

von Heinz Sauren (freigeistblog)

Der 9. November ist ein Schicksalstag der deutschen Geschichte. Kein anderer Tag markiert die wechselvolle Geschichte der letzten hundert Jahre, wie dieser. Es war der 9. November 1918, an dem Philipp Scheidemann die Republik ausrief, die Geburtsstunde der Weimarer Republik und der Demokratie in Deutschland. Am 9. November 1923 putschte Hitler in München.

Auch wenn dieser Putsch erfolglos war, begründete er doch Hitlers politischen Anspruch, dessen ideologischer Inhalt dann am 9. November 1938, in der Reichskristallnacht oder politisch korrekter Reichsprogomnacht, letztlich öffentlich offenbar wurde. Drei 9. November fanden ihren Weg in die Geschichtsbücher. Jedes 9 November Ereignis begründete einen Feiertag, und verschwand mit dem nachfolgenden 9. November-Ereignis aus dem Fokus der Öffentlichkeit. So gingen die 9. November 1918, 1923 und 1938 dem öffentlichen Bewußtsein, an ihren Gedenktagen im Jahr 1989 verloren, obwohl zumindest der des Jahres 1918, der von mindest gleichrangiger Bedeutung ist. In den Schatten gestellt vom jüngsten Großereignis der deutschen Geschichte, dem Mauerfall.

Der Mauerfall war die Konsequenz des nach 1953, zweiten Volksaufstandes in der DDR und die direkte Folge einer Kommunikationspanne des Politbüros der SED. Den Mauerfall an diesem 9. November ermöglichten weder die Oppositionellen der DDR noch die Menschenmassen einer Demonstration, sondern ein falsch informiertes Mitglied des Politbüros der SED, das die Maueröffnung auf einer Pressekonferenz irrtümlicher Weise verkündete und dadurch so viele Menschen an die Grenzübergangsstellen lockte, das ein Oberst Leutnant der Grenztruppen damit völlig überforderte war und keine andere Möglichkeit mehr sah, als den Schlagbaum zu öffnen. Es war keine Kapitulation der DDR vor ihren Oppositionellen, sondern eine peinliche, aus heutiger Sicht historische Verkettung unvorhersehbarer Umstände.

Der Mauerfall wäre als grenzpolitisches Malheur, eine makabere Anekdote der Geschichte geworden, wenn wie beim ersten Volksaufstand in der DDR 1953, die sowjetische Armee eingegriffen hätte. Doch sie tat es nicht, weder mittels Weisungen noch durch den Einsatz von Truppen. So kapitulierten die weisungsgewohnten DDR-Grenztruppen in dieser Nacht an ihrem Befehlsvakuum. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, der offenen Grenze, innerhalb weniger Stunden in Berlin und die Menschen strömten zu den Grenzübergängen, die Tausende ungehindert überquerten. Der 9. November 1989 war nicht der Tag der Wiedervereinigung, aber er wurde zum Symbol für sie.

Es ist ein Tag der Freude, da er das Ende der unnatürlichen Spaltung innerhalb eines Volkes symbolisierte und das Gedenken an ihn wird mit Freude begangen, weil er für viele Menschen die Befreiung aus ihrem persönlich erlebten Unrecht bedeutet. Dem Ende des Leids und des Todes, den die Mauer vielen brachte wird gemeinsam mit dem Unrecht und der Willkür der DDR an ihren Bürgern gedacht.

Keine Zeitung, kein Fernsehsender und kein Politiker versäumt es in diesen Tagen, seine Freude über die Wiedervereinigung und sein Mitgefühl für die damals unterdrückten zu bekunden. Die Freude ist politisch verordnet und blendet aus, das es auch Verlierer der Wiedervereinigung gab. Noch überwiegt die Zahlderer, die zumindest gefühlt von ihr profitieren. Die wenigen, die ihre kritischen Stimmen erheben sind noch unerwünscht. Kritik vor dem Hintergrund dieser völkischen Großtat wird von den gesellschaftlichen Antreibern der Jubelfraktion als blasphemische Verunglimpfung der Volksseele gebrandmarkt.
Doch 25 Jahre nach dem Mauerfall ist der Blick vieler Bürger, nicht mehr uneingeschränkt emotional verklärt und die Sicht wird frei, auf das, was der Mauerfall in seiner Konsequenz der Wiedervereinigung auch noch brachte.

Unbestritten wäre das Leben vieler, wie sie es heute führen, ohne den Mauerfall nicht denkbar. Ohne Zweifel hat die Wiedervereinigung ein Regime stalinistischer Betonköpfe und deren verbohrte Ideologie, gepaart mit einem Polizeistaat in deutschester Gründlichkeit, hinweggefegt und viele von ihrer Unterdrückung befreit.

Zwei Dekaden danach darf aber auch festgestellt werden, dass jene, denen die Wiedervereinigung im Grunde geschuldet ist, nicht jene waren, die sie wollten. Die berühmten Montags-Demonstrationen zu denen ein Volk seine Stimme erhob, die kurzfristig die Anarchie in der DDR brachten und die all ihre Teilnehmer nach geltendem Recht zu Terroristen machten, waren das eigentliche Wunder, die wirkliche geschichtliche Großtat. Der Ruf dieser Zeit war: „Wir sind das Volk.“

Der 9. November ist der Tag der Anarchisten, der Aufrührer und der Volksverhetzer, denn das waren die Demonstranten damals im Sinne des geltenden DDR Rechts und als solche sollten sie geehrt werden. Das sind die wahren Ehrentitel der Geschichte und ein wenig dieser Anarchie stünde dem deutschen Volk auch heute gut zu Gesicht.

Das Volk der DDR erhob sich gegen sein Regime, das es ersetzen wollte, aber es forderte nicht die Einheit. Der Gedanke der Einheit wurde in Bonn geboren. Herr Kohl als gelernter Historiker sah eine Hintertür aus seiner verkorksten Kanzlerschaft und tauschte die absehbar kommende Bundestags-Wahlniederlage gegen einen Eintrag ins Geschichtsbuch. Als die Mauer fiel, stürmten die Menschen ein menschenverachteter Bauwerk, welches sie einsperrte, als Beweis ihrer gewünschten Freiheit und man musste die Geschichtsbücher schon selber schreiben, um darin später darin lesen zu können, dass dies ein völkerrechtlicher Wiedervereinigungswille war.

Der Wille zur Einheit kam auf, als die Bundesregierung jeden DDR Bürger mit Begrüßungsgeld lockte und die DM für alle versprach. Dies mündete in einem zur Einheit angepriesenen völlig unrealistischen Umtauschkurs von Ost zur West Mark. Der Mauerfall war das Symbol der Freiheit, welches durch die DM als Symbol der Einheit korumpiert wurde. Die DDR wurde mit einem Blanko-Scheck gekauft. Völkerrechtlich lassen sich die Ereignisse von damals nicht als Wiedervereinigung beschreiben, sondern waren die bedingungslose Kapitulation der DDR vor der Wirtschaftsmacht der BRD. Es folgte auch kein Zusammenschluss zweier Staaten, wie das Wort Wiedervereinigung vermuten lassen würde und die eine verfassungsrechtliche Grundlage zu einem vereinten Deutschland hätte bilden können, sondern die Selbstauflösung der DDR mit anschließender völliger Assimilation durch die BRD.

Deutlich wird das auch durch den zwingenden Auftrag im Grundgesetz, dem Volk im Falle einer Wiedervereinigung eine neue Verfassung zu geben, der durch die Benennung als Beitritt und nicht als Verneinung, eine Wiedervereinigung ausschließt. Seitens der Bundesregierung somit das deutsche Volk somit um eine freibestimmte Verfassung betrogen, die, so war die Angst der Regierung Kohl, ja auch von den DDR Bürgern mitbestimmt worden wäre.
Weder das Völkerrecht noch der Wille eines Volkes führten zur Wiedervereinigung, da sich keine Staaten vereinigten, sondern ein Staat von einem anderen geschluckt wurde, mit der Folge, dass der eine verschwand, während der andere größer wurde. Eine Vereinigung sieht anders aus.
Heute, 25 Jahre und viele Billionen Euro Hilfszahlungen später ist es wieder das Geld, das die Gewinner und Verlierer der Einheit bestimmt. Viele erinnern sich noch an die große Einheits-Lüge des ebenso großen Einheits-Kanzlers, dass die Einheit niemanden auch nur einen Pfennig kosten und in wenigen Jahren zu blühenden Landschaften führen werde.
Doch die Einheit führte zur Treuhand, dem wohl fatalsten Wirtschaftskonstrukt, welches in diesem Lande je erdacht wurde. Eine gesamte Volkswirtschaft wurde nach einer Art Auktionsregelwerk meistbietend verhökert. Frei nach dem Motto: “Alles muss raus.” Leider hatte dieser scheinbar geniale Entwurf der staatlichen Ausbeutung nach den Regeln des Raubtierkapitalismus niemanden erdacht, der seinerseits die Treuhand kontrollieren konnte oder auch nur wollte. Während die Filetstücke der ehemals “Volkseigenen Betriebe” und Immobilien innerhalb eines handverlesenen Kreises in AG`s umgewandelte wurden, zu Kursen und Bedingungen, die auch dem gierigsten Erz-Kapitalisten die Schamesröte ins Gesicht trieb, wurde der größte Teil nach westlichem Standards für Ramsch befunden und mit Bausch und Bogen abgewickelt.

Unzählige Existenzen wurden, ohne mit der Wimper zu zucken, vernichtet und ein ganzes Volk für dumm und rückständig erklärt. Nur die Rechtsbeugung der Ausserkraftsetzung beinahe aller Widerspruchs- und Klagemöglichkeiten, konnte die Bundesregierung in den 90er Jahren eine gewaltige Flut von zivil- und strafrechtlichen Klagen gegeben sich abwenden. Die Einheit war auch, dass die Bundesrepublik, angeführt von ihrer Regierung, in Goldgräberstimmung nach Gottkönig-Manier durch den “wilden Osten” zog und jedes eigene, rechtliche oder wirtschaftliche Fehlverhalten mit strafbefreienden Gesetzeskorrekturen legitimierte. Es war die mittelalterliche Plünderung des Besiegten mit modernen Methoden unter einem Namen, der zum Synonym für Existenzen vernichtendes Missmanagement wurde. Die Treuhand als Betriebsleiterin der wirtschaftlichen Umsetzung der Einheit.

Die Einheit war der Grund für den ersten großen Sozialabbau in diesem Land. Sie kostete Billionen Euro, eine Summe die sich weiterhin erhöht, da voraussichtlich noch bis 2019 Monat für Monat Milliarden in die neuen Bundesländer transferiert werden. Sie war auch der Grund für die Zwangseinführung des Euro. Ohne das Versprechen seiner Einführung hätten Großbritannien und Frankreich, ihre damals als Siegermächte notwendige Zustimmung verweigert. Eine Folge der Einheit ist heute auch, dass verarmte westdeutsche Kommunen Kredite aufnehmen müssen, deren Zinsen sie nicht zahlen können, um schuldenfreien und wohlhabenden ostdeutschen Kommunen, Geld zu überweisen, obwohl diese zwischenzeitlich über Infrastrukturen verfügen, die manche westdeutsche Großstadt bräuchte, aber nicht hat, da ihre aufgrund des Geldmangels zusammengebrochen ist.

Der Gedenktag des Mauerfalls ist auch ein Gedenken an die immer noch vorhandene Teilung, zwischen Ost und West. Ein Umstand, der gerade durch die Politik aufrechterhalten wird, da in den neuen Bundesländern auch heute noch nicht und das per Gesetz genehmigt, gleiche Löhne oder gleiche Renten wie in den Westlichen Bundesländern gezahlt werden. Die Neuen Bundesländer sind heute das Armenhaus der Republik und werden von den westlichen Bundesländern alimentiert.

Der Mauerfall steht auch für die Dämagogisierung alles „sozialistischen“ in diesem Land, die immer noch verhindert, dass den politisch „linken” Fraktionen der Einfluss gewährt wird, der ihnen im Mehrheitsverhältnis zustehen würde. Die Politik manifestierte ein Feindbild, anstatt sich mit ihm inhaltlich auseinander zu setzen. Dieses Land hatte die Chance neutral zu werden und mit Schweden und der Schweiz eine neutrale Achse in Europa zu bilden, die sicher um vieles Friedenserhaltender gewesen wäre als das Bekenntnis zum militärischen Bündnis der NATO, welche als das kriegerischste dieser Welt gesehen werden kann . Auch diese vergebene Chance wird durch den Mauerfall symbolisiert.

Die Wiedervereinigung begann in einem bewundernswerten Aufstand der Bürger der DDR und wurde von westdeutschen Politikern zum Zwecke der Mehrung von Macht und Ruhm instrumentalisiert, auf Kosten eines ganzen Volkes und insbesondere derer, die sie einst ermöglichten. Die Wiedervereinigung war nicht der Wille des deutschen Volkes, wurde es aber durch Täuschung, List und Lüge. Die Wiedervereinigung war in vielen Teilen kein Ruhmesblatt und wird es auch wohl nicht werden, solange sie Teil einer Selbstbeweihräucherung der Vita machtpolitischer Größen ist.

Der 9. November ist ein Tag der Freude, aber er sollte auch ein Tag des Gedenkens an die vielen Chancen sein, die die Wiedervereinigung mit sich brachte und die in bemerkenswerter politischer Kurzsichtigkeit ungenutzt blieben. Letztendlich sollte dieser Tag auch ein Tag der Besinnung sein, in Gedenken an das viele Unrecht welches der Mauerfall in seinen Konsequenzen vielen Menschen brachte, die heute vergessen sind.

Letztendlich wird heute der Untergang eines Staates gefeiert, dessen Willkür und Unrecht, auf seinem perfiden Spitzel- und Überwachungsapparat aufbaute. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass wir heute in einem Staat leben, der nicht nur jeden vermeintlichen Oppositionellen, sondern ohne Anlass jeden seiner Bürger, in Art und Umfang überwacht, von dem das Ministerium für Staatssicherheit nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

http://krisenfrei.de/besinnliches-zum-tag-des-mauerfalls/

admin: Das Wort Staat gehört in Anführungszeichen.

Zu den Volksverrätern Gauck und Merkel

Zwei Ostdeutsche stehen in der Bundesrepublik Deutschland an der Spitze der Macht. In den sogenannten “Qualitätsmedien” werden sie als die Gutmenschen bejubelt.
Sind Gauck und Merkel wirklich die Gutmenschen, die dem deutschen Volke dienen oder sind sie vielleicht doch Agenten der Besatzungsmächte, die die Deutschen immer noch ausplündern?
Nach dem Mauerfall wurden die ostdeutschen Staatsbetriebe mit Hilfe der Treuhand an die Großkonzerne verschenkt.
Zu diesem Thema ein Interview mit Rolf Hochhuth

Frage:
Mit Gauck und Merkel haben es mittlerweile zwei Ostdeutsche an die Spitze der Macht geschafft. Das Thema könnte öffentlich von ihnen aufgearbeitet werden. Warum tun die das nicht?

Rolf Hochhuth:
Wieso sollten sich Frau Merkel oder der Herr Bundespräsident dafür einsetzen, ein Unrecht aus der Welt zu schaffen, das vor 25 Jahren zweifellos vielen DDR-Bürgern geschehen ist? Warum sollten die beiden ihre Wiederwahl gefährden, indem sie die Wirtschaftsverbrechen der Treuhand gegenüber den Ostdeutschen ansprechen? Für die ist das Geschichte.

>>> Das ganze Interview

http://krisenfrei.de/zu-den-volksverraetern-gauck-und-merkel/

 

„Gewaltakt namens Wiedervereinigung“

Stefan Mey 09.11.2014

Rolf Hochhuth über Wessis, Ossis und das Treuhand-Unrecht

In den Jahren 1989/1990 war in der DDR das Unglaubliche geschehen: Der Druck der Straße hatte vormals unantastbare Partei-Funktionäre aus ihren Ämtern verjagt. Der verhasste Geheimdienst wurde gestürmt, die Mauer fiel, es gab erste freie Wahlen und schließlich das Zusammengehen beider deutscher Staaten.

Nicht wenige Ostdeutsche fühlten sich im neuen Land zwar endlich frei, bald jedoch auch verraten, vor allem verkauft. Statt Privateigentum hatte es in der DDR staatliches „Volkseigentum“ gegeben. Das Volk, die Ostdeutschen, daran zu beteiligen, wurde anfangs als naheliegend diskutiert, dann aber schnell verworfen. Unter der Aufsicht des bundesdeutschen Finanzministeriums privatisierte die „Treuhand-Anstalt“ DDR-Betriebe sowie riesige Immobilienbestände und Ländereien.

Checkpoint Charlie in der Nacht zum 10.11. 1989 nach der Veröffentlichung der neuen Reiseregelungen. Bild:Bundesarchiv, Bild 183-1989-1110-018 / Oberst, Klaus / CC BY-SA 3.0 DE

Marode, aber auch funktionierende Industrien mehr verschenkt als verkauft, und manche auch aus Gründen des Konkurrenzschutzes stillgelegt. Am Ende des Prozesses war das Volkseigentum der DDR fast ausschließlich an westdeutsche Konzerne und zweifelhafte Glücksritter gegangen. Aus politisch unfreien DDR-Bürgern waren freie, aber besitzlose und oft auch arbeitslose Ostdeutsche geworden.

Im Jahr 1992 hatte der Dramatiker Rolf Hochhuth als einer der wenigen westdeutschen Intellektuellen die Vorgänge angeprangert. Der Name des Theaterstücks „Wessis in Weimar – Szenen aus einem besetzten Land“. 25 Jahre nach 1989 und mehr als 20 Jahre nach dem Skandal-Stück ist der streitlustige Schriftsteller Hochhuth in seiner Kritik nicht leiser geworden, er spricht rückblickend von einer „brutalen Enteignung der Ostdeutschen“ und einem „Gewaltakt namens Wiedervereinigung“.

Die Menschen sind entrechtet und überfahren worden

Herr Hochhuth, wie haben Sie die Trennung Deutschlands erlebt?

Rolf Hochhuth: Ich stamme aus Eschwege an der Werra. Ich wurde am 1. April 1945 14 Jahre alt. Zwei Tage später waren die Amerikaner da, unsere Befreier. Ich habe noch sehr lebhaft in Erinnerung, wie im Jahr 1961 nur etwa 1 Kilometer von meinem Elternhaus entfernt der eiserne Vorhang fiel. Meine Mitschüler auf dem Eschweger Gymnasium, die aus dem katholischen Eichsfeld aus Westthüringen stammten, konnten nicht mehr zu uns in die Schule kommen. Es war ein fürchterlicher Einschnitt.

Und die Wiedereinigung?

Rolf Hochhuth: An erster Stelle finde ich, dass die Deutschen vor allem Gorbatschow und den Russen danken sollten, dass die das zugelassen haben, aber auch Helmut Kohl, obwohl ich den niemals gewählt habe. Ich hatte allerdings damals und habe auch heute viel an einigen Konsequenzen der Wiedervereinigung auszusetzen, politisch aber auch wirtschaftlich.

Was genau?

Rolf Hochhuth: Ich weiß von russischen Freunden, dass man sich in Russland wundert, dass Herr Gorbatschow auf freiem Fuß ist, denn viele sind der Meinung, er habe ihr Imperium verspielt. Er hat sich selbst vor einiger Zeit erbittert darüber beklagt, dass die Deutschen, sprich Helmut Kohl, ihn unglaublich betrogen haben. Er hatte das Ehrenwort von Kohl: Wenn Gorbatschow die DDR herausrückt, dass dann die Nato nicht einen Meter nach Osten vorprescht. Sie ist 1.000 Kilometer nach Osten vorgeprescht. Das verurteile ich aufs Äußerste. Der heutige Konflikt mit der Ukraine, der die Gefahr eines Kriegs in sich trägt, ist eine Folge dieses Verrats.

Rolf Hochhuth

Im Jahr 1992 haben Sie sich in dem Theaterstück „Wessis in Weimar“ vor allem mit den wirtschaftspolitischen Folgen der Wiedervereinigung beschäftigt. Der Untertitel des Buchs lautete: „Szenen aus einem besetzten Land“. Wie war das zu verstehen?

Rolf Hochhuth: Trotz meiner Freude über die Entlassung der DDR aus der Geschichte zugunsten der Wiedervereinigung habe ich im Jahr 1994 gegen den damaligen herrschenden Konsens dieses oppositionelle Drama geschrieben. Die Amerikaner, Engländer und Franzosen hatten uns die Reparationen erlassen und sogar unsere Verbrechen im Hitlerkrieg mit dem Marschallplan belohnt, während die Russen ihren Satelliten DDR bis zuletzt wirtschaftlich brutal ausgebeutet hatten. Statt unseren ostdeutschen Brüdern, wie es so pathetisch heißt, nach 1989 auf die Beine zu helfen, hat man sie beklaut. Man hat sie an dem von der DDR enteigneten Privatvermögen beim Ende der DDR nicht wieder beteiligt. Das stimmt gewiss. Aber ich möchte es nicht wiederholen. Wenn man sich als Schriftsteller wiederholt, wird man nur schwächer. Zitieren Sie es aus dem Stück.

Tun wir das. In „Wessis in Weimar“ lassen Sie eine westdeutsche Juristin namens Hildegard im Gespräch mit dem Treuhand-Präsidenten folgendes sagen: „Kein Ossi – geben Sie das zu, hat irgendein Rechtsmittel gegen den Ausverkauf des dortigen Volksvermögens an uns Landfremde, die wir allein deshalb die Ossis arm kaufen können, weil wir nicht – ohne jedes Verdienst – wie sämtliche Ossis durch die Kommunisten vierzig Jahre deklassiert, wirtschaftlich vernichtet wurden.“ An anderer Stelle reden Sie von einer „1990 angezettelten restlosen Ausplünderung der DDR-Bevölkerung“, durchgeführt „auf Bonns Geheiß“ von der Treuhand-Anstalt. Wie bewerten Sie im Nachhinein die Rolle dieser Organisation, die das Volkseigentum der DDR privatisiert hat?

Rolf Hochhuth: Die Treuhand war angetreten, nicht der DDR auf die Beine zu helfen, wie die Amerikaner absolut vorbildlich den Westdeutschen nach dem Hitlerkrieg, sondern sie kaputtzumachen und aufzulösen. Das ist der entscheidende Unterschied. Das geschah durch die brutale Enteignung der Ostdeutschen durch die Wirtschaftsbonzen in Westdeutschland. Potenzielle Konkurrenzbetriebe im Osten wurden vernichtet oder denen schutzlos ausgeliefert. Die BRD war eine feindliche Besatzungsmacht in der Ostzone.

Nach 1989 hat sich keine Vereinigung abgespielt, sondern die feindliche Übernahme des schwächeren Bruders und dessen, was der sich geschaffen hatte, durch den größeren und finanziell stärkeren Bruder. Man hat die Ostwirtschaft der Westwirtschaft unter Enteignung der Ostbevölkerung eingemeindet, unter zwar unter einer schlimmeren Enteignung als zur Stalinzeit. Die Menschen zwischen der Werra und der Oder hatten sich den Ulbricht und die SED doch nicht freiwillig auf den Hals geladen, das wurde ihnen von Stalin beschert. Da stellt sich die Frage: welche moralische Berechtigung haben Westdeutsche gehabt, dass sie die Ostdeutschen ökonomisch dermaßen entrechtet haben?

Mit Gauck und Merkel haben es mittlerweile zwei Ostdeutsche an die Spitze der Macht geschafft. Das Thema könnte öffentlich von ihnen aufgearbeitet werden. Warum tun die das nicht?

Rolf Hochhuth: Wieso sollten sich Frau Merkel oder der Herr Bundespräsident dafür einsetzen, ein Unrecht aus der Welt zu schaffen, das vor 25 Jahren zweifellos vielen DDR-Bürgern geschehen ist? Warum sollten die beiden ihre Wiederwahl gefährden, indem sie die Wirtschaftsverbrechen der Treuhand gegenüber den Ostdeutschen ansprechen? Für die ist das Geschichte.

Und wie erklären Sie sich, dass es im Verlauf der ökonomischen Transformation keine wirkliche Gegenwehr in Ostdeutschland gab? Viele DDR-Bürger hatten unter Gefahr für die eigene Existenz ihre Rechte auf der Straße eingefordert. Kaum zwei Jahre später waren sie größtenteils eigentumslos, da das „Volkseigentum“ der DDR Privateigentum westdeutscher Konzerne geworden war. Viele waren arbeitslos und auch machtlos, denn lange Zeit wurden Elitepositionen im Osten überwiegend von Westdeutschen besetzt. Wenn man sich einmal gegen Missstände wehrt, wehrt man sich dann nicht wie selbstverständlich auch ein zweites Mal?

Rolf Hochhuth: Die Bürger der ehemaligen Ostzone haben sich tatsächlich nicht in einem vergleichbaren Maße gegen die Zumutungen des neuen Systems gewehrt wie zuvor gegen das DDR-Regime. Wieso? Ich glaube, dass sie sich gar nicht wehren konnten. Sie hatten keine Wirtschaftskraft dazu, und die gehört dazu. Die Ostdeutschen waren durch die Vereinigung von Ost mit West zwei Jahre später wirtschaftlich und finanziell wahrscheinlich kaum in der Lage, einen Protest anzuzetteln, der nicht nur ein Geschrei ist, sondern eine praktische Wirkung hat. Die Menschen sind entrechtet und überfahren worden.

Glauben Sie, die Ostdeutschen hätten ein Anrecht auf Entschädigung durch die BRD?

Rolf Hochhuth: Jetzt ist es zu spät, das alles ist weitgehend vollendete Tatsache. Nach mehr als 20 Jahren ist jedes Geschäft und jedes Geschenk verjährt. Die Ostdeutschen haben sich damals nicht gewehrt. Deswegen ist das jetzt kein Thema mehr. Allerdings betone ich, sie konnten sich gar nicht zur Wehr setzen.

Seit „Wessis in Weimar“ sind mehr als 20 Jahre vergangen. In einem Interview zum Stück wollten Redakteure des Manager Magazins damals von Ihnen wissen, was Sie sich wünschen. Sie antworteten folgendes: „Zum Beispiel, dass ‚Wessis in Weimar‘ dazu beiträgt, die Frage der Vermögensbildung bei den Ostdeutschen, die im Gegensatz zu uns allein den Rußlandfeldzug abbezahlt haben, neu zu erörtern. Es geht doch wirklich nicht, dass den dort Geborenen und dort Arbeitenden an Produktionsmitteln und wertvollem Boden nichts bleibt als das Grab.“ Was ist aus diesem Wunsch geworden, wurde das Treuhand-Unrecht aufgeklärt?

Rolf Hochhuth: Aufgeklärt werden musste es eigentlich nicht. Es war damals und ist heute kein Geheimnis, wie man die DDR zerstört hat, statt sie wieder aufzubauen und in die Lage zu versetzen, mit westlichen Ländern auf dem Weltmarkt zu konkurrieren. Wer es wollte, konnte sich über das Treiben der Treuhand informieren. Vielen Ostdeutschen war allerdings vor allem wichtig, dass sie integriert wurden. Vor allem haben viele die Vereinigung mit Westdeutschland als eine große Wohltat empfunden, sofern sie dabei nicht ihre Jobs verloren haben.

Wie haben Sie das in Ihrem eigenen Bekanntenkreis erlebt?

Rolf Hochhuth: Ich habe einen Freund, der in der Berliner Staatsbibliothek arbeitet, der war aus der DDR gewesen. Er hatte gemeint: „Immerhin, man hat uns übernommen, und ich habe keinerlei Einbußen erlitten.“ Er sagte, Gut und Böse abgewogen, hat das Positive der Vereinigung absolut überwogen. Aber es sind bei weitem nicht alle DDR-Bürger auch nur annähernd so gut weggekommen bei diesem Gewaltakt namens Wiedervereinigung.

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43275/1.html