Was sagen Sie nun, Herr Frey?

03. Dezember 2014  (Kommentar von Niki Vogt) Nach der Meldung vom gestrigen Abend, daß Poroschenko einfach ratzfatz drei Ausländer mit innigen Verbindungen zur US-Großfinanz per Präsidialdekret einbürgert und sie auf die wichtigsten Ministersessel hieven will, fiel mir doch gleich die unvergeßliche Talksendung „Puls4“ vom 24. November ein. In dieser Sendung genierte sich ein gewisser Herr Eric Frey, Journalist beim österreichischen „Standard“ (das Äquivalent zur deutschen BILD) nicht, mit todernsten Nasenlöchern zu behaupten, die USA habe keinerlei Interesse an der Ukraine und halte sich dahingehend völlig aus der Konfrontation zwischen Ukraine und Rußland heraus.

Dirk Müller, ebenfalls Gast in der Talkrunde, konnte ob dieser Steilvorlage gar nicht mehr an sich halten, und platzte laut lachend heraus. Das war zwar nicht ganz fein, aber inhaltlich nachvollziehbar. Diese Sendung sollte man sich unbedingt ansehen. Schon der Antexter auf der Sender-Webseite „Puls4 Pro/Contra“ ist verräterisch:

„Die Stimmung zwischen Europa und Russland ist so schlecht wie schon lange nicht. Seit der Ukraine-Krise hat sich das Verhältnis zwischen Europa und der Großmacht Russland in den letzten Monaten spürbar verschlechtert. Auf beiden Seiten verschärft sich die Rhetorik: Gegenseitig wirft man sich vor, den Konflikt anzuheizen.
Mit Corinna Milborn diskutieren unter anderem der ehemalige Grüne Europaabgeordnete Johannes Voggenhuber, „Putin-Versteher“ Dirk Müller und „Standard“-Journalist Eric Frey.“

Na, servus, möchte man da als Österreicher-Versteher sagen. Hier erstmal die Sendung in voller Länge:

Daß Herr Frey im „Standard“ schreibt, ist ja nicht verwunderlich. Derlei Revolverblattjournalismus kennen wir ja aus unserer BILD zu Genüge und die Reputation dieser Art von Boulevardblättern ist ja auch dementsprechend. Das Schlimme ist aber, daß jemand mit den steilen Behauptungen wie Herr Eric Frey, Österreich-Korrespondent der Londoner Wirtschaftszeitung Financial Times ist und auch in der Londoner Wirtschaftszeitschrift The Economist schreiben darf. Da wird einem schon ganz anders, nämlich bange.

Fassen wir mal die Aussagen des Herrn Frey zur Ukraine zusammen:

  • Die Bevölkerung der Ukrainer will unbedingt zur EU gehören.
  • Darum haben sie einen – wie Frey das nannte –  “chaotischen Volksaufstand” angefangen, um diesen Willen durchzusetzen,
  • was sie mittels – so Frey –  anschließenden “demokratischen Wahlen” schaffen wollen.
  • Die EU lockt ja auch mit dem gesamten Spektrum westlicher Werte: Weltoffenheit, Demokratie, Liberalismus, Freie Marktwirtschaft usw.
  • Deshalb ist Putin der Feind, weil er undemokratisch ist, die westlichen Werte ablehnt und, Zitat Frey: “weil er seine Macht bedroht sieht”,
  • Daher hat er (Zitat Frey) “zu militärischen Mitteln” gegriffen, und die Ukraine „angegriffen“, und die Gebiete der Ostukraine (Zitat Frey) „okkupiert“.
  • Putin hat durch diese militärische Aggression (Zitat Frey) „die Ukraine zerstört“.
  • Die EU muß sich nun gegen die Aggression Putins wehren und die Ukraine verteidigen, die ja unbedingt zu uns in die EU will.
  • Die USA hat damit nichts zu tun, hält sich da heraus und hat ja auch in der Ukraine „keine Interessen“.

Das hat Frey wirklich so dargestellt, kein Scherz und auch nicht übertrieben. Daraufhin brach Dirk Müller in schallendes Gelächter aus und fragte: “Herr Frey, machen Sie Kabarett, oder meinen Sie das ernst?”

Das Problem ist, der meint es ernst. Ob er nun wirklich so realitätsfern ist und das alles glaubt, was er da sagt, oder ob er bewußt und wider besseren Wissens diese groben Tatsachenfälschungen postuliert, ist schwer zu sagen. Er wirkt aber so, als glaube er das, was er sagt. Das allein ist schon erschreckend. Das sind die Leute, die hier die Deutungshoheit in Anspruch nehmen. Das ist wirklich zum Fürchten. Denn entweder sind sie so unglaublich dumm und uninformiert, und das allein ist schon eine Katastrophe, daß solche Leute die Meinungsbildner für ganze Bevölkerungsschichten sind. Oder er weiß genau, was er da sagt. Das würde bedeuten, daß er ganz bewußt daran mitarbeitet, einen ganzen Kontinent in den Krieg zu treiben.

Zu den „demokratischen Wahlen“ schreibt die DWN: „Jazenjuk war von den Amerikanern als Übergangspremier nach dem Sturz Janukowitsch eingesetzt worden. Die Osteuropa-Beauftragte der Obama-Regierung, Victoria Nuland, sagte auf einem von den Russen abgehörten Telefonat: „Jaz is our man!“ Sein Einstieg in die Politik war Teil eines Masterplans, dem sogar der sehr besonnene österreichische Diplomat und ehemalige Kosovo-Beauftragte Wolfgang Petritsch neulich im TV-Sender ATV „putschähnliche Züge“ bescheinigte.“

Erstaunlich gut informiert und sachkundig trug der ehemalige Grüne Europaabgeordnete Johannes Voggenhuber zur Diskussion bei. Er konnte sehr kurz und prägnant die Fakten im Überblick auflisten, die dann sehr schnell klarstellten, daß Rußland –  respektive Putin – ausgiebig vom Westen (USA und EU) düpiert und an der Nase herumgeführt wurde, und daß der Westen Rußland in den latzten 10 Jahren massiv in die Defensive gedrängt hat. Er stellte auch zusammen mit Dirk Müller klar, welche immensen geostrategischen Interessen die USA bei der Konfrontation in der Ukraine verfolgt – und sich daher aus massiv einmischt.

Ebenfalls angesprochen wurden die geopolitischen Positionen der USA, wie sie Zbigniew Brzeznski in seinem Buch „Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ formulierte. Die beiden Verfechter der antirussischen Position wollten sich darauf nicht so recht einlassen. Besagter Herr Frey verstieg sich sogar zu der Behauptung, der Herr Brzezenski sei doch ein alter Mann und spiele doch gar keine Rolle mehr. Spätestens da war schon klar, daß soviel Ahnungslosigkeit nicht glaubwürdig ist.

Hier eine Dokumentation zu den geopolitischen Positionen der US-Eliten, wie Zbigniew Brzeznski sie ganz offen darlegt:

Diese Dokumentation zeichnet ein Portrait von Zbigniew Brzezinski, einem polnisch-amerikanischen Politikwissenschaftler, Regierungsberater, Bilderberger und Mitglied des Komitees der 300. Brzezinski ist von einem tiefen Haß gegen Rußland getrieben und frohlockte seinerzeit, als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte „Jetzt haben wir sie in der Falle!“. Er hatte Recht.

Brzezinski, Mitbegründer der Trilateralen Komission und CFR-Mitglied schrieb im Jahr 1997 sein Buch „The Grand Chessboard – Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft“. Die Dokumentation beschäftigt sich mit der Kernaussage des Buches, den langfristigen, geostrategischen Überlegungen bzw. Planungen der USA (Stand 1997) für Europa.
Im Kapitel: „Eurasisches Schachbrett“ wird dargelegt, daß nach Brzezinski’s Ansicht Deutschland und Frankreich in Europa die wichtigsten geostrategischen Akteure sind.
Hier wird auch deutlich, weshalb gerade die Ukraine derzeit Schauplatz eines Krieges und Umbruches ist und als ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt gilt.

Dieses Buch sollte unbedingt zur Pflichtlektüre eines internationalen Korrespondenten und Journaisten gehören und sei Herrn Frey dringend zu lesen ans Herz gelegt.

Man kann es sogar in Deutsch als PDF aus dem Netz herunterladen: http://www.attac-leipzig.de/allg/material/2014/Die%20einzige%20Weltmacht.pdf

Die unglaubliche Provokation, daß jetzt in der Ukraine drei turbo-eingebürgerte Vertreter US-amerikanischer Finanzinteressen auf politische Schlüsselpositionen in der Ukraine plaziert werden beweist, daß die Durchsetzung der US-amerikanischen Interessen in der Ukraine in voller Fahrt und mit Ziel auf den großen Knall durchgepeitscht wird. Die Ukrainer werden das leider mit ihrem Blut bezahlen. Und die Ukrainer sind möglicherweise erst der Anfang.

Wie eng die neuen Minister mit der US-Regierung zusammenarbeiten, zeigt schon ihr bisheriger Lebenslauf:

Die neue Finanzministerin Natalie Jaresko war zuerst im US-Außenministerium tätig, und bewährte sich als Bankerin für Investments in der Ukraine, wo sie auch eine Zeit als Leiterin der Wirtschaftsabteilung in der US-amrikanischen Botschaft in Kiew war. Sie bekleidete später sogar die hohe Funktion der Vorstandsvorsitzenden beim staatlichen amerikanischen Finanzinvestor Private Equity Fonds WNISEF. Außerdem arbeitete sie als Investmentbankerin bei dem berühmten Bank „Horizon Capital“.

Die Investmentbank Horizon Capital ist nicht irgendeine Bank. Sie ist bekanntermaßen einer der Hauptfinanziers der Stiftung »Open Ukraine«. Weitere Unterstützer von »Open Ukraine« sind die Bankenlobby Chatham House, die NATO, der German Marshall Fund und das US-Außenministerium. Horizon Capital gehört also in die Riege der NGOs und Stiftungen, die überall auf der Welt Revolutionen anzetteln und so der USA mißliebige „Regierungen“ stürzen und diskreditieren.
Es steht zu erwarten, daß Frau Jaresko den unmittelbar bevorstehenden ukrainischen Staatsbankrott hilfreich durch den Verkauf des noch verbliebenen ukrainischen Tafelsilbers an ausländische Investoren abzuwenden sucht. Wetten, daß die Investoren allesamt US-freundlich eingestellt sind?

Zum neuen Wirtschaftsminister schreibt die DWN: „Auch der Litauer Aivaras Abromavicius kommt als neuer Wirtschafts- und Handelsminister aus der Zunft der Investment-Banker: Er kommt vom skandinavischen Private Equity Unternehmen East Capital, welches auf der Website die Ernennung bereits stolz verkündet. Anders als sein deutscher Kollege Sigmar Gabriel wird Abromavicius mit Freihandelsabkommen keine Probleme haben: Der Banker wirkt in einem Board für Schiedsgerichte mit, das sich um den Investorenschutz in Russland kümmert.“

Zu dem Georgier Alexander Kwitaschwili, der das Gesundheits-Ressort übernimmt, gibt es indes so gut wie keine Informationen. Man sagt ihm gute Kontakte zum US-Außenministerium nach.

http://quer-denken.tv/index.php/1028-was-sagen-sie-nun-herr-frey