Niederlande: Leitender ABN Amro-Banker begeht Selbstmord

Der hochrangige ABN Amro-Banker Chris Van Eeghen soll Selbstmord begangen haben. Van Eeghen stammte aus einer berühmten niederländischen Bankiers-Familie. Seine Arbeits-Kollegen wollten sich zum Vorfall nicht äußern.

Das Sterben hochrangiger internationaler Banker geht weiter. (Foto: dpa)

Das Sterben hochrangiger internationaler Banker geht weiter. (Foto: dpa)

Der ABN Amro-Banker Chris Van Eeghen soll sich am 19. Januar in Overveen das Leben genommen haben. Er war Syndikatschef bei ABN Amro Corporate Finance & Capital Markets. Sein unerwarteter Tod schockierte viele Bekannte in der Finanz- und Nightlife-Szene von Overveen, berichtet das niederländische Magazin Quote.

Seine Arbeits-Kollegen äußerten sich nicht zu dem Vorfall. Van Eeghen stammte aus einer berühmten niederländischen Bankiers-Familie. Vor seiner Anstellung als arbeitete er bei Rabo Securities und der Investment-Bank Kempen.

In diesem Zusammenhang sind zwischen dem 8. März 2013 und dem 19. Januar 2015 insgesamt 57 Banker, Banken-Versicherer und Investoren verstorben. Bei einigen handelte es sich um Selbstmord. Andere wiederum sind tödlich verunglückt.Mit dem Ableben des Bankers Van Eeghen sind es nun 58 Tote:

März 2013: David Rossi, Monte DeiPaschi. Selbstmord durch Sprung aus dem Fenster, berichtet der Business Insider.

April 2013: David William Waygood, HSBC Bank – National Westminster Bank. Selbstmord durch Sprung vor einen fahrenden Zug, berichtet Seven Oaks Chronicle.

Juni 2013: Rob Evans, VizeChef Bank of America. Verunglückt beim Iron Man Triathlon in Frankreich, berichtet der London Evening Standard.

Juli 2014: Michael Burdin, Bank of America: Selbstmord durch Sprung vor einen fahrenden Zug, berichtet The Daily Mail.

Juli 2013: Sascha Schornstein, Royal Bank of Scotland: Mit Privat-Flugzeug im Ärmelkanal abgestürzt. Die Leiche wurde nicht gefunden, berichtet die Ostsee-Zeitung.

Juli 2013: Carsten Schloter. Chef der Telekommunikationsfirma Swisscom und Vorstandsmitglied Swiss American Chamber of Commerce in Zürich. Selbstmord. Abschiedsbrief vorhanden, berichtet der Tagesanzeiger.

Juli 2013: Hussein Najadi, Gründer der Arabisch-Malaysischen Bankengruppe, Wurde auf einem Parkplatz in Kuala Lumpur von einem Schützen aus nächster Nähe erschossen. Ein Verdächtiger wurde im September 2013 festgenommen, berichtetThe Star.

August 2013: Pierre Wauthier, Ex-JP Morgan Mitarbeiter, Finanzchef des Schweizer Versicherers Zürich. Selbsttötung im eigenen Haus. Er hinterließ zwei Abschiedsbriefe, berichtet das Manager Magazin.

September 2013: Guy Ratovondrahona, Chef der Notenbank von Madagaskar. Plötzlicher Tod mit unbekannter Todesursache, meldet die Notenbank von Madagaskar.

Oktober 2013: Ezdehar Husainat, Ex-JP Morgan Bankerin. Sie ist in ihrer Garage von ihrem eigenen Fahrzeug zerquetscht worden, berichtet The Daily Mail.

November 2013: Venera Minakhmetova, Ex-Finanzanalystin von Bank of America. Sie wurde in London von einem Bus überfahren, berichtet der London Evening Standard.

November 2013: Patrick Sheehan, Wells Fargo New York. Bei Autounfall in New York tödlich verunglückt, berichtet Bloomberg.

Dezember 2013: Joseph M. Ambrosio, Finanz Analyst bei JP Morgan. Plötzliche Atemwegserkrankung mit Todesfolge, berichtet Bloomberg.

Dezember 2013: Benjamin Idim, Banker der Diamond Bank in Nigeria. Bei einem Autounfall in New York tödlich verunglückt, berichtet Reuters.

Dezember 2013: Jason Alan Salais, Technologieanalyst von JP Morgan. Herzinfarkt mit Todesfolge, meldet Bloomberg.

Dezember 2013: Susan Hewitt, Ex-Vizepräsidentin der Deutschen Bank. Ertrank in einem Fluss am walisischen Bergpass Nant Ffrancon, berichtet BBC.

Dezember 2013: Robert Wilson, HedgeFondsmanager aus New York. Sprang aus seiner Wohnung in Manhattan aus dem 16. Stock, berichtet die Washington Post.

Januar 2014: Tim Dickenson, Kommunikations- und Marketing Chef der Versicherungsgesellschaft Swiss Re AG. Plötzlicher Tod. Doch die Todesursache ist unbekannt, berichtet The Australian.

Januar 2014: William „Bill“ Broeksmit, Ex-Risikomanager der Deutschen Bank. Wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Todesursache unbekannt, meldetBloomberg.

Januar 2014: Karl Slym, Manager von India Tata Motors. Beging durch Sprung aus seinem Hotelzimmer in Bangkok Selbstmord, berichtet The Telegraph.

Januar 2014: Gabriel Magee, Vizechef für Investment und Technologie JP Morgan. Sprang vom Dach des 33-stöckigen europäischen Zentralgebäudes von JP Morgan in London aus dem Fenster, berichtet The Daily Mail.

Januar 2014: Mike Dueker, stellvertretender Vizepräsident der Fed in St. Louis und Chefökonom bei Russel Investments. Soll von einer Brücke in Washington gesprungen sein, meldet Bloomberg.

Februar 2014: Ryan Henry Crane, Aktienhändler bei JP Morgan. In seiner Wohnung in Connecticut tot aufgefunden. Die Todesursache wurde nicht veröffentlicht, berichtet Bloomberg.

Februar 2014: John Ruiz, Analyst bei Morgan Stanley. Zu Hause in New Jersey tot aufgefunden. Die Todesursache wurde nicht veröffentlicht, meldet Bloomberg.

Februar 2014: Richard Talley, Gründer von American Title Services in Centennial, Colorado. Soll sich selbst mit einer Nagelpistole getötet haben: Er hat sich mehrmals in den Oberkörper und in den Kopf geschossen, berichtet The Denver Post.

Februar 2014: Li Junjie, Buchhalter bei JP Morgan. Sprang von dem Dach des 30-stöckigen JP Morgan-Gebäudes in Hongkong, berichtet The Daily Mail.

Februar 2014: James Stuart Junior, Ex-Chef der National Bank of Commerce. In seinem Haus in Arizona tot aufgefunden. Die Todesursache wurde nicht veröffentlicht, meldet Journalstar.com.

Februar 2014: Autumn Radtke, Chef von First Meta – Handel mit Bitcoins. In seiner Wohnung in Singapur tot aufgefunden. Selbstmord wird vermutet, meldetThe Daily Mail.

März 2013: Edmund Reilly, Aktienhändler bei Midtown’s Vertical Group. Sprang in New York vor einen fahrenden Zug, berichtet die New York Post.

März 2013: Mohammed Hamwi, IT-Spezialist der Finanzfirma Trepp in New York. Wurde auf offener Straße drei Mal in den Kopf geschossen, meldet die New York Post.

März 2014: Kenneth Bellandro, Ex-Banker von JP Morgan. Selbstmord durch Sprung aus seinem Wohnungs-Fenster in New York, berichtet The Daily Mail.

März 2014: Joseph Giampapa, JP Morgan Anwalt. Er starb in Columbus Ohio bei einem Unfall, berichtet das Economic Policy Journal.

April 2014: Jan Peter Schmittmann, Ex-Chef der Dutch Bank ABN Amro. Schnittmanns Leiche und die Leichen seiner Frau und Tochter wurden in seiner Wohnung in Amsterdam aufgefunden. Die Todesumstände sind ungeklärt, berichtetBloomberg.

April 2014: Amir Kess, Mitgründer und Manager der Markstone Capital Group. Er war mit dem Fahrrad unterwegs und wurde in der Nähe der israelischen Ortschaft Hod Sharon überfahren, berichtet Haaretz.

April 2014: Jürgen Frick, Direktor der Liechtensteiner Bank Frick & Co. AG. Es auf ihn in der Nähe seiner Garage drei Mal geschossen. Er starb an den Folgen der Attacke. Der Schütze war Jürgen Hermann. Doch der begann nach der Tat Selbstmord. Seine Leiche wurde in einem Fluss gefunden, meldet Bloomberg.

April 2014: Tanji Dewberry Vizepräsidentin von WL Ross Investment in New York und stellvertretende Vizepräsi von Credit Suisse. Sie verbrannte mit ihrem Sohn in ihrem Haus in New Jersey, berichtet The Daily Mail.

April 2014: Benedict Philippens, Director der Bank Ans-Saint-Nicolas, wurde zusammen mit Frau und Kind von Unbekannten in seinem Haus erschossen, berichtet Reuters.

April 2014: Li Jianhua, Direktor der CBRC AfDB. Er starb an einer Herzattacke, meldet der Business Insider.

April 2014: Eine Französin namens Lydia von der France’s Bred-Banque-Populaire sprang in Paris aus einem Bürogebäude, berichtet International Business Times.

April 2014: Andrew Jarzyk, stellvertretender Vizepräsident der Commercial Banking der PNC Financial Services Group. Seine Leiche wurde im Hudson River aufgefunden. Ursprüngliche Todesursache ungeklärt, berichtet das New Jersey Journal.

Mai 2014: Thomas Schenkman, Manager von Global Infrastructure Engineering, JP Morgan. In seiner Wohnung tot aufgefunden. Er soll an einer Herzkrankheit gelitten haben, meldet das US-Lokalnachrichten-Portal Smithtown Matters.

Mai 2014: Naseem Mubeen, stellvertretender Präsident der ZBTL Bank, Islamabad. Sprang aus dem Fenster des Hauptquartiers seiner Bank, berichtet Pakistan Today.

Mai 2014: Nigel Sharvin, Manager bei der Ulster Bank in Belfast. Er war in Spanien auf einem Jungesellenabschied und verschwand im Laufe der Party. Am nächsten Tag wurde seine Leiche gefunden. Er soll ertrunken sein, berichtet der Belfast Telegraph.

Mai 2014: Daniel Leaf, Ex-Manager bei Bank of Scotland und Manager von Saracen Fund Managers. Beim Klettersport im schottischen Hochland tödlich verunglückt, berichtet Edinburgh News.

Juni 2014: Richard Gravino, Teamleiter für Anwendung und Entwicklung bei JP Morgan. Vertarb in Tampa Florida in seinem Haus. Die Todesursache ist unbekannt, berichtet der Herald Tribune.

Juli 2014: Julien Knott, Direktor bei JP Morgan. Er soll sich und seine Frau in seinem Haus in New Jersey erschossen haben, meldet die International Business Times.

Juli 2014: Nicolas Valtz, Chefmanager bei Goldman Sachs. Seine Leiche wurde an der Küste von Long Island gefunden. Er soll von seinem Surfbrett gefallen und ertrunken sein, berichtet Bloomberg.

August 2014: Steven Dowd, Chef der Finanzabteilung der CMS Bancorp in White Plains. Er ist plötzlich verstorben, meldet legacy.com. Es gibt keine weiteren Angaben zur Todesursache.

Oktober 2014: Calogero Gambino, Manager bei der Deutschen Bank. Wurde von seiner Frau erhängt aufgefunden. Er soll Selbstmord begangen haben, meldet Reuters.

November 2014: Shawn D. Miller, Citigroup-Geschäftsführer. Seine Leiche wurde in der Badewanne seiner Wohnung gefunden. Der Hals von Miller war komplett aufgeschnitten.

Dezember 2014: Geert Tack, Top-Banker der ING Group. Seine Leiche wurde an der Küste der belgischen Hafenstadt Ostende entdeckt. Todesursache ist ungeklärt. Tack wurde seit dem 5. November 2014 vermisst.

Dezember 2014: Der britische Investor Scot Young ist am 8. Dezember aus dem Fenster seines Londoner Penthouses gefallen und verstorben. Die Nachricht über sein Ableben wurde zwei Tage später bestätigt.

Januar 2015: Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager Thomas Gilbert wurde in seiner Wohnung von seinem Sohn erschossen. Gilbert war Gründer des US-Hedgefonds Wainscott Capital Partners.

Januar 2015: Die Leiche des Bankers Michael Flanagan wurde am Donnerstag im Gebirge des britischen Lake District-Nationsparks aufgefunden. Es gab keine Anzeichen auf Fremdeinwirkung. Die Todesursache ist unklar.

Januar 2015: Der Banker Kirt Adlam wurde in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston in seinem PKW erschossen. Adlam war Banker bei der First Global Bank. Nach Angaben der Polizei handelt es sich offenbar um einen Auftragsmord.

Januar 2015: Der AIG-Banker Omar Meza wurde tot in einem Teich im kalifornischen Palm Desert gefunden. Er wurde seit acht Tagen vermisst. Er war Vize-Präsident der Abteilung Financial Services.

Januar 2015: Ein anonymer Banker der DZ Privatbank soll Selbstmord begangen haben. Der Banker soll in den vergangenen Jahren viele Kunden aus Deutschland betreut haben. Er arbeitete in der Offshore-Branche.

Es ist unbekannt, ob sich die Banker, die Selbstmord begangen haben, einer entsprechenden Therapie unterzogen haben. Solche Therapien sind vor allem im Fall von Depressionen mittlerweile sehr erfolgreich und können das Risiko eines Selbstmords deutlich senken (siehe dazu Informationen der Deutschen Depressionshilfe).

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/

2014: Das Jahr der toten Banker

Soviel steht jetzt schon fest: Für Banker waren die letzten zwölf Monate nicht gerade gesund. Das Jahr begann mit einer Todesserie unter Finanzleuten, die noch immer nicht zu Ende ist. Gleich reihenweise kamen 2014 hochkarätige Finanzjongleure ums Leben. Gerhard Wisnewski ist den Hintergründen nachgegangen − in seinem neuen Buch ungeklärt − unheimlich − unfassbar 2015.

London, 26. Januar 2014. Der pensionierte Großbanker William Broeksmit, 58, hat sich mit seiner Frau zum Essen verabredet. Noch zwei Jahre zuvor war Broeksmit ein ganz hohes Tier bei der Deutschen Bank. 2012 war er kurz vor dem Sprung in den Vorstand. Aber ein Jahr später wurde er plötzlich pensioniert, und nun, am 26. Januar 2014, wartet seine Frau vergeblich auf ihn. Als sie nach Hause ins vornehme Kensington kommt, hängt ihr Gatte tot in einer Schlinge. Die Frage ist nur: War Broeksmit etwa verzweifelt? Oder hatte jemand nachgeholfen?

London, 28. Januar 2014. Um 8:02 Uhr morgens entdecken Mitarbeiter von einem J.P.-Morgan-Hochhaus aus einen Leichnam auf dem Dach eines Seitenflügels. Es ist der 39-jährige Banker Gabriel Magee. Am Vorabend hatte er vom Büro aus noch seiner Freundin gemailt, dass er gleich kommen werde. Danach hörte sie nichts mehr von ihm, was nahelegt, dass dem Banker direkt danach etwas zustieß. Selbstmord oder Mord?

 

Die Todesliste

Centennial, Colorado, 4. Februar 2014. In der Garage seines properen Eigenheims finden Angehörige den 57-jährigen Finanzjongleur Richard Talley, Inhaber der Firma American Title Services. Neben ihm liegt eine Nagelpistole. In seinem Kopf und Körper stecken sieben oder acht lange Nägel. Der Mann ist tot. Selbstmord oder Mord?

Die Frage scheint berechtigt, denn entweder gab es im Jahr 2014 eine regelrechte Selbstmordepidemie unter Finanzleuten, oder ein unbekannter Sensenmann ging um, um reihenweise Zocker vom Leben zum Tode zu befördern:

• 26. Januar: Tim Dickenson, Kommunikationschef der Swiss Re-Rückversicherung, wird tot in London aufgefunden. Über die Todesumstände wird nichts bekannt.

• 26. Januar: William Broeksmit, 58, ehemaliger Top-Manager der Deutschen Bank, wird von seiner Frau erhängt in seinem Haus in Kensington aufgefunden.

• 26. Januar: Karl Slym, 51, Automobil-Boss bei dem indischen Konzern Tata Motors, öffnet ein Fenster im 22. Stock des Shangri-La Hotels in Bangkok und springt in den Tod.

• 28. Januar: Gabriel Magee, 39, Vizepräsident beim Bankhaus J.P. Morgan in London, liegt tot auf einem Dach der J.P.-Morgan-Zentrale im Business-Viertel Canary Wharf.

• 29. Januar: Mike Dueker, 50, Finanzexperte, wird am 29. Januar 2014 als vermisst gemeldet und wenig später unter der Auffahrt einer Brücke im US-Bundesstaat Washington tot aufgefunden. Vermutlich ist er gesprungen.

• 3. Februar: Ryan Henry Crane, 37, Banker bei J.P. Morgan, liegt am 3. Februar 2014 tot in seinem Haus in Stamford, Connecticut. Über die Todesursache wird nichts mitgeteilt.

• 4. Februar: Richard Talley, 57, Geschäftsführer des Immobilienspezialisten

American Title Services, wird mit sieben oder acht langen Nägeln im Körper tot in seiner Garage in Centennial, Colorado, gefunden.

• 18. Februar: Dennis Li Junjie, 33, Banker bei J.P. Morgan, springt − wie sein Kollege Magee − vom Dach eines J.P. Morgan-Gebäudes: des 30 Stockwerke hohen Chater House

in Hongkong.

• 26. Februar: Autumn Radtke, 28, Chefin der in Singapur ansässigen Handelsplattform für virtuelle Währungen First Meta, springt von einem Appartementkomplex in den Tod.

• 11. März: Edmund Reilly, 47, vom Finanzdienstleister Vertical Group in New York, wirft sich vor einen U-Bahn-Zug und stirbt.

18. November: Shawn D. Miller, geschäftsführender Direktor der Citigroup, liegt mit aufgeschnittenem Hals in der Badewanne seiner New Yorker Wohnung. Tot.

 

Und das ist nur ein kleiner Teil. Schon im Vorjahr gingen reihenweise Banker »über den Jordan«. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten zählten zwischen dem 8. März 2013 und dem 20. Oktober 2014 sogar 50 mehr oder weniger mysteriöse Todesfälle in Finanzkreisen. Haben wir es also mit einer Verschwörung zu tun? Oder mit einer Selbstmordepidemie? Steht es um unser Finanzsystem wirklich so schlecht, dass sich reihenweise Banker das Leben nehmen?

»Selbstmord? No way!«

Beginnen wir mit dem Finanzjongleur Richard Talley aus Centennial, Colorado, tot aufgefunden am 4. Februar 2014. Der Mann soll also eine Nagelpistole genommen, sich an Kopf und Brust gehalten und immer wieder abgedrückt haben? So lange, bis sieben oder acht lange Nägel in seinem Körper steckten und er starb? Wer soll so etwas glauben? Müsste ein normal Sterblicher nicht schon nach dem ersten Schuss vor Schmerzen aufhören?

Die Skepsis war denn auch groß: »Ein Mann nahm den leichten Ausgang auf die denkbar schwerste Art − Selbstmord mit einer Nagelpistole«, schrieb verwundert die Lokalzeitung The Stranger am 12. Februar 2014.

Der Mann sei nach einer »brutalen Selbstfolter« gestorben, hieß es zwei Tage zuvor in dem katholischen Blog The Anchoress. »Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ein Mensch sich selbst wiederholt mit einer Nagelpistole in Kopf oder Brust schießt. … Was veranlasst jemanden, eine derartige Selbstfolter einem schnellen Ende vorzuziehen?« »Selbstmord? No way«, meinte ein Kommentator auf democraticunderground.com: »Niemand würde Selbstmord begehen, indem er sich sieben bis acht Mal mit einer Nagelpistole in Kopf und Brust schießt.«

Nagelpistole als Waffe?

Dagegen hat Hollywood längst bewiesen, dass eine Nagelpistole als Mordwerkzeug dienen kann, zum Beispiel in dem Horror-Trash-Streifen Nail Gun Massacre − Blutgericht in Arizona (1985), in dem ein Serienkiller mit einer Nagelpistole auf die »Jagd« geht. Oder in American Nightmare(2000), wo die Hauptperson ebenfalls eine Nagelpistole benutzt.

Auch in Final Destination 3 (2000) stirbt jemand durch einen Kopfschuss mit einer Nagelpistole. Oder wie wär’s mit dem Horrorfilm American Psycho (2000), in dem ausgerechnet ein durchgedrehter Banker eine Frau von hinten mit einer Nagelpistole bedroht. Wie steht es also mit der Gefährlichkeit einer solchen »Waffe«?

Ein Farmer mit viel Platz

In einem YouTube-Video (»Nail Gun As A Weapon?«) geht ein amerikanischer Farmer mit viel Platz hinter dem Haus der Sache mit wissenschaftlicher Akribie auf den Grund. Erste Schwierigkeit für einen Mord: Da eine Nagelpistole nur auslöst, wenn sie gegen einen Widerstand gedrückt wird, muss man die entsprechende Sperr-Manschette für einen Distanzschuss von Hand zurückziehen − oder die Waffe dem Opfer an den Kopf drücken. Die »Mündungsgeschwindigkeit« misst der Hobby-Ballistiker mit Hilfe einer Lichtschranke. Ein Modell bringt es auf knapp 130 Stundenkilometer, ein anderes schafft 160 km/h. Eine 9-mm-Handfeuerwaffe hat jedoch eine Mündungsgeschwindigkeit von etwa 1600 Stundenkilometern.

Die Bewegungsenergie (halbe Masse mal Geschwindigkeit zum Quadrat) eines solchen Nagels beträgt also höchstens ein Zwanzigstel oder ein Zehntel der Bewegungsenergie eines Pistolengeschosses. Die Durchschlagskraft dürfte auf die Entfernung entsprechend bescheiden sein. In dem YouTube-Versuch durchschlugen die Nägel nicht einmal einen Karton. Außerdem beginnen die Nägel auf Distanz sehr schnell zu taumeln, fliegen also nicht mehr mit der Spitze voraus. In einen menschlichen Schädel würden die Geschosse also kaum eindringen.

Keine »Mann-stoppende« Wirkung

Mit anderen Worten ist ein Mord aus der Distanz in diesem Fall ziemlich unwahrscheinlich. Morde mit Nagelpistolen sind denn auch kaum überliefert. Wenn, dann wurden die Mordopfer zum Beispiel mit aufgesetztem Gerät im Schlaf überrascht. Selbstmorde mit Nagelpistolen passieren dagegen etwas häufiger. Suizidanten kommt entgegen, dass das schockartige Eindringen des Nagels keine großen Schmerzen verursacht − zumal der Drahtstift auch keinen großen Gewebeschaden anrichtet, wie ein Schusswaffen-Projektil. Manche betäuben sich vorher zusätzlich mit Schmerztabletten. Es sind schon Selbstmörder mit einem Dutzend Nägeln im Kopf ohne die geringsten neurologischen Symptome ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Tatsache ist, dass der Finanzmann in Schwierigkeiten steckte. Bevor er seine letzte FirmaAmerican Title Services ins Leben rief, hatte Talley »eine Reihe von Firmen gegründet, einige davon nun außer Betrieb«, so das Nachrichtenportal Situation Brief. Aber auch American Title Services schien nicht zu funktionieren − beziehungsweise nur, wenn man ein wenig nachhalf. Zum Beispiel durch Veruntreuung. Just im Januar 2014 hatte ein Geschäftspartner von American Title Services festgestellt, dass auf Konten, die von Talley treuhänderisch verwaltet wurden, größere Beträge fehlten. Die offenbar betrogene Firma, Title Resources Guaranty, hatte für den 4. Februar 2014 eine Prüfung bei Talley anberaumt. Doch dazu kam es nicht. Am selben Tag ging Talley in seine Garage, nahm die Nagelpistole und setzte sie sich an den Kopf.

Eine kleine, aber unfeine Familie

 

Also nur ein Einzelfall aus der Provinz? Oder doch symptomatisch für die ganze Finanzbranche? Was sollen all diese Fälle also miteinander zu tun haben? Liegen sie nicht weit auseinander?Antwort: In der Finanzwelt liegt nichts weit auseinander. Moderne Finanzjongleure starren in dieselben Netzwerke und treffen sich virtuell an denselben Handelsplätzen, sie alle sind durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden und bilden eine kleine, aber feine − oder, wie viele inzwischen meinen, unfeine − Familie.

Und wenn man sich diese Familie ansieht, dann kommt man vom Hölzchen aufs Stöckchen − oder von einem Todesfall auf den anderen. Und man fragt sich, ob die Finanzwelt tatsächlich von einer epidemischen Depression heimgesucht wird. Oder etwa doch von menschlichen Sensenmännern die es verstehen, Morde als Selbstmorde zu tarnen?

Besonders bemerkenswert: Bei keinem der Fälle aus dem Jahr 2014 wurde über den Einsatz einer Schusswaffe berichtet, obwohl mehrere der Selbstmorde im Schusswaffenparadies USA stattfanden, wo 50 Prozent aller Selbstmörder sich erschießen. Sollten all die gut bezahlten Banker wirklich keine Schusswaffe besessen haben? Oder sich keine haben besorgen können?

Ein erstaunlicher Absturz

Dieselbe Frage gilt auch für William Broeksmit, den pensionierten Beinahe-Vorstand der Deutschen Bank, der sich angeblich am 26. Januar 2014 erhängte. Fest steht: Der Mann war zwar pensioniert, steckte aber in Wirklichkeit noch mit beiden Beinen im Sumpf der Bankenwelt. Nur einen Tag nach seinem Tod wollte ein ehemaliger Broeksmit-Mitarbeiter über die angeblichen Machenschaften seiner Chefs bei der Deutschen Bank auspacken. Vor allem darüber, wie die Deutsche Bank während der Finanzkrise Verluste in Höhe von zwölf Milliarden Dollar versteckt habe.

Broeksmit sei derjenige gewesen, der das Ganze hätte ausbaden müssen (Wallstreet on Parade,3.2.2014). »Genau wie ein richtiger Hedgefonds hat man es in Frankfurt nicht so sehr mit der Transparenz«, schrieb auch das Anlegermagazin SmartInvestor (2/2014, S. 24). Die Bank erwecke immer mehr den Eindruck, als ob die wahren Risiken »trickreich versteckt werden« − Risiken, die exakt das Geschäft von William Broeksmit und seines inzwischen redseligen Mitarbeiters waren. Bei der Bilanz der Bank blicken selbst ausgewiesene Experten nicht mehr durch.

Ein preisgekrönter Fondsmanager sagte laut SmartInvestor, dass er sich »aus den Zahlen der Deutschen Bank keinen Reim machen« könne: Wahrscheinlich blickten »sogar die Manager dieses Hauses« nicht mehr durch. Zwei Tage nach Broeksmits Tod stand die Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank an, wo die Banker um den Ruf des Geldhauses kämpften. Broeksmits ehemaliger Arbeitgeber sei »weltweit in eine Vielzahl von Skandalen verwickelt«, berichtete die heute-Website (29.1.2014):

»Skandal um die Manipulation international bedeutsamer Zinssätze«, wie zum Beispiel den Libor. Dafür würden voraussichtlich »weitere Kosten entstehen«, zitierteheute den DB-Vorstandschef Jürgen Fitschen. Andere Banken hätten zur Beilegung des Libor-Falles insgesamt bereits Milliardensummen zahlen müssen.

• Ermittlungen »wegen des Verdachts der Manipulation von Wechselkursen«.

• Ermittlungen »wegen versuchten Prozessbetrugs gegen die Deutsche Bank und fünf ihrer Manager« in dem Prozess um die Insolvenz des Medien-Konzerns Kirch.

Jede Menge Skandale, die Bilanz ein Alptraum. Und mitten drin: William Broeksmit. Im Rahmen des Todesermittlungsverfahrens stellte sich heraus, dass Broeksmit in den Monaten vor seinem Tod von regelrechten »Katastrophenphantasien« geplagt worden war. Broeksmit sei »äußerst besorgt« gewesen »wegen der Behörden, die seinen Arbeitsbereich bei der Bank untersuchten«, erklärte sein Psychologe William Mitchell bei der amtlichen Todesuntersuchung (laut Bloomberg, 25.3.2014).

Broeksmit habe Katastrophenszenarien gewälzt und unter »Angst und Schlaflosigkeit gelitten«, so der Arzt. Noch vor Broeksmits Ausscheiden, im Dezember 2012, war die Frankfurter Konzernzentrale von »rund 500 Ermittlern von Bundeskriminalamt, Steuerfahndung und Bundespolizei« regelrecht gestürmt worden (Spiegel Online, 25. 3. 2014). Die amtliche Leichenbeschauerin erklärte, in Broeksmits Abschiedsbriefen fänden sich »klare Beweise für Suizidabsichten«.

Schließlich habe Psychologe Mitchell ihm das Antidepressivum Xanax verschrieben. Was in dem Todesermittlungsverfahren nicht erwähnt wurde: Zu den möglichen Nebenwirkungen von Xanax gehören auch Selbstmordgedanken. Wie heißt es doch im Beipackzettel (laut drugs.com): »Rufen Sie Ihren Arzt an, wenn Sie Nebenwirkungen wahrnehmen wie depressive Stimmung, Selbstmord- oder Selbstverletzungsgedanken …«

Was steckt hinter dem Banker-Sterben? Waren es wirklich alles Selbstmorde? Steht es wirklich so schlecht um unser Finanzsystem? Leider ist das Kapitel zu lang, um es hier in voller Länge unterzubringen. Lesen Sie weiter in Gerhard Wisnewskis neuem Jahrbuch ungeklärt − unheimlich − unfassbar, Die spektakulärsten Kriminalfälle 2014, jetzt auf dieser Website oder in jeder Buchhandlung, 336 Seiten, Euro 7,99. Verheimlicht − vertuscht − vergessen erscheint im Januar 2015.

 http://info.kopp-verlag.de/

»Bescheidener Vorschlag« der Deutschen Bank an die Zentralbanken: »Schnappt euch das Gold, das sich im Besitz der Privatleute befindet«

Tyler Durden

Dieselbe Bank, die uns vor wenigen Tagen darüber informierte, es werde davon geredet,»Helikopter-Geld«, also Geld, das wie das biblische Manna vom Himmel regnet, und Schuldenerlasse seien Anzeichen dafür, dass das Ende der Fahnenstange erreicht sei, vollzieht jetzt den nächsten logischen Schritt.

Im Folgenden ohne Kommentar ein Auszug aus dem Daily Metal Outlook der Deutschen Bank; der wichtigste Abschnitt wurde hervorgehoben:

»Auch wenn Akteure auf dem Goldmarkt gegenwärtig ihre meiste Aufmerksamkeit auf die Gefahr richten, die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte bei einem positiven Votum für das Referendum der Bürgerinitiative ›Rettet unser Gold‹am 30. November gezwungen sein, große Mengen an Barrengold zu kaufen, hat nun noch eine weitere Zentralbank die Europäische Zentralbank (EZB) dieses Thema aufgegriffen.

So seltsam es angesichts der internen Diskussion in diesem Jahr über den Ankauf von Vermögenswerten im Allgemeinen auch klingt, erinnerte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch vor Journalisten daran, dass die EZB theoretisch im Rahmen ihrer Lockerung der Geldpolitik (Quantitative Easing, QE) Vermögenswerte aller Art kaufen könne.

Dies schlösse Regierungsanleihen, Aktien, börsengehandelte Fonds und sogar Gold ein. Und tatsächlich spielt es im Rahmen eines wirksamen QE-Programms eine geringere Rolle, um was für einen Vermögenswert es sich handelt, als wer der Verkäufer ist.

Geht man davon aus, dass das Bankensystem der Eurozone offenbar immer noch das Nadelöhr im monetären Transmissionsmechanismus darstellt, so könnte es durchaus vernünftig sein, es zu umgehen. Banken besitzen kein Gold. Aber die ›theoretische‹ Möglichkeit könnte sehr schnell zu praktischen Problemen führen. Diese beträfen nicht zuletzt Mengenbegrenzungen und das Problem, entscheiden zu müssen, wer zu den Gewinnern und den Verlierern gehört. 

Dennoch weist das Konzept von Goldankäufen aufgrund der möglichen Verkäufer auch Vorteile auf. Viel Gold befindet sich in Privatbesitz, vor allem in Ländern wie Deutschland. In einigen Fällen handelt es sich dabei um ungewollte Überbleibsel von Investitionen von vor fünf Jahren, die durch die Finanzkrise ausgelöst wurden. Ein Programm, das vor allem auf diese Goldvorräte zielt, könnte brachliegende Liquidität freisetzen, von der ein Teil möglicherweise sogar in dem Konsum fließen könnte.«

 

Die Zentralbanken der Welt müssten also mit anderen Worten nichts anderes tun, als»brachliegende Liquidität freizusetzen«, die sich, so legt es die Deutsche Bank nahe, als»ungewollte« Schätze in Form physischen Goldes in Privatbesitz befinden. Und während die Zentralbanken im Verlauf dieser Operation ihre eigenen Goldvorräte aufstocken, könnte als Nebeneffekt, Gold als Anlage unattraktiv werden.

 

Und was wäre, wenn es schiefgeht? Franklin D. Roosevelt hat der Welt 1933 mit seiner Präsidialdirektive 6102, auch als »Goldverbot« bekannt, bereits gezeigt, wie man mit einer unnachgiebigen Öffentlichkeit umgeht, die sich nicht von ihrem Gold trennen will: Der private Goldbesitz wurde einfach verboten und alles Gold, das sich in Privatbesitz befand, musste zu einem festgelegten Preis bei staatlichen Annahmestellen abgegeben werden. Etwas Ähnliches unternahm auch die Zentralbank der Niederlande (DNB) vor einigen Jahren, als sie den Rentenfonds riet, ihr Gold zu verkaufen. Erst vor Kurzem hatte die DNB in aller Stille 122 Tonnen Gold von der New Yorker Federal Reserve nach Hause zurückgeholt.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/tyler-durden/-bescheidender-vorschlag-der-deutschen-bank-an-die-zentralbanken-schnappt-euch-das-gold-das-sich.html

Deutsche-Bank-Aussteiger Thomas Mayer: Top-Banker kämpft gegen das Geldsystem

Von , Köln

Thomas Mayer war mittendrin im Finanzsystem, als er an ihm zu zweifeln begann. Er verlor seinen Job als Chefvolkswirt der Deutschen Bank und schrieb ein Buch. Darin fordert er eine neue Geldordnung: Sie soll die Banken entmachten.

Ex-Chefvolkswirt Mayer: Plan für eine radikal neue Geldordnung

REUTERS

Ex-Chefvolkswirt Mayer: Plan für eine radikal neue Geldordnung

Wer Thomas Mayer in diesen Tagen besucht, trifft auf einen entspannten Menschen. Er ist jetzt raus aus dieser Welt, die ihm zuletzt immer fremder vorkam. Statt auf die Bankentürme in Frankfurt blickt er nun aus der Glasfront seines Büros direkt auf den Kölner Dom. Davor fließt ruhig der Rhein.

Mayer hat eine rasante Verwandlung hinter sich: Von einem führenden Protagonisten des Finanzsystems zu einem seiner größten Kritiker. Mit 60 Jahren hat er alles, woran er bis dahin glaubte, über den Haufen geworfen. Nun ist er überzeugt: Die Geldordnung, auf der unser gesamtes Wirtschaftssystem basiert, ist zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen ein neues System – eines, das die Banken entmachtet.

Wie konnte das passieren?

Äußerlich passte Mayer noch nie so recht in die geschniegelte Bankenwelt: Die Haare dünn und blond, der Bart wild und rot, die Anzüge immer ein bisschen zu groß für den schmächtigen Körper. Und doch hat er dort 30 Jahre lang Karriere gemacht. Er arbeitete für den Internationalen Währungsfonds (IWF), bei der US-InvestmentbankGoldman Sachs und bei der Deutschen Bank. Er nutzte die mathematischen Modelle und ökonomischen Glaubenssätze, die er gelernt hatte: Der Markt ist effizient, die Menschen handeln rational, und am Ende kommt alles schon wieder ins Gleichgewicht.

Im Jahr 2010 stieg Mayer bei der Deutschen Bank zum Chefvolkswirt auf, einer der renommiertesten Posten des Hauses. Doch da nagten längst die Zweifel an ihm.

Drei Jahre zuvor war die Finanzkrise über die Welt hereingebrochen – ausgelöst durch ein Schuldeninferno, unter dessen Folgen die großen Volkswirtschaften heute noch immer leiden. Große Banken gerieten ins Wanken. Thomas Mayer saß in seinem Frankfurter Büro und begann, nach neuen Antworten zu suchen. „Je mehr ich mich damit beschäftigte“, erzählt er, „desto klarer wurde mir, dass das ein Problem im System ist.“

„Das ist ein bisschen wie bei George W. Bush“

Mayer wurde unbequem. In der Eurokrise forderte er als einer der Ersten einen Schuldenschnitt für Griechenland. „Da sind einige Deutschbanker im Dreieck gesprungen, weil sie vielleicht gerade eine Griechenanleihe an den Markt bringen wollten“, erzählt er und lacht. Später schlug er vor,die Griechen sollten eine Parallelwährung zum Euro einführen, den „Geuro“. Auch das stieß nicht bei allen im Konzern auf Begeisterung.

Als Josef Ackermann 2012 als Deutsche-Bank-Chef abtrat und seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernahmen, war kein Platz mehr für den sperrigen Chefvolkswirt Mayer. Offiziell blieb er noch zwei Jahre lang Berater. Ende Juni 2014 war dann endgültig Schluss. Seitdem ist Mayer in Köln und baut dort eine neue Denkfabrik beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch auf. Die Inhaber sind zwei alte Freunde aus seiner Zeit bei Goldman Sachs – sie wollen ihm alle Freiheiten lassen.

Schon bei der Deutschen Bank hatte Mayer begonnen, an einem Buch zu arbeiten. In diesen Tagen erscheint es: „Die neue Ordnung des Geldes – Warum wir eine Geldreform brauchen“. Darin rechnet der ehemalige Deutschbanker nicht nur mit der Zunft der Ökonomen ab, er entwirft auch einen Plan für eine radikal neue Finanzordnung.

Im aktuellen System sind es vor allem die Banken, die neues Geld aus dem Nichts in die Welt bringen. Sie tun dies, indem sie Kredite vergeben. Und wenn sie dabei an Grenzen kommen, helfen ihnen die Zentralbanken aus. Im Endeffekt kann die Geldmenge so immer weiter steigen – für Mayer die Grundlage aller Finanzkrisen.

Das viele Geld führt demnach dazu, dass die Preise zu schnell steigen. Es bilden sich Preisblasen, die irgendwann platzen und zwangsläufig Krisen nach sich ziehen. Doch die Staaten und Notenbanken lassen diese Krisen nicht zu. Sie greifen ein und stützen die Wirtschaft mit noch mehr billigem Geld. So verzerren sie die Marktpreise und schaffen neue Preisblasen – ein hochgradig instabiles System.

In genau so einer Situation befindet sich die Wirtschaft derzeit, meint Mayer: „Wir haben die erste Runde der Krise bekämpft, aber wir kommen nicht mehr raus aus der Politik des billigen Geldes.“

„Die Märkte sind nicht effizient“

Mayers Analyse ist im Grundsatz nicht neu. Sie basiert auf einer radikalliberalen Denkrichtung der Wirtschaftswissenschaften, der sogenannten „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“, begründet von Ludwig von Mises, weitergeführt vom Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek. Die Anhänger dieser Denkschule kritisieren vor allem die ungebremste Kreditgeldschöpfung durch Banken und Notenbanken, lizensiert vom Staat. Statt ständig ungedeckt neues Geld zu schaffen, müsse die Geldmenge begrenzt werden, fordern sie. Am besten, indem man sie an die vorhandenen Goldvorräte koppelt. Alles Geld müsse jederzeit in Gold umgetauscht werden können.

Mayer hält das für unnötig. Gold ist für ihn ein „barbarischer Rohstoff“, der im Modell der Österreichischen Schule eigentlich nur als Ersatz für das nötige Vertrauen der Bürger in eine Währung fungiere. Dennoch müsse die Geldmenge natürlich begrenzt werden. Den Banken und Staaten will Mayer deshalb jeden Zugriff auf die Schöpfung neuen Geldes entziehen. Er spricht von einem „Aktivgeldsystem“.

In der akademischen Welt sind die Anhänger der Österreichischen Schule krasse Außenseiter. Das hat auch Mayer schon zu spüren bekommen, seit er sich vom Mainstream losgesagt hat. „Wenn man eine Kritik äußert, die das System selbst betrifft, dann schauen die einen an, als hätte man sich danebenbenommen“, berichtet er. In der Bankenwelt gebe es aber schon ein paar mehr Menschen, die so dächten wie er, meint Mayer. „Wenn Sie längere Zeit im Finanzmarkt tätig sind, merken Sie: Das funktioniert alles nicht. Die Märkte sind nicht effizient. Die Modelle aus den Lehrbüchern versagen.“

Mayer will deshalb Schritt für Schritt weg vom aktuellen Geldsystem. Dass sein Modell in der Praxis derzeit keine allzu großen Chancen hat, ist ihm klar. Das könne sich aber schon bald ändern, denn die nächste Krise komme bestimmt, „und dann sind Chancen schon mal größer“.

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