Löcher in der Matrix – Wer hat Angst vor der Deflation?

Redaktion

Im Folgenden übernehmen wir einen Beitrag des Magazins Smart Investor. Dort erscheinen immer freitags die »Löcher in der Matrix«, in denen Erstaunliches und Schräges aus der Welt der Mainstreammedien thematisiert wird.

»Staatsanleihenkäufe durch EZB-Chef: Was Draghi jetzt vorhat« (sueddeutsche.de, 22.1.2015)

Wenn uns die Süddeutsche Zeitung (SZ) Wirtschaft erklären will, dann geht das meistens schief. Schon die Überschrift ist schlampig: Würde stimmen, was da steht, könnte man zur Tagesordnung übergehen. Denn ob sich Herr Draghi Staatsanleihen kauft oder nicht, ist alleine seine Sache. Natürlich geht es aber nicht darum, was der »EZB-Chef« kauft, sondern um das, was die Europäische Zentralbank selbst kauft – und das betrifft uns tatsächlich alle.

Bei der Motivforschung bleibt die SZ stramm auf amtlicher Linie: Draghi handle, weil »er die Euro-Zone vor sinkenden Preisen bewahren will«.

Auf gut Deutsch: Nachdem der Mann mit seiner Null- und Negativzinspolitik bereits das Geschäft der staatlichen Großschuldner auf dem Rücken der Sparer besorgt hat, will er die Menschen der Euro-Zone nun vor einer zu langsamen Entwertung ihres Geldes »schützen« – herzlichen Dank dafür!

Auch um die »Theorie« hinter der Maßnahme ist man bei der SZ nicht verlegen: »Das sogenannte Quantitative Easing (QE) soll die Inflation und damit das Wirtschaftswachstum ankurbeln.« Ah ja, demnach müssten Russland und Argentinien derzeit die reinsten Wirtschaftswunderländer sein.

Dass ein mehr als halbierter Ölpreis den Preisauftrieb gedämpft haben könnte und dass dies selbstredend keine »Deflationsgefahr« sondern ein Glücksfall für die Verbraucher der Euro-Zone ist, davon kein Wort bei der SZ.

Lieber geht man Herrn Draghi auf den Leim, der nun endlich mit seiner neuen Bazooka auf die imaginierten Deflationsspatzen schießen kann: Draghi habe »wieder und wieder … der Deflation den Kampf angesagt − notfalls auch mit unkonventionellen Maßnahmen«.

Dass bereits die dramatische Abwertung des Euro ehebliche Preisrisiken – und zwar nach oben! – in sich birgt, auch davon kein Wort. Dies wäre zumindest ein bekannter, höchst konventioneller Mechanismus, um eventuelle »Deflationsgefahren« in Schach zu halten.

Darum ging es aber wohl auch gar nicht, als Draghi versuchte, das »Deflations-Gespenst« aus dem Hut zu zerren. Im Gegenteil, Preissteigerungen wären sogar ziemlich kontraproduktiv, denn dann fiele der Vorwand weg, unter dem die nächsten 1,1 Billionen Euro zu den bankrotten Mitgliedern des Euro-Geleitzugs umgeleitet werden können.

Das geschieht vermutlich auch deshalb mit dem »D«-Argument, weil man den braven Euroland-Bewohnern nicht schon wieder eine Großkrise dieses wahnsinnig erfolgreichen Euro-Projekts der nicht weniger wahnsinnigen Polit- und EU-Granden zumuten will.

Was so nett als »Kauf von Staatsanleihen« verbrämt wird, ist tatsächlich eine Verzweiflungstat, die nicht ohne Komik ist: Der eine schafft Geld aus dem Nichts und leiht dieses materialisierte Nichts an Regierungen, die weder eine Chance noch die Absicht haben, es je zurückzuzahlen.

Gelackmeiert sind »lediglich« die Besitzer von »Altgeld«, dessen Kaufkraft entsprechend verwässert wird. Dieser Schaden wird dann auch noch als eigentliches Ziel der Aktion verkauft (»die Inflation ankurbeln«). Der kräftige Goldpreisanstieg der letzten Wochen ist zumindest ein klares Marktvotum gegen Draghis Bauernfängerei.

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