Tod eines V-Mannes

(Admin: Wenn jemand stirbt, sind das Versäumnisse des „Staates“???

Hier in diesem Beitrag gibt es ohnehin nur Halbwahrheiten und Mainstream-Geschwafel. Wer sich informieren möchte über Hinter- bzw. Abgründe, der sollte diesen Blog lesen, meine Empfehlung:  https://sicherungsblog.wordpress.com/  )

„Corelli“ war einer der wichtigsten Informanten des Verfassungsschutzes, er starb in der Obhut des Staates. Jerzy Montag, Sonderermittler des Bundestages, sieht Versäumnisse bei den Behörden.

Jerzy Montag empfiehlt neue Regeln für den Umgang mit V-Leuten in der rechten Szene.

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Jerzy Montag empfiehlt neue Regeln für den Umgang mit V-Leuten in der rechten Szene.

Am Tag, an dem aus dem Neonazi Thomas Richter der V-Mann „Corelli“ wird, liegt sein bisheriges Leben buchstäblich in Trümmern. Am Vortag hat er seinen 19. Geburtstag wild gefeiert, mit einer Rockband und 200 Freunden aus der Szene – doch gegen Mitternacht beginnt die betrunkene Meute, das Haus in Stücke zu schlagen. Fenster, Möbel, die Einrichtung – gegen fünf Uhr muss die Polizei anrücken. Und Thomas Richter hat ein Problem. Denn das Haus gehört einer zentralen Figur der rechtsextremen Szene der 90er Jahre: Meinolf Schönborn, Anführer der verbotenen „Nationalistischen Front“ (NF). Schönborn rastet aus, bedroht Richter, spricht von zehntausenden Euro Schulden.

Am Nachmittag desselben Tages im Oktober 1993 sitzt Thomas Richter bei der Polizei in Bielefeld und sagt, er wolle die Fronten wechseln. Zwei Jahre lang hatte er in der Detmolder NF-Zentrale bei Mentor Schönborn gewohnt, sich vom Handlanger zur festen Größe hochgedient. Nun liefert er seine Kameraden dem Verfassungsschutz ans Messer. In Razzien werden wenig später die NF-Strukturen zerschlagen. Es ist die Geburtsstunde des Spitzels „Corelli“, und für Jerzy Montag ist es ein Schlüsselmoment.

Es hat mich bewegt, als ich das in Erfahrung brachte“, sagt Montag. „Sie müssen versuchen, sich in den Menschen hineinzuversetzen: Ein 19-jähriges Bürschlein, das in seinem Leben außer der rechtsextremen Szene nie etwas kennengelernt hat, geht zum Staat und sagt, er möchte auspacken, aussteigen aus der Szene, ein bürgerliches Leben führen.“ Doch die Geheimdienstler bieten dem 19-Jährigen nicht etwa ein Aussteigerprogramm an – sondern den Einstieg in ein Doppelleben im braunen Sumpf. Geld gegen Informationen, das sind die Regeln des Paktes, fast 20 Jahre lang, bis zum Tod. „Es hat sich nie jemand mit dem Ausstiegswunsch beschäftigt“, sagt Montag. „Es gab nur den Blick: Huch, das ist eine Quelle, die können wir ausbeuten.“

Der V-Mann „Corelli“ ist eine der schillerndsten Figuren in jenem Graufeld zwischen rechtsextremer Szene und Verfassungsschutz. Es gibt kaum jemanden, der mehr über ihn weiß als Jerzy Montag. Der ehemalige Grünen-Abgeordnete wurde im Herbst 2014 vom Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags als Sonderermittler eingesetzt. Es gibt offene Fragen zu „Corelli“, und die Abgeordneten hätten gerne Antworten. Wusste „Corelli“ doch mehr über den NSU, als er zugab? Hat der Verfassungsschutz von ihm gelieferte Hinweise auf die Terrorzelle ignoriert? Welche Rolle spielte er beim Ku-Klux-Klan in Schwäbisch Hall? Der Spitzel selbst kann diese Fragen nicht mehr beantworten. „Als ich den Auftrag bekam, mich mit diesem Menschen zu beschäftigen, war er schon zwei Jahre tot“, sagt Montag.

Unter den merkwürdigen Todesfällen im Umfeld der NSU-Ermittlungen ist „Corelli“ der prominenteste. Im April 2014 starb er überraschend im Alter von nur 39 Jahren an einer „nicht erkannten Diabeteserkrankung“, wie die Obduktion ergab. Ein Tod unter staatlicher Obhut: Nach seiner Enttarnung 2012 war „Corelli“ in einem Schutzprogramm des Geheimdienstes untergebracht. Auch der Zeitpunkt des Todes löste Spekulationen aus: Kurz zuvor war eine CD aufgetaucht, die eine mögliche Verbindung „Corellis“ zum NSU darstellte. Nebenkläger im Münchner NSU-Prozess bereiteten bereits Anträge vor, um ihn als Zeugen vorladen zu lassen. Montag fand aber nichts, was Verdächtigungen nährte. „Es gibt keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Punkt. Mehr gibt es nicht zu sagen.“

Rest des Beitrages:

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Tod-eines-V-Mannes;art1158781,3429336