Die Harmonie in Landschaft und Baukunst – oder die Matrix der Orte


Hier findet Ihr, finden Sie die Beiträge des Autors und Architekten Reinhard Gunst, die ich wegen ihrer Ästhetik und Harmonie sehr schätze.

Er hat mir erlaubt, diese Seite zu erstellen, was ich mit Freude hiermit tue.

Seine Netz-Seite heißt Die Goldene Landschaft –  und ich möchte sie Euch etwas näher bringen.

Reinhard Gunst ist Freier Architekt, er studierte  Kunstgeschichte, Archäologie und Architektur an der Universität Stuttgart und der  Akademie für Angewandte Künste Wien.

Seine Bücher sind

und

Himmel Kelten

Ich bin auf diesem Gebiet ein Laie, interessierte Laie, wie man so schön sagt und finde die Beiträge sehr beeindruckend.

Mein Eindruck ist, daß Reinhard die Orte und Bauwerke, die Landschaften, auf eine ganz besondere Art betrachtet, die man nicht beschreiben kann. Man muß die Bilder sehen und erfühlen, was er uns damit sagen will.

Er verbindet auch in dieser Sichtweise das, was hinter den Erscheinungen liegt und erzählt uns etwas über Mythologie.

Hat jemand schon mal das Wort Anöage  gehört? Ich auch nicht, aber hier bei Reinhard, dazu später mehr.

Etwas Geheimnisvolles haben die Beiträge bzw. die Themen, die sich Reinhard aussucht. Schön ist die Darstellung davon, wie sich Baukunst harmonisch in Landschaft einfügt.

Pfullinger Sagenwelt – der Ursulaberg Teil 1

Wenn die Nebel Schleier weben.
Um Gebirg und Flur,
Regt in der Natur
Sich ein anderes Leben.

Mit dieser Strophe beginnt ein Gedicht Gusatv Schwabs in dem er die Sage vom Ursaulaberg verarbeitet. Gerade diese Sagenwelt bietet ein Fülle von Möglichkeiten die alten Bezüge der Landschaft wieder zu re- konstruieren. Dies zeigt, dass die Orte, die damit verknüpften Namen und Handlungen nicht zufälliger Natur waren. Meist verfolgten sie einen erzieherischen Zweck der auch eine abschreckende Wirkung entfalten sollte , sich dem Orte nicht mehr zu näheren. Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Intention der Sagen. Der Historiker Klaus Graf sieht ihm aufkeimenden schwäbischen Patriotismus mit einen Grund für die wachsende Beliebtheit in jener Zeit In der verklär- enden Romantik erkennt er er kennt er auch das Bestreben sich auf volkstümliche Werte zu konzentrieren, die als Gegenpol zum wachs- enden Militarismus und der Bürokratie dienen. Von Region zu Region ist die Fülle an überlieferten Sagen recht unterschiedlich und zumeist wen- igen Forschern oder Literaten zu verdanken die sie zu Papier brachten.

urschlenberg Pfullingen

`Urschlenberg´ Pfullingen

Sicher waren es die zahlreichen Burgen, Felsen und Berge die den Raum um Pfullingen zu einem Gebiet machten, dessen Sagen nicht ohne Grund zu den bekanntesten Volksagen zählten. Unter ihnen zählt der Sagenkreis um den Ursulaberg zu den beliebtesten. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort urus, der Bär ab und bedeutet mit dem Suffix `ula´ die kleine Bärin. Damit gleicht er dem keltischen Name Artula, dessen Ursprung artos im griechischen Wort für Bär liegt. Währ- end des frühen Mittelalters trug die Legende der heiligen Ursula, die durch irische Mönche in den deutschen Raum importiert wurde, zur Verbreitung des Namens bei. Sie war eine britannische Königstochter, die ihr Leben Christus geweiht und Jungfräulichkeit gelobt hatte. Als ihr der heidnische König Anglia einen Heiratsantrag stellte macht sie dessen Taufe und eine dreijährige Frist zur Bedingung. In der Zwisch- enzeit reist sie mit ihren Begleiterinnen nach Rom, wo sie die Prophe- zeiung eines Martyriums erhält. Auf der Rückreise gelangt sie nach Köln, das von Hunnen belagert wird. Als sie sich deren Fürsten ver- weigert wird sie der Legende zufolge brutal ermordet. Doch dann sollen 11000 Engel das Heer der Hunnen in die Flucht geschlagen haben. Aus diesem Grund wird Ursula in Köln am 21. Oktober als Schutzheilige verehrt. Auch die Flammen im Wappen der Stadt erinnern noch an das Eingreifen der himmlischen Heerschar. Im Volksmund heißt der Berg jedoch immer noch der Urschelberg, das einer Verballhornung des Namens gleicht.

Heilige Ursula

Heilige Ursula

Ein Berg ähnlichen Namens gibt es bei Eisenach in Thüringen der dort im Volksmund Hörschelberg genannt wird, der Hörseelenberg. Er wird auch das Umwohnern das Nachtfräuleinsloch genannt, in dem die alte Spinnenfrau vom Hörseelenberge wohnt. Auch im Ursulaberg soll ein weiblicher Geist wohnen der einst einen Pfullinger Bürger verführte. Als der von dem Schatz im Berg hörte entschloss er sich eines Nachts die Höhle aufzusuchen. Dort erschien ihm der Geist in Gestalt einer Nonne, und lud ihn ein, mit ihm drei Nächte hintereinander zu speisen, ohne sich zu fürchten, und ohne einen Laut von sich zu geben. Dann so pro- phezeite ihm der Geist werde er erlöst sein und er den ungeheuren Schatz erhalten.
In der ersten Nacht erschien der Geist in seiner gewöhnlichen Gestalt als Nonne; der Pfullinger Bürger schmauste ohne Furcht und Rede bei ihm. Doch in der zweiten Nacht erschien aber statt der Nonne eine  gräs sliche Schlange vor dem wohlbesetzten Tisch und bäumte bäumte sich vor ihm auf während sie zischend von den Speisen leckte Der Mann überwand sein Grausen, und unterdrückte den Schrei des Ent- setzens, der über seine Lippe wollte; des Morgens kehrte er zur Stadt und in sein Haus zurück. Als aber die dritte Nacht heran kam, die das Abenteuer enden sollte, da fand man ihn tot auf seinem Lager: der Schrecken der zweiten hatte ihn umgebracht. Drei Motive die die hier zu einem Schreckensszenario verarbeitet wurden, waren in vorchristlicher Zeit Attribute einer weiblichen Gottheit: Die Höhle, die Schlange, sowie der reich gedeckte TIsch der hier als Symbol der erwachenden Natur gelten kann. Mit der Georgslegende, dem heiligen Schlangentöter, ver- bindet das Motiv der Schlange den Ursulaberg mit dem Georgenberg bei Reutlingen. Betrachtet man den reichgedeckten Tisch den der Pfullinger Bürger während den drei Nächten zu Gesicht bekam als Datum, so offenbart sich ein Konzept aus Sonnen- und Mondvisuren die einem gleichschenkligen Dreieck entsprechen. Die Eckpunkte dieses Drei- eckes werden durch den bereits erwähnten Georgenberg, dem
Ursulaberg und dem Drackenberg bestimmt.

Pfullingen Sagenweg

Der Bernhardus – die Höhensiedlung

Veröffentlicht am 18. April 2014

Noch immer erfeut sich die Wallfahrt auf den 774m hohen Bernhardus einer großen Beliebtheit. Auch hier spricht die Legende von Wundern die sich einer Kapelle auf dem Berg ereignet hätten. Deshalb wurde nach dem Beginn der ersten Wallfahrt 1728 mit dem Bau der Wallfahrtskirche St. Bernhardus begonnen, die sich nach ihrer Fertigstellung 1733 zu einem überregionalen Anziehungspunkt entwickelte. Nach einer Hungersnot Ende des 17. Jahrhunderts litt der Patronatsherr der Pfarrei auf dem Rechberg, Maximilian Emanuel von Rechberg, unter einem finanziellen Engpass, so dass das Bistum in Konstanz die Wallfahrt trotz großer Proteste der Bevölkerung auf den Rechberg verlegte. Der heilige Bernhard von Clairvaux, der um 1090 auf der Burg Fontaine-lès-Dijon geboren wurde, war einer der bedeutensten Mönche des Zisterzienserordens. Doch trotz seiner Verdienste für den Orden war er eine zwiespältige Person, denn mit  seiner Rhetorik entfachte er am Beginn des 11.Jahrhunderts bei allen Gläubigen Stürme der Begeisterung für die Kreuzzüge, die im Jahr 1095 mit dem Aufruf Papst Urbans II begannen. Mit seinem Brief 457, der sich im Jahr 1147, in ganz Europa verbreitete, rechtfertigte er als erster die Gewaltmission der Kreuzritter in Palästina. Doch der andere Teil seiner Person widmete sich ganz der geistigen Welt, wo er sich den Ruf des `Doctor marianus´, eines der großen Mariologen des Mittelalters erwarb.  In Briefen und Predigten beschäftigte er sich mit der Mutterschaft Marias, deren theologische Entwicklung im frühen Mittelalter ihren Höhepunkt erreichte. Im frühen Mittelalter bot die Marienverehrung der Zisterzienser einen ideales Gegengewicht, um die alten, noch aus der Römerzeit stammenden Matronenkulte entgültig zu ersetzten.

st. Bernhardus Kapelle

Wallfahrtskapelle St.Bernhardus

Auch auf dem Bernhardus erfolgt die Errichtung der Kapelle, wie es oft bei Kapellen im Alpenraum noch heute festzustellen ist, auf einer Höhle, die wahrscheinlich einst den Kultort begründete. Doch bei der Errichtng wurde nur ihre physikalische Eigenschaft in Anspruch genommen, denn die vom Gestein ausgehende Störstrahlung sollte die Gläubigen während des Gottesdienstes wachhalten. Einen ähnlichen Gedanken verfolgten röm- ische Baumeister auch beim Kastell in Köngen, wo Legionäre am Vor- abend der Schlacht in den Teil der Anlage verlegt wurden, der über der Störstrahlung von zahlreichen Wasseradern lag. Auf dem Bernhardus nimmt der Gang ungefähr ¼ der Breite des Gebäudes ein und führt axial unter der Anlage hindurch. Er besitzt zwei Ausgänge an der Nordflanke des Plateaus, die an den  Resten eines äußeren Steinwalles im enden, der zahlreiche Wachtürme besaß. Verfolgt man dessen Spur, zeigt sich, dass der Wall einst Teil einer Höhensiedlung mit einer Fläche von ca.8ha ge- wesen sein musste. Deren religiöses Zentrum befand sich wahrscheinlich schon an dem Ort, wo heute die Kapelle steht. Der Beginn der Wallfahrt auf den Bernhardus dürfte also viel weiter zurückliegen als sie die offizielle Geschichte datiert.

Bernhardus b

Bernhardus Plateau – Wall und Höhlengang

Veröffentlicht am 24. September 2015 von projekt2a

Völkerschlacht 1

Denkmal mit Spiegelung im vorgelagerten „See der Tränen um die gefallenen Soldaten“

Es war die Entscheidungsschlacht mit der für die europäischen Völker   ein neues Zeitalter begann. Vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 kämpft-   en südlich von Leipzig die Truppen der Verbündeten Rußland, Preußen, Österreich und Schweden gegen die Napoleon Bonapartes. An der Schlacht waren rund 600.000 Soldaten beteiligt und damit war sie wahrscheinlich die größte Schlacht des 20. Jahrhunderts. In dieser wichtigsten Schlacht der Befreiungskriege, mit der die napoleonische Herrschaft beendet werden sollte, wurde Napoleon die entscheidende Niederlage beschert, von der er such nicht mehr erholen sollte. Wenige Tage nach der Schlacht entstand bereits der Name. Der Verdienst ge- bührt dem Journalisten Achim von Arnim, der den Begriff der Völker- schlacht in einem Artikel der Berliner Tageszeitung Preußischer Corres-pondent am 22. Oktober 1813 erwähnte.

Völkerschlacht bei Leipzig(Gemälde von

Wladimir Moschkow, 1815

100 Jahre nach der blutigen Schlacht war der Leipziger Architekt und Frei- maurer Clemens Thieme, die treibende Kraft bei der Erbauung des Denk- males für die Völkerschlacht. Dieses Bauwerk dürfte auch eines der letzt- en sein, in dem die komplexe Symbolik der Antike noch einmal

Völkerschlacht 2

Figur des Erzengels Michael am Fuße des Denkmalssichtbar wurde.

Thieme war Freimaurer der Leipziger Loge Apollo im Meistergrad, jedoch war er kein hammerführender Logen- oder Altlogenmeister. Unter seiner Federführung entstanden im Kreis der Bruderschaft die Ideen und Gestalt- ungselemente für die Umsetzung der Denk-malsidee. Die Bildthematik bezieht sich sowohl auf die mittelalterlichen Steinmetzbruder-schaften   mit den unteren Graden Lehrling-Geselle-Meister, aber auch auf religiös-nation-aler Bildmotive. Ebenso wichtig für die Gestaltung war die uralte Natursymbolik, die das Licht, den Kosmos und die Gestirne abbildet. Ähnlich den Schilderungen in der Johannesoffenbarung umschließt ein Löwenrachen die den Zugang zum Denkmal. Über ihm wacht der Erz- engel Michael mit dem Flammenschwert und gebietet Ruhe auf dem Totenfeld. Über der gigantischen Skulptur, des Künstlers Christian Behrens, steht die Inschrift `GOTT MIT UNS´. Ein symbolischer Zugang zum Denkmal wird also nur dem zuteil der auch das rechte `Wort´ kennt.

Michael , der Soldat

Das Bild des Rachengels aus der Offenbarung wurde zu Beginn des     20. Jahrhunderts als christlichen Militärheiliger zum Vorbild des Soldaten erkoren. Damit hatte der Erzengel seine letzte Wandlung erlebt, ehe er aus den Augen der Öffentlichkeit verschwand. Ausgangspunkt war dessen Kult im 5. Jahrhundert, der mit dem Wunder auf dem Monte Gargano begann. Die Wandlung vom Fürsprecher und Heiler zum Vorbild der Ritter vollzog sich rasch. Auch in den 1947 entdeckten Schriftrollen vom Toten Meer aus der Frühzeit des Christentums ist von Michael als dem `Fürst des Lichts´ die Rede, der die Heerscharen Gottes gegen die Mächte des Bösen unter Belial führt. So trägt er in den Texten auch den Titel `Vizekönig des Him- mels und Anführer der Heerscharen´. In der Zeit der Errichtung des Denk- males schwand zunehmend seine einstige sakrale Funktion und das Bild Michaels wandelte zu einem identitätsstiftenden Kriegsgott. Dieses Bild diente bis zum Ende des ersten Weltkrieges als Vorbild für Kampfesmut, doch mit der Niederlage 1918 war das Motiv weitgehend sinnentleert und verschwand. Nur auf Friedhöfen diente die der heilige Michael, wie auch der heilige Georg noch als Gefallenendenkmale. Ein Sinnbild des Todes stellen auch die 16 im Kreis angeordneten Toten- wächter dar die als Beschützer der Krypta und des Grabes dienen.

Totenwächter

Die Totenwächter

Die Zahl 16 kann als nebeneinander-gestellte Einzelzahl, als Produkt, aus 2×8, oder auch in der Quersumme gedeutet werden. Während die 1, den Beginn des ewig Seienden, also Gott darstellt, steht die 6 für die erste vollkommene Zahl und gleichzeitig auch für den Mensch, der damit nicht ohne Grund am 6. Tag der Schöpfungsgeschichte erschaffen wurde. Die Pythagoreer sahen in ihr die Zahl des Kosmos, denn in der Architektur ihres des Zahlenmodelles spielt sie eine entscheidende Rolle. Doch neb- en der Zahlensymbolik bietet das Denkmal auch ein synästhetisches Zahlenerlebnis das aus den Wurzeln der Freimaurerei stammt, der ägypt- ischen Mysterienlehre. Der ägyptische Gott Osiris war ein Sohn des Erd- gottes Keb und der Göttin Nut. Sein Gemahlin und Schwester war Isis,    die sich in der Gestalt des Sternes Sirius personifizierte und die jährliche Nilflut ankündigte. Er folgte dem Sternbild Orion, der ab dem Mittleren Reich mit Osiris identifiziert wurde. Osiris wurde von seinem rachsücht- igen Bruder Seth getötet und zerstückelt, der ihn anschließend auf die Gaue Ägyptens verteilte. Von Isis der `Zauberreichen´ wurde er wieder zusammenge- setzt und wiederbelebt. So konnte er als Gott der Unterwelt zurückkehren und wurde zu einem Sinnbild der Wiedergeburt. So nimmt es nicht Wund- er dass das Denkmal genau auf den Punkt ausgerichtet ist wo am Aller- heiligen Tag 1813 die mittlere Gürtelsterne des Sternbildes Orions stand als der Tag endete. Ebenso war am Tag des ersten neuen Lichtes, Maria Lichtmess, Lichtes die Erstsicht dieses Sternes in der Mitte Orions, in dieser Fluchtrichtung zu sehen.