HARTZ IV: BA FORDERT ZUM SCHUMMELN AUF

Interne BA-Weisung fordert zum Schummeln auf

05.04.2015

Laut einer internen Weisung der Bundesagentur für Arbeit (BA) sollen Mitarbeiter der Jobcenter die Bearbeitungszeiten der Hartz IV-Anträge so in die Bearbeitungssoftware „Allegro“, dass die Statistiken „gut aussehen“. Das berichtet die BZ in Printausgabe am Samstag. Die Folge: Viele Hartz IV Beziehende müssen verlängert auf ihren Hartz IV Bescheid warten.

Nach Angaben der Zeitung will die Bundesagentur nun die Anweisung überprüfen. Allerdings äußerten sich die Verantwortlichen nicht konkret. Erkannt habe man aber, dass „Missverständnisse oder Fehlanreize“ entstehen könnten.

Die Arbeitsmarktexpertin der Grünen Sabine Bangert kritisierte die Schummelei. Hier werde schöngerechnet, um „vom eigentlichen Versagen abzulenken“. Beispielsweise tauchen ältere Menschen in der Arbeitslosenquote nicht auf. Sie „verstecken“ sich in der Unterbeschäftigungsquote. (sb)

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IMMER MEHR ÄLTERE ERWERBSLOSE RUTSCHEN IN HARTZ IV

BA-Statistik: Immer mehr ältere Erwerbslose rutschen in Hartz IV

02.04.2015

Die Zahl der erwerbslosen Hartz IV-Bezieher über 55 Jahre ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre stark angestiegen. Das berichtet die „Saarbrücker Zeitung“ in ihrer Montag-Ausgabe. Demnach waren 2010 knapp 257.000 Personen in dieser Altersgruppe auf Hartz IV angewiesen. Im vergangenen Jahr bezogen bereits fast 318.000 ältere Erwerbslose Leistungen zur Grundsicherung nach SGB II – ein Zuwachs von rund 24 Prozent.

Schlechte Chancen für ältere Erwerbslose
Die Zahlen stammen der Zeitung zufolge aus einer aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), die auf Anfrage von Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann mitgeteilt wurden.

Auch ein Vergleich zwischen Februar 2014 und 2015 zeigt, dass sich der Trend weiter fortsetzt. So ist die Zahl der erwerbslosen über 55-Jährigen unter den Hartz IV-Beziehern in diesem Zeitraum um 10.252 auf 331.709 gestiegen. Damit machen die Erwerbslosen, die auf Hartz IV angewiesen sind, mit 54,4 Prozent den Großteil der Arbeitslosen in dieser Altersklasse aus (inklusive derer, die Arbeitslosengeld I beziehen). Im Jahr 2010 waren es noch 48,3 Prozent.

„Weder bei den Arbeitgebern hat ein Umdenken stattgefunden, auch Älteren verstärkt eine Chance zu geben, noch bei der Bundesregierung, die die Beschäftigungssituation von Älteren schön redet“, moniert die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann im Gespräch mit der Zeitung. So müssten ältere Erwerbslose gezielte Förderungen vom Jobcenter erhalten, statt sie auf das Abstellgleis zu schieben. Dafür müsse seitens der Politik mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, so Zimmermann. (ag)

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Andrea Nahles: So viel Armut herrscht gar nicht in Deutschland Janina 28. März 2015 Politik Kommentare

Pippi-Nahles

Pippi-Nahles

Die bundesweiten Tafeln, Pfandflaschen sammelnde Rentner und bettelnde Obdachlose, das ist nur gefühlt, das bilden wir uns nur ein, denn so viel Armut herrscht gar nicht in Deutschland, behauptet zumindest Sozialministerin Andrea Nahles, denn es gäbe nur eine relative Armut, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, also eine Frage der Definition. Wer aber die wirklich Bedürftigen sind, gemeint die reale Armut, erklärt die Sozialministerin auch sogleich: die illegalen Einwanderer. Der einzige Grund für diese Feststellung von Frau Nahles ist es der deutschen Bevölkerung zu suggerieren, wir müssten uns nun um alle illegalen Einwanderer die hier sind, noch kommen werden und kommen wollen, kümmern. Nicht mehr und nicht weniger.

Frau Nahles, das ist so primitiv und durchschaubar, denn arm ist auch der, wer als Arbeitnehmer mit dem erwirtschafteten Einkommen nicht leben kann und der Staat aufbessern muss. Deutschland hat mit Abstand den größten Niedriglohnsektor der EU. Diese Armut ist eher ein Armutszeugnis des Staates und seinen politischen Eliten, die dies zulassen und sogar noch zu rechtfertigen versuchen.

Die Frage der Armut richtet sich nach dem Umfang der in einer Gesellschaft als üblich angesehenen Teilhabe. Wenn die Möglichkeit der Teilhabe dieses Maß unterschreitet, herrscht Armut. Was die Hartz-IV-SPD vielleicht nicht als üblich, aber als ausreichend ansieht, kann man den Hartz-IV-Regelsätzen entnehmen. So kann man Armut selbstverständlich auch definieren, dann endet die Armut eben bei Hartz-IV plus einem Euro. Die Mittelschicht beginnt mittlerweile bereits an der Grenze des Pfändungsfreibetrages. Und wie es sich mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro leben lässt, sollte Frau Nahles sicherlich am besten wissen. Die geschönten Armuts- und Reichtumsberichte der letzten Jahre lassen jedenfalls nur den einen Schluss zu, die permanente Verarmung der Mehrheitsgesellschaft soll möglichst nicht zum Thema bzw. totgeschwiegen werden. Und dazu scheint den (politischen) “Eliten” jedes Mittel recht, anders ist das Verhalten der SPD nicht zu deuten. Frau Nahles, so billig bitte nicht.

Artikelauszug Süddeutsche Zeitung

Immer mehr Armut gibt es in Deutschland, so der der Paritätische Wohlfahrtsverband im Februar: Arm ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat, für eine vierköpfige Familie wären das derzeit 1873 Euro im Monat. Das ist ein „relativer Armutsbegriff“. In dieser Rechnung würde die Armut nicht einmal verringert, wenn alle Deutsche plötzlich das Doppelte verdienten. Dafür hat der Wohlfahrtsverband viel Kritik bekommen. Jetzt stellt sich selbst Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) gegen diese Wahrnehmung. „Der Ansatz führt leider schnell in die Irre“, es handele sich um eine relative Größe, die zwar die Spreizung der Einkommen zeige, aber nicht die absolute Armut.

Mit solchen Berechnungen laufe die Politik und die Gesellschaft Gefahr, den Blick für die wirklich Bedürftigen zu verlieren. „Es gibt zum Beispiel mehr illegale Einwanderer, da haben wir es mit wirklicher Armut zu tun.“

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BEHÄLT DAS JOBCENTER BEWUSST HARTZ IV ZURÜCK?

Immer wieder werden Fälle von Hartz IV-Beziehern bekannt, bei denen das Jobcenter Günzburg offenbar willkürliche Entscheiden getroffen hat. Auch zwei Anwälte von Betroffenen vermuten, dass hinter dem Vorgehen der Behörde Methode steckt. Leistungen würden gestrichen, ohne den Sachverhalt gründlich zu prüfen, und Unterlagen mehrfach angefordert. Offenbar will die Einrichtung des Kreises Geld sparen. Beweisen lässt sich das aber nicht.

Jobcenter Günzburg behält Leistungen ein, ohne Sachverhalt gründlich zu prüfen
Die Kritik an der Vorgehensweise des Jobcenters Günzburg reißt nicht ab. Nach dem der Fall einer Hartz IV-Bezieherin durch die Presse ging, der das Amt vorwarf, in einer eheähnlichen Gemeinschaft zu leben, obwohl sie lediglich Untermieterin eines Mannes war, werden immer wieder Fälle bekannt, in denen das Jobcenter unbegründet Hartz IV-Leistungen einbehält. So auch bei einer anderen Frau, die derzeit nur einen verringerten Hartz IV-Regelsatz erhält, da sie angeblich Einkünfte aus einem früheren Gewerbe erzielt. Obwohl sie das Gegenteil anhand von Kontoauszügen beim Jobcenter nachgewiesen hat, beharrt die Behörde auf ihrem Standpunkt. Ihr Anwalt hat nun Untätigkeitsklage erhoben, weil der Widerspruch der Frau drei Monate unbeantwortet blieb.

Die Zeitung berichtet von einem weiteren Hartz IV-Bezieher, der ebenfalls eine unbegründete Leistungskürzung hinnehmen musste. Nach seinen Angaben habe er am 26. Oktober 2009 eine Einladung zu einem Termin im Jobcenter für den 5. Mai desselben Jahres erhalten. In der Folge wurde der Mann vom Amt mit einer Sanktion bestraft, da er nicht zu dem vereinbarten Termin erschien. Er unterstellt der Behörde absichtliche „Urkundenfälschung“ und Manipulation. Der zu unrecht sanktionierte Hartz IV-Bezieher hat mittlerweile eine Petition beim Landtag eingereicht, weil die Staatsanwaltschaft Memmingen trotz seiner Anzeigen nicht gegen den Jobcenter-Chef und gegen den Landrat vorgegangen sei.

Rechtsanwälte kritisieren Vorgehensweise des Jobcenters Günzburg
Auch zwei Anwälte von Betroffenen kritisieren die Vorgehensweise des Jobcenters Günzburg scharf. „Es hat Methode, die Zahlung einzustellen und immer wieder etwas anzufordern“, zitiert die Zeitung Rechtsanwalt Wolfgang Schubaur. Gerd Konrad, der ebenfalls eine Betroffene juristisch vertritt, berichtet gegenüber dem Blatt, dass das Jobcenter „oft Unterlagen haben will, die bereits vorgelegt wurden. Ich vermute eine Taktik, um die Leute mürbe zu machen. Beweisen lässt sich das nicht.“

Zudem seien die vom Amt festgelegten Vergleichspreise für Wohnungen von Hartz IV-Beziehern viel zu niedrig. Das bestätigt auch Thomas Weiand, Vorsitzender des Mietervereins Augsburg und Umgebung, im Gespräch mit der Zeitung: „Die Kosten sind schöngerechnet.“ Derzeit liege die zugelassene Obergrenze bei der Nettokaltmiete abhängig von Ort und Wohnungsgröße zwischen 3,56 und 4,50 Euro pro Quadratmeter. Auch die kalten Nebenkosten, die auf 1,14 bis 1,23 Euro vom Jobcenter festgelegt seien, hätten nichts mit der Realität zu tun. „Wer da etwas findet, soll sich melden“, so Weiand. „Denn zu dem Preis gibt es derzeit nichts. Betroffene sollten das notfalls vom Sozialgericht überprüfen lassen.“ Die Heizobergrenze sei hingegen angemessen und realistisch.

Sozialgericht Augsburg: Jobcenter Günzburg fällt nicht durch negative Bearbeitungsqualität auf
Wie die Zeitung weiter berichtet, ist das Jobcenter zumindest beim Augsburger Sozialgericht noch nicht negativ aufgefallen. „Das Jobcenter fällt weder hinsichtlich der Länge seiner Bearbeitungszeiten noch hinsichtlich der Bearbeitungsqualität negativ auf“, so Ulrike Mayer, Vizepräsidentin des Sozialgerichts. Zudem verfüge es über eine „überdurchschnittliche Vergleichsbereitschaft“.

Berufsbetreuer Thomas Messingschlager gibt gegenüber dem Blatt zu bedenken: „Es gibt Unterschiede bei den Bearbeitern. Man versucht rechtlich korrekt zu sein, das bringt den Betroffenen aber oft Nachteile. Es gibt andere Jobcenter, die kulanter sind und nicht das Gefühl geben, ein Straftäter zu sein.“ (ag)

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HARTZ IV: WEITERBILDUNG LAMA FÜHREN

(Admin: Ich denke, daß es überhaupt keine Betreuung in den Jobcentern gibt. Es ist lediglich eine Verwaltung der Arbeitslosen und eine Kontrolle mit vielen Schikanen, allerdings nur für die Deutschen; die Einwanderer kommen bestens dabei weg. Und diese Maßnahme ist absolut Bananenrepublik oder Absurdistan.)

Schlechte Betreuung in den Jobcentern

17.03.2015

In der aktuellen Folge der Reportagereihe „Team Wallraff“ von RTL wurde am Mittwoch Abend auf die desaströsen Zustände in deutschen Jobcentern aufmerksam gemacht. Demnach sind die Jobcenter-Mitarbeiter stark überlastet. Sie müssten deutlich mehr Hartz IV-Bezieher betreuen, als offiziell vorgesehen sei, heißt es in der Reportage. Günther Wallraff selbst nahm an einer Maßnahme des Jobcenters für Erwerbslose in Süddeutschland teil, bei der Lamas gemeinsam mit Urlaubern spazieren geführt wurden.

Arbeitslosenstatistik wird durch Maßnahmen vom Jobcenter geschönt
Wallraffs Fazit nach seinem Einsatz: Maßnahmen wie Bewerbungstrainings, Motivationscoachings und Lama-Wanderungen seien zum größten Teil sinnlose Veranstaltungen. „Das ist wie eine Art vorsätzliche Körperverletzung, die man an den Leuten begeht“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Sell, der früher selbst ein Arbeitsamt leitete, gegenüber RTL. „Weil man sie reintreibt in eine Situation, die am Ende ihren Zustand oftmals eher noch verschlimmert.“

Dennoch werden Erwerbslose immer wieder in zum Teil absurde Maßnahmen gesteckt. Für das Jobcenter macht das Sinn, weil sie dadurch aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden. Ebenso werden ältere Hilfebedürftige und Krankgeschriebene aus der offiziellen Statistik herausgerechnet. Wallraffs Berechnungen zufolge tauchen zudem weitere 294.000 Personen ohne Job aus unbekannten Gründen nicht in der Statistik auf. Die Zahl der Erwerbslosen, die jeder Jobcenter-Mitarbeiter betreuen muss, ist folglich viel höher als die offiziell vorgesehenen 150 „Kunden“.

Jobcenter-Mitarbeiter betreuen bis zu 500 Erwerbslose
Wallraffs Kollege Torsten Misler hat sich als Praktikant in mehrere Jobcenter eingeschleust und Gespräche mit Arbeitsvermittlern gefilmt. So habe sich Misler zufolge herausgestellt, dass die Jobcenter-Mitarbeiter zum Teil 200 bis 500 Erwerbslose betreuen. Zeit für eine intensive Beratung bleibt dabei kaum. Die Leidtragenden sind einerseits die überlasteten Sachbearbeiter, andererseits aber vor allem die Hartz IV-Bezieher, die häufig nur abgefertigt werden. „Es geht doch hier nur darum, dass die Zahlen stimmen. Der Mensch bleibt hier doch so oft auf der Strecke“, sagt eine Mitarbeiterin in der Reportage. „Bei aller Schönrederei: Da wird nur Arbeitslosigkeit verwaltet. Da passiert nicht wirklich was“, so das Fazit einer anderen Sachbearbeiterin.

Einige Hartz IV-Bezieher müssten mehrere Monate warten, bis ihre Anträge bearbeitet sind und Geld ausgezahlt wird. Grundsätzlich wollten die meisten Arbeitsvermittler aber helfen, so Misler. Vielen hätten jedoch nach Jahren resigniert. Zudem seien viele Jobcenter-Mitarbeiter selbst von Arbeitslosigkeit bedroht, da viele Stellen auf befristeten Arbeitsverträgen beruhten. Das erzeuge viel Frust und Wut bei den Mitarbeitern.

Der Reportage zufolge werden sogar teilweise Unterlagen einfach im Aktenschredder vernichtet, wenn die Überlastung der Mitarbeiter durch die Antragsflut zu groß wird. (ag)

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SCHIMMEL UND DEFEKTE HEIZUNG IN HARTZ IV-WOHNUNG

(Admin: Und weiter gehts mit den schrecklichen Meldungen aus dem Deutschen Land und wie unsere Menschen leben müssen).

Hartz IV: Jobcenter lässt sechsköpfige Familie in maroder Wohnung leben

19.03.2015

Eine sechsköpfige Familie aus Essen muss seit zwei Jahren in einer 83-qm-Wohnung mit groben Mängeln wie einer defekten Heizung und Schimmel im Bad leben. Weder der Vermieter, der abgetaucht ist, noch das Jobcenter helfen der Familie. Über den Fall berichtet die Online-Ausgabe der „WAZ“.

Schimmel und Risse durch Wasserschaden werden nicht beseitigt
Seit sieben Jahren lebt die Familie, die Hartz IV bezieht, in dem Nachkriegsbau in Bredeney. Drei der vier Kinder besuchen eine Schule in der Nähe, Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel sind ebenfalls nicht weit entfernt. Die sechs Essener leben gerne dort – wenn nur die Wohnungsmängel endlich beseitigt würden. Seit zwei Jahren muss sich die Familie mit einer defekten Heizung, mit Schimmel im Bad und Rissen in den Wänden herumschlagen. Denn niemand beseitigt die Mängel. Der Vermieter ist abgetaucht, die Miete, die das Jobcenter übernimmt, wird deshalb jeden Monat direkt an die Bank überwiesen. Zwar ist die Zwangsversteigerung für die Wohnung bereits beantragt, jedoch wurde bislang kein Zwangsverwalter eingesetzt. „Das hätte uns geholfen, denn dieser hätte die gleichen Pflichten wie ein Vermieter“, erläutert Siw Mammitzsch von der Mietergemeinschaft gegenüber der Online-Ausgabe der Zeitung, an die sich die Familie in ihrer Verzweiflung gewandt hat.

Als die Heizung im vergangenen Jahr für mehrere Monate defekt war, ging die Mietergemeinschaft in Vorleistung und bezahlte die dringend notwendige Reparatur. Das war jedoch eine Ausnahme. Der Mieter-Verein bekam das Geld damals in Ansprache mit dem Jobcenter aus den Mietzahlungen zurück.

Jobcenter lässt Familie im Stich
Der Schimmel im Bad und die Risse in den Wänden müssten auch dringend beseitigt werden, aber wer soll die Kosten dafür übernehmen? Ein Gutachter der Mietergemeinschaft erklärte, dass vor einer Schimmelsanierung zunächst ein Leitungsschaden behoben werden muss. Die Familie wandte sich auch an das Jobcenter. Das Amt hält sich jedoch raus. Das sei Privatsache. Mammitzsch hatte angeregt, dass das Jobcenter für die Reparatur der defekten Rohrleitungen in Vorleistung gehen und dafür die Miete einbehalten könnte. Das sei günstiger als ein Umzug in eine andere Wohnung, argumentierte er. Doch das Jobcenter lehnte ab. „Rechtlich ist das nicht möglich. Eine Sanierung der Bausubstanz ist Sache des Vermieters“, so eine Sprecherin gegenüber der Zeitung.
Es scheint, als bleibt der Familie nichts anderes übrig als sich eine neue Wohnung zu suchen. Aber auch das gestaltet sich problematisch, da es kaum größere Sozialwohnungen in Essen gibt. Das Jobcenter muss nur im äußersten Notfall tätig werden, wenn beispielsweise Obdachlosigkeit droht.

Die letzte Hoffnung der Familie ist nun die städtische Wohnungsaufsicht, die Mammitzsch bereits angeschrieben hat. (ag)

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HARTZ IV: ZERSETZUNG IM JOBCENTER

LEO-Linke Erwerbslosengruppe Köln: Zersetzung mit System. Ein Gesprächsprotokoll mit PAP/IFK (Persönlicher Ansprechpartner/Integrationsfachkraft) N. N.

26.02.2015

Zu Beginn spricht N. N. die fünf Stellenangebote an, die er mir mit der Einladung zugesandt hat. Ich teile mit, dass ich mich umgehend beworben und bisher eine Eingangsbestätigung und eine Absage erhalten hätte. I. S. von „Lob und Kritik“ äußere ich, dass ich das Angebot Fachkraft (m/w) ‚Kommunikation und Profil‘“ beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband „sehr passend“ gefunden hätte, mich aber das Angebot „Mitarbeiter für die Stempelproduktion (m/w) / Helfer/in – Druck“ sehr erstaunt habe. Ich frage N. N., warum er mir dieses „Angebot“ (sc.: das ich nicht ablehnen konnte) unterbreitet habe.

N. N. erklärt, ich sei in andere Stellen nicht mehr vermittelbar, er werde mir daher nur noch Helfertätigkeiten vorschlagen bzw. mich „in Maßnahmen stecken“. Als Begründung führt er an, dass heutzutage jeder Arbeitgeber Bewerber googele, und jemanden, der womöglich ein Buch über ihn schreiben werde – ich habe über das von der ARGE großzügig geförderte „Projekt Neue [Prekäre] Arbeit Köln“ bei der Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) ein Buch veröffentlicht: „Die Freiheit des Fahrausweisprüfers, Zwei Jahre im Kölner Kontrolldienst“ (Norderstedt 2011) –, nicht einstelle. Dazu erkläre ich, dass meine Chancen auf Einstellung am größten seien, wo mein Qualifikations- und Persönlichkeitsprofil mit dem Anforderungsprofil übereinstimme, und meine Erfahrungen im Auswahlverfahren für eine Stelle „Restaurierungshelfer“ beim Stadtarchiv – die Fachbereichsleiterin warf mir vor, mir ein eigenes Urteil zum Zustand eines Dokumentes erlaubt zu haben – ja zeigten, dass ich für eine Helfertätigkeit ungeeignet sei.

N. N. erklärt, er habe sich auch gewundert, warum mir die „JobBörse N. N.“ diese Stelle überhaupt vorgeschlagen habe. (Anm.: Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, das Gleiche zu tun.) Ich fahre fort. Ein Arbeitgeber sei „mit dem Klammerbeutel gepudert“, wenn er jemanden einstelle, der nicht auf die Stelle passe, denn mit einer Fehlbesetzung würde niemand glücklich werden. Dann frage ich rhetorisch: „Was glauben Sie, warum der Stempelfirmainhaber prompt eine Absage versandte, als ihm die Bewerbung eines Kunsthistorikers und Buchautors auf eine Helferstelle auf dem Schreibtisch lag?“

Darauf meint N. N., ich hätte meine Qualifikationen verschweigen sollen. (Sehr geehrte Leser, bitte lesen Sie diesen Satz noch einmal, es lohnt sich bestimmt.

Ich berichte, mir habe jmd. geraten, mich als „Bekloppten“ zu bewerben, der gerne stempele, und erinnere N. N. daran, dass ich Kunsthistoriker mit den Nebenfächern Klass. Archäologie und Ägyptologie sowie dem akad. Grad M. A. und Buchautor (im März d. J. wird mein Historischer Roman „Anno Domini IX.“ über die römisch-germanischen Kriege 12 v. – 16 n. Chr. neu aufgelegt werden) sei, und er mir das nicht absprechen könne.

N. N. erklärt, es zähle nicht, dass ich Kunsthistoriker und Buchautor sei, ich müsse Geld verdienen. Er äußert Zweifel, dass ich das als Kunsthistoriker oder Buchautor könne – er trägt seine ‚Literaturkritik‘ vor –, und ergänzt auf meinen Protest: „Ich würde Sie auch zum Putzen einteilen.“ (Sehr geehrte Leser … na, Sie wissen schon.)

Mit einem Finger auf den Tisch klopfend, insistiere ich, dass Art. 1 GG „Würde des Menschen“ unmittelbar gültiges Bundesrecht sei, und er als Behördenmitarbeiter meine Würde zu achten, und nicht i. Ggt. meine Qualifikationen und meine Persönlichkeit zu missachten habe. Darauf erklärt N. N., er werde mir ein Gespräch mit der Standortleitung vermitteln. Außerdem erzählt er mir von einem gescheiterten Unternehmer und ehem. Millionär, der ihm gesagt habe, jede Tätigkeit sei besser, als Hilfe zu beziehen. (Anm.: Das zu meinen, ist gemäß Art. 5 GG „Meinungs- und Pressefreiheit“ ein Menschenrecht.

Ich erkläre, dass ich mich in den Arbeitsmarkt einbringen wolle und daher auch künftig auf Stellen bewerben würde, die zu meinen Qualifikationen passten. Es gebe auch keinen Grund anzunehmen, dass eine Stempelfirma Bewerber nicht googele, oder ein Enthüllungsbuchautor harmloser wirke, wenn er sich auf eine Helferstelle bewerbe.

Nun wirft mir N. N. vor, ich käme mit keinem Arbeitgeber aus, worauf ich thematisiere, an welche Arbeitgeber mich seine Behörde vermittelt habe. Die KVB habe uns Projektteilnehmer genötigt, eine rechtswidrige Fangquote zu erfüllen, und dazu angestiftet, falsche Fahrgastzahlen zu beurkunden, um Subventionen zu erschwindeln. „Klar, dass die mich nicht gebrauchen konnten [und nach zweijähriger Drangsalierung nicht übernahmen].“

Da fragt mich N. N., ob ich mich einmal als Arbeitsvermittler im Jobcenter beworben hätte. Dies bejahe ich; ich erhielt eine Absage. Dann schlägt mir N. N. unter Bezug auf meine Kontakte zu Römerdarstellern vor, sog. Römertreffen zu organisieren, „mehrmals im Jahr, so, dass Sie davon leben können“, und ich schildere meinen Versuch, eine Kölner Römergruppe an die Römertage in Haltern zu vermitteln. Außerdem berichtet mir N. N. von einem Mann, der Veranstaltungsteilnehmer schweigend ansehe, ihnen eine Hand auf die Schulter lege und dadurch ein Gefühl von Geborgenheit gebe. Die Menschen seien bereit, dafür viel Geld auszugeben. Ich soll auch eine Halle mieten und Veranstaltungen machen. Euphorisch ruft N. N. aus: „Think big!“

Ich erinnere an einen Motivationstrainer, der im Gefängnis gelandet sei und Mithäftlinge dazu gebracht habe, Post-its mit Sprüchen wie „Du schaffst es!“ an ihren Toilettenspiegel zu kleben, erkläre mich aber auch gerne bereit, eine berufliche Zukunft als Sektenguru ernsthaft zu prüfen.

N. N. sieht „keinen Sinn“ darin, eine neue sog. „Eingliederungsvereinbarung“ für mich zu formulieren. (Anm.: Der Text ist noch nie mit mir ausgehandelt, sondern mir immer diktiert worden.)

„Getötet zu werden (auch durch die Atombombe) ist bloß Verletzung eines allerdings elementaren Menschenrechts; manipuliert zu werden in dem, was für unsere Persönlichkeit konstitutiv ist, bedeutet die denkbar schwerste Verletzung, um nicht zu sagen, die völlige Verneinung und Vernichtung unserer Menschenwürde“ (Oswald von Nell-Breuning, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Hauptvertreter der Katholischen Soziallehre, 8. 3. 1890 – 21. 8. 1991, zitiert nach dem Duden, Bd. 12 „Zitate und Aussprüche“, Mannheim 1993, S. 681). Ich versichere, dass ich dieses Protokoll nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt habe. Köln am 5. Februar 2015, gez. Enno E. Dreßler, M. A., Kunsthistoriker + Buchautor

Wissenswertes:
Die römische Sklavenfürsorge verbot, dass ein Herr einen philosophisch gebildeten Sklaven eine Treppe fegen ließ, da dies der Würde des Sklaven widersprochen hätte. Ein Sklave, der sich von seinem Herrn misshandelt fühlte, konnte auf seine Würde pochen, sich beim Stadtpräfekten beschweren oder beim Äskulapheiligtum auf der Tiberinsel um Asyl bitten.

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