Folterkammer nur ein Puzzlestück: Erst jetzt zeigt sich die ganze Dimension des Verbrechens

FOCUS Online/WochitSzenen wie aus einem Film: Hier stürmt die Polizei eine Folterkammer der Unterwelt

Die spektakuläre Polizeiaktion in den Niederlanden, als Spezialkräfte ein Gefängnis der Unterwelt mit einer Folterkammer entdeckt und mehrere Personen festgenommen haben, ist nur Teil eines großen Schlags gegen das Organisierte Verbrechen in Europa. In weiteren Ländern kam es zu fast 1000 Festnahmen – koordiniert von Europol.

Ein Container, von innen dick mit silberner Folie isoliert. In der Mitte ein altmodischer Zahnarztstuhl mit Riemen zum Festschnallen der Arme, dazu Handschellen und ein ganzes Arsenal an Werkzeugen, um Menschen zu quälen. Die Entdeckung einer geheimen Folterkammer schockt sogar die hartgesottenen Polizisten des niederländischen Einsatzkommandos: „Fucking hell!“, ruft einer in dem Video, das die Polizei zu dem spektakulären Einsatz am Dienstag veröffentlichte.

Die Polizei hatte potenzielle Opfer rechtzeitig gewarnt. Auch sie waren nach Angaben eines Polizeisprechers Personen aus der Unterwelt, sollten vermutlich unter Druck gesetzt und erpresst werden. Doch noch bevor die Folterkammer genutzt werden konnte, griff die Polizei jetzt zu.

Unterwelt-Boss als Hauptverdächtiger in den Niederlanden

Hinter der in den Niederlanden in Wouwse Plantage in der Provinz Noord-Brabant im Süden des Landes entdeckten Folterkammer in einem Container steckt nach ersten Ermittlungen eine Drogenbande. Hauptverdächtiger sei nach Angaben der „Bild“-Zeitung der 40-jährige Robin van O. Er soll ein Fitnessstudio betrieben haben und zudem in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein. Van O. werde in Utrecht als „Unterwelt-Größe“ bezeichnet, heißt es.

Folterstuhl in einem Container in den Niederlanden.

Folterstuhl in einem Container in den Niederlanden.

Er habe bereits einmal unter Mordverdacht gestanden, als ein 41-jähriger in seinem Haus umgebracht wurde. Auch, als ein verurteilter Mörder verschwand, habe Van O. im Zentrum der Ermittlungen gestanden. Bislang habe ihm die Polizei aber nichts nachweisen können.

Polizei knackt EncroChat-Netzwerk

Aber diese konzentrierte Aktion der niederländischen Polizei ist nur ein kleiner Teil einer international organisierten Verbrecherjagd – orchestriert von Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union mit Sitz in Den Haag koordinierte die Polizei-Einheiten in anderen Ländern.  Bisher war nicht bekannt, wie eng die internationalen Verbrecherorganisationen innerhalb Europas offenbar zusammenarbeiten.

Der Schlüssel zum Erfolg: Cyberspezialisten aus Frankreich knackten den Zugang zu dem inzwischen geschlossenen Netzwerk EncroChat, das vor allem von Tausenden von Kriminellen genutzt wurde. Monatelang konnte die Polizei mit Spezialeinheiten länderübergreifend in verdeckten Ermittlungen Telefon- und Chatgespräche abfangen.

Fast 1.000 Verdächtige wurden in den vergangenen Tagen in England, Frankreich, den Niederlanden, in Schweden und Norwegen verhaftet, berichtet die „Bild“-Zeitung. Es geht um Waffen, Drogen und unglaublich viel Geld. Die Folterkammer, die die Polizei in einem Container auf einem Gehöft entdeckte, stand bereit, in Betrieb genommen zu werden. Entführungen waren geplant. Die Folterutensilien lassen nichts Gutes erahnen. „Wenn ich den auf dem Stuhl habe, dann kommt noch mehr“, hatte einer in einem Chat geschrieben. „Aber der Hund ist spurlos verschwunden.“

Gangster plaudern, wen sie mit Säure übergießen oder einen Arm abhacken

Durch das Hacken der Kommunikation der Gangster hörten die Polizisten alles mit, was die Kriminellen untereinander verabredeten. „Als hätten wir einen Insider in jeder Gangsterbande“, sagte Steve Jupp, Sprecher der britischen Polizeichefs. Sie plauderten über Waffendeals, wen sie mit Säure übergießen oder einen Arm abhacken werden, so die „Bild“-Zeitung. EncroChat sei so etwas wie „wie das WhatsApp des organisierten Verbrechens“, sagte Profiler Mark T. Hofmann laut der Zeitung.

Operation Venetic in England: Rieisger Kokainfund
Operation Venetic“ in England: Rieisger Kokainfund

So konnten die Behörden Auftragskiller auf dem Weg zu ihren Opfern festnehmen, Sondereinsatzkommandos stürmten Häuser und Wohnungen in London, Manchester und Rotterdam. Entsprechend panisch reagierten die Gangster in dem Netzwerk, als sie merkten, dass ihr Kommunikationstool abgehört wird und erste Verhaftungen liefen. Dabei gingen nicht nur kleine Fische ins Netz, der Lockdown trieb die Verbrecher zusammen. Einer der größten Fänge ist Johnny „King Con“ S. aus Belfast. Ein Mann mit 70 Vorstrafen. Man nennt ihn König des Betrugs – ihm sollen Straftaten im Zusammenhang mit den Ermittlungen nachgewiesen worden sein, allerdings sitzt S. bereits im Knast.

„Operation Venetic“: 746 Verdächtige verhaftet

Allein in England wurden bei der „Operation Venetic“ 746 Verdächtige verhaftet, Geld im Wert von 60 Millionen Euro beschlagnahmt, zwei Tonnen Drogen, 77 Schusswaffen. 55 Luxusautos und 73 teure Uhren sichergestellt, berichtet Matt Horne, Vize-Direktor der Nationalen Strafverfolgungsbehörde (NCA) in England.

Ein Maschinenpistole vom Team Skorpion.
Eine Maschinenpistole vom Team „Skorpion“.

In den Niederlanden durchsuchten die Spezialeinheiten bei der „Operation 26 Lemont“ mehr als 20 Wohnungen, Häuser und Lagerhallen – neben der Folterkammer in Wouwse Plantage entdeckten sie 19 Drogenlabore, 20 Millionen Euro und acht Tonnen Kokain, berichtet die „Bild“. 100 Verdächtige nahm die Polizei fest. „Weitere Verhaftungen werden folgen“, sagte Polizeisprecher Andy Kraag in Wouwse Plantage. Verbindungen des Netzwerks nach Deutschland sind bisher noch nicht aufgedeckt worden, aber der größten Schlag gegen das Organisierte Verbrechen in Europa ist noch lange nicht zu Ende.

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cba
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2 Kommentare zu “Folterkammer nur ein Puzzlestück: Erst jetzt zeigt sich die ganze Dimension des Verbrechens

  1. Komisch, daß Deutschland nicht mit aufgelistet ist. Als ob dieses Pack bei uns da nicht mitmacht! Oder sind das hier nur diejenigen, die „unter ferner liefen“ laufenn?!

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