Das Virus verhilft italienischen Mafiabossen zur Halbfreiheit

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Wegen gesundheitlicher Risiken werden Schwerverbrecher aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen.

Andres Wysling, Rom
Ein vom italenischen Staat erlassenes Besuchsverbot löste im März in und vor über 20 Gefängnissen Proteste aus, die offensichtlich orchestriert waren. Yara Nardi / Reuters

Ein vom italienischen Staat erlassenes Besuchsverbot löste im März in und vor über 20 Gefängnissen Proteste aus, die offensichtlich orchestriert waren.

Yara Nardi / Reuters

Sie heissen Francesco Bonura und Vincenzino Iannazzo. Beide sind wegen Mafia-Verbrechen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, doch werden sie aus dem Zuchthaus und aus dem Hochsicherheitstrakt entlassen. Sie sind schon alt oder haben eine angegriffene Gesundheit, ihnen könnte im Gefängnis eine Infektion durch das Coronavirus drohen. Sie dürfen nach Hause fahren, nach Palermo oder nach Lamezia Terme. Im Hausarrest können sie Besuch empfangen, aber nur Leute mit reinem Leumund. Das Haus dürfen sie verlassen, wenn gesundheitliche oder wichtige familiäre Motive es erfordern. So haben es die Haftprüfungsrichter entschieden, entgegen der einschlägigen Gesetzgebung, die jede Haftmilderung für Mafiosi ihres Kalibers ausdrücklich verbietet.

Es sind 750 Schwerverbrecher, unter ihnen hochrangige Mafiabosse, die auf einer Liste des Justizministeriums stehen und jetzt dank dem Coronavirus auf eine vorzeitige Haftentlassung aus Gesundheits- und Altersgründen hoffen können. Natürlich hat der Staat die Pflicht, die Gesundheit der Häftlinge zu schützen. So wurde, um die Ausbreitung des Coronavirus in den Gefängnissen zu verhindern, ein generelles Besuchsverbot erlassen. Dies löste im März in und vor über 20 Gefängnissen Proteste aus, die offensichtlich orchestriert waren. Später wurde die vorzeitige Entlassung von denjenigen Gefangenen angeordnet, die nur noch eine Reststrafe bis maximal 18 Monate abzusitzen hatten. Damit wurde in den chronisch überfüllten Gefängnissen Platz geschaffen – die Maßnahme scheint angemessen und verhältnismäßig.

Nun kommen aber ausgemachte Schwerverbrecher in den Hausarrest und erhalten faktisch viele Jahre ihrer Strafe erlassen. Das führt in italienischen Medien zu lautem Protest. Neben der Seuche des Virus drohe Italien jetzt noch eine neue Mafia-Seuche, schreibt das Magazin «L’Espresso». Die Haftmilderung sei ein Schlag ins Gesicht aller Angehörigen von Mafia-Opfern und auch aller Beamten, die unter grosser Gefahr den Kampf gegen das organisierte Verbrechen führten, meinte ein hochrangiger Richter. Der Staat habe sich durch die Gefängnisaufstände erpressen lassen.

https://www.nzz.ch

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