„Friederike“: Bahn stellt Fernverkehr deutschlandweit vollständig ein – Verletzte und zweites Todesopfer in Nordrhein-Westfalen

„Friederike“ verursacht Chaos: Die Deutsche Bahn hat den Zugverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt. Auch die Schule fällt mancherorts aus. In Duisburg wurden die Bürger mit Sirenenalarm vor dem Sturm gewarnt.
„Friederike“ verursacht Chaos: Die Deutsche Bahn hat den Zugverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt. Auch die Schule fällt mancherorts aus. In Duisburg wurden die Bürger mit Sirenenalarm vor dem Sturm gewarnt.

+++ Newsticker +++

Infolge des schweren Wintersturms „Friederike“ ist in Nordrhein-Westfalen ein zweiter Mensch getötet worden. In Lippstadt im Kreis Soest kam am Donnerstag ein 68-jähriger Lastwagenfahrer bei einem sturmbedingten Verkehrsunfall ums Leben, wie das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg mitteilte. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Auch auch am Niederrhein war ein Mann infolge eines Sturmunfalls gestorben. Der 59-Jährige wurde auf einem Campingplatz in Emmerich-Elten von einem umstürzenden Baum erschlagen, wie die Polizei in Kleve mitteilte. Er starb noch an an der Unglücksstelle.

Bahn stellt Fernverkehr deutschlandweit vollständig ein

Wegen des Sturmtiefs „Friederike“ hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr bundesweit vollständig eingestellt. Fernverkehrszüge bleiben in den Abfahrtsbahnhöfen stehen oder werden in Bahnhöfen unterwegs gestoppt, wie eine Sprecherin des Konzerns am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der Stopp werde voraussichtlich den gesamten restlichen Tag andauern. Es handle sich um eine Sicherheitsmaßnahme, weil etwa umgestürzte Bäume oder andere Gegenstände auf den Gleisen liegen könnten.

Wegen „Friederike“ steht auch der Regionalverkehr der Bahn in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt vollständig still. Das Sturmtief fegt seit Donnerstagmorgen mit hohen Windgeschwindigkeiten vom Westen nach Osten über Deutschland und richtete vielerorts Schäden an.

„Friederike“ fordert Verletzte und mindestens ein Todesopfer

Sturmtief „Friederike“ hat am Donnerstag in Deutschland mindestens ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte gefordert. In Emmerich wurde ein 59-Jähriger auf einem Privatgrundstück von einem umstürzenden Baum erschlagen. Verletzte gab es unter anderem in der Nähe von Köln.

Hier ist am Donnerstagvormittag auf der A 555 in Höhe der Anschlussstelle Wesseling ein Lkw vom Sturm erfasst worden und umgekippt. Die Feuerwehr befreite den eingeklemmten 54-jährigen Fahrer aus seinem Führerhaus. Polizei und Feuerwehr meldeten bundesweit tausende weitere Einsätze. Die Bahn stellte den Fernverkehr zunächst in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz ein, später weitete sie die Sperrungen aus. In Sachen-Anhalt riet die Polizei, dass „alle Menschen, die sich nicht außerhalb von Gebäuden aufhalten müssen“, nicht das Haus verlassen. „Orkanartige Böen bis 200 km/h lassen Bäume, Äste od. Ziegel etc. umherfliegen“, hieß es.

Terminal von Flughafen Paderborn evakuiert

Wegen eines schweren Gebäudeschadens während des Sturms „Friederike“ ist am Donnerstagmittag ein Terminal des Flughafens Paderborn evakuiert worden. Wie die Polizei weiter mitteilte, drohte das Dach des Gebäudes abzuheben. Der Flugverkehr wurde demnach eingestellt.

Auch der Autoverkehr in Nordrhein-Westfalen wurde durch schweren Wintersturm massiv behindert. Mehrere Autobahnabschnitte mussten gesperrt werden, wie der Landesbetrieb Straßen Nordrhein-Westfalen mitteilte.

Vollsperrungen gab es unter anderem auf der A3 zwischen Hünxe und Dinslaken, wo Bäume und Baustellenteile auf der Straße lagen, sowie auf der A4 zwischen der Anschlussstelle Overath und der Raststätte Aggertal.

Zwischen dem Autobahnkreuz Duisburg und Duisburg-Ruhrort wurde zudem die A59 gesperrt. Dort hatte sich ein Lastwagen in einem Brückengeländer verfangen. Den Angaben zufolge droht er, von der Brücke zu fallen und muss nun geborgen werden.

In Köln wurde nach Polizeiangaben eine 48-jährige Autofahrerin schwer verletzt, als ein Baum auf ihren Wagen stürzte. Sie wurde eingeklemmt und musste von Rettungskräften befreit werden. Allein in Köln verzeichnete die Feuerwehr bis zum frühen Nachmittag 525 Sturmeinsätze.

Erstes Todesopfer gemeldet

Während des Sturms „Friederike“ ist am Donnerstag am Niederrhein ein Mann von einem umstürzendem Baum erschlagen worden. Das Unglück ereignete sich auf einem Privatgrundstück in Emmerich, wie eine Sprecherin der Polizei in Kleve mitteilte. Der Mann erlag demnach noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen.

Zudem ist in Hamburg ein 17 Jahre alter Schüler lebensgefährlich verletzt worden. Ein Ast mit etwa 30 Zentimetern Durchmesser habe den Jungen im Stadtteil Winterhude am Kopf getroffen, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Der Schüler erlitt demnach schwere Verletzungen.

Der Ast sei aufgrund von Schneelast in zehn Metern Höhe abgebrochen, erklärten die Beamten. Nach einer Erstversorgung am Unfallort sei der Jugendliche ins Krankenhaus gekommen.

Zugverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt

Wegen des Sturmtiefs „Friederike“ hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt.

In Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz bleibe der Fernverkehr voraussichtlich ganztägig eingestellt, teilte der Konzern am Donnerstagnachmittag mit. Ausgenommen davon seien die internationalen Fernverkehrslinien zwischen Hamburg und Dänemark.

In NRW und Niedersachsen wurde der komplette Zugverkehr eingestellt. In Nordrhein-Westfalen könne dieser heute auch voraussichtlich nicht wieder aufgenommen werden, so die Bahn. Eine Prognose für Freitag sei wegen der umfangreichen Schäden noch nicht möglich.

Verkehrschaos in den Niederlanden

Höchste Alarmstufe und Verkehrschaos in den Niederlanden wegen Orkantief „Friederike“: Der internationale Flughafen Schiphol in Amsterdam hat wegen des Sturms am Donnerstag vorübergehend alle Flüge gestrichen. Das teilte der Airport beim Kurzmitteilungsdienst Twitter mit, kurz nachdem der niederländische Wetterdienst KNMI die höchste Alarmstufe ausgegeben hatte. Auch auf Gleisen und Straßen ging nichts mehr.

Am späteren Vormittag gab es teilweise Entwarnung: Gegen 12.00 Uhr werde der Flugverkehr schrittweise wieder aufgenommen, erklärte der Flughafenbetreiber. Schiphol ist einer der verkehrsreichsten Flughäfen Europas.

Auch der Bahnverkehr in den Niederlanden kam fast vollständig zum Erliegen, Ausnahmen waren lediglich zwei Lokalbahnen bei Groningen und in der Provinz Limburg. Die Bahn kämpfe landesweit mit „einer großen Anzahl von Schäden“, sodass auch nach dem Sturm erst mit Verzögerungen wieder Normalbetrieb zu erwarten sei.

Der Sturm erreichte in Böen Spitzengeschwindigkeiten von 140 Kilometern pro Stunde, am Nachmittag sollten sie abflauen. „Derart starke Windböen bringen Gefahren für Menschen und Verkehr mit sich“, hieß es in einer Erklärung des KNMI.

Die Meteorologen warnten vor umstürzenden Bäumen. Wassersport sei lebensgefährlich. Fischerboote blieben in den Häfen. Zahlreiche Straßen waren durch umgeknickte Bäume und abgerissene Ästen unpassierbar. Der nationale Automobilclub VID warnte vor umgekippten Lastwagen auf Autobahnen, allein bis zum Morgen wurden 25 solcher Lkw-Unfälle gezählt.

Orkantief „Friederike“ sollte im Tagesverlauf auch einen breiten Streifen in der Mitte Deutschlands überqueren.

Stadt Duisburg warnt Bürger mit Sirenenalarm vor Sturm

Mit Sirenenalarm hat die Stadt Duisburg am Donnerstagmittag die Bürger vor den Gefahren durch den schweren Wintersturm „Friederike“ gewarnt.

Zudem trat der Krisenstab der Stadt zusammen, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Die Behörden baten die Menschen in der Ruhrgebietsstadt, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Schüler und Kinder in Kitas sollten bis zur Entwarnung durch die Stadt in den Räumen bleiben.

Die Duisburger Feuerwehr stufte die Sturmfolgen als Großschadenlage ein. Bis zum Mittag meldeten die Helfer 280 Einsätze im gesamten Stadtgebiet.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf berief ebenfalls den Krisenstab ein. Ein Wildpark wurde geschlossen, auf den Friedhöfen fanden wegen der Gefahren durch die schweren Sturmböen keine Beisetzungen statt.

In Köln wurde ein Gesamtalarm für die Freiwillige Feuerwehr ausgelöst. Die Kölner Berufsfeuerwehr forderte darüber hinaus über einen Alarmruf Kräfte an, die dienstfrei waren. Bis zum späten Vormittag verzeichnete die Feuerwehr der größten Stadt Nordrhein-Westfalens gut 300 Einsätze.

Flugverkehr am Airport Köln/Bonn unterbrochen

Das Sturmtief „Friederike“ hat am Donnerstag zu Flugausfällen auf dem Flughafen Köln/Bonn geführt. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) unterbrach den Flugbetrieb um 11.25 Uhr für „vorerst eine Stunde“, wie der Airport mitteilte. „Ab 12.30 Uhr sind Starts und Landungen nach jetzigem Stand wieder bedingt möglich“, hieß es weiter.

Am Mittag fand demnach keine Abfertigung auf dem Vorfeld mehr statt. Vier Ankünfte und vier Abflüge wurden gestrichen, es kam zu Verspätungen.

In Düsseldorf lief der Flugbetrieb vorerst weiter. Laut einem Flughafensprecher gab es 18 Annullierungen. Teils war dies demnach auf stürmisches Wetter an anderen Flughäfen zurückzuführen.

Auch auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen sorgte „Friederike“ für massive Behinderungen. So wurden zwei Rheinbrücken bei Rees und Emmerich bis auf weiteres gesperrt, wie der Landesbetrieb Straßen mitteilte. Auf einer der Brücken war demnach ein Lastwagen umgekippt.

Gesperrt wurde auch die Autobahn 61 zwischen Jackerath und Wanlo. Dort lag ein Lastwagen auf der Seite und blockierte die Bahn in Richtung Venlo.

Zugverkehr in NRW wegen Sturm eingestellt

Die Deutsche Bahn hat den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen wegen des Sturms „Friederike“ bis auf Weiteres eingestellt. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagvormittag mit. Betroffen seien sowohl der Regional- als auch der Fernverkehr.

Auch in anderen Bundesländern kommt es zu Beeinträchtigungen. Unter anderem hat die Bahn wegen „Friederike“ die Höchstgeschwindigkeit ihrer Fernverkehrszüge in den vom Sturm betroffenen Regionen vorsorglich auf 140 Stundenkilometer abgesenkt.

Davon seien zurzeit die Strecken Köln – Frankfurt, Köln – Aachen, Hannover – Berlin, Hannover – Würzburg, Erfurt – Halle/Leipzig, Erfurt – Bamberg und Wolfsburg – Berlin betroffen, teilte die Bahn mit. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte zuvor wegen „Friederike“ vor orkanartigen Böen gewarnt.

Betroffen sind vor allem die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Es sei mit entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln oder anderen Gegenständen zu rechen, so der DWD.

„Friederike“ führt zu Schulausfall

Wegen der befürchteten Auswirkungen des Sturmtiefs fällt am Donnerstag mancherorts auch die Schule aus. Der Landkreis Goslar ordnete für den Oberharz den Ausfall des Unterrichts für alle Schulen im Bereich der Städte Braunlage und Clausthal-Zellerfeld sowie die Einstellung der Schülerbeförderung an.

In Oberfranken ordnete die Regierung einen frühzeitigen Schulschluss an. Alle staatlichen und kommunalen Schulen in dem Regierungsbezirk sollen den Unterricht am Mittag beenden, wie in Bayreuth entschieden wurde. Schüler, die am Nachmittag keine Betreuung haben, können demnach aber in ihren Schulen weiter beaufsichtigt werden.

Derweil mussten im Zusammenhang mit „Friederike“ am Flughafen München 17 Starts und Landungen abgesagt werden. Es handle sich um innerdeutsche Flüge der Lufthansa und Flüge der niederländischen KLM, sagte ein Flughafensprecher. (dts/dpa/afp)

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