Schweden: Mindestens 150.000 Frauen genitalverstümmelt – Tendenz steigend

In Schweden nimmt die Zahl der Frauen und Mädchen mit Genitalverstümmelung dramatisch zu, wie eine neue Studie herausfand.

In this photograph taken on February 20, 2017, toddler Salsa Djafar (C) cries after a traditional healer conducted a circumcision in Gorontalo, in Indonesia's Gorontalo province.
Female circumcision -- also known as female genital mutilation or FGM -- has been practised for generations across Indonesia, which is the world's biggest Muslim-majority country, and is considered a rite of passage by many.  / AFP PHOTO / BAY ISMOYO / TO GO WITH Indonesia-religion-rights-women,FEATURE by Olivia Rondonuwu        (Photo credit should read BAY ISMOYO/AFP/Getty Images)

Mindestens 150.000 Frauen und Mädchen, die Opfer von Genitalverstümmelung wurden, leben heute in Schweden. Die meisten von ihnen kommen aus afrikanischen Ländern, wo es Tradition ist, Mädchen noch vor dem fünften Lebensjahr die äußeren Genitalien zu zerstören.

In der Region Stockholm werden nun große Anstrengungen unternommen, um im Schul- und Gesundheitswesen über das kulturelle Tabu-Thema aufzuklären und zu informieren – zumal die Gefahr besteht, dass auch in Schweden geborenen Mädchen die „Female Genital Mutilation“ (FGM) angetan wird.

Zwar ist die Verstümmelung in Schweden verboten. Falls in einer Familie die Tradition jedoch stark ist, wird das Kind einfach im Ursprungsland „operiert“.

Im Jahr 2015 schätzte Schwedens Nationalkomitee für Soziales die Zahl der FGM-Opfer auf 38.000. Nun zeigt eine neue Studie aus allen Ländern Europas, dass diese Zahl stark untertrieben war. Dem Sender SVT liegt die Studie vor. Er sprach von 150.000 FGM-Opfern in Schweden plus Dunkelziffer. Der Anteil von Migrantinnen aus Somalia und Äthiopien ist in Schweden sehr hoch.

Eine neue Dimension

Die große Zahl der verstümmelten Frauen stellt für Schwedens Gesundheits- und Schulwesen eine neue Herausforderung dar. Ärztinnen haben deshalb eine Aufklärungsinitiative gestartet.

„Wir müssen uns trauen, die Frauen aus diesen Ländern nach ihren Problemen zu fragen und ob sie der Genitalverstümmelung ausgesetzt waren. In Schweden gibt es Hilfe – und davon müssen sie erfahren“, so Bita Eshragi, Ärztin in Schwedens einziger Spezialpraxis für FGM-Opfer.

Sie und ihre Kollegen betreiben nun großangelegte Aufklärung im Schul- und Gesundheitswesen der Region Stockholm.

„Die Frauen, die zu uns kommen haben große Probleme. Wir helfen ihnen, Schäden zu entfernen und ihren Unterleib wieder zu öffnen. Aber es gibt viel mehr betroffene Frauen heutzutage bei uns. Diese Frauen müssen wir entdecken und ihnen zu helfen versuchen“, so Eshragi laut SVT.

Was ist Genitalverstümmelung?

Im Rahmen der Prozedur, die meist ohne Betäubung stattfindet, werden den Mädchen Klitoris und Schamlippen ganz oder teilweise abgeschnitten und ihre Vagina künstlich zugenäht. Ziel ist, die weibliche Sexualität lebenslang zu unterdrücken.

Frauen, die verstümmelt wurden, leiden unter Dauerschmerzen, haben Probleme beim Urinieren und der Menstruation – von Intimverkehr und dem Gebären von Kindern ganz zu schweigen.

Für sie ist dieser Zustand Alltag – und das von Kindheit an. Viele können deshalb gar keinen Zusammenhang mehr herstellen, zwischen dem, was ihnen als Kind angetan wurde und ihrer körperlichen Verfassung. Zumal wenn der Eingriff so früh erfolgte, dass sie sich nicht mehr daran erinnern können.

Falls sie Opfer der „pharaonischen Beschneidung“ wurden, können sie sich nicht einmal normal bewegen. Der Schmerz in Bauch und Unterleib sei einfach zu groß, berichtete SVT.

In Deutschland wurde die Zahl der FGM-Opfer zuletzt auf 50.000 geschätzt.

„Es ist ein Verbrechen. Es ist weder Kulturgut und schon gar keine Tradition“, sagt Waris Dirie, somalisches Ex-Top-Model dazu. Sie widmete ihr Leben dem Kampf gegen FGM.

http://www.epochtimes.de/

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