Ursula von der Leyen und die (r)echte Bundeswehr

NEULICH AUF DER HARDTHÖHE

Bildquelle: flickr.com Urheberrecht: schoschie (CC BY-SA 2.0)

Im großen Saal des Ministeriums findet die monatliche Generalstabssitzung statt. Außer den Generälen der Bundeswehr, der Luftwaffe und der Marine ist natürlich auch Ursula von der Leyen, ihres Zeichens Verteidigungsministerin, anwesend, die hinter vorgehaltener Hand im Allgemeinen nur Drei-Wetter-Taft-Uschi genannt wird. Ihre Frisur sitzt bei jedem Wetter – egal, ob es stürmt oder schneit, regnet oder hagelt.

Rainer Hill

Auch nachdem die versammelten Generäle und deren Sekretäre der Ministerin ein soldatisches „Guten Morgen, Frau Ministerin“ entgegengeschmettert haben, sitzt die Frisur wie immer tadellos.

Mit leicht verstörtem Lächeln, da sie nicht weiß, ob die Generäle sie vielleicht veralbern wollen, murmelt sie ebenfalls ein „Guten Morgen, meine Herren“.

Nachdem alle wieder auf ihren Stühlen Platz genommen haben, fragt Frau von der Leyen nach den Ergebnissen der Säuberungsaktion „We(h)r macht, ich nicht“. Beklommenes Schweigen in der Runde. Die Ministerin verzieht leicht angesäuert das Gesicht und richtet ihre kalten Augen auf den obersten General der Bundeswehr. Nun, dann muss er wohl als Erstes Bericht erstatten.

„Man könnte sagen, die Aktion war ein voller Erfolg, Frau Ministerin, wir haben 43 Kasernen, die die Namen von ehemaligen Wehrmachtskameraden, äh, Wehrmachtsangehörigen tragen, umbenannt. In 175 Kasernen wurden noch alte Gewehre, Handgranaten, Bajonette, Stahlhelme usw. gefunden und, äh, entsorgt, also vernichtet. 267 Soldaten sind fahnenflüchtig, nachdem bei ihnen Bilder von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform auf der Stube gefunden wurden sowie 81 Offiziere, die ein Bild von Marlene Dietrich auf ihrem Schreibtisch stehen hatten. Es gab 1266 Anzeigen wegen Singens diverser Soldaten- und anderer Lieder, wie Lili Marleen, In einem Polenstädtchen, Im Frühtau zu Berge, das Westerwald-Lied und andere.“

Nachdem der Heeresgeneral seinen Rapport vorgelesen hat, schaut er betreten in die Runde und erntet mitleidsvolle Blicke, nur die Ministerin lächelt zufrieden in sich hinein.

„Schön, schön, nun, und wie sieht es bei der Luftwaffe aus?“ fragt sie den Luftwaffenchef.

„Ähnlich“, antwortet dieser. „27 Kasernen umbenannt, 84 Hangars gesäubert und 25 Flugzeuge vermisst, mitsamt deren Piloten, allesamt aus der Staffel Roter Baron, das war Manfred von Richthofen, falls Sie sich erinnern, Frau Ministerin.“

„Ja, ich erinnere mich an Herrn von Richthofen, das war doch der, der vom Trinken immer so eine rote Nase hatte, deswegen hieß er ja auch Roter Baron.“

Der Generalität fällt ausnahmslos die Kinnlade herunter, gefolgt von diversen in der Hosentasche geballten Fäusten.

„Und wie sieht es bei der Marine aus?“ wendet sich die Verteidigungsministerin an den General der Marine.

„Im Grunde auch nicht besser, also ich meine, auch ein gutes Erfolgsergebnis, wenn man es denn so nennen mag. 19 Kasernen bereinigt, Waffen und andere Devotionalien gefunden und entfernt, und ähm…“, der General stockt in seinem Bericht.

„Jaaa?“, fragt die Ministerin.

„Sieben U-Boote sind im wahrsten Sinne des Wortes abgetaucht und werden seitdem vermisst.“

„Gut, dann sparen wir uns wenigstens die Suche nach einem neuen Namen. Schreiben Sie in Ihrem Bericht: Im Einsatz vermisst. – Und nun, meine Herren“, fährt die Verteidigungsministerin fort, „während Sie Ihre Häuser von den Resten der schändlichen deutschen Geschichte gereinigt haben…“ (die Gesichter einiger Generäle bekommen eine ungesunde rötliche Färbung, während bei anderen ein unerklärlicher Hustenreiz einsetzt) „…während Sie also unserer Aktion zum Erfolg verholfen haben, war auch ich nicht untätig. Vor Ihnen liegt ein neuer Katalog für Bundeswehruniformen aller Waffengattungen. Sie werden sehen, dass ich mich auch weiterhin dafür einsetzen werde, die Bundeswehr familienfreundlicher zu gestalten. Bei den Uniformen für die Damen gibt es jetzt auch Umstandsuniformen, für die Marine Taucheranzüge für schwangere Kampftaucherinnen, aus extra dehnbarem Latex, äh Neopren, und auch an den süßen kleinen Nachwuchs unserer Soldatenfamilien habe ich gedacht, Babystrampler in Tarnfarben oder schlichtem Oliv, Marineblau, usw. etc.“

Bei der Generalität wechseln mittlerweile die Gesichtsfarben von Aschfahl über leicht Blau zu Rot. Ein Oberst und ein Major (nur als Sekretär anwesend) müssen wiederbelebt werden und die Sitzung wird für eine Viertelstunde unterbrochen.

Nachdem man sich wieder einigermaßen gefangen und beruhigt hat, geht die Runde weiter.

„Kommen wir also zum letzten Tagesordnungspunkt: dem Personal, also der Truppe. Meine Herren, ich stelle mit Erschütterung fest, dass es uns seit dem Aussetzen der Wehrpflicht an Freiwilligen mangelt. Das Problem ist, dass wir unsere Einsatztruppen nicht mit genügend Soldaten unterstützen können, und da habe ich mir etwas einfallen lassen.“

Beifallheischend blickt die Verteidigungsministerin in die Runde. „Da wir unsere Bundeswehr künftig auch für die, die noch nicht so lange hier leben, öffnen wollen, sollten wir massive Werbekampagnen bei unseren Neubürgern starten. Machen wir den Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Hunger und Not aus ihren Ländern, also vornehmlich aus Syrien, geflüchtet sind, das Angebot, in unsere Bundeswehr einzutreten. Wie Sie alle wissen, handelt es sich dabei meist um junge kräftige Männer, die Frauen und Kinder zu Hause in den Krisengebieten zurückgelassen haben, um hier ein neues Leben zu beginnen. Ich bin davon überzeugt, dass diese Männer bereit sind, ihre neue Heimat zu verteidigen.

Ich fordere Sie auf, sich zu diesem Thema ein paar konstruktive Gedanken zu machen. Vielen Dank für Ihr heutiges Erscheinen und wir sehen uns dann nächsten Monat wieder. Mit guten Vorschlägen, wie ich hoffe. Auf Wiedersehen.“

Mit diesen Worten rafft Frau von der Leyen ihre Unterlagen zusammen und rauscht aus dem Konferenzraum. Zurück bleibt der gesamte Generalstab, teils mit offenem oder aber zugekniffenem Mund, teils mit geschlossenen Augen, manche hatten auch Tränen im Gesicht.

Am Abend desselben Tages haben sieben Generäle ihren Rücktritt eingereicht, drei haben sich nach alter Tradition eine Kugel in den Kopf gejagt, und vier weitere befinden sich auf der Flucht ins Ausland.

Und die Verteidigungsministerin? Die steht auf dem Balkon ihres Dienstzimmers auf der Hardthöhe und lässt sich den Wind um die Nase wehen, mit der rechten Hand fährt sie sich sanft über die Haare… die Frisur sitzt.

Hinweis (da inzwischen ja schon notwendig in der BRD): Das ist ein Satire-Artikel.

https://buergerstimme.com

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