Zbigniew Brzezinski: Visionär der Neuen Weltordnung verstorben (Video)

27. Mai 2017

Der damalige Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, ist tot. Er starb im Alter von 89 Jahren in Falls Church im US-Bundesstaat Virginia, wie seine Tochter Mika Brzezinski Freitagnacht in den sozialen Netzwerken mitteilte. Er sei der inspirierendste Vater gewesen, den ein Mädchen je hätte haben können, schrieb sie.

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter hat seinen verstorbenen damaligen Nationalen Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski gewürdigt. Dieser sei ein «hervorragender Staatsdiener» gewesen, «brillant, engagiert und loyal», liess Carter in einer Stellungnahme in der Nacht zu Samstag mitteilen (David Rockefeller ist im Alter von 101 Jahren gestorben).

Der in Warschau geborene Brzezinski war in Kanada und den USA ausgebildet worden. Als er die Aufmerksamkeit von US-Politikern auf sich zog, galt er bereits als ausgewiesener Kommunismus-Experte. In den 1960er Jahren war er als Berater für John F. Kennedy tätig, auch in der Johnson-Regierung arbeitete er.

1976 bot ihm Carter den Job als Sicherheitsberater an. Den Posten des Aussenministers hatte Brzezinski abgelehnt, weil er dachte, im Weissen Haus an der Seite von Carter effektiver arbeiten zu können. Die Krise um die Geiselnahme von Teheran, die 1979 begann, führte schliesslich zu einer militärischen und politischen Demütigung der US-Regierung – sowie Carters Wahlniederlage gegen Ronald Reagan.

Doch Brzezinski galt auch noch Jahre danach als Vordenker seiner Zeit und veröffentlichte Bücher zu geopolitischer Strategie und politischen Systemen.

Die einzige Weltmacht

„Ein Buch, das man lesen und ernst nehmen sollte.“ Helmut Schmidt Ende des 20. Jahrhunderts hat sich gezeigt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika die einzige noch verbliebene Supermacht sind: Keine andere Nation besitzt eine vergleichbare militärische und ökonomische Macht oder verfolgt Interessen, die den ganzen Globus umfassen.

Doch die entscheidende Frage in Bezug auf Amerika bleibt unbeantwortet: Welche globale Strategie sollten die USA verfolgen, um ihre Vormachtstellung in der Welt zu bewahren?

Brzezinski geht in seinem enthüllenden Buch dieser Frage offensiv nach. In Die einzige Weltmacht präsentiert er seine geostrategische Vision der amerikanischen Vorrangstellung im 21. Jahrhundert. Von zentraler Bedeutung ist bei seiner Analyse die Machtausübung auf dem eurasischen Kontinent, Heimat des größten Teils der Weltbevölkerung, der bedeutendsten Bodenschätze und Wirtschaftstätigkeiten.

Eurasien ist das „große Schachbrett“, auf dem die amerikanische Vorherrschaft in den kommenden Jahren bestätigt und herausgefordert werden wird.

 

Laut Brzezinski stehen die Vereinigten Staaten vor der Aufgabe, die Konflikte und Beziehungen in Europa, Asien und dem Nahen Osten so zu managen, dass keine rivalisierende Supermacht entstehen kann, die die Interessen und den Wohlstand der USA bedrohen kann.

So erklärt er zum Beispiel, warum Frankreich und Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien und Japan eine geostrategische Schlüsselrolle spielen werden. Warum Amerika nicht nur die erste wirklich globale Supermacht ist, sondern auch die letzte. Brzezinskis überraschende Schlussfolgerungen stellen viele herkömmliche Auffassungen auf den Kopf, wenn er eine neue und stringente Vision der internationalen Interessen Amerikas entwirft.

Zbigniew Brzezinski liefert einen geopolitischen Leitfaden für den Erhalt und die Ausübung der globalen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten (Angst vor einer „post-westlichen“ Weltordnung: Die transatlantischen Eliten verfallen in Panik (Videos)).

Brzezinski suchte nach einem Weg, die Führungsposition der USA auf Kosten Russlands und Chinas beizubehalten

Die amerikanische Elite ist gezwungen, die in großem Maßstab auftretenden Veränderungen in der Welt anzuerkennen. Die Staaten sehen ihre derzeitige Schwäche, die globale Dominanz zu erhalten und sind auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Position der stärksten Macht weiterhin zu sichern. Darüber schrieb Zbigniew Brzezinski in seinem neuen Programm im April 2016. Die globale Führung Amerikas will er wieder auf Russlands Kosten gewährleisten.

Der Artikel von Zbigniew Brzezinski in „The American Interest“ heißt „Auf dem Weg zur globalen Umgestaltung“ in dem er auch sein bald erscheinendes Buch angekündigt hat. Einer der einflussreichsten amerikanischen Geopolitiker skizziert hier seine Vorstellungen der Konturen einer neuen Weltordnung.

Seine wichtigste Forderung: Die USA müssen selbst die Bildung eines neuen Gleichgewichts der Kräfte initiieren, ohne ab zu warten, bis die Welt sich ins Chaos stürzt. Brzezinski fordert, das schon jetzt zu tun um den beabsichtigten „Umbau“ in den nächsten zwanzig Jahre durchführen zu können.

Es geht um eine umfassende Transformation der Weltordnung. Herr Brzezinski, wie es sich für Geopolitiker versteht, arbeitet hier mit solchen Begriffen wie Kontinente, Kulturen, Zivilisationen und Jahrzehnten.

Dabei gibt der ehemalige Berater des Präsidenten für nationale Sicherheit (1977-1981) jetzt Obama Tipps , betont aber speziell „die Vereinigten Staaten sind nicht mehr eine Großmacht im Weltmaßstab“. Das hat bereits Herr Kissinger erkannt und auch schon früher Z. Brzezinski in seinem vorigen Buch „Strategische Sicht“, das vor vier Jahren erschien. Aber nun geht er noch weiter (Was die „Fake News“-Hysterie mit Robotern, Donald Trump und dem Ende der Geheimen Weltregierung zu tun hat!).

Nannte Herr Brzezinski 1997 Russland noch ein „Schwarzes Loch“, das im Idealfall in drei Teile zerfallen sollte und es schien ihm, dass die USA durchaus so wirksam handeln könnten, in Eurasien eine Kraft zu verhindern, die fähig ist, die US-Herrschaft  zu beenden, fordert er jetzt bereits im Nahen und Mittleren Osten zusammen mit China und Russland zu handeln. Wer das Eurasische Herzland steuert, der besitzt die Welt; daher die Furcht der Atlantiker vor der Möglichkeit der Bildung einer Achse Berlin – Moskau – Peking.

Das wichtigste Element seines neuen Konzepts ist ein Dreieck „USA – Russland – China“, mit dem der Professor versucht eine magische Formel der neuen Weltordnung zu finden. Das ist ein Versuch, eine neue Weltordnung zu konstruieren, in dem die USA mithilfe des Nahen Ostens und Europa die Bildung einer russisch-chinesischen Allianz verhindern sollen. Aber zunächst über die Diagnose, von der Brzezinski ausgeht, wenn er seine Rezepte verschreibt (Die elitäre Vision einer ‚Neuen Weltordnung‘ ohne Besitz, Privatsphäre und Freiheit (Videos)).

 

Fünf sogenannte Realitäten, die seiner Meinung nach auf eine bereits laufende Umverteilung der Kräfte in der Welt hinweisen

Erstens, die USA bleiben der stärkste Staat, sind aber, „angesichts der komplizierten geopolitischen Veränderungen des regionalen Gleichgewichts der Kräfte nicht mehr die stärkste Großmacht im Weltmaßstab“. Aber auch keine der anderen großen Mächte ist das, sagt Herr Brzezinski.

Zweitens, Russland durchliefe „die derzeit letzte imperiale Phase der Rückbildung und der Dezentralisierung“, das heißt, würde anstelle des Russischen Reiches zu einem russischen Nationalstaat. Nach dem pro-atlantischen Putsch in der Ukraine glaubt Brzezinski sein Behauptung bestätigt zu finden, dass ohne die Anbindung der Ukraine Russland kein Reich mehr sein wird. Wir werden aber daran erinnern, dass der Kampf um die Ukraine noch lange nicht vorbei ist, schauen wir jedoch zuerst an wie der US-Pole Brzezinski den aktuellen Zustand des „beseitigten Reiches“ einschätzt:

„Ein schmerzhafter Prozess, aber das bedeutet nicht, dass Russland nicht letztlich (wenn es vernünftig handelt) Funktionen einer der führenden europäischen Nationalstaaten haben kann. Jetzt aber verdirbt es sich völlig nutzlos die Beziehungen und stößt die ehemaligen Subjekte des islamischen Südwestens seines einst riesigen Reiches, sowie die Ukraine, Weißrussland und Georgien von sich weg – ganz zu schweigen von den baltischen Ländern“.

Das heißt, zu einem nationalen Staat geworden, wird die Russische Föderation zum wichtigsten europäischen Staat. Aber über Europa ein wenig später.

Der Dritte Faktor bestände darin, dass China sich stetig gleich zum potentiellen Feind der USA für die Zukunft weiterentwickelt.

Europa ist keine globale Macht und wird es in Zukunft kaum werden: dies ist nach Herrn Brzezinski der vierte Faktor. Es ist klar warum: für die Atlantiker ist Europa ein Junior-Partner und soll es auch in Zukunft bleiben. Bei Brzezinski klingt es so:

„Europa ist in politischer und kultureller Hinsicht ein Verbündeter der USA und unterstützt deren grundlegende Interessen im Nahen Osten; Die Standhaftigkeit Europas im Rahmen der NATO hat eine wesentliche Bedeutung für die konstruktive Lösung der Zukunft der russisch-ukrainischen Krise“.

Und schließlich, unterstreicht Brzezinski als den fünften Faktor:

„was derzeit als politisches Erwachen in den post-kolonialen muslimischen Ländern zu beobachten ist, ist zum Teil eine verspätete Reaktion auf ihre manchmal harte Unterdrückung, vor allem seitens der europäischen Länder“.

In dieser Reaktion spielt eine wichtige Rolle das starke Gefühl von Ungerechtigkeit und ihre religiöse Motivation, die eine große Zahl der Muslime gegen die Außenwelt vereint.

Ausgehend von diesen „fünf Realitäten“ fordert Herr Brzezinski die USA auf,

„die Führung bei der Veränderung der globalen Machtverhältnisse so zu übernehmen, dass die Gewalt, die in der muslimischen Welt und manchmal über seine seine Grenzen (die vielleicht später wird auch aus anderen Ländern, den Teil der so genannten Dritten Welt kommen) hinaus ausbricht, ohne Verletzung der Weltordnung zurückgehalten wird“.

Das heißt, einfach gesagt, eine Konstruktion zu schaffen, in der die Großmächte den Aufstand der islamischen Welt und der sich zu ihr gewandten Länder Asiens und Afrikas zurückhalten können.

 
Die Strategie zum Aufbau einer neuen globalen Sicherheitsarchitektur beschreibt Brzezinski auch in fünf Punkten

Erstens, um „wirksam, der vorhandenen Gewalt im Nahen Osten entgegen zu stehen“ braucht Amerika eine Koalition, „in denen in unterschiedlichem Ausmaß unter anderem Russland und China einbezogen werden“.

Das erinnert auffallend an den Vorschlag von Putin, den er auf der UN-Vollversammlung im vergangenen September machte: Nur bot der russische Präsident an, eine gleichberechtigte Koalition für den Kampf gegen ISIS und für den Widerstand gegen Terrorismus im Allgemeinen zu erschaffen. Aber bei Herrn Brzezinski gibt es einen wesentlichen Unterschied: eine solche Koalition müssten die USA schaffen und dabei sollten sie im Wesentlichen China und Russland die Bedingungen dafür diktieren.

Und während die USA „China nur davon überzeugen müsse, dass selbstsüchtige Passivität unter den Bedingungen der sich schnell entwickelnden regionalen Krise im Mittleren Osten politisch und wirtschaftlich für die Umsetzung seiner Ambitionen auf der internationalen Bühne nicht vorteilhaft wäre“, das heißt, China zu überreden, die Folgen des Chaos, das in vieler Hinsicht durch westliche Einmischung in die islamische Welt entstanden ist, zu beseitigen, dann müssten an Russland strengere Anforderungen gestellt werden.

„Russland muss zunächst davon überzeugt werden, Handlungen der einseitigen Anwendung von Gewalt gegen seine Nachbarn aufzugeben, insbesondere gegenüber der Ukraine, Georgien und der baltischen Länder.“

Worum geht es, wenn man es in klaren Worten sagt? Darum, dass Moskau akzeptieren muss, dass die Länder des postsowjetischen Raumes unter atlantisches Protektorat stehen. Auf wundersame Weise wird im Kopf des Herrn Brzezinski die Abgabe historischer Einflusssphären Russlands an die USA zugleich damit gekoppelt, dass auch im Nahen Osten ausschließlich nach amerikanischen Regeln gespielt wird.

Doch die Erklärung dafür findet man in der Logik seiner geopolitischen Analyse, was sich aus dem zweiten Punkt seiner Strategie ergibt.

Laut diesem wird

„Russland zum ersten Mal in seiner Geschichte wirklich ein Nationalstaat, das ist außerordentlich wichtig und gleichzeitig nicht mehr wirklich ernst genommen.“

Brzezinski erklärt, dass nach dem Zusammenbruch der UdSSR

„Republiken mit nicht-russischer Bevölkerung entstanden und sich in formal unabhängige Staaten verwandelten, die jetzt ihre Unabhängigkeit stärken. China und der Westen nutzen diese neue Realität in verschiedenen Regionen und jeder auf seine Weise zum Nachteil Russlands.“

Es ist klar, dass in erster Linie die Rede von der Ukraine ist, die die USA/EU-Staaten mit allen Mitteln versuchen aus der Russischen Welt herauszureißen, aber auch von Zentralasien, in dem sich China wie Herr Brzezinski laut vor sich hin denkt, mit gleichen Absichten, wenn auch in einer milderen Form, beschäftigt.

Der Wunschtraum der Wiederauferstehung von russisch-chinesischen „Unverträglichkeiten“ (die die Atlantisten dringend für die Verhinderung der Bildung einer drohenden eurasischen Hegemonie brauchen) ist überhaupt einer der Wichtigsten Aspekte im geopolitischen Denken des Herrn Brzezinski.

Er „liebt“ diesen Traum so innig (weil es Ende der 70er Jahre, als er selbst höchstpersönlich die Außenpolitik der USA mitbestimmte, eine Verschärfung der Beziehungen zwischen Moskau und Peking wegen Kambodscha und Afghanistan gab), dass ohne diese „Unverträglichkeiten“ ein großer Teil seines aufgestellten Hypothesen-Gebäudes einfach zusammenbrechen wird.

Deswegen schlägt in diesem Fall Brzezinski Russland den Weg nach Westen vor, vorgeblich als objektive Betrachtung zwecks Förderung ureigenster russischer Interessen, obwohl klar ist, dass es ihm nur darum geht, die (weitere) russisch-chinesische Annäherung zu verhindern:

„Inzwischen hängt die Zukunft Russlands von seiner Fähigkeit ab, wichtiger und einflussreicher Nationalstaat in der neuen Zusammensetzung eines zu vereinigenden Europas zu werden. Wenn dies nicht geschieht, dann ist dies äußerst negativ für die Fähigkeit Russlands, dem wachsenden räumlich-demographischen Druck seitens China zu widerstehen.“

„Rettet Euch vor China, geht zu Europa!“ Dabei ist es nicht wichtig, ob als führender europäischer Staat, oder einfach als wichtiger Staat in der Zusammensetzung eines geeinten Europas. Es ist klar, worum es ihm geht: Russland verzichtet auf imperialen Ehrgeiz, Bedingung für seine Existenz als Großmacht, und wird ein gewöhnlicher europäischer Nationalstaat und tritt der Europäischen Union bei.

Und was ist damit, dass gemäß Herrn Brzezinski, Europa immer noch der Juniorpartner der USA bleiben muss und überhaupt keine ernsthafte selbständige Rolle in der Weltpolitik spielt?

Bitte hier weiterlesen:

https://www.pravda-tv.com/2017/05/zbigniew-brzezinski-visionaer-der-neuen-weltordnung-verstoben-video/

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