NSU-Komplex: Die Kindersex-Spur

Bildquelle: http://kein-freiwild.info/

von Benjamin Blibèche | 13. December 2016

Spätestens seit im Oktober 2016 DNA-Spuren der 2001 entführten Peggy Knobloch in der Nähe eines mutmaßlichen NSU-Verstecks gefunden wurden, wird das rechtsradikale Netzwerk mit Pädophilie-Vorwürfen in Verbindung gebracht. Aber auch unabhängig von diesem Fund verdichten sich die Hinweise.

Weitere Indizien ergeben sich bspw. aus Zeugenaussagen, nach denen Zschäpe bzw. Böhnhardt oder Mundlos im Beisein von Kindern gesichtet wurden. Ebenso wurde etwa im Wohnmobil, in dem die beiden Uwes tot aufgefunden wurden, Kinderspielzeug gefunden. Und auch in der Wohnung in Zwickau soll sich Spielzeug befunden haben.

Kinderschändung unter den Augen des Staates

Als ein wesentlicher Ausgangspunkt der Ermittlungen gilt jedoch die Personalie Tino Brandt: Der ehemalige V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes wurde 2014 wegen Kindesmissbrauchs, Kinderprostitution und ähnlichen Delikten in 66 Fällen zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Brandt gestand im Prozess einen Kindersex-Ring unterhalten zu haben.

Die entscheidende Frage bleibt; nämlich wie Brandt und andere aus dem Umfeld des NSU über Jahre hinweg derart abscheuliche Aktivitäten unter den Augen des Staates ausführen konnten.

Verstrickung von Politik und organisierter Kriminalität

Der Münchener Anwalt Yavuz Narin führt dazu während einer Podiumsdiskussion aus, „dass sich diese Missbrauchs-Fälle zum Teil auch in die Politik in Thüringen hinein erstrecken.“ Dies geht soweit, dass unter anderem von einer „Päderasten-Szene“ und „gegenseitigen Erpressungsverhältnissen“ gesprochen wird. Konkrete Namen und Verdachtsfälle will der Anwalt demnächst auch direkt in den Prozess mit einbringen.

Sollten sich diese Vorwürfe bewahrheiten, erscheint der NSU-Komplex in einer ganz neuen Dimension, was die Verstrickung von Staatsorganen, V-Leuten und organisierter Kriminalität betrifft. Nach jetzigem Stand der Dinge scheint hier jedenfalls ein Sumpf ebenso ungeahnten wie erschütternden Ausmaßes vorzuliegen, der weit über den Rechtsterrorismus hinausreicht.

Quellen:

1.)Fünf Jahre NSU – Aufklärung unerwünscht? Podiumsdiskussion vom 03.11.2016 mit Yavuz Narin, Dorothea Marx, Andreas Förster, Prof. Dr. Hajo Funke / Friedrich-Ebert-Stiftung, Erfurt

[Link zur Veranstaltung (Teil 3/3, Publikumsfragen): https://www.youtube.com/watch?v=ckeg-B6Srk0]

2.) Berliner Zeitung: http://www.bz-berlin.de/deutschland/im-nsu-umfeld-gab-es-immer-wieder-hinweise-auf-kindesmissbrauch

http://www.neopresse.com/

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