Die Öffentlich-Rechtlichen machen eine Umfrage – und verschweigen die Ergebnisse

23. November 2016 von Niki Vogt

23. November 2016 (von Niki Vogt) Protestierer halten Schilder hoch „Lugenpresse!“. Fernsehbilder von Großdemonstrationen flimmern in die deutschen Wohnzimmer und bringen den Zorn des Volkes in die gute Stube der Bundesbürger. Es ist aber nicht Pegida oder Anti-TTIP-Demo in Deutschland, und auf dem „ü“ von „Lügenpresse“ fehlen die Pünktchen. Es ist ein Protestplakat aus den USA. Ein neuer, deutscher Begriff hat den Sprung über den großen Teich nach Amerika geschafft. Der neue Wortimport nach „Rucksack“ und „Blitzkrieg“, Begriffe, die prägend für die Zeit vor 1945 waren, wurden in der Besatzungszeit nach 1945 vom „doitschen Froilain“ abgelöst, mit dem Aufblühen des Wirtschaftswunders kamen freundliche Begriffe wie „Kindergarten“ und „Butterbrot“ aus einem friedlichen Deutschland zufriedener Bürger als Wortmigranten in den US-Wortschatz und integrierten sich. Bezeichnenderweise folgte in den letzten Jahren „German Angst“ und neuerdings „Lugenpresse“.Lange focht das die Deutungseliten in Politik und Medien nicht an. Die da herumschimpften waren ja nur Wutbürger, Pack, Dumpf-Rechte (Rechte sind immer dumpf, egal wie intellektuell sie sind), braune Esoteriker oder Anhänger kruder Verschwörungstheorien. Auch Verschwörungstheorien sind grundsätzlich „krude“. Das ist eigentlich ein Wort – so, wie „Gutebutter“.

Die Medien begannen, die Kritik an ihrer einseitigen Berichterstattung, ihrem Totschweigen, ihren Diffamierungen, ihren Verdrehungen und Vertuschungen und Falschberichten, ihrer Hofberichterstattung für die abgehobene Politikerkaste umzumünzen in Beleidigungen und Unterstellungen gegen die Bürger. Die Nazikeule hatte wieder Hochkonjunktur. Doch es half nicht mehr viel.

Spätestens nach der medialen Katastrophe in der US-Wahlnacht mußten selbst die verbissensten Hofschranzen Berlins zugeben: So krude waren die Analysen der Alternativen nicht. Schon Wochen und Monate vorher war man sich in der verpönten Systemkritikerszene einig: Daß Clinton gewinnen würde, war noch lang nicht ausgemacht. Journalisten wie Gerhard Wisnewski waren sogar ganz sicher, daß Trump gewinnen würde.

Angesichts dieses Debakels, unaufhaltsamer Leser-, Zuschauer- und Abonnentenverluste der Mainstreammedien, daraus resultierenden Stellenstreichungen in den Medienhäusern, angesichts wütender Zahlungsverweigerer wegen bösartiger Hetzpropaganda in den öffentlich-rechtlichen Sendern, angesichts des massenhaften Zulaufes systemkritischer Medien wollten es die GEZ-abpressenden Sender dann doch mal wissen: Wie denken und fühlen denn die Zuschauer, insbesondere die jungen Zuschauer? Was halten sie von den Medien? Die Generation „What?“. Wie sehen die die Dinge? Es wächst die neue Generation Medienkonsumenten heran. Sind diese für die Mainstreammedien zu gewinnen? Ambivalent? Ablehnend? Was wollen die? BR, SWR und ZDF starteten eine Umfrage.

Junge Menschen haben wenig Vertrauen in Politik, Kirche, Medien: Neue Ergebnisse der "Generation What?"-Umfrage von ZDF, BR und SWR

Umfrage des BR, des SWR und des ZDF bei der Generation „What?“ Quelle: „obs/ZDF/BR“

Die Webseite „Presseportal“ faßt das Ergebnis kurz und knapp zusammen: „Die allgemeine Politikverdrossenheit in der Gesellschaft macht auch vor jungen Menschen nicht halt. Nur ein Prozent vertraut der Politik völlig, 27 Prozent immerhin mehr oder weniger. Demgegenüber stehen 71 Prozent, die kein Vertrauen in die Politik haben.“

Dieses Ergebnis ist nichts anderes als ein Tritt in’s Gesäß der politisch-medialen Nomenklatura und die Haustür ins Kreuz geknallt. Das Establishment der BRD hat fertig. Bezeichnenderweise wurden bei der Umfrage der Sender im Prinzip dieselben Fragen einmal in Bezug auf die Medien und die Politik gestellt – mit fast identischen Abstimmungsergebnissen. Daher darf man mit Fug und Recht davon sprechen, daß sowohl das politische Establisment und die Mainstreammedien als auch die jungen, deutschen Bürger dieses eng verflochtene System als „politisch-medialen Komplex“ einstufen, indem beide Partner zu ihrem gegenseitigen Schutz und Vorteil handeln, um sich gemeinsam Staat und Bürger zur Beute zu machen. Entsprechend fielen die Ergebnisse aus.

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64% der Befragten haben überhaupt kein Vertrauen in die Medien. 32% sind unentschlossen oder haben nur einigermaßen Vertrauen, ganze 4% vetrauen den Medien völlig. „Armutszeugnis“ wäre hier ein Euphemismus. Das ist ein katastrophales Ergebnis.

Dieselbe Frage in Bezug auf die Politik kann dieses Desaster aber noch in den Schatten stellen. Zwar trauen auch der Politik 64% der jungen Leute „überhaupt nicht“(!), aber „völliges Vertrauen“ haben nur noch ganze 2% der jungen Leute! Das ist genau die Hälfte des unverzagten Resthäufchens derer, die noch den Medien vertrauen.

Kann man angesichts solcher Zahlen eigentlich dann überhaupt noch von einer Demokratie als Staatsform sprechen? Und woher will Frau Merkel dann eigentlich ihre Umfragewerte nehmen, derer zufolge eine Zweidrittelmehrheit der Deutschen sie wieder als Kanzlerin sehen will? Gut, diese Umfragewerte wurden von einem von der Politik bezahlten Meinungsforschungsinstitut ermittelt und von den Mainstreammedien veröffentlicht, das läßt Raum für Vermutungen.

Interessant auch, daß die jungen Leute eher noch der Bundeswehr mit 9% völlig vertrauen (59% überhaupt nicht), der Justiz mit 13% (39% überhaupt nicht), der Polizei sogar mit 19% völlig  (30% überhaupt nicht).

Noch vernichtender fallen die Zahlen beim Vertrauen in religiöse Institutionen aus. 81% trauen religiösen Institutionen überhaupt nicht, nur 2% vertrauen ihnen völlig.

Aber auch die soziale Ungerechtigkeit, die berühmte Schere zwischen „denen da oben“ und „uns hier unten“ zeigt, daß es eine große und brandgefährliche Unzufriedenheit unter der jungen Generation gibt. In den zwei Fragen vorher hatten die Befragten der Aussage „Es gibt zuviele arme Menschen“ mit 89% zugestimmt und der Aussage „Es gibt zuviele reiche Menschen“ zu 70% zugestimmt. So etwas ist ein Gradmesser für ein als zunehmend ungerecht und ausbeuterisch empfundenes System und revolutionäres Potential:

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Ebenfalls interessant, was sich aus der Wertung der beiden Statements „Politiker haben heute keine Macht mehr“ und „Das Finanzsystem bestimmt die Welt“ für Rückschlüsse ziehen lassen. Daß die deutsche Jugend und junge Erwachsene eine solche Konvergenz politischer Macht und totaler Weltmacht des Finanzsystems in solcher Deutlichkeit sehen, kann wohl ebenfalls kaum als ein Ausdruck von Zufriedenheit mit dem System gewertet werden:

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Wie wohl sich junge Menschen in Deutschland noch fühlen, und wie sehr sie Deutschland als „ihr Land“ noch empfinden, für das es sich zu kämpfen lohnen würde, steht möglicherweise im Zusammenhang mit den bisher gesehenen Abstimmungsergebnissen der jungen Deutschen. Noch genau ein Drittel der jungen Deutschen würden für „ihr Land“ in einem Krieg kämpfen:

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Ob es sich hierbei um einen Krieg gegen ein anderes Land oder einen Krieg gegen einen Feind im Land / Bürgerkrieg handeln könnte, wird aus der Fragestellung nicht klar. Möglicherweise gibt aber die Beantwortung dieser Frage Aufschluß:

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DAS ist mehr als bemerkenswert und dürfte in Berlin wie eine Bombe eingeschlagen haben. Hier wird nicht nach Protest, einer Großdemo oder nach einer Abstimmung gefragt. Unter einem „großen Aufstand gegen die an der Macht“ versteht man einen Volksaufstand gegen die Regierung, die Politiker, die großen Medien und das Finanzkapital.  Kurz: Revolution.

Über ein Drittel der jungen Deutschenwürden sich an einem solchen „großen Aufstand gegen die an der Macht“ beteiligen!

So eine Frage beantwortet man nicht so einfach mit ja, weil man eben doch nicht weiß, ob man als Teilnehmer der Umfrage nicht doch identifiziert werden kann und in Zeiten wie heute schnell als „Terrorist“ eingestuft würde. Man kann annehmen, daß es noch einen gewissen Prozentsatz gibt, der diese Frage insgeheim bejaht, vorsichtshalber aber  mit „nein“ abstimmt.

In diesem Zusammenhang ist die Beantwortung der folgenden Frage eine eindeutige Bewertung dessen, welchen Vernichtungsschlag für das Lebensgefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit die Politik der Kanzlerin Merkel bedeutet:

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Zusammenfassung: Die junge Generation Deutschlands traut den Politikern und Medien überhaupt nicht mehr. Sie fühlt sich in einem System unwohl, in dem es ungerecht zugeht, die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher – und die normalen Menschen ausgebeutet werden. Politik, Medien und das Finanzsystem decken sich gegenseitig, beherrschen die Welt und plündern sie aus. Die jungen Leute fühlen sich im einst so sicheren und ruhigen Deutschland überhaupt nicht mehr sicher. Sie fürchten sich vor Krieg und der Zukunft. Die Gewalt aller Art ist eine überall gegenwärtige Bedrohung. Mehr als ein Drittel wäre in den nächsten Tagen und Monaten bereit, sich einem Aufstand gegen die Mächtigen anzuschließen.

Die Ergebnisse dieser Umfrage sind sensationell. Es hätte eigentlich eine ganze Sendung darüber geben müssen und ZDF und ARD hätten in den Nachrichten darüber berichten müssen. Hätten. Die Überraschung darüber, daß sie nicht haben, hält sich in Grenzen. Die Tatsache, daß man aber eine breite Befragung losgetreten hat, läßt sich allerdings auch nicht ganz unter den Tisch kehren. Also sucht man sich ein Ergebnis heraus, das man für die eigene Agenda verwenden kann: 75% der jungen Leute fürchteten sich vor einem wachsenden Nationalismus. 12% finden das positiv, zwei Drittel davon sind Männer.

Na, dann stimmt die Welt für die Medienmächtigen und Politiker ja wieder. Und die Jungen Leute? Haben wieder einen Grund mehr, den Medien und der Politik nicht zu vertrauen.

Hier kann man die Einzelergebnisse zu den verschiedenen Bereichen nachsehen.

 

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