Freiburg im Gender-Wahn: Sind Biologen frauenverachtende Rassisten?

08 November 2016

Evolutionsbiologe Dr. Prof. Ulrich Kutschera zog durch seine öffentliche Genderkritik den Unmut einer mächtigen Lobby auf sich. In diesem Beitrag versucht Kutschera zu klären, ob Biologen »frauenverachtende Rassisten« sind und zeigt einmal mehr den Gender-Irrsinn auf.

Carl von Linné (1707 - 1778) (Bild: gemeinfrei)

Carl von Linné (1707 – 1778) (Bild: gemeinfrei)

Am 6. Oktober 2016 legte das Stadtarchiv Freiburg i. Br. nach vierjähriger Bearbeitungszeit einen Bericht zur Überprüfung der Straßennamen dieser beliebten süddeutschen Metropole vor. Zu diesem »Abschlussbericht der Kommission zur Überprüfung der Freiburger Straßenname« äußerte sich Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) wie folgt: »Unser Dank gilt der äußerst intensiven Arbeit der Mitglieder der Kommission.« Welche geistigen Leistungen wurden hier gewürdigt?

Carl von Linné als Vordenker der Biologie

Die Universität Freiburg hat über Jahrzehnte hinweg eine international renommierte Fakultät für Biologie aufgebaut, welcher auch der Autor dieses Beitrags seine solide wissenschaftliche Ausbildung zu verdanken hat. Wir wollen uns nachfolgend bzgl. der Straßennamen-Empfehlungen dem Begründer der biologischen Systematik, Carl von Linné (1707-1778) zuwenden, der demnächst mit einem Ergänzungsschild gewürdigt werden soll.

Im Abschlussbericht der Freiburger Kommission wird dargelegt, dass 1966, ohne Begründung, der Name »Linné-Straße« eingeführt worden sei. Carolus Linnaeus, später in den Adelsstand erhobener schwedischer Naturforscher und Urvater der Bio-Systematik, publizierte 1735 die erste Auflage seines bahnbrechenden Werks »Systema Naturae«.

Wie sein Königsberger Professoren-Kollege Immanuel Kant (1724-1804) unterteilte Linné damals die Menschen, nach ihrer geographischen Verbreitung, in die ethnischen Gruppen Europäer, Amerikaner, Asiaten und Afrikaner und schrieb diesen »Menschenrassen« typische Charaktereigenschaften zu. Die Linné-Kant’schen Thesen (publiziert 1735 bzw. 1775) basierten u. a. auf Reiseberichten und können nicht im Sinne eines heutigen, menschenverachtenden »Rassismus« interpretiert werden.

Feministisch-genderistische Fehldeutungen

Die Freiburger Kommission schlug das folgende Ergänzungsschild vor: »Carl von Linné (1707-1787), Schwedischer Naturforscher und Begründer der biologischen Systematik, Vordenker einer biologistisch begründeten Geschlechterhierarchie und Rassenlehre.« Als Begründung wird von den Damen und Herren u. a. die bereits oben angesprochene Linné-Kant’sche Unterteilung der Menschen in vier ethnische Gruppen genannt.

Weiterhin lesen wir, Linné hätte mit seiner »Klassifizierung und auch Sexualisierung des Pflanzenreichs anhand der Morphologie in männliche und weibliche Pflanzen sowie durch die nicht zwingende Klassifikation von Tieren (Säugen als weibliche Grundfunktion und Wesensbestimmung) eine Denkweise und Gesellschaftsordnung, die die Unterordnung von Frauen unter Männer sowie die traditionelle geschlechtliche Arbeitsteilung als natürlich erklärt (und ‚bewiesen‘).«

Biologen Dr. Prof. Ulrich Kutschera (Bild: Ulrich Kutschera, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Biologen Dr. Prof. Ulrich Kutschera (Bild: Ulrich Kutschera, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Diese Ausführungen sind sachlich falsch und belegen, dass hier offensichtlich eine biowissenschaftlich unterbelichtete, mit John Moneys Gender-Ideologie infiltrierte Person am Werke war. Im Verlauf der Evolution der Organismen ist die sexuelle Fortpflanzung bei Pflanzen, ebenso wie auch im Tierreich, natürlicherweise entstanden.

Im Begründungstext wird aber sinngemäß argumentiert, Linné hätte geschlechtsneutrale Pflanzen durch seine Beschreibungen »sexualisiert« und somit über einen »Schöpfungs-Sprechakt« den Pflanzensex erfunden. Judith Butlers Hebammen-Mirakel lässt grüßen: Nach der Gender-Glaubenslehre sollen Babys, geschlechtsneutral geboren, durch Sprechakte des Pflegepersonals in die »künstlichen Kategorien männlich/weiblich« unterteilt werden.

Weiterhin hat Linné in der 10. Auflage der »Systema Naturae« (1758) die bisher als Quadrupedia (Vierfüßer) bezeichneten Land-Warmblüter, nach Aufnahme der Wale, als Säugetiere (Mammalia) gekennzeichnet. Diese Klassifikation ist absolut korrekt und zwingend. Sie wurde seit 1758 durch keine andere ersetzt – die Säugerkunde (Mammalogie) ist seit Linné 1758 eine blühende Naturwissenschaft, mit Konsequenzen für »das Menschsein«.

Das Problem, dass Männer – embryonal degenerierte Frauen und Vertreter des »zweiten Geschlechts« – über funktionslose Brustwarzen verfügen, hat Linné nicht angesprochen. Die Empfehlung der Freiburger Kommission ist ein sachlich unzutreffendes soziales Konstrukt – mit der traditionellen Arbeitsteilung Mann/Frau hat weder das Linné’sche Sexualsystem der Pflanzen noch seine Einführung der Klasse Mammalia irgendetwas zu tun.

Linnaeus als Vor-Darwin’scher Bio-Bösewicht

Der Freiburger Kulturbürgermeister spricht im Bericht von der »Arbeit der Mitglieder der Kommission«. Der Zusatz »männlich bzw. weiblich« (Kurzform m/w) wäre angemessen gewesen, da die oben zitierten Moneyistischen Gender-Passagen eine weibliche Handschrift zeigen.

Die hier thematisierte Diffamierung aller Biologen (auch jene der Uni Freiburg) als »Geschlechterhierarchiker und Rassisten« à la Linné muss als Herabwürdigung der Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts zurückgewiesen werden. Sie scheint Teil einer von John Money initiierten radikal-feministischen Agenda zu sein, die das Ziel verfolgt, nicht nur Charles Darwin (1809-1882), sondern auch andere große Biologen zu diskreditieren.

Dieser Text von Dr. Prof. Ulrich Kutschera erschien zuvor in der Huffington Post. Dr. Prof. Kutschera erteilte metropolico die Erlaubnis zur Nachveröffentlichung.

Mächtige Genderlobby

Dr. Ulrich Kutschera hatte mehrfach, so auch 2015, die Idee des Gender-Mainstreaming öffentlich kritisiert. In einem Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg bezeichnete er die Gender-Forschung als »Unfug«, »Werk einer feministischen Sekte« und »quasi-religiöse Strömung«.

Für diese Aussage musste sich Kutschera, ehemalige Vizepräsident des Verbandes Deutscher Biologen und Evolutionsbiologe mit einer Professur am Institut für Biologie an der Universität Kassel vor dem Präsidium der Hochschule verantworten (metropolico berichtete). Der Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta)  wertete die Äußerungen als »abwertend und plakativ“. Zudem verleugne Kutschera die »Geschlechteridentität und reproduziere gesellschaftliche Rollenzuschreibungen«.

Die »Gender-Forschung« – eine nach Kutschera eine »universitäre Pseudowissenschaft, die den deutschen Steuerzahler jährlich viele Millionen Euro kostet« – und  für die es in Deutschland inzwischen über 200 Lehrstühle gibt, ist mittlerweile zu einer gesellschaftspolitischen und medialen Macht angewachsen, die durch große Lobbygruppen versucht, Kritik und wissenschaftliche Auseinandersetzungen zu unterdrücken. (BS)

http://www.metropolico.org/

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