Vom Journalisten zum Internet-Troll

02 November 2016

Auf den Münchner »Medientagen« betrachtet sich ein Journalist öffentlich-rechtlicher Medien als Verkünder der alleingültigen Wahrheit. Konkurrenz für die eigene stark unter Druck geratene Branche durch alternative Medien will der von Zwangsgebühren finanzierte Staats-Journalist infiltrieren. Ein Kommentar von Christian Jung.

Inhaber der Wahrheit: Armin Wolf vom ORF. (Bild: Manfred Werner, Armin Wolf (2011), Quelle: Wikipedia, Lizenz: (CC BY-SA 3.0))

Inhaber der Wahrheit: Armin Wolf vom ORF. (Bild: Manfred Werner [Tsui], Armin Wolf (2011), Quelle: Wikipedia, Lizenz: (CC BY-SA 3.0))

Armin Wolf muss ein glücklicher Mensch sein. Der Staat sorgt mit Zwang dafür, dass der ORF-Journalist verkünden kann, was »Wahrheit« ist. Wer wollte das nicht? Als Beleg dafür, dass er und seine Kollegen die einzig gültige Sichtweise präsentieren, verweist er in seiner Rede auf dem Medientag zunächst auf einen Artikel der sehr weit links angesiedelten Washington Post. Diese habe, so Wolf, eine Trump-Unterstützerin präsentiert, die allen möglichen Unsinn glaubt.

Trumps Erfolg, so das implizierte Fazit Wolfs, geht auf alternative Medien zurück, die nur Unwahres verbreiteten. Eine Unterstützerin Hillary Clintons, die ebenfalls allen möglichen Unsinn glaubt und deshalb die Demokratin wählen möchte, kommt in Wolfs Welt hingegen nicht vor.

Linke Medien sind Verkünder der »Wahrheit«

Auch die alternativen Medien, die der Mainstream-Journalist aufzählt, sind ausnahmslos nicht-linke Medien. Von unzensuriert.at über den Kopp-Verlag bis zu Rush Limbaugh, dem konservativen Radio-Talker aus den USA verkünden nach Wolf nur konservative Medien die Unwahrheit. Dass Kopp-Online als eines der ersten Online-Medien die Kölner Silvesternacht aufgriff, während Medien und Politik noch verharmlosten oder schlicht schwiegen, lässt Wolf elegant unter den Tisch fallen. Keine Scham für das Versagen der Mainstream-Medien. Vielmehr betrachtet man die eigene Ignoranz gar als Tugend, als »den wahren Journalismus«.

Nur als Einschub: Jene Mainstream-Journalisten, die Wolf als die Besitzer der Wahrheit ausmacht, sind es, die wegen der Unterscheidung einer Duldung und einem Aufenthaltstitel bei mir nachfragten. Als ehemaliger Mitarbeiter einer Ausländerbehörde kann ich mich nur an wenige Artikel in der Mainstream-Presse zum Ausländerrecht erinnern, die keine – zum Teil erhebliche – Fehler enthielten.

Die Kategorien »richtig« oder »falsch« scheint Wolfs Gedankengang auch nicht zu durchdringen. Wahr ist, was links ist. Es geht dem ORF-Moderator folglich nur um rechte oder linke Medien. Media Matters, von George Soros gesponsert oder auch die vielen – staatlich geförderten – Internetportale der Antifa, wie etwa das Antifaschistische Informations- und Dokumentationsarchiv, kurz a.i.d.a., in München, vom Stadtrat seit neuestem über einen kurzen Umweg jährlich mit 149.000 Euro gesponsert, finden hingegen keine Erwähnung bei der Kritik alternativer Medien.

Wenn man Wolfs Traktat in Gänze liest, muss man den Eindruck gewinnen: Links verkündet die Wahrheit. Wer nicht links ist, kann demnach nur ein Lügner sein. Selbstkritische Töne sind dem ORF-Journalisten fremd.

Mainstream-Medien sind stolz auf eigenes Versagen  

Weder das Versagen der Mainstream-Medien in der sogenannten »Flüchtlingskrise«, noch ein Hinterfragen der eigenen Berichterstattung über den amerikanischen Wahlkampf sind Wolf eine Erwägung wert. Dabei wäre vor der eigenen Haustüre zu kehren dringend angezeigt. Wurde in der deutschsprachigen europäischen Presse der Wahlsieg Georg W. Bushs über Al Gore im Jahr 2000 stark angezweifelt und das Urteil des amerikanischen Verfassungsgerichts, das diesen Wahlsieg besiegelte, zum Teil heftig kritisiert, spricht dieselbe Presse nun Trump ab, ein etwaiges Wahlergebnis infrage zu stellen.

Angesichts dessen, dass in Österreich die Wahl zum Bundespräsidenten wegen Unregelmäßigkeiten wiederholt werden muss, würde man sich von hiesigen Medien mehr Fähigkeit zur Differenzierung wünschen. Die Berichterstattung hat jedoch die Klage der FPÖ auf Wiederholung der Wahl eher mit Häme, denn mit Fakten begleitet. Das »postfaktische Zeitalter« macht Wolf dennoch nur bei ihm unliebsamen Medien aus. Auch nach dem juristischen Sieg der FPÖ kam es nicht zu einer selbstkritischen Debatte über den Auftrag der Medien.

Das Gegenteil ist festzustellen: Die Mainstream-Medien bleiben Sprachrohr der etablierten Parteien und Politik.

Wolf geht nun soweit, (linken) Journalismus mit E-Musik und andere Medien mit U-Musik zu vergleichen. Während die einen auf billige Schlager bzw. Schlagzeilen und damit auf schnelle Unterhaltung setzten, wäre es schwer mittels des »U-Journalismus« mit »Vorurteilen« aufzuräumen. Vorurteilen, die nach Wolf offensichtlich immer und nur dann zutage treten, wenn sich Journalismus nicht einer explizit linken Agenda verschreibt.

Vom Journalisten zum Troll

Aussagen wie »Die Flüchtlinge werden uns später einmal die Rente bezahlen«, dürfte demnach guten E-Journalismus darstellen. Die Feststellung, »Die Bildung und Qualifikation der Flüchtlinge reicht meist nicht aus, um am hiesigen Arbeitsmarkt zu reüssieren«, wird Wolf wohl als hetzerischen »U-Journalismus« abtun.

Um den zunehmend erfolgreicher werdenden alternativen Medien das Wasser abzugraben, will der ORF-Journalist nun seine Mainstream-Kollegen dazu bewegen, dem abgewanderten Publikum dahin zu folgen, wo sich dieses aufhält, auch wenn dies weh tue. Dort angekommen, sollen die »E-Journalisten« die Wahrheit verkünden.

Freilich will sich Wolf sein künftiges Tun weiterhin von den Gebührenzahlern vergüten lassen. Vom Journalisten zum gut bezahlten Internet-Troll. Zumindest in dieser Prognose Wolfs dürfte einmal sehr viel Wahrheit stecken. Ob es mit der Gebührenfinanzierung von Journalisten Wolff’scher Couleur so weitergehen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

http://www.metropolico.org

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