Investition in Korruption und Betrug

Wer versucht, Fluchtursachen zu bekämpfen, produziert nicht weniger, sondern eher mehr Zuwanderer

28.10.16

Erst die Küsschen, dann die Millionen: Angela Merkel bei Nigers Staatschef Issoufou Bild: pa

Kein Interview, keine Rede keine Stellungsnahme zum Thema Asylbewerberflut, ohne dass Politiker von der „Fluchtursachenbekämpfung“ sprechen. Studien belegen unterdessen, dass sie ein völlig aussichtsloses Unterfangen ist und möglicherweise sogar das Gegenteil bewirkt.

Endlich! Die Welt wird eine bessere werden. Deutschlands verantwortliche Politiker sind angetreten, alles Missliche, was Menschen in die Frerne treiben könnte, zu eliminieren. Die afrikanische Sahelzone wird zum Industriepark aufgerüstet. Das irakische Schulsystem wird – mit germanisiertem Bildungsplan – nur noch Nobelpreisträger hervorbringen und die afghanischen Taliban werden – dank deutscher Antiaggressionstrainer – den Buddhismus für sich entdecken. Zweifel? Wo ist das Problem? Eine Nation, die ein automobiles Wunderwerk wie einen S-Klasse-Mercedes vom Band laufen lässt und die sagenhafte viermal Fußballweltmeister wurde, wird doch wohl auch die Heimat von zwei, drei Milliarden Menschen aufhübschen können.
Unverdrossen behauptet dies jedenfalls die Politprominenz von CDU und SPD. Grüne und Linke haben ebenfalls ihre Kämpferherzen entdeckt. Armut, Perspektivlosigkeit, Diskriminierung und Krieg wollen auch sie im weltweiten Maßstab ausmerzen. Ihr Kampfgeschrei klingt laut und siegessicher. Das Vorhaben selbst ist allerdings schon gescheitert, bevor es richtig begonnen hat. Drei Punkte machen es unmöglich.
Punkt Eins: Seit mehr als 50 Jahren betreiben die Industrienationen Entwick-lungshilfe. In dieser Zeit sind allein 900 Milliarden Dollar nach Schwarzafrika geflossen. Länder wie Somalia oder Burundi leben zu fast 80 Prozent davon. In mehr als 200 Studien untersuchten Wissenschaftler unterdessen, ob Entwicklungshilfe die Wirtschaft in den Empfängernationen nachhaltig ankurbelt. Nicht eine einzige konnte dies aussagekräftig belegen. Zwar hat sich die Armut auf der Welt in den letzten Jahren verringert. Dies ist aber vor allem dem – nicht auf Entwicklungshilfe zurückzuführenden – Wirtschaftswachstum in Indien und China zu verdanken. Seit 1980 hat sich das Durchschnittseinkommen in China um 2200 Prozent gesteigert, in Indien immerhin um 440 Prozent. Somalia und Burundi verharren dagegen seit Jahrzehnten in bitterster Armut.

Ein anderes Beispiel: 500 Milliarden Dollar hat der Westen in den letzten 14 Jahren in Afghanistan investiert. Nach anderen Schätzungen war es sogar eine Billiarde. Gleich welche Summe zugrundegelegt wird, kein anderes Land der Erde wurde im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl – es sind 32 Millionen – derart generös bedacht. Jobwunder und Wirtschaftsboom blieben dennoch aus. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 70 Prozent. Als wichtigstes Exportgut gilt Opium beziehungsweise Heroin. Unschwer lässt sich für Afghanistan aber auch viele andere Länder feststellen: Wer die Entwicklungshilfe steigert, um Fluchtursachen zu beseitigen, wird nicht in wachsenden Wohlstand, sondern in Misswirtschaft, Betrug und Korruption investieren.

Es ist nicht ohne Tragik, dass man über diesen Effekt beinahe froh sein muss. Punkt Zwei macht deutlich warum: Steigt der Lebensstandard in einem armen Land, fördert dies nicht die Heimatliebe, sondern das Fernweh. Denn das nötige Geld zum Auswandern steht nun mehr Menschen zur Verfügung. Es sind auch derzeit nicht die allerärmsten, die sich gen Europa aufmachen. Nur vergleichsweise begüterte Afrikaner, Araber oder Asiaten können sich die Reisekosten leisten. Noch viel mehr Menschen in ihren Heimatländern würden gerne ihr Glück in der Fremde suchen, können sich aber kaum eine Busfahrkarte in die nächste Stadt leisten.
„Würde man das Verhältnis zwischen Einkommen und Migration in einer Grafik darstellen, hätte man ein umgedrehtes U“, erklärt Joachim von Braun, Direktor des Bonner Zentrums für Entwicklungsforschung. Die Auswanderung steige mit dem Wachsen des Wohlstands zunächst an. Erst wenn das Pro-Kopf-Einkommen bei relativ hohen 7000 US-Dollar liege, würde sie wieder sinken. Die Volksrepublik China ist beispielsweise auf diesem Niveau. Dutzende andere Länder auf der Erde liegen weit darunter.
Geht es nach Angela Merkel und ihren selbsternannten „Fluchtursachenbekämpfern“, stellen sich auch die örtlichen Machthaber den Wanderungsbewegungen entgegen. Verschämt verschwiegen werden in Europa meist die millionenschweren Hilfsleistungen für Grenzschutzmaßnahmen, die Ländern wie Niger oder Mali zuteilwerden. Natürlich nehmen Potentaten wie Nigers Präsident Mahamadou Issoufou die Summen gerne an. Zehn Millionen Euro versprach ihm Angela Merkel auf ihrer jüngsten Afrika-Reise allein für die Verbesserung der militärischen Infrastruktur. Insgesamt wird Niger – das ärmste Land der Welt – in den nächsten fünf Jahren weit über 100 Millionen Euro aus Deutschland erhalten.
Ein wirkliches Interesse daran, ihrer Bevölkerung die Emigration auszureden, dürften Issoufou und Kollegen trotzdem nicht haben, denn die Landsleute in der Fremde sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Genau das ist Grund Nummer Drei, warum jeder Versuch, Fluchtursachen zu eliminieren, scheitern wird. Über 30 Milliarden Dollar überweisen allein die Afrikaner, die in den Industrienationen arbeiten, jährlich in ihre Heimatländer. In Liberia und Lesotho beispielsweise machen diese Gelder etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Welcher Staatsmann würde auf einen derartigen Geldfluss für sein Land verzichten?

Nigers Staatspräsident Issoufou ließ es sich natürlich trotzdem nicht nehmen, von der deutschen Kanzlerin statt der zugesagten rund 100 Millionen Euro gleich eine ganze Milliarde zu fordern.      Frank Horns

http://www.preussische-allgemeine.de/

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