Umsiedlung der „Dschungel“-Bewohner spaltet Frankreich

25.10.2016 • 11:15 Uhr

Flüchtlinge bilden eine Schlange, bevor sie an eine der Auffangstellen in Frankreich transportiert werden. Calais, Frankreich, 24. Oktober, 2016.

Flüchtlinge bilden eine Schlange, bevor sie an eine der Auffangstellen in Frankreich transportiert werden. Calais, Frankreich, 24. Oktober, 2016.
Es war fast schon zu erwarten. Schon vor der heutigen Räumung des Flüchtlingslagers in Calais kam es zu vermehrten Protesten in Frankreich. Allerdings nicht gegen die Räumung des Lagers, sondern gegen die Verteilung der Flüchtlinge an die verschiedenen Orte.

„Als ländliches Dorf sind wir nicht dafür ausgestattet, um eine solche Bevölkerung aufzunehmen“, erklärt der Bürgermeister von Pierrefeu-du-Var. Einem knapp 30 Kilometer nördlich von Toulon gelegenen Ort in der Provence. Er steht mit dieser Meinung nicht allein da. So oder ähnlich äußern sich immer mehr Bürgermeister und Abgeordnete aus den betroffenen Orten.

Es geht um die Umverteilung der knapp 9.000 Flüchtlinge aus dem berüchtigten Lager in Calais. Während die Bürgermeister noch nach rechtlichen Mitteln suchen, um den Beschluss der französischen Regierung umgehen zu können, häufen sich die Proteste der Bevölkerung. Die spontanen Demonstrationen gegen die Unterbringung der Flüchtlinge nehmen in den betroffenen Gebieten zu.

Die Gefühlslage der Bewohner lässt sich an einem der Transparente ablesen: „Projet imposé = colére augmauntée“. Was auf Deutsch so viel bedeutet wie „aufgezwungenes Projekt = gesteigerte Wut.“ Viele Bürger fühlen sich übergangen und sind verunsichert. Für den Präsidenten der Flüchtlingsorganisation „France terre d´asile“, Pierre Henry, sind die Reaktionen zwar nachvollziehbar, er spricht von „Ängsten“ und „Spannungen“, er betont aber gleichzeitig, dass „die Anstrengung, ungefähr 9.000 Flüchtlinge auf 300 Orte zu verteilen, für Frankreich kein Problem darstellen sollte.“

Die unübersichtliche Lage ist gleichzeitig eine Steilvorlage für den Front National, der seit dem Entschluss, das Lager in Calais zu räumen, durch die betroffenen Regionen tourt. Mit dem Ziel, an jedem Ort eine Veranstaltung gegen die Unterbringung der Flüchtlinge zu organisieren. Die Partei, die für sich in Anspruch nimmt, für die „vergessenen Franzosen“ zu sprechen, hat, was die Flüchtlinge von Calais betrifft, eine klare Linie:

„Der Platz von illegalen Einwanderern ist nicht in vom Steuerzahler bezahlten Camps, sondern in einem Charterflugzeug“, verlautete der Generalsekretär der Partei, Nicolas Bay, in einem Interview mit France 2.

Die Parteivorsitzende, Marie Le Pen, spricht sich allerdings gegen eine Verurteilung der „individuellen Flüchtlinge“ aus, und plädiert eher für eine Verurteilung der französischen Politik, die in ihren Augen die „wirkliche Ursache“ des Problems sei. Übrigens kam es gleich nach einer ablehnenden Demonstration in Pierrefeu-du-Var zu einer Gegendemonstration, die zu Solidarität mit den Flüchtlingen aufrief. Frankreich präsentiert sich einmal mehr als ein tief gespaltenes Land.

https://deutsch.rt.com

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