Kurs auf Kaliningrad – Neue Kriegsschiffe gen Osten

Ein Marinesoldat beobachtet das Einlaufen der Korvette Magdeburg

Bildquelle: https://de.sputniknews.com/

Autor: U. Gellermann
Datum: 17. Oktober 2016

Wenn das der Kaiser wüßte! Wilhelm II., der Flottenkaiser, der dem Deutschen Reich mit dem Aufbau seiner Flotte Weltgeltung verschaffen wollte, hätte fünf Gründe zur Freude: Denn genau fünf neue Korvetten stellt die Bundeswehr in den nächsten Jahren in Dienst. Und damit kein Irrtum entstehen kann, haben zwei Koalitionspolitiker, Eckhardt Rehberg (CDU) und Johannes Kahrs (SPD), der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, dem Zentralorgan für NATO-Botschaften, diesen Beschaffungsakt persönlich begründet: „Um den neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen im Ostseeraum, im Mittelmeer und in globaler Hinsicht nachzukommen“. Das relativ Neue ist die Verschärfung der Vorkriegslage im Ostseeraum: Erst im Juni dieses Jahres fanden in der Ostsee die größten Nato-Manöver seit dem Zweiten Weltkrieg statt: 50 Kriegsschiffe, 60 Flugzeuge und Hubschrauber und mehr als 6.000 Marinesoldaten aus zwölf Ländern spielten Krieg mit Russland.

Die fünf neuen Kriegsschiffe werden, wie ihre Vorgänger, wieder bei den traditionellen Kriegsschiffswerften Blohm + Voss und der Bremer Fr. Lürssen Werft auf Kiel gelegt werden. Die früheren Konkurrenten werden gerade in diesen Tagen im Rahmen einer freundlichen Übernahme zusammenlegt. Lürssen hatte für den Kaiser und dessen Ersten Weltkrieg ferngelenkte Boote (FL-Boote) geliefert. Die Boote waren eine Art Torpedo-Ersatz und sollten mit Sprengstoff beladen zum Rammen gegnerischer Schiffe verwendet werden. Auch für die Schwarze Reichswehr, den illegalen Probelauf der Nazi-Wehrmacht, lieferte Lürssen im Geheimen Schiffe für den künftigen Einsatz als Torpedoschnellboote.

Die Partner-Werft Blohm + Voss, schon im Ersten Weltkrieg führend im U-Bootsbau, begrüßte die Machtergreifung der Nazis öffentlich und nachdrücklich, auch weil in Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges öffentliche Mittel in den Schiffbau flossen und im Zuge der Aufrüstung die Zahl der Aufträge wieder zunahm. Einer der Inhaber, Rudolf Blohm, stieg sogar zum Leiter des Hauptausschusses Schiffbau des von Albert Speer geleiteten Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition auf. Noch im Februar 1945 arbeiteten 16.339 Beschäftigte – großenteils Zwangsarbeiter und die aus dem KZ Neuengamme zwangsrekrutierten Häftlinge – auf der Werft. Aber die Firmenleitung ahnte was: Im April 1945 ließ sie von der SS das Außenlager auf Steinwerder räumen und transportierte die noch lebenden Häftlinge zurück in das Stammlager. Anders als die Mehrheit der Häftlinge überlebte die Inhaberfamilie. Von einer Zerschlagung der Firma und einer Bestrafung ist nichts bekannt. Bekannt ist, dass eine 1953 vom Betriebsrat angebrachte Gedenktafel für elf in Konzentrationslagern ermordete ehemalige Werftarbeiter bis heute spurlos verschwunden ist.

Mit den Korvetten-Briefträgern für die SÜDDEUTSCHE, den Haushaltpolitikern Eckhardt Rehberg (CDU) und Johannes Kahrs (SPD) wird die historische Blutspur der Kriegsschiffs-Produzenten in bester demokratischer Manier verwischt: Eckhardt Rehberg, ein gescheiterter Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern, war schon Mitglied der Ost-CDU und darf, wegen seiner Herkunft als Block-Flöte, als besonders anpassungsfähig gelten. Johannes Kahrs ist schon in der zweiten Generation Berufspolitiker: Sein Vater war Justiz-Senator in Bremen, seine Mutter in der selben Stadt Bildungs-Senatorin. Über Kahrs flossen im Bundestagswahlkampf 2005 rein zufällig mehr als 60.000 Euro Parteispenden aus der Rüstungsindustrie an seinen SPD-Kreisverband. Die Gesichter der neuen Bürokratie sind glatt, keine Blutflecken zieren ihre Westen, der alte Krieg wartet noch auf seine Neuauflage.

Keine 600 Kilometer Luftlinie oder 409 Seemeilen Entfernung liegen zwischen dem Marinekommando der Bundeswehr und Kaliningrad, dem Stützpunkt der Baltischen Flotte Russlands. Denn dort wird das künftige Einsatzgebiet der neuen Korvetten liegen: In „multinationalen Verbänden der Krisenreaktionskräfte“ sollen sie im Ernstfall auf die von der NATO hergestellten „Krisen“ in der Ostsee reagieren. Da trifft es sich, dass in diesen Tagen der Flugkörper RBS-15 Mk 3, ein Untersystem der Korvette, auch für den Einsatz gegen Landziele freigegeben wurde. Geradezu euphorisch stellt die Bundesmarine fest: „Damit steht der Deutschen Marine erstmals uneingeschränkt ein Waffensystem zur Verfügung, das einen weitreichenden Waffeneinsatz von See aus gegen Ziele an Land ermöglicht.“ Und die Rüstungsfirma Diehl Defence stellt fest: „Dass der weitreichende, allwetterfähige Fire-and-Forget-Flugkörper . . . eine hohe Manövrierfähigkeit demonstriert“. Fire and Forget: Vergessen machen soll der elegante Werbetext, dass die 250-Kilo-Bombe des Flugkörpers nach dem Aufschlag demonstriert, wie zermanschte Menschen aussehen. Bei jedem Wetter.

Anders als Wilhelm II. genießt die aktuelle deutsche Kaiserin US-Waffenhilfe: Gerade erst hat Präsident Obama seiner Freundin Angela Merkel telefonisch Unterstützung für „eine harte Reaktion“ zugesagt. Noch sind nur weitere Sanktionen gegen Russland gemeint. Jenes Land, dass schon im Ersten und erst recht im Zweiten Weltkrieg zum Kampfziel deutscher Armeen wurde. In beiden Fällen ist es Deutschland nicht bekommen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 17. Oktober 2016 schrieb Heinrich Triebstein:

Es gibt von Gerald Hüther, Hirnforscher aus Göttingen, ein Büchlein mit dem Titel „Männer. Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“.
Männer üben Herrschaft aus, seit sie die „Große Mutter“ durch den „Großen Vater“ der Ein-Gott-Religionen ersetzt haben. Zu wenige Männer setzen sich mit ihrer genetisch begründeten Schwäche auseinander. Die meisten Männer und die vom Patriarchat geprägten Frauen (man denke an Frau Thatcher und Frau Clinton), verbreiten Angst und Schrecken, sobald sie in Macht- oder Herrschaftspositionen gelangen. Und die Mehrheit ihrer Mitmenschen lässt sich von dieser aus Schwäche geborenen Angst einschüchtern.
Ein gar nicht „geisteskranker“ Amerikaner hat am 6. Januar 1941 die Vier Freiheiten verkündet: Freiheit der Rede, Freiheit der Religionsausübung, Freiheit von Mangel und Freiheit von Angst.
Gehen wir als „neue“ europäische Linke auf die Impulse ein, die dem Sozialisten Bernie Sanders eine breite Unterstützung in der jungen Generation der USA eingebracht haben: Banken, Kriege, Arbeit (die im Übrigen auch Themen in Trumps Kampagne sind).
Und arbeiten wir bei uns zu Hause daran, dass auch die Herrschaft des „Großen Bruders“ durch eine „weltweite Geschwisterlichkeit“ (Papst Franziskus) abgelöst wird.
Stark ist, wer seine Schwächen kennt, benennt und sich zu ihnen bekennt. Der Macho/die Macha ist ’ne arme Sau.
Oder kann sich die Saula zur Paula wandeln?


Am 17. Oktober 2016 schrieb Andreas Schell:

Etwas Essig muss ich in den Wein kippen. In den Wein derer, die für solcherlei Investitionsentscheidungen auf Parties unter blitzsauberen, grauen Flugkörpern und Radarschüsseln eingeladen werden. Sicher sind da hübsche Hostessen am Start, aus NATO-Osteuropa, oder falls es ein Knabe sein darf… Ach ja und Drogen aus Afghanistan! Koloniale Vergnüglichkeiten eben, um die Entscheidungen ein wenig zu fetten. Kopfkino aus und ganz im Ernst: Korruption ist in Deutschland legal und heißt Lobbyismus. Prost! Auf die Hersteller der fünf Korvetten und ihre Bundestagsausweise!

Jetzt aber das Problem, das ich sehe: Schiffe müssen tanken. Schiffsdiesel muss man für die Dreckschleudern haben, sonst kann man mit ihnen nicht stinkend in den engen Schiffahrtsrinnen der Ostsee herumfahren, langsam, unübersehbar, leicht zu versenken. Wer ein Kriegsschiff nun mit dem Diesel betanken will, den er mit diesem Kriegsschiff zu erobern gedenkt, der hat das mit der Henne und dem Ei nicht verstanden. Oder er zieht den falschen Schluss aus unseren Investitionsgewohnheiten. Das heute akzeptierte Geld, das in der Wirtschaft gerne mit einem Rohstoff verwechselt wird, vermehrt sich im Gegensatz zu Rohstoffen ständig und ist in großer Menge verfügbar, BEVOR ein Geschäft beginnt. Das Geschäft muss sich nur für irgendwen lohnen. So wie die fünf Korvetten?

Es wird wirklich höchste Zeit, dass uns die Russen und die Araber den Hahn zudrehen, damit wir endlich ernsthaft an der Energiewende zu arbeiten beginnen! Diese Energiewende wiederum reden die Propaganda-Lakaien gerade schlecht. Grund: die KOSTEN! Die deutsche Steinkohle stellt gerade für immer Ihren Betrieb ein. Wegen der KOSTEN! Ein jahrhundertealtes Subventionsgeschäft gibt Deutschland damit auf und beschäftigt sich nur noch mit den Folgeschäden. Die Kohleflöze reichen bis England, wurden aber nur bis an den Stadtrand von Bottrop abgebaut. Den Stempel UNRENTABEL haben Kurzsichtige nämlich schon vor vielen Jahren drauf gedrückt. Konsequenz: wir haben bald gar keine Energieversorgung mehr und müssen schon jetzt fast alles importieren. Und damit das auch in Zukunft klappt, brauchen wir fünf Korvetten.

Die Bundesregierung setzt für die Absicherung unserer Zukunft, also der Versorgung mit fossilem Brennstoff, auf Kriegsschiffe. Genauer: Kriegsschiffe zu unserer Verteidigung gegen Russland im Osten. Ein Paar Meter unterm Kiel verlaufen die Pipelines, die das viele Öl und Gas aus Russland nach Westen transportieren, wo es diese Rohstoffe nicht gibt. Den Wirtschaftsplan incl. Bewertung der Risiken hätte ich gerne mal gesehen, so was ist doch bei Kapitalisten üblich? Was offenbar nur ein Paar linken Bloggern und mir ebenfalls komplett fehlt, ist die russische Bedrohung. Die sehe ich einfach nicht. Nicht mal für die fünf Korvetten!

Eine Wette: wetten, dass der Krieg der NATO mit Russland beginnt, bevor die fünf zweckfreien Pötte vom Stapel laufen? Das Problem der Amerikaner ist nämlich noch größer. Die Amis haben keine Ostseepipeline, und ihr eigener Kontinent ist rohstofflich völlig ausgelutscht. Man kann ihnen sogar beim Lutschen zusehen – Fracking nennen sie die Kunst, mehr als einen Liter Diesel zu verbrauchen, um einen Liter Diesel zu gewinnen. Also nochmal: Prost auf die Hersteller der fünf Korvetten!


Am 17. Oktober 2016 schrieb Eric Boule:

Die Nato will beweisen das sie erforderlich ist,deshalb haben die USA Konflikte verursacht. Wenn man die weltweiten Militairausgaben betrachtet sieht man das Russland nur auf Atombomben setzten kann,seine Wirtschaft ist zu klein fuer einen traditionellen Landkrieg.Nato+die EU Politiker nehmen bewusst die Gefahr eines Atomkriegs mit der NatoAgression inkauf. Drohende Atomkriege durch USA+Nato Aktivitaeten. Noch nie i/d Geschichte der Menschheit war die Atomkriegsgefahr groesser als heutzutage. Es stellt sich heraus dass Modernisierungsplaene von Obama die Zahl+Rolle der Atomwaffen abzubauen nur leere Versprechen waren. Anstatt werden jetzt 306 Milliarden von USD investiert um Atomwaffen noch schrecklicher zu machen.Auch das Abkommen „New Start“ aus 2011 zur Reduzierung der Atomwaffen von Russland+USA kann nicht funktionieren wenn Russland von der Nato bedroht wird und US-politiker Russland als den groessten Feind bestempeln. Leider werden die Atombomben in Brüssel, Paris und Berlin fallen,also muss man den Osteuropaeern eine Absage erteilen


Am 17. Oktober 2016 schrieb Lisa Sternberg:

In aller Ruhe bewegt sich Europa auf einen Krieg mit Russland zu. Als wäre alles wie immer. Als könnte es nicht jeden Moment geschehen. Gerade deshalb sind Artikel wie der Ihre so wertvoll. Sie warnen laut und deutlich. Wenn ich gläubig wäre, würde ich beten. Denn wir sind noch zu wenige.


Am 17. Oktober 2016 schrieb Klaus Madersbacher:

Schneller als gedacht kommen sie wieder hervor aus dem Schoß, dem „fruchtbaren“, sind genauso präpotent und blöd wie ihre Vorgänger – loser halt, die zufrieden sind, wenn sie ordentlich marschieren und Pläne schmieden können, die ihnen wieder einmal die Welt untertan machen.
Die Overlords in Washington freuen sich über diesen dummen Haufen, der so brav hampelt und ihnen das deutsche Volk zu Füßen legt.
Nur – wie schaut´s denn bei den Supermächtigen aus?
Sie, die keine Lehren daraus gezogen haben, dass das arme kleine Vietnam sie hinausgeschmissen hat, stehen davor, in Afghanistan, Irak und Syrien ordentlich eines über ihre gierigen Finger zu kriegen.
Macht nix, legen wir´s uns halt mit den Russen und Chinesen an. Gute Idee – vielleicht ist´s dann wirklich endlich aus mit euch Drecksgesindel …


Am 17. Oktober 2016 schrieb Aleksander Korty:

Krieg gegen Russland ist NICHT gewinnbar! Da hat sich schon 1812 Napoleon Bonaparte seine Zähne dran ausgebissen und kalte Füsse geholt. Sein Russland-Feldzug war der Anfang von seinem Ende, nur drei Jahre später bei Waterloo! Und er ist weiter gekommen, als die deutschen Armeen 1914 und 1941. Er war immerhin in Moskau. Das haben Wilhelm II. und der GröFaZ nicht geschafft und Beide sind an diesem Land gescheitert. Der Eine musste nur in die Niederlande und der Andere in die Hölle.
Aber diese ewig-gestrig Unbelehrbaren können das mit ihren Kleinhirnen offenbar nicht begreifen. Egal aus welcher Fraktion sie auch immer sind! Die verkommene alte Tante SPD hat im Aufrüsten der Marine eine große Tradition. Es war 1928 die SPD-geführte Regierung Hermann Müller, die den Panzerkreuzer-Bau beschloss. Und die erste spätere Bundes-Marionette der Gringos Konrad Adenauer (CDU) nahm ebenfalls 1928 als damaliger Kölner Oberbürgermeister am Stapellauf des Panzerkreuzers *KÖLN‘ teil.
Ein erneuter Krieg mit Russland wird dann ein Weltkrieg sein, gegen den die beiden ersten Weltkriege wie ein Frühlingsspaziergang zu Ostern wirken werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich so schnell wie möglich Menschen zusammen finden, die diesen
Rüstungs-Wahnsinn beenden und diesem Kriegsgeschrei der geisteskranken Politiker entgegen treten ! ! !

 http://www.rationalgalerie.de/home/kurs-auf-kaliningrad.html
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