Wahrheit und Information über den Putsch in der Türkei

Hamid Beheschti حميد بهشتي

Was ist die wahre Geschichte hinter dem kürzlichen Putschversuch in der Türkei? Dass ein Staatsmann im „Nahen Osten“ sich unabhängig von den Erwartungen im Westen verhält, gefällt gewissen Kreisen in Europa nicht. Daher versuchen sie eine Stimmung des öffentlichen Drucks  auf Erdogan zu erzeugen.

Informationen über den Putsch sind wie üblich subjektiv. Kein Journalist kann behaupten, sein Vorwissen und seine Erwartungen aus seinen Darstellungen herauszuhalten. Daran knüpft er und so entstanden unterschiedliche Informationen über den Putsch. Dazu kommt, dass sich jeder Journalist anderen Quellen bedient. Einer hat beste Beziehungen zur Waffenlobby und zu Militärkreisen. Der zweite steht den Grünen im Bundestag und im Europaparlament nahe und der Dritte sympathisiert mit gestärkten Nationalisten in Deutschland und Europa. So entstanden Berichte, die mal die Putschisten als Dilettanten bezeichneten, da sie den Putsch nicht gut vorbereitet hätten und andere, die ihre Solidarität mit kurdischen Gruppen zeigten und wieder andere, die den Einfluss auf  die Flüchtlingsbewegung nach Deutschland und Europa fokussierten.

Handeln mit Informationen

Was man am wenigsten erwarten kann, sind unparteiische Berichte, die treffend die Ereignisse des Putsches tatsachengetreu reflektieren. Alle sind sich bewusst, dass die Öffentlichkeit wissen möchte, was sich tatsächlich in der Türkei abgespielt hat. Jeder, ob Journalist oder Medium, will seinen Bericht wie eine Ware behandeln. Und wenn ein Dritter eine schon veröffentlichte Information wahrheitsnah findet und weiter veröffentlichen möchte, ist er gezwungen, die entsprechenden Rechte zu erwerben oder zumindest seine Quelle zu erwähnen, was allerdings selbstverständlich ist. Worauf am wenigsten Wert gelegt wird, ist dem Interesse und dem Informationsrecht der Öffentlichkeit zu entsprechen und die wahren Hintergründe des türkischen Putsches möglichst breit allen zugänglich zu machen.

Der Zugang                     

Der Putsch entstand nicht aus heiterem Himmel. Gewiss gab es Interessen, Erdogan wegzuputschen. Das Nachspüren der Interessen der Putschisten führt uns zu verschiedenen Interpretationen. Der eine sieht Kemalisten hinter dem Militärputsch und der andere gewisse westliche Kreise, die am liebsten eine ihnen unterwürfige Regierung in der Türkei an der Macht sehen würden. Die Frage ist: Woran soll man sich am ehesten orientieren, um sich bei einer so getarnten Aktion, wie dem Pusch, dem wahren Kern des Geschehens zu nähern und aus den Tatsachen heraus, die rote Linie zu finden?

Dadurch, dass man Tabus der eigenen Sichtweise zur Seite schiebt und den auf tauchenden Fragen nachgeht. Und dadurch, dass man sich aus der medial produzierter Atmosphäre befreit und versucht, autonom zu denken.

Wenn wir die Ereignisse während des Putsches verfolgen und die vorherigen Staatsstreiche in der Türkei betrachten, sehen wir folgendes:

Nach dem 2. Weltkrieg haben sich in der Türkei mehrere Staatsstreiche ereignet, worin halbdunkle Interessen gewirkt haben (Siehe das Video).

Die Türkei stand sehr stark unter dem US-amerikanischen Einfluss. Die vorherigen Staatsstreiche liefen nicht ohne die Mitwirkung amerikanischer Spionagenetze. Diese Tatsache ist gut dokumentiert. Die geheime Einflussnahme war gestartet, um der Intervention der Sowjetunion in Italien, Griechenland und anderen Staaten entgegenzuwirken. Sie lief unter der Bezeichnung „Operation Gladio“. Nach dem Zerfall der UDSSR sind einige Berichte in europäische Medien veröffentlicht worden, die jeden Zweifel hierüber beseitigen 1. Die türkische Version der Operation Gladio heißt „Ergenekon“.

Was den Verdacht über die Einflussnahme der US-amerikanischen Geheimdienste und Ergenekon auf den Putsch verstärkt, ist die Tatsache, dass die Kampfjets, die das türkische Parlamentsgebäude und das Ferienhotel Erdogans in Marmaris bombardierten, von der NATO- Luftwaffenbase Incirlik in der Nähe der Stadt Adana kamen, die dem US-amerikanischen Militärbefehl untersteht.

Das Weiterbestehen von Ergenekon in der Türkei, das immer noch als aktiv gilt, hat nach dem Putsch die türkische Regierung auf jede organisierte Opposition im Land , die mit  den USA in Verbindung steht, aufmerksam gemacht. Dass Erdogan prompt nach dem Putsch die Gülenbewegung dafür verantwortlich gemacht hat, kann damit in Verbindung stehen. In wieweit die Gülenbewegung in Verbindung mit Ergenekon steht, muss noch geklärt werden. Was allerdings klar ist, ist die Lehre aus dem CIA-Putsch gegen den damaligen iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh 1953 und die Lehre aus dem Putsch gegen dem ägyptischen Präsidenten Morsi 2013. Genauso lehrreich ist der Putsch von Sowjetagenten in Afghanistan gegen den Präsidenten Daoud Khan 1978, der das Land in den Krieg stürzte und der Bevölkerung seit 37 Jahren Kriegszustand und Vertreibung bescherte.

In der Zeit nach dem misslungenen Staatsstreich in der Türkei sieht sich die türkische Regierung veranlasst, jede organisierte Opposition im Land zu kontrollieren, was für die Demokratie dort kontraproduktiv ist. Die größte Oppositionsgruppe außer  der PKK ist die Gülenbewegung, auch wenn sie sich nicht als Opposition ausgibt. Vielleicht besteht der „Plan B“ der Initiatoren des Putsches genau darin, dass sich die Regierung Erdogans veranlasst sieht, die Opposition stark zu kontrollieren und dadurch Unzufriedenheit zu stiften. Unter diesen Umständen bewirkt die westliche Einflussnahme durch die Erhöhung des öffentlichen Drucks die breite westliche Unterstützung jeglicher Opposition in der Türkei. Dies erhöht die innere Spannung dort. Das führt dazu, dass die türkische Regierung, die bislang versucht hat, die traditionellen Umgangsformen mit der Demokratie zusammenzubringen, immer mehr unter Druck gerät. Vielleicht soll durch den Plan B die Vereinbarung von Demokratie mit den islamischen Traditionen torpediert werden.

Der Ausweg

Die Türkei ist nicht das einzige Land, das unter der Kluft zwischen dem extremen Laizismus und verschiedenen Schattierungen des Islam leidet. Die Vertiefung dieser Kluft durch eurozentristische Medienarbeit erhöht den öffentlichen Druck auf die türkische Regierung, damit sie sich dem westlichen Diktat beugt. Der Ausweg für die Türkei liegt in der Hinwendung zum wahren gegenseitigen Respekt unter den verschiedenen Strömungen und Gruppen und in ihrem Umgang mit der Regierung und das ist nichts anderes als eine nationale Befriedung. Die Tatsache, dass in der Nacht des Putsches das wachsame und willensstarke türkische Volk mit dem Allahu-Akbar-Ruf aus den Moscheen zur Unterstützung der Regierung eilte und das Scheitern des Putsches herbeiführte, zeigt, dass die Abwendung der Gefahr einer Militärdiktatur und einer eventuellen späteren Besatzung des Landes durch fremde Mächte in der nationalen Versöhnung liegt.

Note

 1 – S. Daniele Ganser, NATO-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung. Orell Füssli, Zürich 2008

http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=18569

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