Krankenhaus im Jemen bombardiert

Mindestens elf Tote bei absichtlichem Angriff der von Saudi-Arabien geführten Allianz auf eine Klinik

Von Bernd Müller
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Die Militärallianz unter Führung von Saudi-Arabien zerstört ein Krankenhaus im Norden Jemens

Bei einem Luftangriff auf ein Krankenhaus im Nordwesten des Jemen sind nach einer Mitteilung der Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« am Montag nachmittag mindestens elf Menschen getötet worden, darunter ein Mitarbeiter der Organisation. Mindestens 19 weitere seien verletzt worden. Alle Opfer seien Zivilisten gewesen, darunter viele Frauen und Kinder.

Die Klinik in Abs (Hadscha), welches von »Ärzte ohne Grenzen« seit Juli 2015 unterstützt wird, wurde teilweise zerstört. Dies ist nach Angaben der Ärzte-Organisation der vierte Angriff in weniger als zwölf Monaten auf eine von ihnen im Jemen unterstützte Einrichtung.

Der Luftangriff sei von der Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens ausgeführt worden, sagte der Gesundheitsdirektor Aiman Madkur. Die Region werde von den Ansarollah kontrolliert, gegen die das Bündnis militärisch vorgeht. Die GPS-Koordinaten des Krankenhauses seien aber wiederholt allen Konfliktparteien – auch der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz – mitgeteilt worden, heißt es in einer Erklärung der Organisation.

»Auch die jüngste Resolution der Vereinten Nationen, die ein Ende der Angriffe auf medizinische Einrichtungen fordert, und die Verpflichtungserklärungen zum internationalen humanitären Recht, scheinen nicht dazu beizutragen, dass Konfliktparteien im Jemen medizinisches Personal und Patienten respektieren«, sagte Teresa Sancristóval, Koordinatorin der Notfalleinsätze im Jemen. Wenn nicht danach gehandelt werde, seien diese öffentlichen Gesten für die Menschen sinnlos.

»Ärzte ohne Grenzen« fordert von allen Konfliktparteien und insbesondere von der Allianz unter saudi-arabischer Führung Garantien, dass es einen solchen Angriff nicht noch einmal geben werde. Seit Juli 2015 seien in der Klinik in Abs, dem wichtigsten verbliebenen funktionierenden Krankenhaus im Westen des Regierungsbezirks Hadscha, 4.611 Patienten behandelt worden. Es verfügte über eine Notaufnahme mit 14 Betten sowie über Abteilungen für Schwangere und chirurgische Eingriffe. In den vergangenen Wochen seien vermehrt Verwundete in das Krankenhaus gekommen, die meisten von ihnen Opfer von Kämpfen und Luftangriffen.

Als das Krankenhaus getroffen wurde, hätten sich 23 Patienten auf der chirurgischen und 25 auf der Entbindungsstation befunden ­ darunter 13 Neugeborene, teilte die Ärzte-Organisation in einer Erklärung mit. Auf der Kinderstation waren demnach 12 Patienten. Im Krankenhaus seien an diesem Tag auch mehrere Kriegsverletzte aufgenommen worden. Wie viele Patienten sich zur Zeit des Angriffs in der Notaufnahme befanden, sei aber noch unklar.

Das saudisch geführte Militärbündnis unterstützt seit März vergangenen Jahres den international anerkannten jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi mit Luftangriffen im Kampf gegen die Aufständischen.

Erst am Samstag waren beim Angriff auf eine Schule in der Nachbarprovinz Saada mindestens zehn Kinder getötet worden. Der seit Anfang 2014 andauernde Konflikt im Jemen verschärft sich, seit die Friedensgespräche zwischen Hadis Regierung und den Rebellen am 6. August abgebrochen wurden. In dem Bürgerkriegsland sind bereits mehr als 6.500 Menschen ums Leben gekommen, die Hälfte davon Zivilisten.

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