Propaganda und Sabotage – Die Ukraine vor dem Krieg

Peter Orzechowski

Wenn man wissen will, wo USA/NATO und ihre Marionetten die nächsten Konflikte provozieren, muss man nur die transatlantischen Propaganda-Postillen lesen. So schreibt ein gewisser Richard Herzinger heute in der Welt in bester Stürmer-Hetz-Tradition: »Der Westen muss Putin jetzt endlich stoppen.« Seit Längerem seien russische Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze im Gange. Putin könnte planen, den Westen zu überrumpeln, solange dieser abgelenkt ist.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Putin den Westen hereinlegt, hetzt Herzinger. »Georgien ließ er 2008 im August angreifen, als die westlichen politischen Entscheidungsträger am Strand oder in den Bergen vor sich hin dösten.« So einfach geht das also mit der Verdrehung der Tatsachen. Im August vor acht Jahren waren es – wie man leicht überall nachlesen kann – die Georgier, die den Krieg begannen.

Und heute? Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte gestern mitgeteilt, am Samstag auf der Krim eine ukrainische Einsatztruppe aufgespürt und zerschlagen zu haben. Die Ukrainer hätten Terroranschläge auf Infrastruktureinrichtungen der Halbinsel geplant.

In der Nacht zum Montag soll das ukrainische Militär zudem die Krim unter Beschuss genommen und versucht haben, unter diesem Deckmantel weitere Terrorgruppen einzuschleusen. Dieser Versuch wurde nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums vereitelt. Bei den Kämpfen seien ein russischer Soldat und ein FSB-Mitarbeiter getötet worden. Mehrere ukrainische Agenten seien festgenommen worden.

»Auf dem Territorium der Halbinsel Krim wurde ein Agentennetz der Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine aufgedeckt«, heißt es in der Mitteilung des russischen Geheimdienstes FSB. »Es wurden Bürger der Ukraine und Russlands festgenommen, die bei der Vorbereitung der Terroranschläge geholfen haben, sie haben ihre Schuld gestanden und sagen jetzt aus.«

Ein Organisator der geplanten Terroranschläge, der 39-jährige Angestellte der ukrainischen Verteidigungsbehörde Jewgeni Panow aus Saporischschja sei festgenommen worden und habe bereits ein Geständnis abgelegt.

In der Nacht vom 6. auf den 7. August sei eine Gruppe ukrainischer Diversanten auf dem Territorium der Krim, nahe der Stadt Armjansk, aufgegriffen worden. Es sei zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem ein FSB-Mitarbeiter ums Leben gekommen sei. Am Ort des Geschehens seien 20 selbstgebaute Sprengsätze mit einer Sprengkraft von insgesamt 40 Kilogramm TNT, Munition, Minen, Granaten und Spezialwaffen entdeckt worden. Die geplanten Terroranschläge sollten die Lage im Vorfeld der Staatsduma- und Regionalwahlen destabilisieren.

In der folgenden Nacht seien zwei weitere Versuche von Diversions- und Terrorgruppen unternommen worden, auf das Territorium der Krim einzudringen. Diese aber konnten von FSB-Mitarbeitern vereitelt werden. Der Durchbruchsversuch sei von Seiten der Ukraine durch massiven Beschuss und Panzertechnik unterstützt worden, heißt es. Ein russischer Militärangehöriger kam bei der Abwehr des Durchbruchsversuchs zu Tode. Auf dem Territorium der Halbinsel läuft die Fahndung nach den Terroristen.

Die FSB-Verwaltung Russlands für die Krim und Sewastopol hat Strafverfahren eingeleitet. Außerdem wurden zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen an belebten Orten und bedeutenden Infrastrukturobjekten ergriffen. An der Grenze zur Ukraine sei außerdem der Grenzschutz verstärkt worden.

Am Samstag war der Chef der von Kiew abtrünnigen selbsternannten »Volksrepublik Lugansk«, Igor Plotnizki, bei einem Bombenanschlag verletzt worden. Plotnizki machte die Geheimdienste der Ukraine und der USA für das Attentat verantwortlich. Die Ukraine bestreitet jede Verwicklung in diese blutigen Ereignisse in Lugansk und auf der Krim.

Vor einer Woche allerdings hatte ein Sprecher des ukrainischen Geheimdienstes mit Blick auf den geplanten Gefangenenaustausch im Kriegsgebiet Donbass »Überraschungen« angekündigt.

Herzinger macht in seinem Hetz-Beitrag aus diesen Vorgängen »ein offenbar vom russischen Geheimdienst fabriziertes Komplott« und vermutet dahinter den Plan zu einer »groß angelegten Invasion der Ukraine«.

Achten Sie bitte auf die Wortwahl des Welt-Agitators in den nächsten Zeilen – ich habe einiges kursiv hervorgehoben: »Die Schamlosigkeit, mit der der Kreml-Herr die Ukraine des Terrors bezichtigt, während er einen Teil dieses Landes annektiert hält und in anderen Teilen durch die Präsenz seiner Besatzungstruppen eine terroristische Willkürherrschaft ›separatistischer‹Verbrecherbanden garantiert, spricht Bände.«

Lesen Sie weiter, wie Herzinger schürt: »Der Westen hat Putins kriegerischen Untaten und seinererpresserischen Gewaltpolitik bislang keinen nennenswerten Widerstand entgegengesetzt, zur Fortsetzung seines kriegsverbrecherischen Vorgehens in Syrien hat er ihn zuletzt sogar mehr oder weniger offen ermutigt … Es ist allerhöchste Zeit, dass der Westen endlich aus seinem Wahn erwacht, Putin könne durch gutes Zureden auf den Pfad friedfertiger Vernunft und Rechtschaffenheit zurückgeführt werden, und ein klares Signal setzt, dass er eine neuerliche Aggression gegen die Ukraine ebenso wenig dulden wird wie die fortgesetzte russische Okkupation vom Territorium dieses souveränen Staates.«

Dann endlich lässt Herzinger die Katze aus dem Sack: »Die Ukraine muss jetzt vom Westen mit aller Kraft und auf allen Ebenen unterstützt werden, auf der einer deutlichverschärften, härteren Diplomatie ebenso wie auf der einer effektiven Ausrüstung und Ausbildung der ukrainischen Armee.«

Was Herzinger nicht erwähnt, ist eine Meldung, die in eine ganz andere Richtung weist: Kämpfer der Terrormiliz IS sammeln sich an der nördlichen Grenze zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim, wo ihnen die Ukraine Trainingslager zur Verfügung gestellt hat, wie Ruslan Balbek, Vizepremier der Halbinsel Krim, mitteilte.

»Uns sind die Trainingscamps im Gebiet Cherson der Ukraine bekannt, wo die Anhänger der Terrormiliz Daesh (auch Islamischer Staat) geschult werden«, sagte Balbek beim Treffen mit französischen Abgeordneten. »Wir sind zutiefst darüber besorgt, dass die ukrainische Seite als Gegenleistung für die Anti-Russland-Sanktionen den islamistischen Radikalen erlaubt, im Gebiet Cherson an rechtswidrigen Aktivitäten teilzunehmen und parallele Machtstrukturen zu bilden«, so Balbek.

Es sei auch möglich, dass die Radikalen die ukrainische Staatsführung erpressen und dabei die ukrainischen Atomkraftwerke ausnutzen könnten. Dies könne eine Gefahr sowohl für Russland als auch für Europa darstellen.

Die Entwicklungen in der Ukraine deuten darauf hin, dass es bald zu militärischen Aktivitäten dort kommen könnte. Die Anwesenheit von IS-Söldnern und Sabotage-Gruppen im Grenzgebiet Krim-Ukraine ist ein erstes Zeichen. Der Aggressor steht natürlich bereits fest – das zeigt der Beitrag in der Welt. Es ist – mal wieder – der »Kreml-Herr«.

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