Burka-Alarm am Blausee – oder: fremd im eigenen Land

Marokko, Ägypten? Nein:
Blausee, Kandergrund, Schweiz: 8.8.2016

Am Montag führte uns die Ferienlaune Richtung Oberland. Adelboden war unser erstes Ziel. Das Wetter spielte mit und so stigelten wir an die Stigelschwandstrasse 66, um im Restaurant Schermtanne heimische Kochkunst zu erleben. Der Service war ausgezeichnet: freundlich und kompetent, die Rösti nicht wirklich der Hammer, aber durchauss geniessbar. Zurück im Dörfli war es für einen Feierabend-Drink noch etwas früh und so dislozierten wir an den Blausee. Da ist es eigentlich sehr schön … eigentlich!

Seitens der Printmedien waren wir ja durchaus vorgewarnt und wussten somit ganz genau, dass viel weniger Touristen aus China unser Land besuchen. Das hätte uns ja nicht wirklich gestört. Auch nicht, dass im Gegenzug wahre Ströme aus arabischen Ländern bei uns eintreffen, alles Kurzaufenthalter ohne Wunsch, sich in der Schweiz auf Dauer niederzulassen. Was mich wirklich wirklich wirklich stört, sind diese Burkas.

Eigentlich waren es ja keine Burkas, wie mich das Internet belehrt, sind letztere doch hellblau und bedecken absolut alles inklusive Augen. Diese Frauen waren jedoch fast vollkommen in fröhliches, aufmunterndes Schwarz gekleidet, was auf eine sogenannte Niqab deutet. Allerdings hatte die eine oder andere sogar den Augenschlitz nicht völlig frei, da selbst dieses letzte „Luftloch“ durch schwarzen Tüll verhängt war. Und wenn davor noch eine Gucci-Sonnenbrille klebt, dann sieht es echt total schräg aus.

Nach See-Umrundung per pedes und Füssehochlegen auf einem Bänkli assen wir noch etwas Leckeres auf der Terrasse des Restaurants. Wiederum war der Service mega; man hätte sich fast in Österreich wähnen können, so freundlich war die Bedienung. Allerdings fehlten Lederhosen und Dirndl komplett. Dafür waren viele der Tische besetzt mit Niqab- oder Hidschab-Trägerinnen samt jeweils zugehörigem Macho und ansehnlicher Kinderschar. Unter den Kindern waren viele Mädchen und die taten mir mega leid. Schon bald gehören auch sie bestenfalls zu den Kopftuchträgerinnen dieser Welt. Wäre meine Stimme markanter, hätte ich gerne: „it is a man’s world“ gesungen, um Verständigungsproblemen vorzubeugen notfalls sogar auf arabisch.

Nach geschätzten 3 Stunden an diesem wirklich paradiesischen Plätzchen hatte mein Schatz schon fast Hemmungen, dass ich KEIN Kopftuch und KEINE Ganzkörperverhüllung trage. Eigentlich wäre es ja figurentechnisch noch ganz praktisch. Der Burka ist es egal, ob ich ein paar Kilo zu- oder abnehme. Meine Jeans sieht das ein wenig anders und so sehe auch ich je nach Lebensphase anders aus.

Auf den Punkt gebracht könnte man sagen: wir fühlten uns fremd im eigenen Land. Gehe ich nach Marokko oder Ägypten, dann stört mich die Landestracht der Einheimischen nicht. Allerdings würde ich mich standhaft weigern, mein Haupt zu verhüllen, was bekanntlich dort von jeder Frau erwartet wird: Anpassung an die Gegebenheiten. Als Calmy-Rey während ihrer Amtszeit als Bundespräsidentin den Iran besuchte, tat sie dies ganz selbstverständlich und erntete nicht nur Kritik in der Schweiz, sondern auch diejenige einiger Studentinnen vor Ort, welche seit Jahren gegen den Kopftuchzwang kämpfen.

Meine Logik: wird erwartet, dass westliche Frauen sich in arabischen Ländern verhüllen, dann erwarte ich als Schweizerin, dass sich die arabischen Frauen in unserem Land ebenfalls den Gegebenheiten anpassen. Ansonsten gibt es genügend Feriendestinationen, in denen sie in ihrer normalen Öffentlichkeits-Kleidung überhaupt nicht auffallen. Der ganze arabische Raum steht ihnen offen.

http://kurzum.blogspot.de/

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