Sonntag, 12. Juni 2016 , von Freeman um 22:00
Sonntag war der letzte Tag der Bilderberg-Konferenz in Dresden und der Abreisetag. Wir beobachteten wie sie ihre Limousinen bestiegen haben und einer nach dem anderen zum Flughafen gefahren wurden. Sonntag ist auch der Tag an dem wir langjährigen Beobachter der Bilderberger uns gemütlich zusammensetzen nach einer stressvollen Woche unsere Erfahrungen austauschen und uns über die erfolgreiche Berichterstattung freuen und ein Bierchen dazu trinken. So auch diesmal.
Also sassen wir draussen unter den Sonnenschirmen des „Alex“ und waren am Plaudern, als plötzlich eine Teilnehmerin der Bilderberg-Konferenz vorbeilief, die ich erkannte. Es war Christa Markwalder, die amtierende Nationalratspräsidentin der Schweiz. Ich bin spontan auf sie zugegangen und hab sie gefragt, ob wir uns mit ihr unterhalten dürfen? Als sie mich erkannte willigte sie sofort ein und setzte sich zu uns an den Tisch. Nicht nur das, sie spendierte uns allen ein Bier.
Wir haben dann unsere Fragen gestellt, die Frau Markwalder sehr offen, so wie es ihr unter den Chatnam-House-Regeln erlaubt ist, beantwortete. Wie war die Konferenz? Was wurde besprochen? Was war ihr Eindruck? Wen hat sie kennen gelernt? etc. Wir hatten ein sehr aufschlussreiches und nettes Gespräch, haben dabei unseren Standpunkt über die Geheimnistuerei ihr mitgeteilt und was wir rund um das Tagungshotel mit der Polizei so alles erlebt haben.
Nach ganzen ZWEI Stunden verabschiedete sich Frau Markwalder von uns und wir machten ein Gruppenfoto:
Während unserem Gespräch:
Als Frau Markwalder sich zu uns gesetzt hatte, fragte sie mich, „sind sie derjenige, der das ‚Kettenraucher-Video‘ über mich online stellte?“ Ich antworte, „Ja„, worauf sie sagte, „ich war nur wenig eine rauchen, ausgerechnet dann habe sie mich gefilmt ;-), aber dann kann ich ja jetzt mit ihnen zusammen eine Zigarette rauchen.“
Wie oben gesagt, bestellte sie für uns alle ein Bier, obwohl wir sie selbstverständlich einladen wollten, aber sie bestand darauf. Dann begann das Gespräch und wir waren sehr neugierig, was sie auf unsere Fragen antworten würde. Wir haben uns auf Englisch unterhalten, denn nicht alle am Tisch sprachen Deutsch:
Musste sie eine Schweigeerklärung unterschreiben? Nein, aber es gelten die Chatnam House Rules.
Bekam sie vorab ein ausführliches Briefing über die Diskussionsthemen, um sich vorzubereiten? Nein. Sie kannte die Themen, welche in der Presse standen.
Wer hat sie zu Bilderberg eingeladen? Herr Kudelski, als Schweizer Mitglied des Steering Komitee.
Wer bezahlt die Reise- und Übernachtungskosten? Sie hat sie selber bezahlt.
Wir machten sie darauf aufmerksam, dass wir es nicht in Ordnung finden, der Steuerzahler muss die Kosten für die Sicherheit durch die Polizei bezahlen, obwohl die Bilderberg-Konferenz laut eigenen Angaben eine Privatveranstaltung sein soll und uns deshalb nichts anginge.
Durften die Teilnehmer ihre Handys, Tablets und Laptops während der Vorträge benutzen? Ja
Sie erwähnte aber, bei anderen politischen Treffen mit ausländischen Regierungsvertretern, muss die Handtasche mit Handy draussen bleiben, was sie nicht gut findet, speziell wenn sie zu dem Gespräch als Gast eingeladen wurde.
Konnte sie selber Fragen nach den Vorträgen stellen? Nein, denn sie stand ganz unten auf der Liste.
Von ihr kam die Aussage, sie versteht die Geheimnistuerei nicht und warum daraus Verschwörungstheorien entstanden sind?
Wir machten sie darauf aufmerksam, dass in der Vergangenheit hat zum Beispiel der ehemalige Präsident der Bilderberger, Étienne Davignon, damit geprahlt, SIE hätten in den 50-Jahren entschieden, die Europäische Union und die Gemeinschaftswährung zu erschaffen. Die Entscheidung haben die Transatlantiker getroffen und nicht die Politiker.
Ausserdem machten wir Frau Markwalder auf den Zusammenhang zwischen Bilderberg-Teilnahme und danach steilen Karrieresprung von Politikern aufmerksam.
Wie Bill Clinton, der als unbekannter Gouverneur von Arkansas 1991 bei Bilderberg in Baden Baden teilnahm und dann nur zwei Jahre später, ab 1993, der 42. Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Solche Beispiele über den Zusammenhang zwischen Bilderberg-Teilnahme und Einführung in ein hohes Amt gibt es viele, wie auch bei Merkel 2005 oder Obama 2008.
Wir fragten Frau Markwalder, ob denn die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an der Bilderberg-Konferenz teilgenommen hat, denn wir sahen sie weder an- noch abreisen. Sie sagte Ja, von der Leyen war dabei.
Die anderen beiden Bundesminister, Schäuble und de Maizière, haben wir gesehen und im Bild festgehalten.
Zwischendurch möchte ich euch sagen, wir haben einige Bilderberger angesprochen und versucht Fragen zu stellen, als sie sich ausserhalb des Sicherheitsbereichs aufgehalten haben und Dresden besichtigten. Zum Beispiel habe ich Sylvie Goulard, französische Abgeordnete des EU-Parlaments, Alex Karp, Chef von Palantir Technologies, Julia Jäkel, Chefin von Gruner + Jahr, James Johnson, Wahlkampfmanager von Obama und grosser Sponsor der Demokraten, und Jacob Wallenberg, einer der reichsten Schweden, mit Fragen konfrontiert. Keiner gab uns eine Antwort.
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Wir konfrontierten Jacob Wallenberg mit Fragen,
aber er lies uns abblitzen. |
Entweder sagten sie, „haut ab“, oder sie ignorierten uns, oder wie Wallenberg, verwiesen uns auf das Interview des Bilderberg-Chefs Henri de Castries vom Dienstag in der „Dresdner Neuesten Nachrichten“. Deshalb ist es schon bemerkenswert, dass Christa Markwalder als Ausnahme sich unseren Fragen stellte.
Ich fragte Frau Markwalder, Russland wäre bei der diesjährigen Konferenz ein Thema gewesen, was sie uns dazu sagen könnte? Sie antwortete, sie wäre Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Schweiz-Ukraine, und gab uns zu verstehen, sie wäre negativ auf Russland zu sprechen. Hauptsächlich wegen der Schiesserei auf dem Maidan und wegen dem Referendum auf der Krim, „das nur eine Woche nach dem Maidan stattfand und deshalb von Russland vorbereitet war„, wie sie behauptete.
Ich machte sie darauf aufmerksam, Andrij Parubij, der „Kommandant des Maidan“ und Mitbegründer der rechtsextremen Sozial-Nationalen Partei der Ukraine, des Vorläufers der heutigen Swoboda-Partei (Nazi-Partei), der zeitweise auch in der Führung der nationalistischen Organisation Patriot der Ukraine aktiv war, hat die Scharfschützen eingesetzt, wie auch die BBC und andere westliche Medien es berichtet haben.
Dann korrigierte ich Frau Markwalder und sagte, das Referendum fand am 16. März 2014 statt, also mehr als DREI Wochen nach dem Maidan-Putsch, der mit der mit der illegalen Absetzung des demokratisch gewählten Präsident Janukowytsch am 22. Februar 2014 seinen Höhepunkt fand. Ihre Unterstellung, die russische Regierung hätte das Referendum in der Schublade gehabt, ist deshalb falsch.
Der Termin der Abstimmung wurde zweimal vorgezogen (erst vom 25. Mai auf den 30. März und dann auf den 16. März), weil die Krim-Bewohner die gewalttätige Diskriminierung der Russisch-Stämmigen in der Ukraine, das Verbot der russischen Sprache und Abschalten der russischen TV- und Radiosender mitbekommen haben und ein gewaltsames Vorgehen der Nazis auf der Krim verhindern wollten.
Offensichtlich glaubt sie der offiziellen Darstellung des Putsch-Regimes in Kiew und ist damit einseitig und falsch informiert. Frau Markwalder hat auch vergessen, am 2. Mai 2014 fand das Massaker von Odessa statt, wobei 42 Anti-Maidan-Demonstraten von einem nationalistischen Mob im Gewerkschaftshaus erschossen, erschlagen und verbrannt wurden. 200 Menschen wurden dabei verletzt.
Dieses Schicksal wurde den Krim-Bewohnern mit der Entscheidung, der Russischen Föderation beizutreten, erspart. Gerade als Schweizer Politikerin müsste sie das Resultat des Referendum respektieren, sagte ich. So sprachen sich bei einer Wahlbeteiligung von 83,1 % dem amtlichen Endergebnis zufolge 96,77 % der Abstimmenden für einen Anschluss an Russland aus.
Sie sagte bei der Gelegenheit, die Bilderbeger sehen es nicht gerne, dass Henry Kissinger eine eher pro-russische Einstellung hat und mehr Verständnis für die Position von Präsident Putin verlangt. Eine interessante Einsicht!
Ich fragte Frau Markwalder, ob sie mit Kissinger selber gesprochen hätte und sie antwortete, Nein.
Hat sie mit dem Präsidenten der Bilderberger gesprochen, mit Henri de Castries, fragten wir sie: Sie antwortete, Nein, denn er wäre Chef von der Konkurrenz, der AXA-Versicherung, und sie arbeitet als Juristin für die Zurich Insurance Group.
Dann stellten wir die Frage, welche Person hat sie bei der Konferenz am meisten beeindruckt? Sie überlegte eine Weile und sagte dann, es war Mehmet Şimşek, der stellvertretende Premierminister der Türkei. Sie setzt gewisse Hoffnungen in Şimşek, obwohl er kurdischer Abstammung ist und deshalb nicht für ein ganz hohes Amt prädestiniert sein kann.
Zur Erläuterung, Şimşek hat für die UBS, Deutsche Bank oder zuletzt Merrill Lynch gearbeitet. Bei den Parlamentswahlen 2007 wurde er als Kandidat der AKP im Wahlkreis Gaziantep gewählt und nach der Wahl zum Staatsminister berufen. Er ist zuständig für den Fiskus und die Türkische Zentralbank. Wahrscheinlich wünschen sich die Bilderberger ihn als Nachfolger von Erdogan.
Dann haben wir Frau Markwalder gefragt, was die Bilderberger vom BREXIT halten, das Referendum über den Ausstieg der Briten aus der EU am 23. Juni? Sie rollte nur mit den Augen und gab damit zu verstehen, ein Verlassen der EU wäre der Albtraum für die Bilderberger. Als Globalisten und Internationalisten ist jede Rückkehr zu einer nationalen Politik das genau Gegenteil von dem was sie immer forciert haben.
Zuletzt fragten wir sie ganz direkt, spielt die Schweiz in der transatlantischen Politik eine Rolle und ist die Schweiz im transatlantischen Bündnis integriert? Sie antwortete, Ja. Der Grund, es ginge um die gemeinsamen westlichen Werte und ausserdem wäre die Schweiz Mitglied in der Partnerschaft für den Frieden (englisch: Partnership for Peace; PfP), eine 1994 ins Leben gerufene Verbindung zur militärischen Zusammenarbeit zwischen der NATO und 22 europäischen sowie asiatischen Staaten, die keine NATO-Mitglieder sind.
Ich kritisierte ihr gegenüber die Übernahme der Sanktionspolitik Washingtons gegen den Iran und Russland durch die Schweiz, was schädlich für die Schweizer Wirtschaft wäre und nicht von Neutralität zeugt. Sogar Medizin hätten die Iraner nicht von Schweizer Pharmaunternehmen kaufen können. Nicht weil die Firmen nicht liefern wollten, sondern weil der Iran vom Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen wurde und nicht zahlen konnte. Sie antwortete, die Schweiz hätte die Verbindung zur iranischen Nationalbank offen gehalten und nicht alle Sanktionen Washingtons umgesetzt.
Abschliessend bestätigt unser Gespräch mit Frau Markwalder, sie vertritt von ihrer Einstellung her ganz klar die Politik der EU und der USA. Sie ist nämlich auch Präsidentin des parlamentarischen Vereins Schweiz-USA. Ich sehe keine „Neutralität“ in ihren Aussagen und in ihrem Verhalten. Deshalb haben die Bilderberger sie auch eingeladen, als ihr „U-Boot“ für die Schweiz!!!
Lobenswert ist sicher ihre Bereitschaft sich unseren Fragen zu stellen, im Gegensatz zu den anderen Bilderbergern, die völlig verschlossen sind. Sie ist halt eine Vollblutpolitikerin, weiss wie man mit Menschen umgeht und ist charmant oben drauf.
Wir haben uns bei Frau Markwalder für das Gespräch bedankt und dann das Gruppenfoto wie oben gezeigt gemacht. Sie ist dann weiter durch Dresden geschlendert, um die Zeit bis ihr Rückflug in die Schweiz stattfand für eine Besichtigung zu nutzen.
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Mein Kommentar über das Erscheinen, oder besser gesagt, Nichterscheinender Dresdner und überhaupt der Deutschen anlässlich des Bilderberg-Treffen: Eine totale Pleite und Schande. Es war kaum jemand zu sehen bei den „Demos“, die ein Witz von der Teilnehmerzahl her waren. Ausserdem, es waren mehr Berichterstatter der alternativen Medien aus dem Ausland da als einheimische. Grosses Maul immer haben, aber aktiv nichts dagagen tun. Feiglinge und ihr bekommt was ihr verdient!!!
Bei der Demo der AfD, die am Bilderberg-Hotel am Samstag vorbeizog, haben höchstens 20 Demonstraten teilgenommen, „beschützt“ von mindestens 50 Polizisten in Kampfmontur.