Guckst du … die Stunde null im deutschen Fernsehen: Böhmermann versus Erdowan

Peter Bartels

Erste Frage: Kennen Sie einen Deutschen, der Erdoğan mag? Ich meine, einen Bio-, keinen Passdeutschen. Denn natürlich mögen die meisten Türken aus Anatolien ihren Sultan.

Zweite Frage: Kannten Sie Jan Böhmermann, bevor er den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan einen Hurensohn, einen Sodomisten, einen Päderasten mit »kleinem« Gemächte nannte?

Dritte Frage: Haben Sie an irgendeiner Stelle seines von allen Medien in Auszügen zitierten »Gedichts« lachen können, wenigstens lächeln, gut: grinsen, feixen? Irgendwie? Kein bisschen?

Sie sind nicht allein ‒ ich auch nicht. Null! Niente. Nada. Nichts. Ein eitler Hänftling mit Anzug und Bärtchen im »ZDF-Neo«-Studio, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eigentlich. Ein paar Nerds müssen trotzdem geguckt haben. Und seitdem ist der Teufel los in Deutschland: Tagesschau, Tagesthemen,heute-journal, Phoenix, alle Privaten rauf und runter.

Nachricht Nummer eins, mindestens Nummer zwei! Mal mit verkniffenem Politkommentar, mal mit Juristen-Eiertanz.

So muss es sein, wenn die Türkei uns den Atomkrieg erklärt. Oder demnächst die ersten von 3,8 Millionen Menschen die türkischen Flüchtlingslager im Lufthansa-Flieger in Richtung »Gerrmänny« verlassen.

Alle labern, stammeln in die eilfertig gereichten Mikrofone. Der silbergraue ZDF-Intendant Thomas Bellut, der mit einer türkischen Muslima verheiratet ist und dem die Minisparte »ZDF-Neo« untersteht, faselt etwas von fehlendem »Qualitätsanspruch« … darum habe er die Sendung »gelöscht«. Der ARD-Rechtsexperte in Karlsruhe eiert schlussendlich auf Phoenix von einerseits »sehr beleidigend« und andererseits »Artikel 5« (Pressefreiheit, Kunst, Wissenschaft).

Regierungssprecher Steffen Seibert versucht derweil, die Journaille vor der Bundespressekonferenz mürrisch abzubürsten: »Ermächtigungsgesetz« kann nicht der Begriff sein …!

Auf die beharrliche Belehrung des Fragers: Aber das Gesetz ermächtigt die Kanzlerin, Böhmermann für Erdoğans Anzeige freizugeben, bügelt Seibert leicht bockig ab: Die Bundesregierung wird den Antrag der Türkei wohl noch ein paar Tage prüfen. Wir machen so was ja auch nicht jeden Tag …

Und dann ist da noch die schon aufgeregt mit den Hufen scharrende Opposition. Katja Kipping von der LINKEN, in Sachen DDR-Mauer-Staat schlagartig von Amnesie befallen, heuchelt augendeckelklappernd die lupenreine Demokratin: »Duckmäuserhaft« … »Offenbarungseid«.

Simone Peters von den Grünen kommt mit der ganz großen Klatsche: Erdoğan führt Krieg mit dem eigenen Volk! Bomben auf die Kurden! Satire? Presse? Zensur! Unterdrückung! Natürlich muss Merkel das »Erdowan«-Ansinnen gegen Böhmermann ablehnen …

Jetzt kann das Gutmenschen-Fernsehen Pegida und AfD mal so richtig zeigen, wo der Hammer hängt. Wie die Damen und Herren von der »Lügenpresse« für die Pressefreiheit, die Freiheit des Bürgers kämpfen. Natürlich darf nicht passieren, dass der Sultan das wackelige Flüchtlingsabkommen mit Moslem-Mama Merkel einfach kippt. Aber unsere demokratischen Grundwerte darf er nicht antasten.

»Der nicht, das machen wir schon selber«, möchte man am liebsten soufflieren …

»Wir alle müssen die Moschee mal im Dorf lassen«, warnt der nette, rundliche Obertürke der Deutschen Welle, Baha Güngör, zu sehr später Stunde auf Phoenix. Dass Erdoğan in der Türkei 1800 Beleidigungsklagen gegen Journalisten, Wissenschaftler, Staatsanwälte, Richter laufen hat, ist schlimm. Noch schlimmer ist, dass der Prozesshansel der Staatspräsident selbst ist. Und da gehtʼs dann ganz schnell mal um »lebenslänglich«.

Das alles wäre genauso lächerlich, wie es sich liest. Hätte die angelernte Demokratin Merkel im Oktober nicht in einem wahnhaften Anfall die Arme ausgebreitet und die größte Völkerwanderung des 21. Jahrhunderts ausgelöst.

Dann wäre sie auch nicht in gespenstisch-neurotisch anmutender Rechthaberei und Bockigkeit gezwungen gewesen, einen Milliardendeal mit dem größten Despoten und Christenhasser am Rande Europas zu mauscheln.

Vor allem: Nie und nimmer wäre dann so ein Würstchen wie Jan Böhmermann mit dem Humor-Begabungsfaktor Null-minus-null zum Schicksal für 81 Millionen Deutschländer und 3,8 Millionen Flüchtlinge im Sultanat Türkei geworden.

Ob Springer-Vorstand Mathias Döpfner (alles Kunst, alles Satire, ich unterschreibe jedes Wort). Oder der flehende Kalauerkönig Dieter Hallervorden (»Erdoğan, zeig mich an … ich sing einfach, was du bist, ein Terrorist«). Egal, alle dürfen Flagge zeigen. Und natürlich durfte die deutsche Papier-Titanic auch ihren Satire-Eisberg rammen. Chefredakteur Tim Wolf attestierte Böhmermanns Meuchel-Deutsch grinsend: »Kunst!«

Dabei hatte Jan, das ZDF-Mainzelmännchen, selbst kurz vor der »Niederkunft« noch gemenetekelt: Was jetzt kommt, ist eigentlich nicht erlaubt. Mal sehen, was passiert …

Also, Herr Autofahrer, wenn Sie das nächste Mal bei Rot über die Kreuzung knattern …, sagen Sie der hübschen Multikulti-Polizistin: Ich wollte nur mal sehen, was passiert … Oder nach der fünften Flasche Bier … Oder wenn die Zwangsgebühr für das Staatsfernsehen fällig wird … Oder die Krankenkasse … die Steuern fürs Finanzamt …

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