Warum Erdogan besser keine Beweise für Öl-Geschäfte mit IS fordern sollte

(Admin: Nun denn: Ein Mann ein Wort? Er wollte doch zurücktreten. Mehr dazu hier:  https://marbec14.wordpress.com/2015/12/01/erdogan-will-zuruecktreten-wenn/)

Der türkische Präsident Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine Bereitschaft erklärt, zurückzutreten, falls der Kauf von Öl durch Ankara bei der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ bewiesen wird.

„Die Vorwürfe, dass die Türkei Öl bei IS kauft, sind inakzeptabel und es ist amoralisch, darüber zu sprechen. Solche Themen können nicht einfach so angeschnitten werden, es müssen Beweise vorgelegt werden. Falls es solche Dokumente gibt, müssen sie gezeigt werden. Falls diese Tatsache bewiesen wird, werde ich nicht länger auf diesem Sessel bleiben“, sagte der türkische Staatschef am Rande des Weltklima-Gipfels in Paris.

Das ist nicht die erste umstrittene Äußerung des türkischen Präsidenten, dessen Vorgehen in Syrien von Russlands Präsident Wladimir Putin als Schlag in den Rücken durch Helfershelfer der Terroristen bezeichnet wurde. RT legt mehrere Fakten vor, die darauf hinweisen, dass die Nichtbeteiligung der Türkei an den Öllieferungen von den unter Kontrolle der Terroristen stehenden Gebieten nicht so unumstritten ist, wie dies Ankara erklärt.

Aufnahmen aus dem All

Erstens zeigte Russland beim G20-Gipfel in Antalya den Staats- und Regierungschefs das Ausmaß des Ölhandels durch die IS-Terroristen. Wie Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, gibt es Satellitenaufnahmen, die zeigten, dass Tanklaster „bis zum Horizont“ wie eine „lebende Pipeline“ Öl aus Syrien in die Türkei transportieren. „Sie fahren Tag und Nacht in die Türkei“, sagte der russische Staatschef.

Recherchen „The Guardian“ 

Putins Worte bewegten einen Journalisten der britischen Zeitung „The Guardian“ zur Durchführung einer eigenen Untersuchung. Er betonte im Ergebnis, dass den Zusammenhang zwischen den Behörden der Türkei und dem „Islamischen Staat“ selbst die Anhänger des Erdogan-Regimes verfolgen könnten.

Seit 2012, als die Terroristen in Richtung Syrien vorrückten, war ihre Präsenz auf allen Abschnitten ihres Weges offensichtlich – sie blieben nicht unbemerkt und versammelten sich regelmäßig in türkischen Hotels, in Cafés. Im Ergebnis kamen europäische Diplomaten zu dem Schluss, dass die Behörden der Türkei mit den radikalen Islamisten sympathisieren, die sich nach Syrien begeben, um gegen Baschar al-Assad zu kämpfen.

Laut „The Guardian“ schlossen türkische Geschäftsleute Super-Deals mit IS-Extremisten, die sich mit Ölschmuggel befassten, wobei jede Woche rund zehn Millionen US-Dollar in die Kasse der Terroristen flossen. Wie hochgestellte Mitglieder des „Islamischen Staates“ der britischen Zeitung mitteilten, bevorzugten die türkischen Behörden, sich in ihre Angelegenheiten nicht einzumischen.

Zudem wurden im Zufluchtsort des vernichteten Terroristen Abu Sajaf, der für den Ölhandel zuständig war, auf Hardware Informationen über Verbindungen zwischen hochgestellten IS-Vertretern und einigen türkischen Beamten entdeckt.

Türkischer Angriff auf russisches Su-24-Flugzeug

Video siehe hier:

http://de.sputniknews.com/politik/20151201/306094224/erdogan-oel-geschaefte-is.html

Wie die Leiterin des Zentrums für Asien und Nahen Osten des Russischen Instituts für strategische Studien, Anna Glasowa, zuvor in einem RT-Interview gesagt hatte, wurde der russische Su-24-Bomber einige Tage nach dem Beginn der russischen Luftangriffe gegen Objekte des Schmuggelöls abgeschossen, das aus Syrien an verschiedene Länder geliefert wurde, darunter die Türkei.

„Man kann sicher behaupten, dass eine solche Ölmenge nicht unbemerkt von den türkischen Behörden geliefert werden konnte. Türkische Führungskräfte  nahmen an diesen Geschäften sicher teil“, sagte Glasowa.

Mehr zum Thema: Putin: Jet-Abschuss sollte Lieferung von IS-Öl an Türkei absichern

Der russische Außenminister Sergej Lawrow betonte ebenfalls, dass die Türkei gleich nachdem die russische Luftwaffe die Ölkonvois der Terroristen zu bombardieren begann, Besorgnis äußerte. „Das ist natürlich kaum ein Zufall, dass unsere türkische Nachbarn sich danach sehr nervös verhielten“.

Türkische Opposition

Der stellvertretende Vorsitzende der oppositionellen Demokratischen Partei der Völker Idris Baluken betonte, dass der Angriff der türkischen Luftwaffe auf das russische Militärflugzeug im Voraus geplant worden sei. Ihm zufolge kann die Demarche mit dem Wunsch Erdogans erklärt werden, sich in die Operation der russischen Luftwaffe  gegen die Terroristen in Syrien einzumischen.

Das Mitglied der größten türkischen Oppositionspartei CHP Mehmet Ali Ediboglu betonte ebenfalls, dass die Vorwürfe gegen die türkische Regierung nicht unbegründet seien. „IS verdiente beim Ölexport 800 Millionen US-Dollar pro Jahr und gab dieses Geld für Waffenkäufe aus. Damit wurde das Öl zum Mittel für Terrorismusfinanzierung“, so Ediboglu. „In Kirkuk, im Norden Iraks, funktionieren vier Ölhandelsfirmen, die dem Anführer der irakischen Kurden, Masud Barsani, nahe stehen. Via diese Firmen kaufen Dutzende Händler, vor allem aus der Türkei, Öl und verkaufen es weiter auf den Weltmärkten. Ich fragte den Energieminister danach im Parlament. Die Antwort war sehr interessant. Er sagte: Wir kaufen Öl bei Barsani im Norden Iraks, woher es kommt – das wissen wir nicht, das sind nicht unsere Sorgen“.

Festnahme von Journalisten und Militärs in der Türkei 

Der Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ Can Dündar und der Korrespondent dieser Zeitung Erdem Gül waren zuvor wegen der Enthüllungen der Waffenlieferungen durch die türkischen Behörden an die IS-Terroristen festgenommen worden. Dabei wurden die Ermittlungen gegen die Journalisten auf direkten Auftrag Erdogans aufgenommen.

Die Zeitung veröffentlichte im Mai Fotos von Konvois türkischer LKWs. Wie die Zeitung berichtete, wurden Waffen und Munition an Extremisten geliefert. Zudem tauchte im Netz ein Video auf, auf dem den Journalisten zufolge Waffen zu sehen waren, die die türkischen Behörden an Terroristen in benachbarten Ländern liefern. Doch die volle Version der Videoaufnahme, von der die Rede ist, ist nicht mehr zugänglich. Örtliche Behörden haben sie anscheinend gesperrt bzw. gelöscht.

Die türkischen Behörden wiesen zunächst diese Vorwürfe zurück und behaupteten, dass es sich bei den Konvois um humanitäre Hilfe handelte, doch später teilten einige Beamte mit, dass die Waffen aus den LKWs für die turkmenischen Einheiten bestimmt waren, die im Norden Syriens kämpften. Dabei unterstützte Erdogan diese Version und betonte, es gebe keinen Unterschied, ob es in den LKWs Waffen gegeben habe oder nicht. Ihm zufolge wurden die LKWs jedenfalls zum Schutz der Interessen der Türkei in der Region geschickt.

Doch später wurden drei hochgestellte Militärs vor Gericht gerufen – General Ibrahim Aydin, Oberst a.D. Burhanettin Cihangiroglu und General Hamza Celepoglu, die im Januar 2014 LKWs mit Waffen stoppten. In einer Kiste mit der Aufschrift „Vorsicht! Fragil!“ wurde unter Medikamenten Munition entdeckt. Diese LKWs gehörten der Aufklärungsverwaltung der Türkei. Den Militärs, die diese Waffen entdeckten, wurden die Bildung einer Terrorgruppe und Spionage vorgeworfen.

Erdogan-Clan

Syriens Außenministerium betonte, dass der Vorfall mit dem russischen Su-24-Flugzeug, das von einem türkischen F-16-Kampfjet abgeschossen wurde, der ganzen Welt bewies, dass der türkische Präsident Terroristen hilft und empfahl Washington, die Informationen zu überprüfen, dass Erdogans Sohn, Bilal, am Ölschmuggel unter Beteiligung des „Islamischen Staates“ teilnahm.

„Das gesamte Öl wird an ein Unternehmen geliefert, das dem Sohn Erdogans gehört. In diesem Zusammenhang wurde die Türkei nervös, als Russland die Luftangriffe gegen IS-Infrastruktur zu fliegen begann und bereits mehr als 500 Tanklaster vernichtete. Das machte Erdogan und sein Unternehmen nervös“, sagte der syrische Informationsminister Omran as-Soubi.

Laut vielen Experten kontrolliert Bilal persönlich den Handel mit Öl, das Terroristen illegal an die Türkei liefern.

Laut dem Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow verfügt Moskau über Informationen über das Interesse von Erdogans Sohn am Ölgeschäft.

Zudem wird das Amt des Energieministers in der neuen türkischen Regierung vom Schwager des amtierenden Präsidenten bekleidet.

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http://de.sputniknews.com/politik/20151201/306094224/erdogan-oel-geschaefte-is.html

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