Zum himmelschreiende Real-Satire.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Berlin den zweimillionsten Asylbewerber im laufenden Jahr in Deutschland herzlich willkommen geheißen. Im Rahmen einer Feierstunde im Großen Sitzungssaal des Bundeskanzleramtes erklärte die Bundeskanzlerin in Anwesenheit zahlreicher hochrangiger Politiker von CDU/CSU, SPD und GRÜNE sowie Medienvertretern aus dem In- und Ausland: „Mit großer Herzlichkeit und Sympathie begrüße ich unseren zweimillionsten Asylbewerber in Deutschland, Herrn Mohammed Ali Dschihadi aus Tunesien.
(Satire von Wenzel-Strapinsky)
Ich wünsche ihm und seiner Familie Glück und Erfolg in diesem Land. So lange wir Menschen wie Herrn Dschihadi in diesem Land aufnehmen, so lange ist dieses Land ein Stück weit auch noch mein Land.“
Dschihadi nahm die von Angela Merkel überreichte Urkunde über seine Aufenthaltsgenehmigung sichtlich gerührt entgegen und erklärte über seinen Dolmetscher:
„Ich bin Frau Merkel überaus dankbar, auch wenn sie nur eine Frau ist. Mein Ziel ist es, in diesem Land zu arbeiten, Arbeitsplätze zu schaffen und einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Renten in Deutschland gesichert werden.“
Nach einem Selfie mit Dschihadi verabschiedete sich die Bundeskanzlerin vorzeitig mit Blick auf ihre bevorstehende Reise nach Afghanistan. Schwerpunkt der geplanten Gespräche mit dem afghanischen Ministerpräsidenten ist es – wie die Kanzlerin unter Applaus der anwesenden Politiker und Journalisten erklärte – „die geplante Massenzuwanderung von Afghanistan nach Deutschland genauso geregelt und in geordneten Bahnen durchzuführen, wie dies bei der Zuwanderung aus anderen Ländern derzeit erfolgreich geschieht“.
Zum Abschluss der offiziellen Zeremonie überreichte Innenminister de Maiziere dem neuen Mitbürger „als äußeres Zeichen unserer Willkommenskultur“ die Fahrzeugschlüssel für ein vom VW-Konzern gespendetes großräumiges Familienfahrzeug, einen IKEA-Einkaufsgutschein über 5.000 € sowie – möglicherweise aufgrund eines bürokratischen Missverständnisses und zur Erheiterung aller Anwesenden – Bezugsscheine für 12 Paletten Dachpfannen, 44 Pakete Kaninchenfutter und ein Toupet.
In der im Anschluss an die feierliche Willkommenszeremonie Pressekonferenz erläuterte der neue Mitbürger auf Fragen zweier mit den Tränen kämpfender Journalistinnen von SPIEGEL und ZEIT bereitwillig Einzelheiten über sein schwieriges Leben in Tunesien, über seine dramatische Flucht und seine Pläne in Deutschland:
Dschihadi ist bekennender Muslim, 44 Jahre alt und von Beruf Fischer. Er ist mit zwei Frauen verheiratet und hat 13 Kinder.
„Am Samstag bin ich“, so Dschihadi, „wie jeden Morgen mit meinem Boot hinaus aufs Meer gefahren, um Fische zu fangen. Meine Familie und ich verkaufen die Fische an das Hotel „Tunis Star“, in dem überwiegend deutsche Touristen Urlaub machen und meine beiden Frauen als Küchenhilfen arbeiten. Plötzlich war neben meinem Boot ein großes, graues Kriegsschiff. Erst später erfuhr ich, dass es die deutsche Fregatte „Schleswig-Holstein“ war. Im ersten Moment befürchtete ich, versehentlich in ein militärisches Sperrgebiet gefahren zu sein. Ich wurde an Bord geholt, meine Fingerabdrücke wurden mir abgenommen und ich bekam Wasser und etwas zu essen. An Bord waren etwa 600 bis 700 junge afrikanische Männer mit Rucksäcken und Handys. Ich hatte Angst und verhielt mich ruhig. Das Kriegsschiff fuhr in einen italienischen Hafen. Hier bekam ich eine Broschüre in 23 Sprachen mit dem Titel „Asyl-Bewerber“ in die Hand gedrückt. Ich wurde dann mit einem Sonderzug nach München gebracht. Am Bahnhof in München hat man mir zwei Teddybären, 9 Krawatten und eine Spieluhr geschenkt. Dann wurden wir alle nach Berlin gefahren.“
Dschihadi plant im ersten Schritt, seine 15-köpfige Familie, seine Großeltern und ein Dutzend naher Anverwandter nach Deutschland zu holen. Die Reise nach Deutschland soll Dschihadi zufolge mit dem Flugzeug erfolgen, da seine erste Frau Fatimah in anderen Umständen ist und sehr leicht seekrank wird. Im nächsten Schritt beabsichtigt er sodann, einen Fisch-, Obst- und Gemüsehandel in Berlin zu eröffnen. Zur Finanzierung des Projekts hat er unter Einschaltung des Asylanten-Unternehmerverbandes eine Kreditvoranfrage bei einer lokalen Bank gestellt, die aufgrund des zu erwartenden Kindergeldes bereits positiv beschieden wurde.
Hinsichtlich der von Dschihadis Rechtsanwalt eingereichten Klage gegen die Bundesmarine auf Entschädigung für das verlorene Fischerboot hat das Bundesverteidigungsministerium nach Mitteilung Dschihadis bereits signalisiert, dass es das Verfahren durch eine großzügige Einmalzahlung im Wege des Vergleichs beilegen will.
Die Pressekonferenz endete mit lang anhaltendem Applaus der anwesenden Politiker und Medienvertreter und mit einer Spendensammlung für den Flüchtling und Neubürger.
Unterdessen laufen im politischen Berlin die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zur Begrüßung des fünfmillionsten Flüchtlings auf Hochtouren …