Deutsche Humoristen: Otto Reutter – „Ick wundre mir über jarnischt mehr“

Mein heutiges Sonntagsschmankerl ist: Otto Reutter (* 24. April 1870 in Gardelegen; † 3. März 1931 in Düsseldorf; eigentlich Friedrich Otto August Pfützenreuter)[1] war ein deutscher Sänger,Verfasser von Liedern und Komiker.

Otto Reutter – einer der großen deutschen Humoristen des 20. Jahrhunderts

Er war ein Meister des Couplets, Zeilenpaares, welches politische Themen satirisch – mit markantem Refrain, eine Art Sprechgesang, aufgriff.

Als Sohn von Andreas Pfützenreuter (1843–1899), einem Handlungsreisenden, der beim Militär bei den Ulanen diente, stammte er väterlicherseits aus einer katholischen Familie aus dem Eichsfeld, mütterlicherseits aus der Altmark. Reutter besuchte die katholische Volksschule in Gardelegen und absolvierte von 1884 bis 1887 eine Lehre als kaufmännischer Gehilfe in Gardelegen, Worbis und Lychen. Im Sommer 1887 war er Statist in „Fröbels Sommertheater“ in Berlin. Ein erster großer Erfolg war der 1898 im amerikanischen Musikverlag The B.F.Wood Music Company Boston erschienene Schlager „Ich bin eine Witwe (Lied und Rheinländer)“ mit Musik von Wilhelm Aletter.

 

 

 

Das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark!

1.
Ich bin ein Deutscher – kennt ihr meine Lieder?
Der Rentenmark will ich mein Loblied weih’n.
Das Deutsche Reich, es lag sehr schwer darnieder –
jetzt wird’s allmählich wieder besser sein.
Nach vielen bangen Wochen,
kriegt’s Mark jetzt in die Knochen.
Auch ich fühl‘ jetzt den Kummer nicht so arg,
das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark.

2.
Man konnt‘ nicht rechnen bi dem Notendrucke,
die Nullen machten uns den Schädel dumm.
Man wurde bös, nervös, verrückt, meschugge –
ein Nullenrad ging uns im Kopf herum.
Im Magen keine Stullen,
im Kopfe lauter Nullen – –
jetzt sind die Summen wieder klein und karg –
das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark.

3.
So’n Schieber heut‘, der ist jetzt nicht mehr oben –
aus allen Wolken fiel er tief und schwer.
Er glaubt‘ zu schieben und er ward geschoben,
kann nicht mehr schlemm’n, sitzt nicht im Auto mehr,
sucht’s Geld jetzt mit der Lupe –
’s langt nicht mal für die Hupe –
er geht zu Fuß, schließt seinen Autopark –
das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark.

4.
Wie war der Kaufmann früher patzig, trotzig –
gab nicht für schweres Geld die Ware her –
jetzt ward er freundlich, ist er nicht mehr protzig –
für jeden Hering macht ’nen Bückling er –
beugt sich zur Erde nieder:
„Beehr’n Sie mich bald wieder!“
Gibt uns ’nen Kuß für jeden Käse-Quark,
das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark.

5.
Für’s Ausland schwärmte sonst ein jedes Mädel,
uns arme Deutsche liebte keiner mehr.
Ein Dollar schon verdrehte ihr den Schädel
doch kommt jetzt mal ’n Amerikaner her,
dann hat sie abgewandt sich.
„Die lump’gen vier Mark zwanzig!
Komm‘, Deutscher, Du – Dich lieb‘ ich treu und stark.“ –
Das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark.

6.
Wie war’n bisher die Steuern ungeheuer –
bei all den Summen packte uns ein Graus.
Jetzt zahlt man mit Vergnügen seine Steuer –
man zahlt nach Mark – das sieht viel wen’ger aus.
Man zahlt nicht nach Billionen –
der Fiskus will uns schonen –
man zahlt zwar mehr – doch scheint es nicht so arg –
das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark.

7.
Wir können fröhlich leben jetzt und prassen,
so mancher aß sich früher nicht mehr satt.
Man konnte sich nicht mal begraben lassen –
jetzt lebt man fein, wenn man – – – viel Marken hat.
Die nicht genügend haben,
die lassen sich begraben,
es langt auf jeden Fall jetzt für ’nen Sarg,
das dank‘ ich dir, du schöne Rentenmark.

8.
Doch Scherz bei Seit‘ – die Mark, sie sei gepriesen,
die der Valuta jetzt ein Ziel gesetzt.
Wir sind kuriert – wir pfeifen auf Devisen –
die Rentenmark ist die Devise jetzt.
Eins freut mich mehr wie Alles:
in Frankreich herrscht der Dalles –
der Frank, er fiel – wir werden wieder stark.
Das dank‘ ich dir, du Konkurrentenmark.

Das sind die Sorgen der Republik

In diesen Zeiten kann man gewahren
viele ernste Leute – fast niemand lacht.
Nun hätt‘ ich gerne schon längst erfahren,
was sich jetzt jeder für Sorgen macht.
In meinem Hause wohn’n vier Parteien.
„Besuch‘ sie“, dacht‘ ich, „und üb‘ Kritik,
dann wirst du hören aus ihren Reihen:
Was sind die Sorgen der Republik?“

1.
Im ersten Stocke saß voller Kummer
mit gleichen Antlitz ein – Millionär,
das Elend Deutschlands raubt ihm den Schlummer,
und die Familie denkt grad‘ wie er.
Die Söhne, Töchter, Frau Luise,
„Nur noch Devisen“ ist die Devise.
Ja, selbst der Enkel kriegt zum Pläsierchen
von Großpapachen ein klein’s Papierchen.
Und seufzt das Knäblein, dass kaum geboren:
„Ach, wenn doch morgen der Dollar stieg!
Wenn jetzt die Mark steigt, bin ich verloren!“
Das sind die Sorgen der Republik.

2.
Im zweiten Stocke saß gramversunken
’ne Metzgerswitwe, die seufzt gequält:
„Bin reich geworden, kann prahl’n und prunken,
wat nützt det allens – die Bildung fehlt.
Könnt‘ man die koofen!“ So seufzt leise.
Sie schwärmte stets für die höh’ren Kreise –
wollt‘ stets der Tochter ’nen Leutnant wählen.
Nun hat sie’s Geld, und die Leutnants fehlen.
Sie sagt: „Ick hasse die neuen Reichen,
wohl sind die vor’gen? Fort seit dem Krieg – –
man muss verkehren mit – seinesgleichen!“
Das sind die Sorgen der Republik.

3.
Im dritten Stocke hat sich erhoben
ein welker Jüngling mit ernstem Sinn.
Hat viel geschoben – nun is er oben,
da gehend & unten Was mach‘ ich? – Wo geh‘ ich hin?
Soll ich beim Foxtrott, im Club nicht zeigen?
Geh‘ ich zum Boxkampf, geh‘ ich zum „Reigen“?
Ob’s Beinkleid wohl zum 5 Uhr-Tee passt?
Ob die Krawatte zum Cutaway passt?
Und wenn die Weste nicht recht gesessen,
was ich dann morgen zu hören krieg‘!
Bleibt ein Knopf offen? Nur nichts vergessen!“
Das sind die Sorgen der Republik.

4.
Im vierten Stocke, den ich erstiegen,
da saß ein Mitglied vom Parlament.
Der Mann am Tische hat ernst geschwiegen,
vor sich ’nen Bogen aus Pergament.
Ich fragt: „Was wird das, Sie Mann, sie weiser?
‚Wird ein Entwurf wohl für Wohnungshäuser?
Wird’s ’ne Tabelle für Arbeitsfragen?“

http://www.otto-reutter.de/index.php/couplets/texte/429-man-wird-ja-so-bescheiden.html

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In der Zeit des Ersten Weltkrieges produzierte Reutter ab 1915 im angemieteten „Palasttheater am Zoo“ in Berlin sogenannte „Kriegsrevuen“, ab Ende 1916 sang er eher Lieder, in denen das Geschehen und die allgemeine Meinung teilweise kritisch als humorvoll dargestellt wurde. So erzählt das Lied Ich möcht’ erwachen beim Sonnenschein eher melancholisch, teilweise sogar sehr traurig über die allgemeine Stimmung in der Nachkriegszeit und Reutters Verlust seines Sohnes Otto Reutter jun. (geb. 1896) in der Schlacht um Verdun im Mai 1916.

In den 1920er Jahren trat Otto Reutter mit jenen Couplets vor allem im Wintergarten auf, die heute noch bekannt sind und die u. a. von Peter Frankenfeld, Robert Kreis, Markus Schimpp, Meigl Hoffmann und anderen Interpreten vorgetragen und umgesetzt wurden. Insgesamt soll er über 1000 Couplets verfasst haben. Nachgewiesen sind rund 400 Couplets, die in diversen Schallplatten-Aufnahmen und Notendrucken erhalten sind. Reutters Couplets wurden häufig auch von anderen Humoristen, wie Gustav Schönwald oder Armin Berg vorgetragen. Hiervon gibt es ebenfalls Schallplatten-Aufnahmen. Die Schallplattenaufnahmen von Otto Reutter wurden teilweise von einem Orchester begleitet (Grammophon-Studioorchester unter der Leitung von Bruno Seidler-Winkler, später vom Paul-Godwin-Ensemble unter Leitung von Paul Godwin), teilweise hatte er eine Klavierbegleitung.

Otto Reutter betätigte sich auch als Schauspieler. So spielte er 1912 in zwei Kurzfilmen mit, Otto heiratet und Otto als Dienstmann. Möglicherweise war er auch an den Filmen Otto, der Kinostar und der Dackel und Otto hat Pech beteiligt, diese Filme weisen aber außer im Titel nicht auf Otto Reutter als Mitwirkenden hin. Von den vier Filmen existieren keine Exemplare mehr, lediglich drei Standbilder sollen erhalten sein. Er spielte außerdem in verschiedenen Filmen als Statist mit, unter anderem in einem Film über den Hauptmann von Köpenick.  Quelle wikipedia.org

Seine Texte sind hintergründig und auf den Punkt, vieles sagt er voraus, was heute Alltag ist, wenn man mal zwischen den Zeilen liest.

 

 

In seinen Couplets sah er nicht nur gesellschaftliche Ereignisse voraus, sie spendeten auch Trost in Zeiten der Entbehrung. Allerdings folgten seine Couplets immer dem jeweiligen Zeitgeschmack und den Tagesereignissen. Man lachte mit der Menge des Volkes über den Erbfeind, über den Reichstag, über dasWunderpferd Hans, über die Gewerkschaft, über die Frau. Reutter forderte in einem Couplet der 1920er Jahre sogar einen neuen starken Führer, damit es vorwärtsgehen sollte – wenngleich er sich sicher dabei nicht einen Adolf Hitler vorstellte. Seine Couplets zeigen somit den damaligen Zeitgeist recht eindrucksvoll. Auch sein heute noch wohl bekanntestes Couplet, Der Überzieher, stammt aus dieser Zeit. (Seh ich weg – von dem Fleck / Ist der Überzieher weg!)

Otto Reutter „Muss man denn ins Ausland reisen?“

Otto Reutter – Ick wundere mir über jarnischt mehr

Otto Reutter – Bevor du sterbst

Zum Abschluß noch einmal Walter Plathe

 Walther Plathe 

In 50 Jahren ist alles vorbei

2 Kommentare zu “Deutsche Humoristen: Otto Reutter – „Ick wundre mir über jarnischt mehr“

  1. Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    https://bewusstscout.wordpress.com/2015/02/10/urteil-aus-dem-istgh-den-haag-vom-03-02-2012-bestatigt-die-zustandigkeit-des-deutschen-reichs/
    „Das Urteil aus dem ISTGH (Internationaler Strafgerichtshof) Den Haag vom 03.02.2012 bestätigt die Zuständigkeit des Deutschen Reichs und nicht die Zuständigkeit der “Bundesrepublik Deutschland“ mit ihrer Finanzagentur GmbH, (HRB 51411), wobei die vermeintlichen “BRD–Ämter”, Behörden, Dienststellen, “Gerichte” und Verwaltungen u.a . bei dnb.com mit eigenen Umsatzsteuernummern gelistet sind.
    Urteil des BverfGE vom 25.07.2012 (-2 BvF 3/11 -2 BvR 2670/11 -2 BvE 9/11):
    Nach Offenkundigkeit dürfen Gesetze von nicht staatlichen BRD-GmbH Ausnahme– und Sondergerichten (vgl. § 15 GVG) die auf altem Nazigesetz fußen und somit gegen das gültige Besatzungsrecht, gegen die Völker – und Menschenrechte verstoßen, überhaupt keine legitime Anwendung finden.
    Durch Verfassungswidrigkeit des Wahlgesetzes ist seit 1956 kein verfassungsgebenden Gesetzgeber am Werk. Damit sind alle BRD-Forderungen eine private Forderung.
    Verstehen Sie das bitte! Alle BRD-Forderungen (Steuern jeglicher Art, GEZ-Gebühren usw. usf. sind private Forderungen, haben also keinerlei hoheitsrechtliche Rechtsgrundlage und müssen demnach auch nicht bezahlt werden. …………………….“

    https://bewusstscout.wordpress.com/2014/12/04/richterinnen-und-beamte-weigern-sich-ihre-urteile-und-beschlusse-personlich-zu-unterschreiben/

    Wie wahr das? Die Geschichte wiederhohlt sich? Klar immer, wenn es den Kaufleuten nicht mehr gefällt, werden sie neu anfangen, nach Krieg und Zerstörung! In der Zone gab es keine Kaufleute, nur Versager an der Macht, also bauten die Westler da deren System auf, und die Folge, auch deren Schauzeit ist am Ende, wie vor 100 Jahren und siehe, unsere Komiker müssen nun auch wieder gehen! Schlimmer geht´s nimmer? Doch es kütt, denn Waffen sind für Dödel zu schade, die kriegen Asylanten, deren Kraft kann man dann gleich noch gegen die Russen verwenden! Vergleiche Preise eines US-Soldaten, denen eines Deutschen und dem eines Asylanten! Der Asylant liegt bei einem Preis von unter einem Euro, siehe wer die Einfuhr und dem sein Leben bezahlt! Glück, Auf, meine Heimat!

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