Deutsche Humoristen – Heinrich Zille „Det is mein Milljöh“

Weiter geht es mit der Serie Sonntagsschmankerl mit Heinrich Zille.

Selbstporträt (1922) wikipedia.org

Wer Berlin kennt, kennt ihn, den ollen Zille, der dem Volk auf´s  Maul schaute und ihm ein ewiges Andenken beschert hat. Er war sozialkritisch und nahm kein Blatt vor den Mund. Damals konnte man sich das noch leisten. Mehr als heute!!!

Aber ursprünglich war der Zille kein Berliner, nee, nee, er war waschechter Sachse und kam aus Radeburg bei Dresden. Er war Graphiker, Fotograf und Maler. Der englische Zeichner William Hogarth prägte ihn in seiner Jugend, von ihm lernte er wohl sozialkritisches Denken.

Seine Familie war arm, der Vater mußte mehrmals in´s Gefängnis, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte. Die Familie bezog ihr Essen aus der Volksküche, so etwas gab es damals schon, damals im späten 19. Jahrhundert.

Der kleine Heinrich mußte schon früh mit ran, Geld verdienen durch  Milch, Brötchen und Zeitungen austragen, Gepäckträger- und Botendienste; dadurch konnte er sich seinen ersten Zeichenunterricht verdienen.

Sein erster Lehrer war Anton Spanner, der ihn ermutigte, Lithograph zu werden.

Zitat Anton Spanner:  „Das beste is, du lernst Lithograph. Zeichnen kannste, und du sitzt in ’ner warmen Stube, immer fein mit Schlips und Kragen […] man schwitzt nicht und bekommt keine schmutzigen Hände. Und dann wirst du mit ‚Sie‘ angeredet. Was willst du mehr?“

Sein Vater wollte gerne, daß Heinrich Metzger würde, er konnte aber kein Blut sehen – und so kam er zu Fritz Hecht in die Lehre als Steinzeichner.

Zilles Berlin: Rummelplatz von hinten

Zilles Berlin: Rummelplatz von hinten – Verfallende Hinterhöfe, Jahrmarktbuden, Latrinen: Um 1900 fotografierte der Karikaturist Heinrich Zille das Berlin der armen Leute – ganz ohne Spott. http://www.spiegel.de/

Seine ersten Berufsjahre mußte Heinrich als Angestellter verbringen; Auftragsarbeiten wie Kitsch- und Werbemotive zeichnen, um sein Brot zu verdienen. Nebenher entwickelt er seine Techniken weiter.

Nach der Ableistung des für ihn unliebsamen Militärdienstes und seiner Heirat mit der Lehrerstochter  Hulda Frieske übersiedelte er mit seiner Familie nach Berlin.

In den zwei Jahren Dienstzeit entstanden unzählige episodische Soldatenbilder mit vorwiegend humorvollem Charakter, viele dieser Arbeiten sind jedoch verschollen.

Einige sind erhalten, so diese hier:

 

Heinrich Zille: Vadding in Frankreich, 1. Folge

Quelle: Wikimedia – Wikipedia – Wikisource

https://de.wikipedia.org

Zille auf plattdütsch

»Tagesarbeit, ernster Wille,
nachts ’n Schluck in de Destille
und een bisken kille-kille,
det hält munter – Heinrich Zille.«

Da biste platt! Der Zeichner Heinrich Zille hat nicht nur den Berlinern aufs Maul und den Berlinerinnen auf den Hintern geschaut, sondern auch eine Komik-Kolumne auf Plattdeutsch ausgeheckt. Diese einbildrigen Comics brachten es auf über 200 Fortaetzungen und gelangten später als Postkarten in Umlauf. Im Mittelpunkt standen die beiden gutmütlichen Landsturmmänner Vadding un Korl, die ihre privaten Erlebnisse an der Front mit einem kleinen Bonmot kommentierten. Wir befinden uns übrigens mit der Wehrmacht im Ersten Weltkrieg – und da steckt das Dilemma, weshalb die Bilderreihe in Vergessenheit geriet.

freestland.wordpress.com

Heinrich Zille als junger Familienvater

Hier widmete er sich immer mehr dem Millieu der Arbeiterfamilien, sprich der proletarischen Unterschicht. Hinterhöfe der Mietskasernen, Seitengassen und Kaschemmen der Arbeiterviertel waren seine Motive.

Das gefiel den Herren der Photographischen Gesellschaft, der er seit Jahren angehört hatte, gar nicht und er wurde 1907 entlassen.

„Drücken musste!“ (Heinrich Zille: Mein Milljöh (1913)) wikipedia.org

 

https://de.wikipedia.org

„Wat – ick habe den Hahn überdreht? – Det hat die Vorichte jedahn! Der lief schon, als ick kam!“

Heinrich Zille kort na de Eerste Wereldoorlog

wereldoorlog1418.nl

Ausschnitte aus  seinem Werk

Zille, Heinrich : H.Zille, Mutter mit zwei K...

Mutter mit zwei Kindern

Zille, Heinrich : H.Zille, Ringkampf in der ...

Ringkampf in der Schaubude

Zille, Heinrich : Im Arbeiterviertel

Im Arbeiterviertel

Zille, Heinrich : Heinrich Zille, Müllsammle...

Müllsammler

Zille, Heinrich : Berliner Strandleben

Berliner Strandleben

Quelle und viele weitere Bilder kann man hier nachverfolgen:kunstkopie.de

„Um die Jahrhundertwende konnte Heinrich Zille erste Zeichnungen ausstellen und in Zeitschriften wie Simplicissimus, Jugend – Münchener Illustrierte Wochenschrift für Kunst & Leben und Die Lustigen Blätter veröffentlichen“. wikipedia.org

Seine Lieder waren berühmt, und viele kennen sie noch. Claire Walldorf war eine sehr bekannte Interpretin.

Paul Heidemann – Sein Milljöh (Das Lied vom Vater Zille)

Veröffentlicht am 01.12.2014

Plattensammler88 auf Facebook: https://www.facebook.com/Plattensamml…
Lust auf mehr alte Berliner Lieder? ALT-BERLIN-Playlist: http://www.youtube.com/playlist?list=…

Nachdem der große Berliner Künstler Heinrich Zille gestorben war, widmete ihm Willi Kollo dieses Chanson, welches überaus erfolgreich u.a. von Claire Waldoff für die Schallplatte aufgenommen wurde. Doch auch Paul Heidemann, ein berühmter deutscher Film- und Bühnenschauspieler nahm seine Interpretation des Schlagers im Januar 1930, begleitet von Theo Mackeben am Bechstein-Flügel in Berlin auf. Heinrich Zille war ein Künstler, der zu seinen Lebzeiten sehr umstritten war. Seine Karrikaturen, die das Berliner Leben abseits der gehobenen Gesellschaft zeigten, oft auch die pure Verelendung, wurden damals von vielen Kritikern als anstößig und vulgär wahrgenommen. Eine breite künstlerische Anerkennung blieb Zille Zeit seines Lebens versagt, auch wenn er durchaus sein Ziel erreichte, soziale Probleme anzuprangern, immer mit einer Note Berliner Humor.

Das Lied vom Vater Zille (Das war sein Milljöh)

Das Lied vom Vater Zille (Das war sein Milljöh)

12. August 2011

Claire Waldoff: Ich kann um zehne nicht nach Hause gehn – Berlin 1930

Veröffentlicht am 28.01.2014

Berührendes Berlin-Lied mit Bezug zu Heinrich Zille…
Musik Claus Clauberg, Text Erich Kersten.
Mit Klavierbegleitung.

CLARIE WALDORF–Es gibt nur ein BERLIN@Zille,Für Horst in Berlin

Lieder….und Zille mittenmang:

Lieder aus ... und Zille mittenmang

 

10 Januar 1858 Heinrich Zille geboren, auch Fotograf

Edith Hancke in Memoriam (14.10.1928 – 04.06.2015)

Veröffentlicht am 04.06.2015

Zum Tode von Edith Hancke ein letzter Gruss:

(Das Lied von Vater Zille 1913)
Aus’m Hinterhaus kieken Kinder raus,
blass und unjekämmt mit und ohne Hemd.
Unten uff’n Hof is ’n Riesenschwoof
Und ich denk mir so beim Geh’n:
Wo hast Du des schon geseh’n?

Das war sein Milljöh
Das war dein Milljöh.
Jede Kneipe und Destille
Kennt den juten Vater Zille.
Jedes Droschkenpferd
Hat von ihm jehört.
Von N.O. bis J.W.D. –
Das war sein Milljöh.

 

Mit dieser Erinnernung an Edith Hanke und Heinrich Zille will ich diesen Beitrag schließen. Wer noch mehr Offizielles lesen möchte, sei auf wikipedia.org verwiesen.

Ich danke Euch und wünsche noch einen schönen Sonntag

Eure Rositha

Einige Impressionen gibt es doch noch, weil sie sooo schön sind:

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