Offener Brief von Erfurts OB an die Bundesregierung – Flüchtlingsaufnahme hat Grenze überschritten

27. August 2015 Politik

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD)

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD)

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein stellt in einem offenen Brief Forderungen an die Bundesregierung und an den Freistaat Thüringen. Der offene Brief von Erfurts Oberbürgermeister im Wortlaut:

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragen, ist steigend. Die Prognosen werden in immer kürzeren Abständen nach oben korrigiert. Wie lange dieser Zustand anhalten wird, ist nicht in Sicht. Die Unterbringung und Versorgung dieser Menschen ist eine Aufgabe, der wir uns nicht nur aus moralischen Gründen stellen müssen, sondern für die ein effizientes Regelwerk initiiert werden muss. Die zunehmende Anzahl der aufzunehmenden Flüchtlinge stellt eine außerordentliche Belastung insbesondere für die aufnehmenden Kommunen dar. Fest steht: Wir stoßen mit dieser Aufgabe nicht nur an unsere Grenzen, wir haben sie bereits überschritten.

Basierend auf den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate und angesichts der Tatsache, dass die Stimmung innerhalb der Bevölkerung zu kippen droht und ich kein weiteres „Heidenau“ – weder in Erfurt noch in einer anderen Stadt – haben möchte, sehe ich mich veranlasst, Ihnen als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt diesen Brief zu schreiben und folgende Forderungen zu formulieren:

Überarbeitung der Liste sicherer Herkunftsländer und keine Verteilung auf die Kommunen. Die bestehende Liste der sog. sicheren Herkunftsländer muss dringend überarbeitet und den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Asylsuchende, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit als ausreisepflichtig festgestellt werden, sollten bestenfalls in einem beschleunigten Verfahren das Land verlassen müssen und nicht erst auf die kommunalen Aufnahmestellen verteilt werden.

Zügige Ausreise unmittelbar ausreisepflichtiger und abgelehnter Asylbewerber. Die Ausreise von Asylbewerbern, die nicht als Flüchtlinge anerkannt werden, deren Asylgesuch abgelehnt wird und die keinen Anspruch auf Duldung haben, sollte konsequent erfolgen und wenn nötig mittels Abschiebung umgesetzt werden. Die vorhandenen Unterkünfte sind vielerorts überfüllt, neue werden eröffnet. Zu den aktuell 19 Gemeinschaftsunterkünften (GU) der Landeshauptstadt Erfurt kommen bis Ende dieses Jahres weitere sechs GUs mit einer Gesamtkapazität von knapp 1.000 Plätzen hinzu. Wir wissen bereits heute, dass diese perspektivisch nicht ausreichen werden. Eine konsequente Rückführung der unmittelbar ausreisepflichtigen Bewohner würde hier für etwas Entspannung sorgen – sowohl innerhalb der Einrichtungen als auch in Bezug auf die damit verbundenen Kosten.

Änderung der Gesetzlichkeit zur Schulpflicht: Aussetzen der Schulpflicht bis zur Feststellung des Aufenthaltsstatus der Kinder/Familien und keine Schulpflicht bei laufenden Verfahren, jedenfalls für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern. Nach aktuell geltendem Recht werden alle schulpflichtigen Kinder zwischen 6 und 16 Jahren nach dreimonatigem Aufenthalt in Deutschland eingeschult. In den speziell geschaffenen Sprachklassen herrscht ein ständiger Wechsel, wenn Kinder ausreisen. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder ohne Aufenthaltsstatus ist sehr hoch. Die Kapazitäten der Schulen sind ausgereizt. Die wenigen zur Verfügung stehenden Räume, die bisher nicht in der Nutzung waren, müssen bauseitig hergerichtet werden. Die Kosten (ca. 6000 Euro pro Raum) werden vom Schulträger getragen. Bei gleichbleibend hohen Flüchtlingszahlen muss über den Bau von zusätzlichen Schulen nachgedacht werden, um alle schulpflichtigen Kinder beschulen zu können.

Hinzu kommen folgende, insbesondere an den Freistaat Thüringen gerichtete Forderungen:

  • Anerkennung des von der Kommune als notwendig festgestellten Bewachungsumfangs und vollumfängliche Erstattung der daraus entstehenden Kosten. Die Vorkommnisse in Suhl haben gezeigt, dass die von vielen Kommunen geforderte Anerkennung des 24-Stunden-Wachdienstes unumgänglich ist. Allein in Erfurt läuft in diesem Jahr ein Minus von mindestens 600.000 Euro auf, da der Freistaat die vor Ort festgestellt Notwendigkeit nicht anerkennt und die Bewachungskosten nur zum Teil erstattet.
  • Anhebung der Unterkunftspauschale von derzeit 206,00 Euro auf mindestens 245,00 Euro, alternativ Erstattung der tatsächlichen Kosten. Die angespannte Unterbringungssituation hat zu einer enormen Kostensteigerung bei der Anmietung von Unterkünften oder der Beschaffung zugehöriger Dienstleistungen geführt.
  • Anhebung der Betreuungspauschale von derzeit 31,00 Euro auf mindestens 45,00 Euro pro Flüchtling und Monat.
  • Ausweitung der Investitionspauschale auf Einzelunterkünfte.
  • Bei der Beschulung von Flüchtlingskindern mit keinen oder wenigen Deutschkenntnissen sollten diese Kinder bei der Zahlung des Schullastenausgleiches wie Kinder mit Förderbedarfen behandelt werden, damit der Schulträger die zusätzlichen Kosten für die Ausstattung der Räume erstattet bekommt. Sollte dies nicht möglich sein, sollten die Kommunen ein zusätzliches Budget für die Mehrkosten, die bei der Beschulung von Flüchtlingskindern entstehen, erhalten.
  • Der Freistaat Thüringen sollte Gelder für die Finanzierung von Dolmetschern/Integrationshelfern zur Verfügung stellen, damit die Kommunikation mit den Schülern und Familien gelingen kann.
  • Mit der für Oktober erwarteten Novellierung des SGB VIII zum Thema UMA/UMF und dem avisierten Inkrafttreten ab dem 01.01.2016 bedarf es dringend und sehr zeitnah einer darauf bezogenen Landesgesetzgebung und entsprechender Durchführungsverordnungen/Förderrichtlinien. Insbesondere die Frage der Refinanzierung der Mehraufwendungen für die Kommunen im Bereich Personal- und Sachkosten bedarf einer verbindlichen Regelung.
  • Das Verwaltungsverfahren bei der Abrechnung von Krankheitskosten, insbesondere zur Nachweisführung der Notwendigkeit von Behandlungen durch die Kommune wird entbürokratisiert.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die vorgetragenen Forderungen ließen sich sicher noch erweitern. Ich bin froh, dass in der Landeshauptstadt Erfurt aktuell eine vorbildliche Willkommenskultur gelebt wird und das Seitens der Verwaltung und der freien Träger alles getan wird, um der Lage Herr zu werden und den Flüchtlingen ein größtmögliches Maß an Würde und Privatsphäre zu gewährleisten.

Aber – das ist kein Erfurter Phänomen – die personellen und finanziellen Ressourcen sind stark belastet und ich befürchte, dass die Stimmung innerhalb der Bevölkerung kippen wird, wenn nicht endlich modifizierte Regelungen auf Bundesebene getroffen werden, die die Aufnahme von Flüchtlingen ordnen. Das Recht auf Asyl ist ein hohes und schützenswertes Gut. Aber Asylrecht ist nicht gleichzusetzen mit Zuwanderungsrecht. Es bedarf dringend einer Klärung, wie wir mit den Asylbewerbern verfahren, die ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland einreisen. Ich fordere daher ein zeitgemäßes Einwanderungsgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.

Da auch der Strom der Kriegsflüchtlinge nicht abreißen wird, ist es umso wichtiger, die Kräfte für diejenigen Menschen zu bündeln, die aus größter Not heraus und in Sorge um Leib und Leben ihrer Heimat den Rücken kehren und sich zur Flucht entscheiden.

Ich bitte Sie, im Interesse der Kommunen Deutschlands und der Menschen vor Ort zu handeln – auch, weil es letztlich denen zugutekommt, die unsere Hilfe benötigen.

Mit freundlichen Grüßen, Andreas Bausewein“

Thüringer Allgemeine

Die Abschiebung wird den Betroffenen schriftlich mitgeteilt, diese Vorgehensweise hat zur Folge, dass die Personen …

12 Kommentare

  1. irgendwannistgut

    Nazi, Nazi :-) das kommt bestimmt gleich von irgendwo! Herr Gauck, auf ins dunkle Erfurt!

    Der Mensch hat absolut recht!
    An seiner Stelle würde ich die Kinder einfach NICHT einschulen, oder beharren die Eltern darauf? Wohl nicht, denen sind doch die Kinder scheißegal, die schleppen sie durch halb Europa mit und fertig. Einfach sagen, wir haben keine Plätze, keine Lehrer, keine Räume. Was wollen sie denn machen?!

    Haben sie einen syrischen Paß, wenn ja, vorzeigen und aufnehmen. Wenn ja, aber verloren: bitte melden Sie sich bei der syrischen Botschaft in XY, wenn sie ihren Paß haben, kommen Sie wieder. Haben sie einen indischen, irakischen, senegalesischen Paß: nein tut mir leid, Sie können gerne als Tourist 3 Monate bleiben, dann sind sie illegal hier, für ihren Lebensunterhalt und Unterkunft müssen Sie natürlich selber aufkommen, hier ist die Liste der örtliche Hotels, Wildcampen und im Park schlafen ist übrigens in Deutschland verboten, wir wünschen schöne Ferien, auf Wiedersehen!
    Das könnte jede Stadtverwaltung durchziehen, die Bürger würden wahrscheinlich jubeln. Was will der Staat denn machen, die Polizei rufen? haha

  2. Zauberlehrling
    Zauberlehrling

    Die ganze Sache hat einen Hacken Herr OB aus Erfurt.
    …Ich habe gar keine Papiere…
    Wer so was sagt, gehört sofort in das Land seiner Angabe zurück gebracht!
    Die Kosten trägt der Verursacher.
    Genau wie ich es MUSS.Werde ich kontrolliert und habe ich keinen Ausweis bei, bekomme ich ein Ordnungsknöllchen + WEG zur Dienststelle zum Vorzeige.

    • Zeitgeist

      Genau Zauberlehrling, ohne Papiere gibt’s für dich als Deutschen Stress,

      wen aber hunderttausende ihre Papiere wegwerfen und eine Straftat begehen in dem sie illegal unsere Grenzen überschreiten, dann wird dies von der Großkotzkoalition noch belohnt durch unproblematische Aufnahme mit Vollkaskoversorgung in Deutschland.

      Die sieht man schon wie bei uns gleiches Recht für alle gilt.
      Eine Regierung welche sich noch nicht einmal selbst an die eigene Gesetze hält ist schlichtweg kriminell.

      Würde man in der BRD einfach gültiges Recht umsetzen anstatt dies zu ignorieren, würden 80% der Illegalen erst gar nicht einreisen um Vom Rest würden 95% sofort wieder abgeschoben weil sie mit Sicherheit keinen Anspruch auf Asyl in Deutschland haben.

      Aber bei uns reicht es ja illegal einzureisen und ich Syr zu stammeln und schon hat man freien Zugriff auf die Leistungen des Sozialstaates und nur noch Rechte und Null Pflichten.

  3. Heidekraut

    Sehr geehrter Herr Bausewein, schöne und auch richtige Worte, die auf taube Ohren stoßen.
    Sie haben den Plan der BRD-Führung, leider nicht verstanden.
    Sie und ihre Vorortsriege, werden die ersten sein, die den Unmut der Einheimischen Bevölkerung zu spüren bekommen, oder glauben Sie wirklich das sich Die Machtbesessene ihren Brief durchliest?

    Das Joschka Fischer Gesetz, ( mir graust es bei diesem Namen ), wird rigoros umgesetzt, ob sie wollen oder nicht.
    Die Lachnummer die Merkel in Duisburg abgezogen hat, und das sich die blöden Bürger dabei noch freundlich winkend an den Straßenrand stellten, ist für mich nicht nach zu vollziehen.
    Verblödung hat in Westdeutschland und vor allem im Ruhrpott extreme Ausmaße angenommen.
    Wenn ich nur die Leserkommentare in der WAZ,( dem linken Funkeblatt), lese, überkommt mich der Ekel.
    Ich bin ein Kind des Ruhrgebiet, und habe meinen Stadtteil mal geliebt und mich dort zuhause gefühlt.
    Heute möchte ich dort nicht einmal mehr TOT über´m Zaun hängen.

  4. Elbtalbaroness
    Elbtalbaroness

    Der Brief kann so als Musterbrief von allen Bürgermeistern verwenden werden. Nur auf die jeweilige Stadt / Gemeinde modifizieren und ab die Post an die „Chefin“. Ihre kleine Pressekonferenz gestern in Heidenau war ein Witz – viel erzählt, aber nichts gesagt.

  5. irgendwannistgut

    Ach was, wir haben doch Platz! Oder doch nicht….?

    • Heidekraut

      Dieses Viertelpfund Schüttelfrost beruft sich auf Gesetze , die von Verbrecher, für Verbrecher gemacht wurden.

      Mehr sag ich zu dem Schwachmat nicht!

  6. Veggieman

    Mal sehen, welch dunkles Geheimnis der Oberbürgermeister Andreas Bausewein von Erfurt hat. Da werden sich die Lügenmedien doch sofort drauf stürzen. Findet man nichts, wird eben mal so, etwas aus der Trickkiste geholt und ihm vorgeworfen. Danach folgt wie üblich, der freiwillige Abgang.

  7. Pid

    genau so ist es

    nur wird seine Meinung im Papierkorb landen

    und dann wird es heißen dieser Mann ist Politisch nicht mehr tragbar

    und der Kleine Dicke wird Ihm austauschen oder gar aus der SPD werfen

    mit so einer Einstellung und Meinung ist der Erfurter OB auf der Seite des Deutschen Volkes richtig

  8. Jetzt warten wir auf Til seine Meinung……

  9. Das klingt doch glatt nach mimimimi.
    Soll er bei seinem Parteifreund Gabriel rumweinen.
    Seine Partei ist dich maßgeblich mit dran Schuld an dieser Situation.
    Mir schwant eh das jetzt all die Millionen abgewanderten Ostdeutschen mit Syrern ersetzt werden das der Osten Deutschlands wieder aufgefüllt ist.
    Also Hr. Bausewein wird wohl noch ein wenig weinen müssen bis der Spuk vielleicht mal ein Ende hat und Syrien alle ist.

  10. Es gab zwar den „Deutschen Oktober“ und den folgenden Einsatz der Reichswehr in Thüringen und Sachsen 1923, aber heutzutage könnte man ja nicht einmal mehr die Bundeswehr einsetzen, um Thüringen zwangszuverwalten.

    Der OB von Erfurt – obwohl SPD-Fuzzi und ebenso nur ein Diederich Heßling der roten Canaille (…AKTUELL eine VORBILDLICHE „Willkommenskultur“…) – scheint ja noch einigermaßen logisch denken zu können.

    Allein er soll dem Rammelinchen von „Die Linke – Das Gestinke“ in den Zwölffingerdarm kriechen, dort wird er jedenfalls noch genügend Zaster finden.
    Vielleicht kommt aber beim MP keine edle Thüringer Bratwurst raus, sondern wieder mal nur Dünnpfiff…

 

3 Kommentare zu “Offener Brief von Erfurts OB an die Bundesregierung – Flüchtlingsaufnahme hat Grenze überschritten

  1. Bausewein ist maßgeblicher Treiber und Verantwortlicher dieser thüringer, an Unfähigkeit und Planlosigkeit nicht zu überbietenden, rechtsbrechenden Rot-Rot-Grünen Landesregierung. Nun, plötzlich wieder auf dem Boden der kommunalen Tatsachen gelandet, mit Wunsch und Hoffen auf eine erneute Wahl, wird er wieder zum Bürgermeister…der aktuell wichtige Projekte, wie nahezu alle anderen Kommunen auch, streichen muß, um, zum größten Teil nicht asylberechtigte, faktisch ungebildete, haupsächlich junge männliche Wirtschaftsflüchtlinge auszuhalten. Wer um Leib und Leben bedroht ist (deffinition Asyl), dem soll und muss geholfen werden…nur diesen Menschen.

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