Unzensuriert-TV 3: Asylchaos – Sturm auf Europa

Unzensuriert-TV: Asylchaos – Sturm auf Europa
Ausgabe 3: Lokalaugenschein in Traiskirchen – Wer ist die Asyllobby? – Asyl-Experten im Interview

20.620 – So viele Asylanträge wurden bis Ende Mai in diesem Jahr in Österreich gestellt. Fast dreimal so viele wie in den ersten fünf Monaten 2014. Heuer werden rund 70.000 Menschen ins Land kommen und behaupten, aufgrund ihrer Rasse, ihrer Religion, ihrer Nationalität, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder aufgrund ihrer politischen Überzeugung verfolgt zu sein. 80 Prozent von ihnen werden – das legen die Statistiken nahe – diese Verfolgung nicht nachweisen können. Trotzdem werden die meisten im Land bleiben. Denn Asyl ist längst nur noch ein schönes Wort für illegale Einwanderung.

Unzensuriert-TV hat sich umgesehen und mit Experten gesprochen. Asylwerber in Traiskirchen beklagen sich vor der Kamera ganz offen über Österreich. Sie erzählen, wie viel sie ihren Schleppern für die illegale Einreise gezahlt haben, und legen ihre wahren, nämlich wirtschaftliche Einwanderungsgründe offen.

Die Asyllobby verschließt vor alldem die Augen. Von der Flüchtlingsbetreuung profitierende NGOs und gutmenschlich geprägte Medien leisten ihren Beitrag zur Aushebelung des Rechtsstaates. Jeder Immigrant gilt ihnen als verfolgter Flüchtling. Jede Abschiebung wird bekämpft. Sie treiben die Regierungen vor sich her.

Der Wiener Asylrechts-Experte Thomas Gruber erklärt, warum Österreich die aufgrund der Dublin-III-Verordnung gar nicht hier antragsberechtigten Zuwanderer trotzdem nicht los wird und wie abgelehnte Asylanten über Umwege wie den subsidiären Schutz trotzdem zu einem Daueraufenthalt in Österreich kommen. Der ehemalige österreichische Botschafter in Mazedonien, Harald Kotschy, zieht Vergleiche mit der Zeit der Jugoslawien-Krise und fordert einen konsequenten Grenzschutz sowohl übers Meer als auch auf dem Landweg.

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Unendlich lang: Ausländerkriminalität in Deutschland – Die Liste des Horrors (neu) !

Avatar von MURAT O.MURAT O.

Kriminelle Delikte durch Ausländer und Asylbewerber in Deutschland sind nicht – wie oft behauptet – Einzelfälle, sondern ein weit verbreitetes Problem, das die Sicherheitslage hierzulande erheblich beeinträchtigt.

Quellen:

Im Internet frei zugängliche Presseartikel und Polizeimeldungen.

Die meisten Ereignisse geschahen im Erfassungszeitraum, es sind jedoch auch vereinzelt ältere Fälle sowie Gerichtsberichte hierzu aufgeführt.

Recherchezeitraum:

Anfang Mai 2015 bis Anfang Juli 2015

Besondere Problemlage:

Der ethnische Hintergrund der Täter wird von der Presse häufig verschwiegen ( Hintergrund: Richtlinie des Presserats[1])  teilweise liefern auch Polizeiberichte keine derartigen Informationen.

Die aufgeführten Ereignisse stellen also lediglich die „Spitze des Eisbergs“ dar, die „Dunkelziffer“ dürfte weit höher liegen.

  1. Tunesier veranstaltet Treibjagd auf Landsleute
  1. Kenianischer Messerstecher vor Gericht
  1. Karlsruhe: Ausländer schlägt auf Frauen ein
  1. Belästigungen um Asylheim in Chemnitz
  1. Tödliche Auseinandersetzung in Asylheim Wismar

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Johann Schleich – Kräuterweiber und Bauerndoktoren

Avatar von rositha13Gesundheits-EinMalEins

Kräuterweiber und BauerndoktorenGeheime Rezepte der Heilkundigen

Kräuterweiber und Bauerndoktoren haben ihre medizinischen Rezepturen häufig nur innerhalb der Familie weitergegeben. Dadurch ist leider der größte Teil für die Allgemeinheit in Vergessenheit geraten. Dieses Buch belebt dieses Wissen neu: Es ist in mehr als drei Jahrzehnten Sammeltätigkeit entstanden und listet eine Fülle von Hausrezepten der Volksmedizin auf. Johann Schleich ist es in unermüdlicher Arbeit gelungen, die oft nur mündlich überlieferten, manchmal auch streng geheimen Rezepte der Kräuterweiber, Bauerndoktoren und Naturheiler zu sammeln und vor dem Vergessen zu bewahren.

http://www.kopp-verlag.de/

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GREXIT: Hellas ist das kleinste aller Probleme – PIIGS im Fokus

GREXIT: Hellas ist das kleinste aller Probleme – PIIGS im Fokus

Avatar von 💀Eric der Wikinger💀Flieger grüss mir die Sonne und grüss mir den Mond...

GREXIT: Hellas ist das kleinste aller Probleme – PIIGS im Fokus

Wenn im Augenblick über Europa berichtet wird, scheint es nur ein Thema zu geben, GREXIT oder nicht. Die Medien polarisieren wie selten und versuchen mit fadenscheinigen Umfragen die öffentliche Meinung in die gewünschte Richtung zu bewegen. Nebenbei wird noch die “Beliebtheit” der Kanzlerin gefeiert, wo man sich nur wundern kann, wer dafür eigentlich befragt wurde. Was allerdings wirklich verwunderlich ist, niemand scheint sich für die wirklichen Probleme der Schicksalsgemeinschaft EU zu interessieren. Griechenland ist nur ein Symptom eines im sterben liegenden Feldversuchs.

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Die Entstehung der Welt bei den Nordgermanen

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Bildquelle: eden-saga.com

Von: http://www.heilige-quellen.de/

Die Entstehung der Welt in der Vorstellung der Nordgermanen

In der Edda schildert eine altgermanische Seherin, eine Völva, in visionärer Schau die ur- und endzeitlichen Geschehnisse. Diese Vision oder Weissagung der Seherin (Völuspa) ist eine der bedeutendsten Überlieferungen der älteren oder Lieder-Edda. Es ist die wichtigste literarische Quelle zur nordgermanischen Religion. Die Lieder der Edda reichen nach neueren Forschungen in die Zeit zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. zurück.

Nicht war Sand noch See noch Salzwogen, nicht Erde unten, noch oben Himmel, Gähnung grundlos, doch Gras nirgend. (Edda, Völuspa, 3). So beschreibt die germanische Seherin Völuspa das Chaos vor Erschaffung der Welt.

In der gähnenden Kluft (ginnunga gap) schied sich Dunkel von Hell. Im Norden lag klirrend das kalte Niflheim, wo eisige Stürme in Finsternis tosten. Inmitten von Ginnunga gap toste ein eisiger Brunnen, Hwergelmir (der in kesselförmiger Vertiefung Rauschende) genannt. Aus ihm ergossen sich zwölf reißende Ströme, strebten fort von ihrem Quell und erstarrten am Rande der Gähnung zu Eis, das sich Gletschern gleich am mächtigen Schlund emporschob. Die sprühende Gischt verwandelte sich in Nebel und überlagerte alles mit klirrendem Reif.

Im Süden Ginnunga gaps loderten dagegen die heißen Flammen von Muspellheim, glühend heiß und alles verzehrend, was nicht im Feuer heimisch war. Surt hieß der Wächter des Feuerreichs; sein Schwert waren die scharf lodernden Flammen mit denen er einst die Welt verheeren und die Götter stürzen würde.

Die heißen Winde Muspellheims trafen auf das klirrende Eis Nebelheims. Der Raureif schmolz, die Tropfen gewannen Leben und formten eine menschliche Gestalt. So entstand der gewaltige Urriese Ymir. Als er wild und ungeheuer am Abgrund lag, brach ihm am ganzen Körper Schweiß aus. Da erwuchsen aus der Feuchte seiner linken Achselhöhle ein Mann und eine Frau. Sein rechter Fuß zeugte einen sechshäuptigen Sohn und auch dem linken entsprang eine zahlreiche Brut. So ward die Welt von grimmigen Riesen erfüllt.

Als zweites Wesen erwuchs aus den Schmelzwassern eine Kuh: Audhumla, die Sanftreiche.

Vier Milchströme rannen aus ihren Zitzen. Damit nährte sie Ymir. Die Kuh aber fristete ihr Leben, indem sie salzige Reifsteine beleckte. Am ersten Tag leckte sie das Haar eines Mannes frei, am zweiten Tag den Kopf und am dritten den ganzen Mann. Er war groß, stark und schön anzusehen und wurde Buri, der Geborene, genannt. Sein Sohn Bur zeugte mit Besla, der Tochter des Riesen Bölthorn, die Götter Odin, Wili und We. Mit ihnen begann das nordische Götter- oder Asengeschlecht.

Es entstand Feindschaft zwischen den Göttern und Riesen. Als die Asen heranwuchsen und sich ihrer Kräfte bewusst wurden, erschlugen sie Ymir. Den Leichnam des Riesen stemmten sie in die Höhe, sodass er über dem Nichts von ginnunga gap schwebte.

Aus des Riesen Fleisch schufen sie die Erde, aus seinem Blut das brausende Meer, mit dem die Götter die Erde umgaben, sowie die Flüsse und Seen. Aus dem Gebein Ymirs formten die Götter die Berge, aus Zähnen und Knochenstücken wurden Felsen und Gestein. Die Bäume schufen die Asen aus des Riesen Haaren. Dann stülpten die Götter Ymirs Hirnschale als Himmelskuppel über die Welt.

Aus dem Gehirn des Riesen, das die Götter in die Höhe warfen, wurden die Wetterwolken. Aus den Funken Muspellheims machten die Götter Himmelslichter. Dann ordneten sie den Lauf der Sonne, des Mondes und der Sterne, die Folge von Tag und Nacht und die Jahreszählung. Von Süden her beschien die Sonne den Erdengrund, da entspross grünes Gras.

Die Erde war eine kreisrunde Scheibe und um sie herum lag das tiefe Meer. An den Küsten wiesen die Götter den Riesen Wohnplätze zu. Weiter rückwärtig errichteten sie wegen der feindlichen Gesinnung der Riesen einen Burgwall rund um die Erde und benutzten dazu die Wimpern Ymirs. Inmitten dieses Burgwalls lag Midgard – der mittlere Garten – die Welt der Menschen.

Hoch über Midgards Mitte errichteten die Götter ihre eigene Wohnstätte: Asgard – Garten der Asen, Asenland.

Als die Asen eines Tages am Strand gingen, waren dort die Baumstümpfe einer Ulme (Embla) und Esche (Ask) angetrieben. Daraus formten die Götter einen Mann und eine Frau. Odin hauchte dem ersten Menschenpaar den Atem ein, Wili schenkte ihnen Vernunft und We stattete sie mit Sinnen und Empfindungen aus. Den Mann nannten sie Ask, die Frau Embla. Als Wohnstätte bekamen die Menschen Midgard zugewiesen. Sie wurden die Ahnen des Menschengeschlechtes.

Inmitten Asgards lag eine weite, schöne Ebene, Idafeld genannt. Hier errichteten die Götter ihre Häuser, Säle und Werkstätten.

All dies aber überragte der mächtige Weltenbaum, die Esche Yggdrasil, die hohe, benetzt mit hellem Nass: von hier kommt der Tau, der in Täler fällt; immergrün steht sie am Urdbrunnen, beschreibt sie die Seherin. Ihre Krone Yggdrasils reicht bis in den Himmel, ihre Zweige breiten sich über die ganze Welt. Drei Hauptwurzeln tragen den mächtigen Stamm. Eine reicht tief hinab in den Schlund Ginnunga gap, ins neblige Niflheim und in das Heim der Reifthursen. An ihrem Wurzelfuß brodelt der Quellkessel Hwergelmir. Hier entspringen alle reißenden Flüsse dieser Welt. Hier in Nebelheim waltet auch Hel, die Unterwelts- und Todesgöttin.

Die zweite Wurzel des Weltenbaums gründet in Jötunheim, der Riesen Land, wo Mimirs Brunnen entspringt. Jeder, der aus diesem Brunnen trinkt, erhält Weisheit und Wissen. Hüter der Quelle war der weise Riese Mimir. Da Mimir täglich aus der Riesenquelle trank, verfügte er über große Weisheit und die seherische Kraft, die Zukunft zu schauen. Um ebenfalls Weisheit aus dieser Quelle zu erlangen, war Gott Odin bereit, Mimir ein Auge zu verpfänden.

Die dritte Wurzel gründete im Hain der Götter. Hier entsprang die heiligste aller Quellen. Sie wurde Urds Brunnen oder Urdarbrunnen genannt. Auf seinem dunklen Wasserspiegel schwimmen zwei weiße Schwäne. An diesem Brunnen wohnen die geheimnisvollen drei Jungfrauen, die Nornen Urd, Werandi und Skuld – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Täglich begießen sie die Zweige des Weltenbaums mit dem lebenserhaltenden Wasser des Brunnens, aus dem auch die Götter und Helden immer wieder neue Lebenskraft schöpfen. Hier versammelten sich die Götter zu ihren täglichen Beratungen.

Die drei heiligen Frauen galten als Hüterinnen des Lebens. Sie schnitzten die Schicksalsstäbe, die über Glück und Leid, Leben oder Tod der Menschen und sogar über das Schicksal der Götter entschieden. Aus dieser Funktion heraus sah man sie auch als die Spenderinnen des Lebens und der Fruchtbarkeit. Die drei Nornen galten den Frauen als Helferinnen bei Geburtswehen.

Die drei weisen Frauen sind mit den drei Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttern verwandt, die in römischer Zeit in Süd- und Westdeutschland als Matronae verehrt wurden. Auch die Matronae standen in einer Beziehung zum Wasser. Ihre Weihesteine waren häufig an Brunnen und Quellen aufgestellt. Im christlichen Volksglauben und in Legenden leben die Nornen als die drei Schwestern, drei Madeln oder drei Marien noch heute fort.

Allerlei Tiere und Unwesen zehrten an der gewaltigen Esche Yggdrasil, um sie zu Fall zu bringen und um dadurch das Ende der Welt herbeizuführen. Am Brunnen Hwergelmir nagten der Drache Nidhögg und anderes Gewürm an den Wurzeln. In der Krone des Weltenbaums saß der Adler und schrie hässliche Schimpfworte gegen den Drachen. Jener antwortete dem Greif mit heftigen Schmähreden. Zwischen den ewigen Gegnern sprang das Eichhörnchen Ratatosk unablässig am Stamm hinauf und hinab, um die Schmähbotschaften zu überbringen. Hirsche fraßen am Laub des Baumes.

Doch die Nornen an Urds Brunnen begossen die Wurzeln der Esche beständig mit frischem Wasser und legten feuchten Schlamm aus der Quelle um die Wurzeln, damit die Zweige nicht verfaulten oder verdursteten.

Über den hohen Himmelsfelsen an der Grenze Asgards ragte die dreifarbige Regenbogenbrücke Bifröst über ausgedehnte und tiefe Gewässer. Das Rot des Bogens entsteht, weil die Brücke in Flammen steht. Kein böses Wesen konnte über sie gelangen. kk

Verwendete Quellen:
Wilhelm Grönbech, Nordische Mythen und Sagen, Berlin o.D.
H.W. Fischer, Helden und Götter, Berlin 1934
R.M. Meyer, Altgermanische Religionsgeschichte, Berlin 1909

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Völuspá – Die Weissagung der Seherin 1/2 (deutsche Untertitel)

Teil 2

Das Lied der Seherin

in der Übersetzung von Karl Simrock (28.8.1802- 18.7.1876)

Völuspa

Der Seherin Ausspruch

1. Allen Edlen gebiet ich Andacht,
Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht;
Ich will Walvaters Wirken künden,
Die ältesten Sagen, der ich mich entsinne.

2. Riesen acht ich die Urgebornen,
Die mich vor Zeiten erzogen haben.
Neun Welten kenn ich, neun Äste weiß ich
An dem starken Stamm im Staub der Erde.

3. Einst war das Alter, da Ymir lebte:
Da war nicht Sand nicht See, nicht salzge Wellen,
Nicht Erde fand sich, noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund und Gras nirgend.

4. Bis Börs Söhne die Bälle erhuben,
Sie, die das mächtige Midgard schufen.
Die Sonne von Süden schien auf die Felsen
Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.

5. Die Sonne von Süden, des Mondes Gesellin,
Hielt mit der rechten Hand die Himmelsrosse.
Sonne wusste nicht, wo sie Sitz hätte,
Mond wusste nicht, was er Macht hätte,
Die Sterne wussten nicht, wo sie Stätte hatten.

6. Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter hielten Rat.
Der Nacht und dem Neumond gaben sie Namen,
Hießen Morgen und Mitte des Tags,
Under und Abend, die Zeiten zu ordnen.

7. Die Asen einten sich auf dem Idafelde,
Hof und Heiligtum hoch sich zu wölben.
(Übten die Kräfte alles versuchend,)
Erbauten Essen und schmiedeten Erz,
Schufen Zangen und schön Gezäh.

8. Sie warfen im Hofe heiter mit Würfeln
Und darbten goldener Dinge noch nicht.
Bis drei der Thursen-Töchter kamen
Reich an Macht, aus Riesenheim.

9. Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter hielten Rat,
Wer schaffen sollte der Zwerge Geschlecht
Aus Brimirs Blut und blauen Gliedern.

10. Da ward Modsognir der Mächtigste
Dieser Zwerge und Durin nach ihm.
Noch manche machten sie menschengleich
Der Zwerge von Erde, wie Durin angab.
[Es folgt die Aufzählung einer Reihe von Zwergennamen.]

14. Zeit ist’s, die Zwerge von Dwalins Zunft
Den Leuten zu leiten bis Lofar hinauf,
Die aus Gestein und Klüften strebten
Von Aurwangs Tiefen zum Erdenfeld.

15. Da war Draupnir und Dolgtrasir,
Har, Haugspori, Hläwang, Gloi,
Skirwir, Wirwir, Skafid, Ai,
Alf und Yngwi, Eikinskjaldi.

16. Fialar und Frosti, Finnar und Ginnar,
Heri, Höggstari, Hliodolf, Moin.
Solange Menschen leben auf Erden,

Wird zu Lofar hinauf ihr Geschlecht geleitet.

17. Gingen da dreie aus dieser Versammlung,
Mächtige, milde Asen zumal,
Fanden am Ufer unmächtig
Ask und Embla und ohne Bestimmung.

18. Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht,
Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.
Seele gab Odin, Hönir gab Sinn,
Blut gab Lodur und blühende Farbe.

19. Eine Esche weiß ich, heißt Yggdrasil,
Den hohen Baum netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau, der in die Täler fällt.
Immergrün steht er über Urds Brunnen.

20. Davon kommen Frauen, vielwissende,
Drei aus dem See dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine, die andre Werdani:
Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose, das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen,
das Schicksal verkündend.

21. Allein saß sie außen, da der Alte kam,
Der grübelnde Ase, und ihr ins Auge sah.
Warum fragt ihr mich? Was erforscht ihr mich?
Alles weiß ich, Odin, wo du dein Auge bargst:

22. In der vielbekannten Quelle Mimirs.
Met trinkt Mimir allmorgendlich
Aus Walvaters Pfand! Wisst ihr, was 
das bedeutet?

23. Ihr gab Heervater Halsband und Ringe
Für goldene Sprüche und spähenden Sinn.
Denn weit und breit sah sie über die Welten all.

24. Ich sah Walküren weither kommen,
Bereit zu reiten zum Rat der Götter.
Skuld hielt den Schild, Skögol war die andre,
Gunn, Hilde, Göndul und Geirskögul.
Hier nun habt ihr Herjans Mädchen,
Die als Walküren die Welt durchreiten.

25. Da wurde Mord in der Welt zuerst,
Da sie mit Geren Gulweig (die Goldkraft) stießen,
In des Hohen Halle, die helle brannten.
Dreimal verbrannt ist sie dreimal geboren,
Oft, unselten, doch ist sie am Leben.

26. Heid hieß man sie, wohin sie kam,
Wohlredende Wala zähmte sie Wölfe.
Sudkunst konnte sie, Seelenheil raubte sie,
Übler Leute Liebling allezeit.

27. Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilige Götter hielten Rat,
Ob die Asen sollten Untreue strafen,
Oder alle Götter Sühnopfer empfangen.

28. Gebrochen war der Burgwall den Asen,
Schlachtkundge Wanen stampften das Feld.
Odin schleuderte über das Volk den Spieß:
Da wurde Mord in der Welt zuerst.

29. Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter hielten Rat,
Wer mit Frevel hätte die Luft erfüllt,
Oder dem Riesenvolk Odhurs Braut gegeben?

30. Von Zorn bezwungen zögerte Thor nicht,
Er säumt selten, wo er solches vernimmt:
Da schwanden die Eide, Wort und Schwüre,
Alle festen Verträge jüngst trefflich erdacht.

31. Ich weiß Heimdalls Horn verborgen
Unter dem himmelhohen heiligen Baum.
Einen Strom seh ich stürzen mit starkem Fall
Aus Walvaters Pfand: wisst ihr, was das bedeutet?

32. Östlich saß die Alte im Eisengebüsch
Und fütterte dort Fenrirs Geschlecht.
Von ihnen allen wird eins das schlimmste:
Des Mondes Mörder übermenschlicher Gestalt.

33. Ihn mästet das Mark gefällter Männer,
Der Seligen Saal besudelt das Blut.
Der Sonne Schein dunkelt in kommenden Sommern,
Alle Wetter wüten: wisst ihr, was das bedeutet?

34. Da saß am Hügel und schlug die Harfe
Der Riesin Hüter, der heitre Egdir.
Vor ihm sang im Vogelwalde
Der hochrote Hahn, geheißen Fialar.

35. Den Göttern gellend sang Gullinkambi,
Weckte die Helden beim Heervater,
Unter der Erde singt ein andrer,
Der schwarzrote Hahn in den Sälen Hels.

36. Ich sah dem Baldur, dem blühenden Opfer,
Odins Sohne, Unheil drohen.
Gewachsen war über die Wiesen hoch
Der zarte, zierliche Zweig der Mistel.

37. Von der Mistel kam, so dauchte mich
Hässlicher Harm, da Hödur schoss.
(Baldurs Bruder, war kaum geboren,
Als einsichtig Odins Erbe zum Kampf ging.
Die Hände nicht wusch er,
das Haar nicht kämmt er,
Eh er zum Bühle trug Baldurs Töter.)
Doch Frigg beklagte in Fensal dort
Walhalls Verlust: wisst ihr, was das bedeutet?

38. In Ketten lag im Quellenwalde
In Unholdgestalt der arge Loki.
Da sitzt auch Sigyn unsanfter Gebärde,
Des Gatten Waise: wisst ihr, was das bedeutet?

39. Gewoben weiß da Wala Todesbande,
Und fest geflochten die Fessel aus Därmen.
Viel weiß der Weise, weit seh ich voraus
Der Welt Untergang, der Asen Fall.
Grässlich heult Garm vor der Gnupahöhle,
Die Fessel bricht und Freki rennt.

40. Ein Strom wälzt ostwärts durch Eitertäler
Schlamm und Schwerter, der Slidur heißt.

41. Nördlich stand an den Nidabergen
Ein Saal aus Gold für Sindris Geschlecht.
Ein andrer stand auf Okolnir
Des Riesen Biersaal, Brimir genannt.

42. Einen Saal seh ich, der Sonne fern
In Nastrands, die Türen sind nordwärts gekehrt.
Gifttropfen fallen durch die Fenster nieder;
Mit Schlangenrücken ist der Saal gedeckt.

43. Im starrenden Strome stehn da und waten
Meuchelmörder und Meineidige
(Und die andrer Liebsten ins Ohr geraunt).
Da saugt Nidhögg die entseelten Leiber,
Der Menschenwürger: wisst ihr, was das bedeutet?

44. Viel weiß der Weise, sieht weit voraus
Der Welt Untergang, der Asen Fall.

45. Brüder befehden sich und fällen einander,
Geschwister sieht man die Sippe brechen.
Der Grund erdröhnt, üble Disen fliegen;
Der eine schont des andern nicht mehr.

46. Unerhörtes ereignet sich, großer Eh’bruch.
Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen,
Windzeit, Wolfszeit eh die Welt zerstürzt.

47. Mimirs Söhne spielen,
der Mittelstamm entzündet sich
Beim gellenden Ruf des Giallarhorns.
Ins erhobne Horn bläst Heimdall laut,
Odin murmelt mit Mimirs Haupt.

48. Yggdrasil zittert, die Esche, doch steht sie,
Es rauscht der alte Baum, da der Riese frei wird.
(Sie bangen alle in den Banden Hels
Bevor sie Surturs Flamme verschlingt.)
Grässlich heult Garm vor der Gnupahöhle,
Die Fessel bricht und Freki rennt.

49. Hrym fährt von Osten und hebt den Schild,
Jörmungand wälzt sich im Jötunmute.
Der Wurm schlägt die Flut, der Adler facht,
Leichen zerreißt er; los wird Naglfar.

50. Der Kiel fährt von Osten,
da kommen Muspels Söhne
Über die See gesegelt; sie steuert Loki.
Des Untiers Abkunft ist all mit dem Wolf;
Auch Bileists Bruder ist ihm verbündet.

51. Surtur fährt von Süden mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen, Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden; der Himmel klafft.

52. Was ist mit den Asen? Was ist mit den Alfen?
All Jötunheim ächzt, die Asen versammeln sich.
Die Zwerge stöhnen vor steinernen Türen,
Der Bergwege Weiser: wisst ihr, was das bedeutet?

53. Da hebt sich Hlins anderer Harm,
Da Odin eilt zum Angriff des Wolfs.
Belis Mörder misst sich mit Surtur;
Schon fällt Friggs einzige Freude.

54. Nicht säumt Siegvaters erhabner Sohn
Mit dem Leichenwolf, Widar, zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen: so rächt er den Vater.

55. Da kommt geschritten Hlodyns schöner Erbe,
Wider den Wurm wendet sich Odins Sohn.
Mutig trifft ihn Midgards Segner.
Doch fährt neun Fuß weit Fiörgyns Sohn
Weg von der Natter, die nichts erschreckte.
Alle Wesen müssen die Weltstatt räumen.

56. Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer,
Vom Himmel schwinden die heitern Sterne.
Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum,
Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

57. Da seh ich auftauchen zum andern Male
Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen.
Die Fluten fallen, darüber fliegt der Aar,
Der auf dem Felsen nach Fischen weidet.

58. Die Asen einen sich auf dem Idafelde,
Über den Weltumspanner zu sprechen, den großen.
Uralter Sprüche sind sie da eingedenk,
Von Fimbultyr gefundner Runen.

59. Da werden sich wieder die wundersamen
Goldenen Bälle im Grase finden,
Die in Urzeiten die Asen hatten,
Der Fürst der Götter und Fiölnirs Geschlecht.

60. Da werden unbesät die Äcker tragen,
Alles Böse bessert sich, Baldur kehrt wieder.
In Heervaters Himmel wohnen Hödur und Baldur,
Die walweisen Götter. Wisst ihr, was das bedeutet?

61. Da kann Hönir selbst sein Los sich kiesen,
Und beider Brüder Söhne bebauen
Das weite Windheim. Wisst ihr, was das bedeutet?

62. Einen Saal seh ich heller als die Sonne,
Mit Gold bedeckt auf Gimils Höhn:
Da werden bewährte Leute wohnen
Und ohne Ende der Ehren genießen.

63. Da reitet der Mächtige zum Rat der Götter,
Der Starke von oben, der alles steuert.
Den Streit entscheidet er, schlichtet Zwiste,
Und ordnet ewige Satzungen an.

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Von Göttern und Helden – Nordische Mythologie in Wagners „Ring des Nibelungen“

 

Richard Wagner Bildquelle: en.wikipedia.org

 

von Doris Schweitzer

 

„Wir, unserer eigenen Vorzeit fremd geworden,
können nur täppisch versuchen,
die Natur mit dem Alten zu verknüpfen.“

Jakob Grimm, 1841

Die Mythen des klassischen Altertums gleichen einem reich ausgestatteten Museum. Eine Vielzahl von Überlieferungen zeichnet ein detailreiches Bild von den alten Göttersagen. Ganz anders verhält es sich mit der Mythologie des Nordens. Sie gleicht eher einem Koffer mit alten Bildern, deren Konturen verschwommen sind. Vieles in der Überlieferung ist nur angedeutet. Es sind weit in die heidnische Zeit zurückreichende Vorstellungen und Motive, von denen in der Edda erzählt wird, doch auch das christliche Mittelalter hat Spuren in diesen Geschichten hinterlassen, die größtenteils kulturelles Gemeingut einer christlichen Gesellschaft waren. Im 13. und 14. Jahrhundert hat man in Island jene Mythen aufgeschrieben, die im übrigen Nordeuropa noch als mündliche Erzählungen im Umlauf waren. Es handelt sich hierbei nicht um germanische Mythen, die die Glaubenssubstanz der Germanen enthalten, sondern um die Geschichten, mit denen sich die Skandinavier ihre Welt – die kulturelle ebenso wie die natürliche – erklärt haben.

Überlieferungen von der Entstehung der Welt, der Götter und des Menschen, von den Konflikten innerhalb der Götterwelt, den Kämpfen der Götter gegen ihre Widersacher oder auch von Reisen in die Anderswelt. Von all diesen Dingen erzählen die beiden Eddas, die ältere Edda oder Lieder-Edda und die Edda des Snorri Sturluson. Im Zuge der Christianisierung wurden die Göttergeschichten von der mündlichen in die schriftliche Tradition überführt. Dies geschah in nennenswertem Umfang nur in Island. Aber auch dort fand keine literarisch-künstlerische Weiterverarbeitung statt, die sich auch nur annähernd mit der antiken Mythenadaptionen vergleichen ließe. Die weit verbreiteten Kenntnisse der römischen Götterwelt im mittelalterlichen Island dürften aber auch bei der Snorra Edda eine Rolle gespielt haben.

Man kann die Zeugnisse der nordischen Mythologie, die fast ausschließlich aus Island stammen, in drei Gruppen unterteilen. Die Lieder-Edda ist eine Sammlung von lose zusammenhängenden Texten und Gedichten. Kern dieser Sammlung bildet eine als „Codex Regius“ bekannte Handschrift, die jahrhundertelang in der Königlichen Bibliothek zu Kopenhagen aufbewahrt wurde, bevor sie 1971 in ihre isländische Heimat zurückkehrte. Der „Codex Regius“ wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts geschrieben und umfasst 29 Lieder, von denen 11 mythologische Themen aufgreifen. Bei den übrigen stehen Helden und Heldinnen des germanischen Altertums im Mittelpunkt. Der Entstehungsort und die Entstehungszeit der Eddalieder lassen sich nicht nachweisen.  Die zweite der großen Sammlungen mythologischer Stoffe ist die Prosa-Edda von Snorri Sturluson. Mit der Skaldik existiert noch eine andere Gruppe, in der mythologische Gegenstände verhandelt werden. Die wikingerzeitliche Preisdichtung weist eine der kompliziertesten Versmaße der Weltliteratur auf, denn neben der Silbenzählung müssen auch Betonungen und Stabreime im Rahmen einer genau festgelegten Struktur berücksichtigt werden. In der Regel werden in den Skaldendichtungen Mythen allerdings nicht wiedergegeben. Mythische Elemente kommen nur in metaphorischen Umschreibungen vor. Die zentrale Funktion der Skaldik ist der Fürstenpreis. Die Überschneidungen und Zusammenhänge zwischen den Gattungen sind jedoch beträchtlich. So stehen in Snorris Edda etwa 60 typischen Eddastrophen rund 400 Skaldenstrophen gegenüber.

Snorri Sturluson (1179-1241) gilt nicht nur aufgrund der Edda, sondern auch dank seiner etwas späteren entstandenen Geschichte der norwegischen Könige, der „Heimskringla“ als der bedeutendste Autor des skandinavischen Mittelalters. Eine wichtige Rolle spielte er auch bei den Kämpfen um die Vorherrschaft auf Island. Sein Ziehvater Jón Loptsson war für seine Gelehrsamkeit und sein umfassendes Geschichtswissen berühmt. Sein Hof galt als das herausragende Bildungszentrum in Island. Snorri hielt sich oft am norwegischen Königshof und in Schweden auf. Schon in jungen Jahren machte er sich als Dichter einen Namen. Seiner Thinghütte gab er den Namen Walhall. Die Edda entstand wohl in den Jahren nach seinem ersten Norwegenaufenthalt 1219. Die vier Haupthandschriften sind allerdings deutlich jünger. Die um 1300 angefertigte, nach ihrem Aufbewahrungsort „Codex Upsalienus“ genannte Schrift nennt als einzige sowohl den Titel „Edda“ als auch den Verfasser Snorri. Der um 1600 geschriebene „Codex Trajectinus“ (Buch von Utrecht) besteht nur aus den drei Bestandteilen, die man als Snorra Edda definiert hat: dem Prolog, der „Gylfafginning“ (König Gylfis Blendung), in dem die heidnischen Götter systematisch geschildert werden, den „Skáldskaparmál“(Sprache der Dichtkunst) eine Zusammenstellung von skaldischen Zitaten, die bis ins 9. Jahrhundert reichen und heidnische wie christliche Texte umfassen.  Das „Háttatal“ (Verzeichnis der Versarten) ist ein Preisgedicht, dass Snorri auf den norwegischen König Hákon Hákonarson verfasste.  An wichtigen Mythenstoffen enthalten die „Skáldskaparmál“ die Kämpfe Thors gegen die Riesen Hrungnir und Geirröd, sowie die Herstellung der Götterkleinodien wie Thors Hammer „Mjöllnir“, Odins Speer „Gungnir“ oder Freys Schild „Skidbladnir“ durch die kunstfertigen Zwerge. Auch der mythische Ursprung des Nibelungenschatzes wird behandelt, den die Skalden besonders gern erwähnen, um den Reichtum und die Freigiebigkeit ihrer fürstlichen Mäzene zu loben. In vielen Fällen ist nicht bekannt woher Snorri den Stoff für seine Geschichten fand, wahrscheinlich benutzte er ausführlich Quellen, die aus Volkerzählungen und alten Sagen bestanden.

Die Edda besteht nicht nur aus Götter-, sondern auch aus Heldenliedern, wobei letztere deutlich überwiegen. Viele Heldensagen des Nordens sind von mythischen Elementen durchsetzt. Meist handelt es sich dabei um Odin oder um Disen, Fylgien oder Walküren, also jene Wesen, die sowohl als Schutzgeister auf dem Schlachtfeld fungieren, als auch den Tod bringen können. Da Heldenschicksale meist tragisch enden, werden im „Helgilied“ gleich zu Beginn die Nornen beschworen, die „mit Macht die Schicksalsfäden spinnen“. Die Schicksalsfrauen Urd, Werdandi und Skuld aus der „Völuspá“ identifiziert Snorri mit den Nornen, die in einer Halle am Urdbrunnen unter der Weltesche wohnen. Das Urteil der Nornen bedeutet stets den Tod, sie haben also viel gemein mit den Walküren, die die Toten auf dem Schlachtfeld erwählen und nach Walhall bringen. Sie stehen in enger Verbindung mit Odin als Totengott. In der Heldendichtung ist die Walküre das weibliche und kriegerische Pendant des Helden. Auch die Disen können den Tod bringen. Ihnen wurde als einzige der Scharen kultische Verehrung zuteil. Odin ist in der Heldensage besonders präsent, in seiner Funktion als Schlachtenlenker oder weiser Ratgeber. So auch in der „Völsunga saga“, die ihren Ursprung in der Völkerwanderungszeit im 4.-6. Jahrhundert hat und die Auseinandersetzungen zwischen Burgunden, Hunnen und Goten reflektiert. Hauptsächlich ist sie eine Prosa-Nacherzählung der Sigurd-, Brynhild-, und Gudrunlieder aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Die Vorgeschichte der „Völsunga saga“ beginnt mit dem „Lied vom Drachenhort“. Ein reicher Riese namens Hreidmar besaß Zauberkräfte und hatte drei Söhne. Zwei von ihnen Fafnir und Otter konnten ihre Gestalt verändern. Der dritte, Regin, war ein Zwerg. Eines Tages kamen die drei Götter Odin, Hönir und Loki an einen Wasserfall wo sich Otter in der Gestalt eines Fischotters an einem Lachs gütlich tat. Loki warf einen Stein nach ihm und verwundete ihn tödlich. Die Götter nahmen ihre Jagdbeute mit und zeigten sie Hreidmar. Dieser verlangte Entschädigung für seinen toten Sohn. Die Asen willigten ein, den Balg mit Gold zu füllen und dann Gold darüber aufzuhäufen, bis er vollständig bedeckt war. Loki sollte das Gold herbeischaffen. Loki suchte den Zwerg Andwari auf, denn Zwerge besaßen meist auch große Schätze. Andwari verwandelte sich gern in einen Hecht. Loki besorgte sich ein Netz und fing den Zwerg ein. Als Gegenleistung für seine Freilassung verlangte er sein gesamtes Gold. Der Zwerg gab es ihm, nur einen Ring wollte er behalten, da dieser Zauberkraft besaß. Loki nahm ihm auch den Ring ab und Andwari verfluchte alle künftigen Besitzer des Rings : „Das Gold soll, das Gust hatte, Brüder zweien bringen den Tod und acht Fürsten Fehde wecken; niemanden nütze mein Gut!
Loki kehrte mit dem geraubten Schatz zu den anderen zurück. Den Ring wollte Odin behalten, aber als sie den Balg gefüllt hatten, ragte noch ein Barthaar hervor und Odin musste den Ring hergeben und damit das Haar verdecken. Hreidmar, Fafnir und Regin gerieten über das Gold in Streit, Fafnir tötete seinen Vater, nahm den Schatz, verwandelte sich in einen Drachen und bewachte das Gold bis Regin seinen Tod herbeiführte.

Der erste Abschnitt der Völsunga saga erzählt von einem König namens Wölsung, der wie es hieß von Odin abstammte, und seinen Kindern, insbesondere von seinem Sohn Sigmund und seiner Tochter Signy.
Wölsung baute für seine Familie ein großes Haus, in dessen Mitte sich ein großer Baum befand. Während der Hochzeit von Signy mit Siggeir, dem König von Gautland, betrat ein alter, einäugiger Mann die Halle, zog ein Schwert und rammte es in den Baum. Er forderte alle Männer auf es herauszuziehen, doch nur Sigmund gelang es. Siggeir war darüber sehr erbost und beschloss Rache zu nehmen. Er lud vor der Abfahrt in seine Heimat seine neuen Verwandten zu einem Besuch in drei Monaten ein. Als die Verwandten beim König eintrafen, tötete er Wölsung und seine Söhne. Sigmund gelang es als einziger zu fliehen. Signy nahm die Gestalt einer Hexe an und verbrachte drei Tage mit ihrem Zwillingsbruder im Wald. Aus dieser Verbindung ging Sinfjötli hervor. Sigmund heiratete später Borghild und bekam mit ihr zwei Söhne, von denen der eine, Helgi, Berühmtheit erlangen sollte. Damit endet der erste Teil der Völsunga saga. Der zweite Abschnitt schildert die Abenteuer von Helgi und seinem Halbbruder Sinfjötli, der nach seiner Heimkehr an den väterlichen Hof von Borghild vergiftet wurde. Borghild starb bald darauf und Sigmund heiratete Hjordis. Sie war schwanger als Sigmund in eine Schlacht zog. Mitten im Kampfgewühl tauchte ein einäugiger Mann mit Schlapphut und Speer in der Hand auf. Er versperrte Sigmund den Weg mit erhobenem Speer. Sigmund holte zum Schlag aus, doch sein Schwert zerbrach an dem Speer. Hjördis fand Sigmund tödlich verwundet und er sagte ihr, sie solle die Teile des Schwerts aufbewahren, denn sie würde einen Sohn gebären, der damit in die Schlacht ziehen würde. Der dritte Abschnitt der Völsunga saga berichtet über die Taten von Sigmunds und Hjördis Sohn. Sigurd wurde zum größten aller germanischen Helden. An dieser Stelle verbindet sich die Heldensage der Wölsunge mit dem Göttermythos vom großen Goldschatz mit seinem verhängnisvollen Ring. Die Völsunga saga erzählt von dem Zwerg Regin, dem Erzieher Sigurds und dessen Bruder Fafnir, der den Schatz bewachte und den Sigurd tötete. Auf Regins Wunsch riss er das Herz des Drachen heraus und briet es. Als er sich die blutigen Finger ableckte, verstand er plötzlich die Sprache der Vögel, die ihm Regins Verrat enthüllten und den Weg zu Brunhild wiesen, die in einem Zauberschlaf lag und ihn Weisheit lehren konnte. Sigurd gelang es, den Feuerring, den die Festung umgab, zu durchbrechen und er erweckte Brunhild. Sie verliebten sich sofort ineinander und Sigurd schenkte ihr seinen goldenen Ring und gelobte ewige Treue. Doch Brunhild prophezeite Sigurd, dass er eine Frau namens Gudrun heiraten und bald danach sterben würde. Die Witwe werde danach König Atli heiraten, den sie am Ende töten werde. Alles geschah wie Brunhild vorausgesagt hatte. Nach der Heirat von Sigurd und Gudrun stellte sich die Frage nach einer geeigneten Frau für Gunnar, Gudruns Bruder. Die Wahl fiel auf Brunhild. Da es Gunnar nicht gelang, das Feuer zu überwinden, tauschte er mit Sigurd die Körper und dieser übernahm die Aufgabe, stellte sich Brunhild als Gunnar vor und verbrachte drei Nächte mit ihr. Brunhild war mit der Hochzeit einverstanden und folgte Gunnar in sein Schloss. Bei einem Streit zwischen Gudrun und Brunhild erfuhr diese, dass es Sigurd gewesen war, der die Flammen überwunden hatte. Brunhild fühlte sich entehrt und gedemütigt und verlangte von Gunnar Sigurd zu töten. Gunnar beauftragte seinen Bruder Guttorm mit der Tat. Dieser erstach Sigurd im Bett, fand bei dem Attentat aber auch den Tod. Brunhild nahm sich daraufhin das Leben. Ihr letzter Wunsch war gemeinsam mit Sigurd verbrannt zu werden. Die letzten Abschnitte der Völsunga saga schildern Gudruns Schicksal nach Sigurds Tod. Nach sieben Jahren heiratete sie König Atli. Dieser hatte bereits einen Plan geschmiedet, wie er an das Gold Gudruns kommen konnte, das im Besitz ihrer Brüder war. Er lud nach der Hochzeit Gunnar und Hogni zu einem Besuch ein. Obwohl Gudrun sie warnte, kamen beide an Atlis Hof. Er tötete erst Hogni, dann warf er Gunnar in eine Schlangengrube. Gudrun rächte sich, indem sie die gemeinsamen Söhne tötete und ihrem Mann Blut und Herzen servierte. Schließlich erstach sie Atli eines Nachts im Schlaf. Gudrun heiratete noch ein drittes Mal und bekam noch weitere Söhne. Mit dem Tod der letzten Söhne Gudruns endet die „Völsunga saga“. Fafnirs Erbe, das mit einem Fluch belegte Gold, aber war, laut Snorri, inzwischen im Rhein versenkt worden, und dieses Gold wurde seitdem niemals gefunden.

Deutsche Dichter und Wissenschaftler haben die altisländische Literatur zunächst in lateinischen Übersetzungen kennen gelernt, die im 17. und 18. Jahrhundert in Kopenhagen, Stockholm und Uppsala erschienen sind. Die erste deutsche Ausgabe der Prosa Edda erschien 1777 durch Jakob Schimmelmann. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm das Interesse an altisländischer Literatur zu. Der Sturm–und–Drang Dichter Johann Gottfried von Herder war der Meinung, dass nordische Mythen eine Art Rüstkammer für den neuen deutschen Geist werden könnten. Friedrich Schlegel machte im Jahr 1802 zum ersten Mal auf die isländische Fassung der Nibelungensage aufmerksam  und verglich sie mit dem deutschen Nibelungenlied. Der Erste, der den Stoff dichterisch verarbeitete, war jedoch Friedrich de la Motte Fouqué. 1808 schrieb er sein Lesedrama „Sigurd der Schlangentöter“, das er 1810 zu der Trilogie „Der Held des Nordens“ ausweitete. Die Motive sind größtenteils der „Völsunga saga“ und einigen anderen Vorzeitsagas entnommen. Diese Stoffe waren zu seiner Zeit als Unterhaltungsliteratur sehr beliebt. Einer der Freunde Fouquéts war der Wissenschaftler Adolf Wagner – Richard Wagners Onkel. In dessen Bibliothek studierte der Gymnasiast Richard Wagner von 1827-1830 fleißig die Dichtungen des Mittelalters, die griechischen Klassiker und sicher auch die nordischen Übersetzungen. In seiner frühen Schaffensphase wechselte Wagner noch zwischen Tragödie und Komödie, zwischen Ritterstück und Schäferspiel, zwischen Märchen und historischen Themen. Erst bei „Rienzi“ 1838 nahm der historische Stoff konkrete Formen an. Ab 1841 diente die Geschichte nicht mehr allein als dramatisches Mittel, sondern wurde zum Zweck der Oper. So entstanden im Zeitraum von 1841-1846 „Der fliegende Holländer“, die beiden Opernentwürfe „Die Sarazenin“, „Die Bergwerke zu Falun“, sowie „Tannhäuser“ und der Dramenentwurf „Friedrich I.“ 1848 folgte „Lohengrin“ und die Dramenentwürfe „Jesus von Nazareth“ (1849) und „Wieland der Schmied“ (1850). Das Nibelungenlied spielte bis dahin nur eine marginale Rolle für Wagner. Als ihm die Dichterin Louise Otto 1845 ihr Libretto zu einer Nibelungen-Oper schickte, lehnte er es ab. Der nordische Sagenstoff hingegen faszinierte Wagner immer mehr. Für ihn war die die nordische Sagenwelt der Schlüssel zum Verständnis aller Sagen. Dem Komponisten Niels W. Gade teilte Wagner 1846 mit: „Ich muss nach ihren altnordischen Edda-Dichtungen greifen, die sind viel tiefsinniger als unsere mittelalterlichen.“ Noch während der Arbeit am „Lohengrin“ vertiefte sich Wagner neben den griechischen Tragödien in die „Thidrekssaga“, in die „Heimskringla“ und „Völuspá“ der Lieder-Edda. Das berühmteste Eddalied ist die „Völuspá“ (Die Weissagung der Seherin). Der Leser wird darin zu den Ursprüngen der Welt geführt. Er erfährt, dass die Welt von den Göttern aus der Urflut emporgehoben wurde. Sie befestigten die Sterne am Himmel und erschufen die Zwerge sowie die Ureltern der Menschen Ask und Embla. Die Seherin beschwört den Krieg zwischen den Göttergeschlechtern der Asen und Wanen, und sie entwirft ein Weltbild, das von der Weltesche Yggdrasill bestimmt ist, unter der sich ein Weisheitsbrunnen befindet. Mehr als die Hälfte der 66 Strophen beschäftigen sich mit „Ragnarök“ dem drohenden Weltuntergang. Balder, Sohn Odins und Friggs und der Liebling der Götter, findet den Tod durch Verrat. Brüder bekämpfen sich und Verwandte bringen sich gegenseitig um. Die Sonne verfinstert sich, Unwetter ziehen herauf und der Fenriswolf reißt sich von seiner Kette los und verschlingt Odin. Die Götter rüsten zu ihrem letzten Kampf gegen die Chaosmächte und unterliegen. Schließlich fallen die Sterne vom Himmel und das Land versinkt im Meer. Am Ende steigt aber eine neue Welt aus den Fluten hervor und die unschuldigen Göttersöhne nehmen Odins Fürstenhalle „Walhall“ in Besitz.

Die „Völuspá“ wirkt wie eine Art Hintergrund für Wagners Fabel und man spürt überall im „Ring“ ihren Geist. Der Fluch trifft denjenigen, der die reinen Güter der Natur missbraucht und auf Liebe verzichtet, um sich dadurch Gewalt über andere verschaffen zu können. Alberich, Wotan, Fafner, Mime und Hagen erliegen dieser Versuchung und Verrat folgt auf Verrat bis zur totalen Vernichtung. Der unschuldige Held, der gezeugt wurde, um die Welt zu retten, wird am Ende selbst zum Opfer.

Spätestens mit den politischen Ereignissen von 1848 (Märzrevolution) hat sich Wagners Denken grundlegend geändert. Es geht ihm nicht mehr allein um die Helden, deren Handeln sich aus den äußeren Umständen ergibt, sondern um das Wesen des Menschen, welches sich in den Verhältnissen niederschlägt. Damit beginnt eine ganz neue Schaffensperiode Wagners. Der Mythos wird zur Grundlage universeller Erkenntnis, wobei auch die Musik eine zentrale Rolle spielt. Die mythische Handlung wirkt auf den Verstand, die Musik auf das Gefühl. In das Zusammenspiel von Ratio und Emotio ist auch die Sprache einbezogen. Am idealsten schien Wagner dafür der Stabreim geeignet, da dieser durch seine „sinnig-sinnlichen“ Eigenschaften die Dialektik von „tönendem Laut“ (Vokal) und „lautendem Ton“ (Konsonant) von unbewusster Bedeutung und bewusster Deutung in der höheren Erkenntnis des „Reinmenschlichen“ aufhebt. Das neue Drama soll unbewusst jenen „reinmenschlichen“ Wert zu Bewusstsein bringen, der die willkürliche Form des Politischen im Sinne des unwillkürlichen – im Mythos enthaltenen – reinmenschlichen Aspekt sprengt und die Welt dadurch verändert. Seine Ideen schreibt Wagner 1848 in dem Aufsatz „Die Wibelungen. Weltgeschichte aus der Sage“ nieder. Darin geht es um die Urstruktur des Menschen, dessen Wesen sich in den Mythen offenbare. „Alle historischen Ereignisse gelten hier als Resultat jener „mytischen Identität“ (Die Wibelungen, GSD II, 119), die das Geschehene bloß als Reflex eines höheren Weltenplans erklärt und die Geschichte so im Mythos „aufhebt“. Wagner versteht dementsprechend den mythischen Kern der Siegfried-Gestalt als Symbol für den „individualisierten Licht- und Sonnengott, wie er das Ungetüm der chaotischen Urmacht besiegt und erlegt: -dieß ist die ursprüngliche Bedeutung von Siegfrieds Drachenkampf, einem Kampfe, wie ihn Apollon gegen den Drachen Python stritt.“ (GSD II, 131) In Friedrich Barbarossa (seinen Entwurf „Friedrich I.“ hatte Wagner 1846 begonnen) erkennt er noch einen letzten König, der als Vollstrecker des mythischen Weltwillens die „Wiedergeburt des altheidnischen Siegfried“ verkörpert. Siegfried ist somit im Prinzip aus der Zeit heraus gelöst, er wird – etwa in den Taten Barbarossas – immer wieder sichtbar und lebendig. Sein Wesen kommt in allen natürlichen Gesellschaftsformen zur Erscheinung. Der Nibelungenstoff wird so für Wagner zur entscheidenden Grundlage eines neuen Prinzips. Durch die Trennung des Nibelungenliedes von der durch die ritterlich-höfisch geprägte Zeit seiner Entstehung, glaubt Wagner jenen Urmythos wieder herstellen zu können, der die verborgene Ursprünglichkeit des Menschen zunächst unbewusst realisiert, um sie dann zu rationalisieren. Die Quellen, die Wagner brauchte, um den Hintergrund der Siegfried-Sage auszuleuchten, fand er in den „Sigurd“- und „Attliliedern“, im „Reginsmál“, „Fafnismál“, in „Grispirs Weissagung“ sowie in der „Erweckung der Walküre“ und in „Brynhilds Helfahrt“ aber auch in der „Thidrekssaga“. Wagner hielt diese Quellen nicht nur für älter und ursprünglicher als das Nibelungenlied, das doch stark durch seine Entstehungszeit geprägt ist, sondern sah in der Verbindung von Götter- und Heldenmythos die Möglichkeit jene universelle Weltdeutung zu erhalten, die ihm vom antiken Drama her vertraut war. Da es sich bei den altnordischen Mythen lediglich um einzelne Geschichten handelte und nicht um ein episches Großwerk, greift er den ersten Teil des Nibelungenliedes heraus, zerschlägt den Handlungsrahmen und baut es durch Einfügung der Texte aus der Edda neu zusammen.
Dadurch entfernt er sich immer mehr vom Nibelungenlied. Das ermöglicht ihm aber auch seine gesellschaftskritischen Ideen und die politische Aktualität in das Nibelungen-Drama einzubeziehen und so einen ganz eigenen Mythos zu erschaffen.

Kurz nach der „Wibelungen-Schrift“ beginnt Wagner eine Prosa-Vorstudie: Der Nibelungen-Mythus. Dort wollte er „den ganzen mythos in seinem großartigen zusammenhange“ darstellen. Er fügt dazu die in der Edda, den Sagas und dem Nibelungenlied gefundenen Motive zu einer geschlossenen Einheit zusammen. Dieser Entwurf umfasst bis auf wenige Änderungen und Ergänzungen praktisch die gesamte Handlung des „Rings“. Erst wenn die Götter „in dieser Menschenschöpfung sich selbst vernichten, nämlich in der Freiheit des menschlichen Bewusstseins“, kann die alte Ordnung wieder hergestellt werden. Siegfried ist der Held, durch dessen Tod die Götter von ihrer Schuld befreit werden. „Hört denn, ihr herrlichen Götter, euer Unrecht ist getilgt: dankt ihm, dem Helden, der eure Schuld auf sich nahm.“ Doch noch ist Alberichs Fluch nicht gebannt. Es bedarf noch des bewussten Opfers Brünnhildes, deren letzter Wille auf die Rückgabe der Herrschaft an die Götter zielt. „Nur einer herrsche, Altvater, herrlicher, du!“ Hier unterscheidet sich der Entwurf deutlich von der späteren Ring-Konzeption. Es fehlt noch die zerstörerische Macht der Verträge, die später im Ring entscheidend sein wird. Auch Wotans Augenopfer, Alberichs Liebesfluch und Fafners Verwandlung fehlen noch. Eduard Devrient, zu dem Wagner seinen ersten Entwurf bringt, sieht darin eine politische Überfrachtung sowie einen thematischen Hintergrund, der notwenig zur Unverständlichkeit des Werkes führen müsse. „Er (Wagner) will eine Oper daraus bilden, das wird nichts werden, fürchte ich. Die nordische Mythe findet wenig Sympathie, schon weil sie unbekannt ist (…) Auch holt Wagner immer zu weit aus und knetet seine modernen Anschauungen ein.“ (Devrient 1964) Wagner braucht einen Protagonisten für die dramatische Gestaltung des Nibelungen-Mythus, um den herum er die Handlung aufbauen kann. Er findet ihn in Siegfried, den er in den Mittelpunkt seiner Dichtung „Siegfrieds Tod“ (Götterdämmerung) stellt. Er nimmt damit das Ende vorweg und setzt mit der Halle der Gibichungen ein. Rückblickend wird die in den nordischen Quellen berichtete Vorgeschichte erzählt. Die Skizze dramatisiert im Wesentlichen die Handlung des Nibelungenliedes.
Erneut äußert Eduard Devrient Bedenken: Dem Publikum werde zuviel zugemutet. Siegfried und Brünnhilde sollten doch erst einmal vom Publikum kennen gelernt werden, bevor es zum tragischen Konflikt kommt. Wagner ergänzt daraufhin die Abschiedsszene zwischen Siegfried und Brünnhilde und setzt die Nornenerzählung voran. Die erste Versdichtung trägt den Untertitel: Eine große Heldenoper. Wagner liest sie seinen Freunden vor. Am 2. Dezember 1848 schreibt Devrient in seinem Tagebuch: „Der Kerl ist ein Poet durch und durch. Eine schöne Arbeit. Die Alliteration, wie er sie gebraucht, ein wahrer Fund für die Operngeschichte, sie sollte zum Grundsatz dafür erhoben werden. (..) Ich halte dieses Gedicht für sein bestes und am ersten dramatischtes.“ (Devrient 1964)

Nach seiner Flucht aus Dresden ruht die Arbeit am „Ring“ und Wagner schreibt in erster Linie kunsttheoretische Abhandlungen. In „Oper und Drama“ entwickelt er seine Mythos-Theorie weiter. Der Mythos transportiert Urbilder, die sich in allen Völkern finden, da sein Erkenntnis vermittelndes Wesen immer und überall gleich ist. Wagner spricht daher vom Urmythos, der sich in allen mythischen Darstellungen offenbare, und den es zu entdecken gilt. „Das Unvergleichliche am Mythos ist, dass er jederzeit wahr, und sein Inhalt bei dichtester Gedrängtheit, für alle Zeiten unerschöpflich ist.“ (Oper und Drama, DS VII, 188)
Aufgabe des Dichters ist es, den Mythos zu deuten, dazu muss er allerdings Teil des Volkes werden, um das vom Volk Gefühlte künstlerisch verdichten und verarbeiten zu können. Damit befindet sich Wagner in einem Dilemma. Welche Mythen soll er wählen? Zum einen gründet das Volk für das er schreibt auf germanischen Wurzeln, zum anderen ist dieses Volk aber durch eine klassisch-griechische Bildung geprägt. Wagner benutzt also beide Mythen, den germanischen und den griechischen, zumal nach seiner Theorie der Urmythos ohnehin als identisch angesehen werden kann. Mit Blick auf die Mythen steht Wagner in der Tradition Jacob Grimms, der in seiner „Deutschen Mythologie“ das nordische und deutsche Denken im germanischen Kontext auflöst. Wagner erscheinen die germanischen Stoffe allerdings authentischer, weil es in ihnen weniger um vermenschlichte Götter, als vielmehr um vergöttlichte Menschen, um Helden ginge. Der mystische Kern germanischer Sagen „wurzelte tief in derselben religiösen Naturanschauung, die einst den Urmythos erzeugt hatte.“ „Die dichterisch gestaltende Kraft dieser Völker war also ebenfalls eine religiöse, unbewußt gemeinsame, in der Uranschauung vom Wesen der Dinge wurzelnde.“ (Oper und Drama, DS VII, 160)

Im Anschluss an seine Überlegungen in „Oper und Drama“ ändert Wagner erneut sein Nibelungen-Konzept. Er spricht jetzt nicht mehr von „Heldenoper“ sondern von Drama. Seinen Freunden teilt er mit: „Ich schreibe keine Opern mehr.“
Im Sommer 1851 als Wagner sich wieder mit dem jungen Siegfried befasst, schreibt er: „Meine Studien trugen mich so durch die Dichtungen des Mittelalters hindurch bis auf den Grund des alten urdeutschen Mythos, ein Gewand nach dem anderen, das ihn die spätere Dichtung entstellend umgeworfen hatte, vermochte ich von ihm abzulösen, um ihn so endlich in seiner keuschesten Schönheit zu erblicken.“ (DS VI, 289) Das für Wagner wichtigste Werk die „Völsunga saga“ hatte er aus der königlichen Bibliothek entliehen, da er sie nicht käuflich erwerben konnte. In einem Brief an seinen Freund Theodor Uhlig vom 12.11.1851 bittet er diesen, ihm das Werk auszuleihen und nach Zürich ins Exil zu schicken. „Jene „Wölsungasaga“  möchte ich nun noch einmal haben, nicht um nach ihr zu bilden (Du wirst leicht finden wie sich mein Gedicht zu dieser Sage verhält) sondern um mich alles wieder genau zu erinnern was ich an einzelnen Zügen schon einmal konzipiert hatte.“ (SB IV, 173ff.) Wagner muss ein weiteres Drama voranstellen, in dem „Alles, was in „Siegfrieds Tod“ theils erzählt, teils als bekannt vorausgesetzt wird, in frischen, heiteren Zügen, durch wirkliche Darstellung vorgeführt“ wird, wie er am 20.11.1851 an Franz Liszt schreibt. Es entsteht „Der junge Siegfried“. Da aber auch dieser bald den Rahmen des Darzustellenden sprengt, folgen noch „Die Walküre“ und „Der Raub des Rheingoldes“ (später nur „Rheingold“). 1852 ist der Nibelungen-Zyklus abgeschlossen. Er hat nun eine Form, die an das griechische Drama anknüpft und einen Stoff, der aus verschiedenen nordischen und deutschen Quellen stammt.

An zentraler Stelle des „Ringes“ steht eindeutig die Siegfried-Gestalt. Mit Siegfried tritt ein Mensch in den Mittelpunkt des Dramas, der nichts mit den Verträgen der Götter zu tun hat und der seine eigenen Wege geht. Wagner weicht hier ganz bewusst von der Siegfried-Gestalt des Nibelungenliedes ab und greift auf die Sigurd-Lieder der Liederedda, die „Völsungsa saga“ und die „Thidrekssaga“ zurück. Für seinen Mythos entnimmt Wagner dem Nibelungenlied das Komplott gegen Siegfried und die Umstände seiner Ermordung. Das Heranwachsen des Helden und die Ereignisse in seiner Jugend, die im zweiten Teil der Ring Tetralogie „Siegfried“ dargestellt werden, stammen überwiegend aus dem nordischen Sagenkreis. Dort finden sich die Motive vom Aufwachsen des Waisen bei einem Schmied, das Töten des Drachens, die Gewinnung des Schatzes und die Befreiung Brünnhildes. Auf das im Nibelungenlied angeführte Motiv von Siegfrieds Bad im Drachenblut, das ihn unverwundbar macht, verzichtet Wagner in seiner Bearbeitung. Ihm genügt die Liebe zu Brünnhilde. In einem Brief an August Röckel vom 25.1.1854 schreibt er: „Die Liebe zu Brünnhilde ist Garantin dafür, dass der furchtlose, stets liebende Mensch Siegfried zum vollkommensten Menschen wird“. Dadurch hatte Wagner einen neuen Siegfried-Mythos erschaffen, der weder konkrete Bezüge zur Vergangenheit noch zur überlieferten Sagengestalt aufweist. Durch die Verwendung von Motiven aus Sage, Mythos und Märchen vergegenwärtigt Siegfried die Urformen menschlichen Handelns. Im Gegensatz zum politischen Mythos, der die Siegfriedsage für propagandistische Zwecke missbrauchte, blieb die radikale Enthistorisierung und Entpolitisierung des Siegfried-Mythos aber auch bei Wagner nicht wirkungslos, er hatte gleichfalls einen revolutionären Anspruch. Über die im Drama durch Reflexionsprozesse vermittelte Erkenntnis wird der Rezipient zum neuen Siegfried, der die Welt durch sein neues Bewusstsein letzten Endes doch im politischen Sinne verändert.

Als Hauptquellen nennt Wagner in einem Brief an Franz Müller vom 9.1.1856:

1. Der Nibelungen Noth u. Klage, herausgegeb. von Lachmann.
2. Zu den Nibelungen etc. von Lachmann.
3. Grimm’s Mythologie.
4. Edda.
5. Volsunga-Saga (Übersetzt von Hagen-Breslau.)
6. Wilkina- und Niflungasaga. (ebenso.)
7. Das deutsche Heldenbuch – alte Ausgabe, auch erneuert von Hagen – Bearbeitet in 6 Bänden von Simrock.
8. Die deutsche Heldensage von Wilh. Grimm.
9. Untersuchungen zur deutschen Heldensage von Mone – (Sehr wichtig)
10. Heimskringla – übersetzt von Mohnike. (glaub‘ ich !) (nicht von Wachter-Schlecht.)

Aus verschiedenen Gründen unterbrach Wagner seine Arbeit am Ring 1857. Er konnte sie erst 1869 dank der Unterstützung des bayrischen Königs wieder aufnehmen. Im August 1872 vollendete er in Bayreuth die letzten Orchesterskizzen der „Götterdämmerung“ und legte sich dabei endgültig auf den heute bekannten Schlusstext fest. Zum 27. Geburtstag seines Förderers König Ludwig II. am 25. August 1872 schrieb Wagner ihm eine persönliche Widmung:

„Vollendet das ewige Werk!
Wie im Traum ich es trug,
wie mein Wille es wies,
was bange Jahre barg des reifenden Mannes Brust,
aus wintermächtigen Wehen
der lieb‘ und des Lenzens Gewalten
trieben dem Tag es zu: Da steh‘ es Stolz zur Schau,
als kühner Königsbau prang‘ es prächtig der Welt!“

Im November 1874 war der „Ring des Nibelungen“ auch musikalisch fertig gestellt und wurde am 13. August 1876 im eigens dafür gebauten Festspielhaus in Bayreuth uraufgeführt. Kaiser Wilhelm I., Dom Pedro II. Kaiser von Brasilien und zahlreiche fürstliche Häupter waren angereist, um diesem spektakulären Ereignis und seinem Urheber die Reverenz zu erweisen.
Durch Wagners „Ring“ wuchs das Interesse an nordischen Mythen rasant, sei es in Text, Bild, Musik, im Drama, in der Oper, in der Malerei, in der Publizistik, der Produktwerbung, der politischen Propaganda und in der Buchkunst. Insbesondere die Werbung ließ sich von Motiven und Figuren aus dem „Ring“ inspirieren. Es gab ganze Sammelbildserien wie die Liebig-Serie „Nordische Göttersagen“ von 1894, die in deutscher, italienischer sowie in dänischer und schwedischer Sprache verbreitet waren. Die Qualität der Abbildungen war meist bescheiden und die Götterfiguren werden mit den immer gleichen Attributen kenntlich gemacht: Odin, dessen Einäugigkeit eine eher geringe Rolle spielt, mit Speer und Flügelhelm, dazu die Raben und manchmal die Wölfe, Thor mit dem Hammer, Baldur mit der Sonne, Heimdall mit Horn und Regenbogen, die Nornen zu dritt am Stamm der Weltesche. Ausgestattet mit Flügelhelmen, Speeren und Schilden kommen die Götter als Theatergermanen daher, die ihre Herkunft von den Bühnenbild- und Kostümentwürfen für die frühen Aufführungen des „Ring des Nibelungen“ nicht verleugnen können, ebenso die vielen Walküren, die auch einen Flügelhelm tragen. Als germanische Kopfbedeckung lässt sich der Flügelhelm in der Kunst seit dem 17. Jahrhundert nachweisen, doch erst im 19. Jahrhundert wurde er zum stereotypen Merkmal der Germanenbilder. Als Wagner den Berliner Maler Carl Emil Doepler den Älteren (1824-1905) als einen der erfahrensten Kostümkundler seiner Zeit mit den Entwürfen für die erste Inszenierung des „Rings“ beauftragte, gab es kaum Anhaltspunkte für Aussehen und Kleidung der Germanen. Doepler griff also auf archäologische Funde aus der Bronze- und Eisenzeit sowie auf antike Germanenbeschreibungen von Caesar und Tacitus zurück. Die Kostümentwürfe fanden bei Wagner und seiner Frau Cosima wenig Anklang. Von Cosima ist der Ausspruch überliefert, dass „die Kostüme (…) durchweg an Indianerhäuptlinge“ erinnerten und außerdem „den Stempel kleinlicher Theatergeschmacklosigkeiten“ trügen. Dennoch waren Doeplers Kostüme nicht nur auf der Bayreuther Bühne zu sehen, sondern wurden überall bekannt und häufig nachgeahmt. Wagners Mythos trat seinen Siegeszug auf den Bühnen der Welt an.

Literatur

Árni Björnsson „Island und der Rind des Nibelungen, Richard Wagner, Eddas und Sagas“, Bouvier Verlag Bonn 2011

Klaus Böldl „Götter und Mythen des Nordens. Ein Handbuch“, C. H. Beck München 2013

R. I. Page „Nordische Mythen“, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1993

Katja Schulz u. Florian Heesch „Sang an Aegir“ Nordische Mythen um 1900, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009

Richard Wagner „Dichtungen und Schriften“. Hg. v. Dieter Borchmeyer. Jubiläumsausgabe 10 Bde. Frankfurt am Main 1883

Richard Wagner „Gesammelte Schriften und Dichtungen“ 10 Bde. Leipzig 1887

Richard Wagner „Sämtliche Briefe“. Hg. v. Gertrud Strobel u.a., Bd. 1-9 Leipzig 1967. Bd. 10ff Wiesbaden 2000ff.

 

 

Dietrich von Bern

Dietrich von Bern
Dietrich von Bern
Bilder: /www.antiquariat-biebertal.de

Die Thidrekssaga stellt als einzige mittelalterliche Quelle das gesamte Leben des Dietrich von Bern dar.[1]

Dietrich wächst am Hofe seines Vaters, König Dietmars von Bern auf; ihn und seinen Waffenmeister Hildebrand verbindet eine tiefe und lebenslange Freundschaft. Bereits als junger Mann besteht er Abenteuer, die ihn als Kämpfer berühmt machen. Das wichtigste hiervon ist zweifellos der Kampf mit dem Riesen Grim, bei dem er mit der Hilfe des Zwerges Alfrik (der Name entspricht genau nhd. Alberich) den Helm Hildegrim und das Schwert Nagelring gewinnt, das er nun eine Zeit lang führt.

Aufgrund seines Ruhmes kommen nun andere junge Recken nach Bern, teils um sich Dietrich anzuschließen, teils um sich mit ihm im Waffengang zu messen. Einer davon ist Heime, der Sohn des berühmten Rossezüchters Studas, der sich Dietrich nach dessen Sieg im Zweikampf als Gefolgsmann anschließt und ihm als Geschenk einen Hengst seines Vater mit dem Namen Falke verschafft, den Dietrich dann bei seinen weiteren Abenteuern reitet. Eine weniger freundliche Aufnahme findet der inkognito reisende Sohn Wielands Wittich, dem sein Vater das Schwert Mimung überlassen hat. Dietrich – bis jetzt in jedem Kampf siegreich und voll von jugendlichem Hochmut – droht Wittich an, ihn an den Zinnen Berns aufhängen zu lassen. Doch Dietrich hat weder mit Wittichs außergewöhnlichem Schwert, noch mit dessen Kampfgeschick gerechnet – einzig Hildebrands Eingreifen, dem Wittich freundschaftlich zugetan ist, bewahrt den Berner vor einer vollständigen Niederlage. Hildebrand vermag es auch, die Kämpen zu versöhnen und dazu zu bringen, einander als gleichrangige Waffenbrüder anzuerkennen.

Um die erhaltene Schmach wettzumachen, beschließt Dietrich, den berühmten Kämpen Ecke herauszufordern, der das von Alfrik geschmiedete Schwert Eckesachs an sich gebracht hat. Auch dieser Kampf ist für Dietrich alles andere als einfach; dass er glücklich endet, hat er nur seinem Pferd Falke zu danken, das Ecke – als es Dietrich in Todesgefahr ahnt – durch einen Huftritt tötet. Am folgenden Tag kommt es zur Konfrontation mit Eckes Bruder Fasolt; auch in diesem Kampf bleibt Dietrich siegreich und die beiden schwören einander Freund- und Bruderschaft, werden also, anders als im mittelhochdeutschen Eckenlied, Waffenbrüder. Dietrichs Schwert ist fortan Eckesachs, Nagelring erhält Heime zum Geschenk.

Nach dem Tode seines Vaters wird Dietrich König von Bern. Bei einem Gelage, zu dem er auch seine Freunde König Gunther von Niflungenland und dessen Brüder Hagen, Gernot und Giselher eingeladen hat, rühmen sich der junge König und seine elf Tischgenossen, darunter Hildebrand, Wittich und Heime, als unübertreffliche Krieger, die nicht ihresgleichen hätten. Doch Herr Brand, der „Weitgereiste“ (evtl. ein missverstandener Hildebrand?) erhebt Einspruch – König Isung von Bertangenland und seine zehn Söhne seien mindestens ebenso tüchtig, und sein Bannerträger Siegfried sei sogar Dietrich gewachsen. Dietrich – von Zorn entbrannt – und seine Tischgenossen schwören, sich bereits am nächsten Tage auf die Reise zu machen, um sich mit Isung und Siegfried im Kampf zu messen. Im Bertangenland angekommen, verlaufen die Dinge allerdings nicht so, wie gedacht. Nur Wittich kann bei den sportlichen Zweikämpfen – nicht zuletzt wegen seines Schwertes Mimung – einen Sieg verbuchen; alle anderen, auch Gunter und Hagen, müssen sich geschlagen geben. Umso mehr hoffen die Berner auf Dietrich, der im zwölften und letzten Kampf gegen Siegfried antreten soll. Doch Siegfried, der Mimung in Aktion gesehen hat, will nicht gegen ein so überlegenes Schwert kämpfen und lässt Dietrich schwören, dass er es beim Kampf nicht benutzen wird. Dietrich tut das, doch Siegfried erweist sich als der schwierigste Gegner, dem Dietrich bislang gegenüberstand. Auch nach zwei durchkämpften Tagen hat keiner der beiden auch nur eine Wunde erhalten. Dietrich, frustriert und wütend über seine Sieglosigkeit, kann Wittich schließlich dazu überreden, ihm Mimung auszuleihen, das ihm am dritten Tage auch tatsächlich den Sieg schenkt, wenngleich durch einen Trick: Am dritten Tage schwört Dietrich nämlich, er wisse Mimungs Spitze nicht über dem Boden und seinen Griff in keines Mannes Hand, während er sich mit dem Rücken dagegenlehnt. Zwar durchschaut Siegfried den Betrug, zieht es aber dennoch vor, sich geschlagen zu geben, und schwört Dietrich Gefolgschaft. Dietrich, dem die ganze Sache unangenehm ist, vermittelt eine für Siegfried sehr ehrenvolle Hochzeit zwischen Siegfried und Gunters SchwesterKriemhild, nicht wissend, dass Siegfried bereits mit Brünhild verlobt war.

Als Dietrichs Onkel Ermanarich, der in Rom regiert, mit einem großen Heer auf Bern marschiert, um die Herrschaft an sich zu reißen, flieht Dietrich mit seinen Getreuen zu Attila, König der „Heunen“. Er lebt viele Jahre an dessen Hof und hilft ihm in zahlreichen Kämpfen gegen feindliche Könige. Zum Dank leiht Attila ihm ein Heer, damit er sein Berner Reich zurückerobern könne. In der Schlacht bei Gränsport, die mit der Rabenschlacht gleichgesetzt werden kann, erringt Dietrich zwar den Sieg, doch zieht er sich zurück, weil sein Bruder und Attilas Söhne von Wittich, der schon vor Dietrichs Vertreibung bei Ermanarich Dienst genommen hatte, getötet wurden. Attila verzeiht Dietrich den Tod seiner Söhne, und dieser lebt weiterhin an dessen Hof.

Unterdessen wird Siegfried im Niflungenland von Hagen ermordet. Siegfrieds Witwe Kriemhild wurde danach Attilas Gemahlin. Als König Gunther mit viel Gefolge seine Schwester bei König Attila besucht, kommt es zum Kampf zwischen Niflungen und Heunen. Dietrich kann sich anfangs nicht entscheiden, kämpft aber schließlich auf Seiten der Heunen. Am Ende des Gemetzels sind alle Niflungen, etliche Heunen und sämtliche Gefolgsleute Dietrichs tot. Nach diesem Vorfall beschließt Dietrich, nur mit seiner Frau Herat und Hildebrand nach Bern zu reiten, da er gehört hat, dass dort jetzt Hildebrands Sohn herrscht. Als Dietrich in Bern eintrifft, beschließen die Berner, ihn als König anzuerkennen, und folgen ihm in den Kampf gegen Sibich, Ermanarichs Nachfolger. Dietrich siegt und besteigt den Königsthron in Rom, das nun auch zu seinem Reich gehört. Nach dem Tod König Attilas fällt Dietrich auch dessen Reich zu, da Attila keinen Thronerben hinterlässt. Als Dietrich bereits ein alter Mann ist, bricht er auf, um Wittich zu finden und Rache zu üben. Er stellt ihn zum Kampf und tötet ihn, doch auf dem Heimweg erliegt auch er seinen schweren Verletzungen. Dietrichs Kampf mit Wittich findet sich allerdings nur in der schwedischen Fassung.

https://de.wikipedia.org/wiki

Dietrich von Bern
Cod. Pal. germ. 359, fol. 049r - Rosengarten zu Worms, Zweikampf
Volk: Ostgoten
Organisation: Amaler
Geschlecht: Männlich
Status : Germanische Sagengestalt
Vater: Dietmar (Theodemer)

Dietrich von Bern ist einer der Haupthelden der deutschen Sage. Er stammte aus dem Geschlecht der Amelungen (s.Amaler) und bildet den Mittelpunkt des ostgotischen Sagenkreises. Nach der älteren Sage ist er Dietmars (d. h.Theodemers) Sohn, nach späterer Erzählung von einem Dämon gezeugt; aus seinem Munde schießt Feuer, sobald er zornig wird.

Schon als Jüngling kämpfte er mit dem Riesen Sigenot und mit dem Recken Ecke, später im Rosengarten zu Wormsauch mit Siegfried. Vor Ermanarich, dem Bruder seines Vaters, mußte er aus seinem Reich in Italien nach Ungarn fliehen, wo er samt seinen Mannen (darunter der alteHildebrand) von Etzel, dem König der Hunnen, gastlich aufgenommen wurde. Ein Kriegszug gegen Ermanarich, zu dem ihm Etzel ein stattliches Heer mitgegeben, mißglückt, und er muß wieder zu den Hunnen zurückkehren. Später rückt er mit einem neuen Heere nach Italien, erobert nach einer gewaltigen Schlacht die Stadt Raben (Ravenna), vertreibt Ermanarich und nimmt sein Reich wieder in Besitz.

Nibelungenlied 

Dietrich ist auch in die burgundisch-fränkische Siegfriedsage verflochten worden, und so begegnet uns seine gewaltige und doch bescheidene Gestalt, mit sichtlicher Vorliebe gezeichnet, im zweiten Teil desNibelungenliedes an König Etzels Hof. In dieser Erzählung entstand das Porträt des sagenhaften Dietrich. Es liegt weit ab von den typischen Umrissen der jugendlichen Idealkrieger, wie z.B. Siegfried, Walther, Beowulf,Hagbard, Hialmar oder Helgi Hundingstöter und ebenso von den durchfurchten Zügen der Meister, die in derStarkadsage gipfeln.

Es ist eine Verbindung von Milde und Kraft, mit der man nur das Bild Hrolfkrakis vergleichen kann. Aber bei Dietrich kommt dazu jener Unterton von Dulden, der ihm die tiefe Resonanz gibt. Wieweit diese vornehme, etwas schwere, halbdunkle Fürsten-, nicht Kämpenart, eine Synthese von altem Germanen und christlichem Ritter, in Dietrichs Exillied aus dem 6. Jhd. vorbereitet war, steht dahin. Schon der geschichtliche Theoderich war maßvoll und tapfer, selbstbeherrscht und leutselig. Aber auch aus der gegebenen epischen Rolle war das Porträt der Dichtung, wie man es kennt, herauszuspinnen.

Realer Hintergrund 

Die Hauptgrundlage seiner Sagengestalt bildet die historische Persönlichkeit des ostgotischen Königs Theoderich der Große (454—526 n.Chr.), der seinen Sitz in Verona hatte, das im Mittelalter Bern hieß. Diese Sagenbildung um Theoderichs Person fand nach dem 6. Jhd. statt, allerdings ist nicht eindeutig geklärt, ob er durch sein eignes Volk in die Heldendichtung eingeführt wurde, oder erst durch die deutschen Nordnachbaren. Der große Heldenkatalog der Widsith-Dichtung (6. / 7. Jhd.) kennt ihn jedenfalls noch nicht [1]. Erst das Gedicht von „Waldere“ (um 1000) und „Deors Klage“ (10. Jhd.) setzen Dietrich als bekannt voraus. Die Strophe des schwedischen Röksteins (ca. 900) kennt neben Theoderichs Reiterstandbild auch zwei Namen der epischen Überlieferung (Māringar, Hraiþmar), zielt aber auf keine Sage von Dietrich ab. Insoweit jedoch allerlei Riesen- und Drachensagen zu ihm in Beziehung gesetzt worden sind, hat seine Gestalt auch mythologische Züge in sich aufgenommen.

Sagenkreis

Im Laufe der Zeit sammelte sich um Dietrich ein großer Sagenkreis, dem die deutschen Dichter des Mittelaltersmit Vorliebe ihre Stoffe entlehnten. Und selbst die Bauern singen und sagen noch spät von dem treuen, volkstümlichen Helden. Z.B. von:

Cod. Pal. germ. 067, fol. 051r - Sigenot

Dietrich von Bern verspottet den Riesen Sigenot (Zeichnung um 1470).

Ein sagenkundiger Isländer wie Snorri Sturlson wußte von Dietrich zwar vielleicht nicht einmal den Namen. Doch war er in Deutschland gleichzeitig der meistgenannte Held. Seine Epen wiegen an Zahl alle übrigen auf. Diese deutsche, vorwiegend oberdeutsche, Dietrichdichtung strömt von 1250 ab in den skandinavischen Norden: Es entstand das große Sammelwerk der Dietrichssaga, aber auch eine Reihe dänischer Dietrichsballaden.

In Deutschland, als die Heldensage sank, verkörperte er vor allen Anderen, jenen „van dem die bueren so vil singent„, die Vorstellungen von fernen Heldentum. Doch denkt man dabei auch an die unheroischen Geschichten mit Riesen und Zwergen, nicht an die strengen, hohen Züge, die noch die Epenzeit an ihrem Liebling kannte.

Dietrichs Abenteuer mit Riesen, Zwergen und Drachen, die den Inhalt mehrerer mittelhochdeutscher Epen und Abschnitte der Thidrekssaga bilden, sind hauptsächlich spielmännische Neuschöpfung des 12. und 13. Jhds.. Das Eckenlied kann ebenso der urkundliche Name altenglisch Ecga, Ecca, althochdeutsch Eggio, Ecko nicht als alt erweisen, zumal der Sagenname eine Erfindung zum Schwert Eckesahs ist. Die Episode der isländischen Hrólfs saga Gautrekssonar (c. 35 ff) [2], die mit einem Stück der Virginal verwandt ist, gelangte um ca. 1200 nach Island, auch das Hyndluliodh (22. 25) fordert kein höheres Alter.

Dagegen die halbklare Anspielung des Waldere B: „Witege empfing Lohn von Dietrich dafür, dass er ihn aus Klemmen los machte; durch das Gefilde (?) der Unholde eilte er (Dietrich?) davon“ ist wahrscheinlich so zu fassen, dass Dietrich bei Riesen gefangen war und von Witege befreit wurde. Von den drei vergleichbaren Erzählungen mittelhochdeutscher Epen (in Virginal, Sigenot, König Laurins Rosengarten) steht am nächsten Virginal (314 ff.) nebst der Variante von Alpharts Tod (252 f.): Witege befreit Dietrich (und Heime) aus Kerkerhaft bei einem Riesen.

Der Kern dieser Geschichte wird nur das „Gedicht von Waldere für das 9. Jhd. bezeugt. Der Anstoß dazu, dem Helden der lebenstreuen Exilsage ein Trollenabenteuer anzudichten oder anzuhängen, verbirgt sich den Forschern; brachte Witege die Riesensage mit? Bei dem spätem Aufsprießen von Drachen- und Zwergenkämpfen kann der Wunsch gespielt haben, nach dem Vorbild des jungen Siegfrieds auch den jungen Dietrich mit märchenhaft bunten Lehrjahren auszustatten.

Sagengruppen 

Dietrich wurde im Hochmittelalter zum sagenreichsten aller germanischen Helden. Dabei unterscheidet man folgende Stoffgruppe:

  • 1. Die Stammsage Dietrichs, die ihn als Gestalt der Heldendichtung kreiert hat: die sog. Exilsage im althochdeutschen Hildebrandslied (um 840 n.Chr.).
  • 2. Anschließend zur Exilsage schuf man weitere Fabeln, worin Dietrich die oder eine Hauptperson ist, und womit man seine Jugend- oder auch seine Verbannungsjahre ausfüllte. Hierher gehören die mythischen oder märchenhaften Dietrichsgeschichten, die am dem 9. Jhd. auftauchen. Dann die späten, niederdeutschen Dichtungen von Dietrichs und Attilas Wilzenkämpfen, die außerhalb der heroischen Sage fallen (s. Attila). Ferner die ebenfalls jungen Kämpfe, deren Hauptmotiv ist Dietrichs und seiner Mannen Wettstreit mit Siegfried und den Seinen. Für sich steht die schalkhafte Spielmannsnovelle von Herbort, die wohl von Anfang an den Berner für diese quasi Marke-Rolle erkor.
  • 3. Sagen von den Dietrichhelden, in denen Dietrich selbst nur Nebenfigur ist oder sein Schicksal nur den Rahmen hergibt: einerseits das Jüngere Hildebrandlied, die von Dietrich einst unabhängige Vater-Sohnsage (s. Hildebrand), anderseits die zu Dietrich erst hinzugedichteten Erzählungen von Alphart, wie er auf der Warte sein Leben läßt, und von Heime, Witege, Dietleib, wie sie den jungen König von fernher aufsuchen und seine Mannen werden.
  • 4. Schließlich wurde Dietrich mit einer gewichtigen Nebenrolle hereingezogen in die oberdeutsche Gestalt der Burgundensage (Nibelungenlied), und hier fand man für ihn seine größte Heldentat, die Bezwingung der beiden letzten Burgunden.

Sagenübersicht 

Cod. Pal. germ. 359, fol. 057v - Rosengarten zu Worms, Zweikampf

Rosengarten zu Worms:Zweikampf zwischen Hildebrandund König Gibeche (um 1418).

  • Hildebrandslied: Dietrichs Exil (um 840). Dietrich wird aus seinem Reich in Italien vertrieben, um dann wieder nach einer langen Exilzeit von 30 Jahren zurückzukehren. Die Sage erzählt von einer legitimen Rückkehr des Herrschers und so wird aus der Eroberung Italiens eine innergotische Sage.
  • Runenstein von Rök: Überlieferung von Hraiþmar und Māringar im Zusammenhang mit Theoderichs Reiterstandbild (ca. 900).
  • Walthari-Lied: „Gedicht von „Waldere“ (um 1000). Altenglische Version der Sage von Walther und Hildegund. Hier wird erzählt, dass Theodric Widia (Wittich) ein Schwert übergeben wollte, weil Widia, Sohn Wielands, ihn aus der Gewalt von Riesen befreit hatte. Dass Dietrich in Gewalt von Riesen war, ist sonst erst in den mittelhochdeutschen Epen des 13. Jahrhunderts (Sigenot, Virginal) erzählt. Dass der Waldere-Text eine solche Episode erwähnt, zeigt, dass auch die Überlieferung der Abenteuer Dietrichs auf frühe Quellen zurückgeht und nicht erst im 13. Jahrhundert entstand.
  • Lieder-Edda: Gudruns Gottesurteil im Gudhrûnarkvidha thridhja (Drittes Gudrunenlied), (13. Jhd.). Hierin reinigt sich Gudrun (Kriemhild der Nibelungensage) von dem Vorwurf, mit Dietrich geschlafen zu haben.
  • Sigenot (um 1300). Mittelhochdeutsches Epos.

http://de.mittelalter.wikia.com/wiki/Dietrich_von_Bern

Parzival und die Gralssuche

(Parzival, Martin Wiegand, 1934)

Parzival, auch Perceval oder Parsifal genannt, war einer der bedeutendsten Ritter am Hof König Arthurs, nicht nur wegen seines ungewöhnlichen Werdegangs, sondern vor allem auch wegen seiner Rolle bei der Suche bei der Suche nach dem Heiligen Gral. Zahlreiche bedeutende Autoren des Mittelalters befassten sich mit diesem Thema, unter anderem Chrétien de Troyes („Perceval“, um 1150) und Wolfram von Eschenbach („Parzifal“, um 1200).

Parzival, von seiner Mutter in der Waldeinsamkeit aufgezogen, ist am Hofe Arthurs ein Außenseiter. Er kennt nicht die strikten Regeln, nach denen sich das Höfische Leben zu richten hat, weiß nichts vom Zusammenleben der Menschen und noch weniger von der Ritterlichkeit und ihren Idealen. Die ersten Ritter, denen er begegnet, hält er in seiner Torheit für Engel, lässt dann seine Mutter in der Einsamkeit zurück, um auch Ritter zu werden. Er trifft auf den Roten Ritter, erschlägt ihn ehrlos, nimmt ihm seine Rüstung, gelangt an den Königshof und dünkt sich einen Ritter. Langsam und schmerzhaft wird der Lernprozess sein, bis er sich dieses Ehrentitels zu Recht wird bedienen dürfen.

Wie die meisten anderen Artusritter auch, geht Parzival irgendwann auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Nur die allerwenigsten gelangen auch nur in die Nähe, doch Parzival wird sogar in die Gralsburg eingeladen, wo er eine Prozession beobachten darf, in der verhüllte Jungfrauen einen lichtverschleierten, offensichtlich heiligen Gegenstand am kranken Gralskönig vorbeitragen. Doch wenn Parzival auch schon in vielen Dingen ein echter Ritter geworden ist, ihm fehlt der Edelmut und die geistige Reife, um die entscheidende mitleidige Frage zu stellen, und so wird er wieder aus der Burg ausgewiesen und der Fischerkönig bleibt unerlöst. Erst ein weiteres Umherirren durch die Welt wird Parzival würdig machen und sein zweiter Besuch auf Burg Carbonek erlöst Amfortas endlich und macht Parzival zum neuen Hüter der Gralsburg.

Soweit erzählt es die Legende. Doch was ist der Gral eigentlich, was bewirkt er, woher kommt er? Ähnlich wie nach der Gestalt des Königs Arthur oder Artus selbst, deren historisches Vorbild etwa im fünften Jahrhundert anzusiedeln ist, suchen Historiker auch heute noch, ähnlich wie damals die Ritter, nach dem Heiligen Gral. In der vorherrschenden, schon stark christianisierten Meinung, ist er das Gefäß, aus dem Jesus beim letzten Abendmahl trank und das bei seiner Kreuzigung dazu benutzt wurde, das Blut aus seiner Seite aufzufangen. Dieser Kelch wurde dann von Joseph von Arimathäa, der Jesus sein Grabmal überlassen hatte, später mit nach Britannien gebracht, wo sich die Spur verliert. War dies vielleicht der geheimnisumwobene Schatz des Templerordens? Keiner weiß es. Oder war es vielleicht doch nur ein Keltisches Element der Artussage, der geheimnisvolle Kessel der Wiedergeburt? Wie immer die Antwort lauten mag, die Geschichte um den Gral hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Genauso wenig wie die eines jungen Ritters, der erst zum wahren Menschsein finden musste, um zu etwas Höherem berufen werden zu können.

Parzivals Jugend und Auszug in die Welt

Sporen und Schwert werden als
Zeichen der Ritterschaft überreicht
(aus einer franz. Handschrift von 1463)

Als Parzival als Sohn von König Gahmuret von Anschouwe und dessen Gemahlin Herzeloide geboren wird, ist sein Vater schon tot, gefallen durch Verrat im Morgenland. Die verwitwete Königin kann die Ländereien nicht zusammenhalten und als sie die Kunde erreicht, man trachte ihrem Sohn nach dem Leben, beschließt sie, ihn in einer abgelegenen Einöde großzuziehen, damit er in Frieden und Sicherheit aufwachsen könne, fern der Welt voll Falschheit und Kampf. Nur der alte Knappe ihres Mannes und einige wenige Edelfrauen begleiten sie. Sie alle müssen ihr einen Eid ablegen: niemals soll ihr Sohn von Ritterschaft, Kampf und Abenteuer erfahren, auf dass er für immer bei ihr bleiben würde und nicht wie sein Vater zugrunde gehen.

Parzival wächst groß und stark heran, nach dem Willen seiner Mutter in völliger Unschuld und des Lebens außerhalb der kleinen Gemeinschaft nicht gewahr. Doch die Unschuld wird bedroht. Anhand von Jagdbeute lernt Parzival das Konzept des Todes kennen. Karrenspuren machen ihm deutlich, dass es irgendwo noch mehr geben muss als seine beschränkte kleine Welt. Von nun an ist er unruhig, doch fest entschlossen, seinem unbestimmten Freiheitsdrang zum Trotz, bei seiner Mutter zu bleiben.

Der Zufall macht seinen Entschluss zunichte, als ihm im Wald Ritter begegnen, die er in seiner Unwissenheit zunächst für Gott und seine Engel hält. Die Fremden erzählen ihm von König Artus, der ihm auch die Ritterschaft verleihen könne. Nichts hält ihn mehr: er muss fort! Die Königin lässt ihm zum Abschied ein Narrengewand machen, in der Hoffnung, er möge von allen ausgelacht werden und so bald zu ihr zurückkehren. Sie erzählt ihm nun auch von seiner Herkunft und gibt ihm die guten Ratschläge mit auf den Weg, ältere Männer zu ehren und edle Frauen mit einem Kuss zu begrüßen, auch solle er eventuelle Ringgaben dieser Frauen in hohen Ehren halten.

Solcherart gut gerüstet, reitet Parzival nun auf einem uralten Klepper in die Welt hinaus.

Das erste, was Parzival erblickt, als er aus dem Wald kommt, ist ein großes purpurfarbenes Zelt mit goldenen Borten und einem flatternden Wimpel an der Spitze. Hinter diesem steht noch ein kleineres aus Leinwand. Neugierig betritt Parzival das prächtige Zelt und erblickt dort schlafend eine wunderschöne Frau. Eingedenk der Ratschläge seiner Mutter küsst er sie wach, um sie um einen Ring zu bitten. Sie hält ihn für nicht ganz richtig im Kopf, ist aber so überrumpelt, dass sie ihn bewirtet und ihm widerstandslos einen Ring und eine Brosche überlässt. Daraufhin reitet Parzival weiter. Als der eifersüchtige Ehemann der Herzogin zurückkehrt, bemerkt er den Verlust sowohl seines Abendessens als auch des Schmucks und schwört blutige Rache, bis er diese erlangt haben wird, wird die Herzogin alles Schmucks, aller schönen Kleider und aller Privilegien ihres Standes beraubt. So hat Parzival in aller Unschuld ein großes Unrecht angerichtet und zieht nun unbekümmert weiter in die Welt hinaus.

Der Ritter Gurnemanz – Die Befreiung Konduiramur

(Illustration von Alan Lee, 1984)

„Und nun willst du also ein Ritter sein, Parzival. Aber unter dem roten Samtmantel und dem glänzenden Harnisch trägst du noch immer das Torenkleid und darunter bist du noch immer nichts anderes als ein großer törichter Knabe. Du weißt es nur nicht.“

Parzival reitet durch die Nacht, ohne Sinn und Ziel. Als es hell wird, merkt er, dass ihm überall mit Respekt Platz geschaffen wird; doch gilt dieser Respekt nicht ihm, sondern dem, der er in seiner Rüstung zu sein scheint.

Wiederum gegen Abend nun gelangt er zur Burg des Ritters Gurnemanz, der ihn – obwohl befremdet ob des Fremden in so bekannter Rüstung – gastfreundlich aufnimmt. Und als Parzival seine Geschichte erst erzählt hat, wird er nun wirklich von dem freundlichen alten Ritter aufgenommen, der ihm eine höfische Ausbildung angedeihen lässt. Drei ganze Jahre wird diese Lehrzeit dauern. Und viel weise Ratschläge bekommt Parzival mit auf den Weg: er soll immer das rechte Maß halten, kühn sein, aber nicht wagemutig, nie Schwächere angreifen und den Besiegten Gnade gewähren, ohne sie zu demütigen, nicht geizig sein, aber auch nicht verschwenderisch, zu geringeren Leuten soll er freundlich sein, sich nicht mit liederlichem Volk einlassen. Auch soll er niemals Neugier zeigen, wenn er etwas sieht, das er nicht begreift und keine Fragen stellen. Das gelte als unhöfisches Benehmen. Dann soll er selbstverständlich den Unterdrückten und Verfolgten stets beistehen und den Frauen dienen, die dessen würdig sind, doch niemals ihr Knecht werden.

Diese und andere gute Ratschläge erhält Parzival in seiner Lehrzeit. Doch etwas Entscheidendes fehlt bei diesen Lehren, und daraus wird noch viel Leid entstehen. Noch vieles hätte er zu lernen, doch weiß er es immer noch nicht.

So zieht Parzival also, in allen Ritterlichen Künsten und Tugenden wohl unterwiesen, in die Welt hinaus, Abenteuer zu bestehen. Er will Königin Konduiramur befreien, deren Stadt belagert wird von Klamide, dem Fürsten von Brandigan, welcher so ihre Einwilligung zur Hochzeit zu erzwingen hofft.

Bald erreicht Parzival auf seinem trefflichen Hengst die belagerte Stadt, allein, alles dünkt ihn seltsam friedlich für einen Krieg. Bald erfährt er auch den Grund: die Stadt soll nicht durch Kampf bezwungen, sondern ausgehungert und so die Königin zur Aufgabe gezwungen werden. Deshalb war unser Held auch nicht gehindert worden, sich der Stadt zu nähern; sollte er doch ruhig mit den Bewohnern dort verhungern!

Nun wird er also der Königin als ihr Kämpfer vorgestellt. Sie scheint ihm die schönste Frau zu sein, der er je begegnet ist, aber so traurig! Um so entschlossener zieht er in den Kampf. Zuerst besiegt er den Seneschall, der für seinen Herrn antritt; der muss sich ergeben und wird von Parzival zu König Artus geschickt, ihm von dem Sieg zu künden und der Hofdame Frau Cunnaware zu Diensten zu sein. Genauso ergeht es in der Folge den restlichen sechs Dienstmannen des Fürsten, der daraufhin am folgenden Tage nun selbst gegen Parzival antreten muss. Und auch ihm selbst ergeht es nicht besser: am folgenden Abend befindet er sich ebenfalls übel zugerichtet auf dem Weg zur Residenz König Artus` und in den Dienst an der Hofdame.

Die gerettete Königin Konduiramur aber ist Parzival so dankbar für ihre Rettung, dass sie ihn drei Monde später zum Manne nimmt.

Die Burg des Fischerkönigs

Der Antiochia-Kelch, 500 Jhd., wurde
von vielen als der Heilige Gral verehrt

Es verfließen aber die Monate der jungen Ehe und Parzival beginnt inmitten seines Glückes an seine Mutter zu denken, die noch immer in ihrer Waldeinsamkeit darbt. Nie wieder, seit er sie verlassen, hat er von ihr gehört, und so macht er sich denn auf, sie zu besuchen.

Da er vermeint, den Weg genau zu kennen, reitet er abseits der großen Straße, quer durch immer unwirtlicher werdendes Gelände, bis er endlich an ein Gewässer gelangt, in dem ein paar Männer – wohlhabende Ritter, will es ihm scheinen – recht lustlos ihre Netze zum fischen ausgeworfen haben. In einem der Boote sitzt ein kostbar gekleideter Ritter, doch scheint er krank; so bleich, so schwach, von so vielen Polstern gestützt sitzt er da.

Parzival grüßt, empfängt herzlichsten Gegengruß; fast scheint es, man habe ihn erwartet, so seltsam sehen ihn die Männer an; irgendetwas scheint an ihm, dass verborgene Hoffnungen belebt. Er wird ob dieser unerklärlichen Haltung ihm gegenüber unwirsch, will nur noch nach langem Ritt zu einer gastlichen Herberge gelangen, wird aufs allerdringlichste mehrmals auf die nahe stehende Burg verwiesen; der Pförtner werde ihn aufs herzlichste empfangen, wenn er angibt, vom Fischer geschickt zu sein … und so geschieht es auch. Was bleibt ihm eine andere Wahl: weit und breit ist keine andere Nächtigungsmöglichkeit, doch beschließt er bei sich, am anderen Morgen diesen seltsamen Ort schnellstens zu verlassen, der ihm allmählich so unheimlich erscheint. Ist er wirklich noch in seiner Welt, oder ist er an einen gänzlich anderen Ort gelangt, an dem ihm unbekannte Gesetze herrschen mögen…?

Er wird wie ein lang ersehnter Ehrengast behandelt, die Königin sendet ihm einen kostbaren Mantel als Geschenk, versehen mit dem gleichen Emblem, einer eingestickten silbernen Taube, das hier alle tragen, der König selbst, Amfortas, lässt ihn zum Abendessen bitten.

Parzival gelangt in einen reich und kostbar geschmückten Saal; und wahrhaftig: der Mann an der Stirnseite der Halle, der König, ist der Fischer, den er am Nachmittage getroffen! Er winkt Parzival zu sich, auf dem Weg durch die Halle verneigen sich alle Anwesenden tief vor ihm. Und wiederum ist Parzival verwirrt und verunsichert: was hat er getan, solche Ehren zu verdienen? Und auch der König grüßt ihn nun mit Freude und Ehrerbietigkeit…

Nun jedoch tritt jemand in den Saal, der so gar nicht in die allesbeherrschende Pracht zu passen scheint: ein Knappe ist es, der einen alten zerbeulten Harnisch trägt und in der Hand eine Lanze hält. Langsam schreitet er durch den Saal, gelangt zum Hochsitz des Königs; kurz zögert er vor Parzival, scheint auf etwas zu warten. Alle scheinen mit einem Male auf etwas zu warten. Parzival wirft einen Blick auf die Lanze: die Spitze ist gefärbt wie von getrocknetem Blut … aber was geht ihn das an?

Der Knappe schreitet vorbei.

Durch eine andere Tür tritt nun ein Zug junger Mädchen in den Saal, immer zwei nebeneinander im gleichen weißen Gewand, Blumenkränze im Haar. Die ersten tragen einen Tisch mit elfenbeinernen Füßen und einer geschliffenen Platte, den sie vor dem Könige hinstellen, die nächsten stellen goldene Leuchter mit brennenden Kerzen darauf, wieder andere kristallene Trinkgefäße, goldene Schüsseln und allerlei kostbares Tischgerät. Zuletzt folgt eine wunderschöne Jungfrau in grünem Samtgewand, mit einer Krone auf dem Haupt, die etwas in den Händen hält, das Parzival nicht genau erkennen kann. Es sieht aus wie eine große glänzende Schale, von der ein überwältigendes Leuchten ausgeht.

Jeder im Saal hat nun die wunderbarsten Speisen vor sich, bis auf den König, vor dem nur ein Stück Brot liegt. Und noch immer ist nichts von einer fröhlichen Stimmung zu verspüren.

Die Hohe Königin trägt wortlos mit ihrem Gefolge den Gral wieder fort. Und für einen Augenblick erhascht Parzival, als er ihr durch die sich schließende Tür nachblickt, einen Blick auf ein kleines Gemach, in dem auf einem Ruhebett ein Greis mit langem weißen Haar schläft.

Der Knappe im zerbeulten Harnisch bringt Parzival nun ein kostbares Schwert; dieses ist ein Geschenk von Amfortas. Er bedürfe dessen nicht mehr, da das Unheil über ihn gekommen sei.

Und auch dieses Geschenk nimmt Parzival fraglos hin, begibt sich dann zur Nachtruhe, aus der er am nächsten Morgen nach unruhigen Träumen erwacht und eine verlassene Burg vorfindet.

Nur fort von hier, fort von diesem unheimlichen, rätselhaften Ort so denkt er und flieht aus der Burg, so schnell ihn sein treues Ross trägt. Nur der alte Knappe zieht hinter ihm die Zugbrücke hoch und ruft ihm noch eine Verwünschung hinterher.

Sigune und Jeschute

vergoldeter Schwertknauf aus dem 8. Jhd.

Parzival reitet also von der Gralsburg fort, sich seines Fehlers nicht gewahr. Wohl grübelt er, was er denn wohl falsch gemacht habe; doch vermag er nicht einzusehen, dass es seine Aufgabe gewesen sei, eine einzige mitleidige Frage zu stellen.
So reitet er denn ziellos dahin.

Nach einiger Zeit gelangt er zu einer Lichtung, die bewohnt scheint; ein Eremit mag so leben. Doch es ist seine Cousine Sigune, die hier in der Waldeinsamkeit noch nach all der Zeit am einbalsamierten Körper ihres Ehemannes die Totenwache hält. Parzival fröstelt es.

Er erzählt ihr, wo er gewesen ist. Doch dann muss er auch sein Versagen beichten. Und nun, da er von seiner Cousine erfahren hat, dass es sich bei Amfortas um seinen Oheim handle, scheint dieses noch schwerer zu wiegen.
Trotzig reitet Parzival von dannen.

Auf seinem Weg begegnet ihm eine mehr als armselig gekleidete Frau, die auf einer elenden Mähre dahinreitet. Er erkennt sie erst auf den zweiten Blick; es ist Jeschute, die noch immer die Rache ihres eifersüchtigen Ehemannes zu erdulden hat. Und der lässt auch nicht lange auf sich warten, stürmt mit eingelegter Lanze auf Parzival los, dass dieser Mühe hat, sich noch zu verteidigen. Doch auch diesen Kampf gewinnt Parzival; danach ist die Zeit gekommen, dem Herzog zu berichten, was sich damals wirklich zugetragen hat. Und der Herzog, besiegt, muss nun zwei Aufgaben erfüllen: erstens, seine Gemahlin wieder in allen Ehren aufnehmen, was er auch gern tut, und zweitens, an den Hof König Artus reiten, um von seinem Bezwinger zu künden.
Und wieder reitet Parzival weiter. Diesmal in der Gewissheit, einen alten Fehler wenigstens zu einem Teil wieder gutgemacht zu haben.
Unterwegs, als er einmal rastet, begegnet er einem Falken, der sich ihm sonderbarerweise zugehörig zu fühlen scheint.

Die Hexe Kundrie

Gawains Abenteuer
Stickarbeit aus dem 14. Jhd.

Er gelangt an eine Lichtung, auf der ein Zeltlager aufgestellt ist. Doch ist es noch zu früh am Tag, niemand scheint wach. Im selben Moment stiebt vom Waldrand eine Schar Wildgänse auf, der Falke fährt mitten darunter, Blut verunziert den Schnee und Parzival – er scheint verzaubert, nimmt seine Umwelt nicht mehr wahr. Und das ist ein Fehler, denn das Lager vor ihm ist kein anderes als das des Königs Artus, der so viel schon von seinem Ruhm vernommen hat und ihm daraufhin entgegengezogen ist. Und als das Lager nun erwacht, erwachen auch die jungen Heißsporne, die darauf brennen, sich mit dem berühmten Kämpfer zu messen. Dreimal muss der in die Betrachtung des blutigen Mals versunkene Parzival einen Kampf bestehen, und dreimal rettet ihn nur sein vortrefflich ausgebildetes Pferd, dass ihn mit Ausweichbewegungen aus seiner Trance weckt und ihm erst Gelegenheit verschafft, sich zu wehren.
Zuletzt kommt dann Herr Gawain, um ihn zum König zu führen, bemerkt seine Bezauberung und macht dem ein Ende, indem er das Mal im Schnee mit dem Mantel verdeckt.
So ist Parzival denn am Ziel seiner Wünsche, denkt er. Ein Platz an König Artus Runder Tafel ist sein!

Doch seine Freude wird nicht lange währen. Sein Schicksal naht in der Gestalt von Kundrie, der Hexe. Sie verkündet Artus, Parzival sei eines Platzes an seiner Tafel nicht würdig. Und Gawain, dem neuen Freund Parzivals, offenbart sie, dass ein böser Zauberer seine Schwester entführt habe und diese auf seinem Zauberschloss gefangen halte.
So muss Gawain sich denn aufmachen, seine Schwester zu erlösen, und auch Parzival kann nicht an Artus Hof bleiben.

Gawain bittet ihn noch, mit ihm zusammen aufzubrechen, doch Parzival muss allein reisen. Er ist verzweifelt, hadert mit seinem Schicksal und mit Gott, denn er weiß, dass er nicht wieder froh sein wird, bis er den Gral ein zweites Mal gefunden hat. Erst muss er sich jedoch würdig erweisen; doch jeder scheint an ihm zu zweifeln.
So begleitet ihn auf seinem Weg nur das Versprechen des treuen Gawain, dass dieser ihn suchen und begleiten werde, sobald er seine Schwester erlöst habe.

Gawain zieht also ebenso wie Parzival auf eine Queste, besteht währenddessen so manches ritterliche Abenteuer, lauscht auch immer auf Kunde von seinem Freund Parzival. Oft hört er von ihm, doch niemals holt er ihn ein.

Die Rückkehr zur Gralsburg

Joseph von Arimathia hält eine Messe für die
ersten Gralsritter, flämische Illustr. von 1351

Monde vergehen, und endlich gelangt Parzival wieder zu Sigunes Klause. Nun ist Parzival also wieder ganz in der Nähe der Gralsburg, will sie auch endlich finden; seit Ewigkeiten, dünkt es ihn, reitet er immer in Kreisen um Monsalvat herum, ohne jemals einen Weg dorthin gefunden zu haben.

Auf seinem Weg begegnet ihm ein Ritter, unbewaffnet, augenscheinlich von Monsalvat, der ihn anspricht, verwundert, dass er am heutigen Tage Waffen trage.
Was für ein besonderer Tag soll denn dies nun sein? Und warum ist er unfähig, einfach dem Fremden zur Gralsburg zu folgen?

Eine Prozession frommer Männer kommt ihm entgegen. Endlich erfährt er, dass Karfreitag ist. Er folgt den Männern zur Einsiedelei des Trevrezent, erstaunt über sich selber, doch von einer inneren Macht gedrängt. Trevrezent nimmt sich Parzivals an; er sorgt gut für ihn, dann erzählt er ihm die Geschichte der Gralsburg und ihrer Herren.

Auch Parzival ist einer der Abkömmlinge der Herren der Gralsburg, wie er nun erkennen muss. Trevrezent ist sein Onkel, der Bruder seiner Mutter! Doch sie ist verstorben, an Herzeleid, als Parzival sie verließ, muss er nun erfahren. Eine Beichte, eine Lebensbeichte bricht aus ihm hervor; er, er allein ist Schuld am Tod der Mutter, er ist Schuld, dass der Gralskönig noch immer leiden muss, er hat so viele Dinge in seinem Leben falsch gemacht, wollte selbst von Gott nichts mehr wissen.
Als Ostern vorüber ist, nimmt Parzival Abschied von seinem Oheim. Mit dessen Segen und dessen Rüstung mit dem Emblem der Gralsritter nimmt er Abschied. Noch fühlt er sich nicht würdig, sie zu tragen.

Unterdessen hat Gawain unter vielen Mühen seine Schwester aus dem Schloss des bösen Zauberers befreien können und die schöne Herzogin Orgeluse kennen gelernt. Und wieder haben er und Parzival sich um Haaresbreite verpasst.
Gawain möchte nun die Herzogin heiraten, doch will sie nur zustimmen, wenn er zuvor eine ihm gestellte Aufgabe erfüllen kann. Um das zu erreichen, muss er am folgenden Tag einen Kampf bestehen; aber er weiß nicht, gegen wen er kämpft: es ist Parzival, der ihn aber gleichermaßen nicht erkennt. Doch schont er trotzdem den verwundeten Gawain; bis König Artus, der mittlerweile auch am Schauplatz eingetroffen ist, dazwischengeht. Und so wird nun auf dem Schloss der Herzogin zum großen Hochzeitsfest gerichtet.

Nur Parzival, schwermütig, sondert sich von der Masse der Feiernden ab, unternimmt einen Ritt. Unterwegs hat er eine Begegnung, ihm entgegen zieht sein legendärer Halbbruder Feirefiss, der Sohn seines Vaters mit einer Sarazenenfürstin; nicht von heller Haut und hellem Haar, auch nicht dunkel, sondern gefleckt. Er führt in an Artus Hof, ihn dessen Obhut anzuvertrauen. Dort angekommen, wartet Kundrie.
Doch diesmal bringt sie frohe Kunde: Parzival wird auf die Gralsburg berufen, die Zeit seiner Prüfungen ist vorüber!

Parzival scheidet also; sein Bruder will ihn begleiten, doch legt Parzival ihm erst nahe, den christlichen Glauben anzunehmen, da sonst auf der christlichen Gralsburg kein Platz für ihn sei.
Auf der Gralsburg angekommen, stellt Parzival endlich die alles erlösende Frage und zeigt Mitleid, woraufhin Amfortas endlich genesen kann. Parzival ist der neue Gralskönig.
Und nun trifft auch endlich seine so schmerzlich vermisste Gemahlin ein, die von Kundrie eilends herbeigeholt worden war. Mit sich führt sie ihren und Parzivals Sohn Lohengrin.

http://www.mythentor.de/kelten/parzival8.htm