Die schönsten deutschen Heimatsagen: Rübezahl und das Riesengebirge

Riesengebirge. | Bild Nr.2

Bildquelle: kiefer.de

Bildquelle: labbe.de

Riesengebirge. | Bild Nr.1

kiefer.de

Im Riesengebirge wissen die Leute von mehreren Orten zu erzählen, die nach dem Berggeist benannt sind. Da ist Rübezahls Garten, in dem wertvolle Heilkräuter wachsen. Rübezahl wacht sorgfältig über sie und hat schon manchem Wurzelsammler oder gelehrten Botaniker übel mitgespielt, der in seinen Bereich eingedrungen ist, um kostbare Kräuter oder Wurzeln zu holen. Dann trifft man Rübezahls Schatzkammer, seine Kanzel, seine Kegelbahn, seinen Teich, seinen Rosengarten. Dieser hat eine aus Felsblöcken aufgemauerte, kreisrunde Einfriedung. Von seiner Entstehung erzählt man: Eine Komtesse wurde von einem Bären angefallen, aber durch einen Jäger gerettet. Sie verliebte sich in den Jäger. Da aber zwang sie ihr Vater, ins Kloster zu gehen. Aus Gram darüber starb der Jäger. An der Stelle, wo er begraben wurde, legte darauf die Komtesse den Rosengarten an.
Viele fremde Leute kamen ins Riesengebirge, besonders Venetianer, um Gold oder wertvolle Metalle zu suchen. Wenn sie die Schätze nicht auf natürliche Weise erlangen konnten, suchten sie sie durch Zauberkünste und Teufelsbeschwörungen vom Berggeist zu erzwingen. Aber sie mußten seinen Zorn in schrecklicher Weise spüren: unter gewaltigem Donnern und Blitzen wandte er sich gegen sie, und oft konnten sie nur mit Müh, und Not unter großem Schrecken ihr Leben retten.
Rübezahl aber zeigt sich auch als gutartiges Wesen. Ein Bauer war einst in große Geldnot geraten. In seiner Bedrängnis wagte er es, sich an Rübezahl zu wenden. Er wanderte ins Gebirge, um den Berggeist aufzusuchen. Dieser erschien dem Bauern und fragte ihn was sein Anliegen sei. Darauf antwortete der Bauer: „Ich möchte den Beherrscher des Riesengebirges untertänigst bitten, ob er mir nicht etwas Geld vorstrecken wollte.“
„Gern“, erwiderte der Berggeist, „wieviel brauchst du denn eigentlich?“
Darauf der Bauer: „Großmächtiger Herr, könntet Ihr mir hundert Taler borgen? Ich will sie Euch als ein redlicher Mann übers Jahr hier wieder zustellen.“
Hierauf entfernte sich Rübezahl und kam nach einem Weilchen wieder zurück. Er brachte einen Beutel mit vielem Geld, das er dem Bauern lieh.

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Nach einem Jahr erschien der Bauer von neuem im Gebirge, am gleichen Ort wie im Vorjahr. Dort traf er einen Mann, der ganz anders aussah als jener, der ihm das Geld geliehen hatte. Daher stutzte der Bauer und war nicht sicher, ob es Rübezahl sei. Auf die Frage des Mannes: „Wo willst du denn hin, Bauer?“ antwortete er daher „Ich wollte zum mächtigen Herrn des Riesengebirges und ihm, wie ausgemacht, die Taler zurückbringen, die ich im Vorjahr von ihm geliehen bekam.“
Darauf erwiderte der verkleidete Geist: „Mein lieber Bauer, der Rübezahl ist schon lange tot; geh mit deinem Geld wieder nach Hause und behalte es.“ Wer war da fröhlicher als unser Bauer!
Gerne trieb Rübezahl mit den Leuten seinen Schabernack. Oft, wenn jemand sich im Walde nicht gut auskannte, begleitete er, als Mönch verkleidet, den Wanderer ein Stück Weges. Im Gespräch bemerkte er dann, der andere könne sich auf ihn verlassen, denn er kenne sich hier im Wald gut aus. Wenn er den Fremden dann auf einen Seitenpfad geführt hatte, von dem aus man sich schlecht zurecht finden konnte, verschwand er plötzlich über die Äste der Bäume und lachte spöttisch. Das klang dann wie das Krächzen eines Raubvogels, der im einsamen Wald plötzlich in die Höhe fliegt, wenn unverhofft ein Wanderer in seine Nähe kommt.
Öfters hat Rübezahl arme Leute reich und glücklich gemacht. Einer armen Kräutersammlerin, die sich verirrt hatte, half er auf den richtigen Weg, nahm aber die Kräuter, die sie im Korbe hatte, heraus und legte ihr Baumblätter hinein. Doch die Frau fand später wieder die gleichen Kräuter und warf die Baumblätter weg. Einige davon aber waren am Korb hängen geblieben. Als sie dann nach Hause kam, waren alle diese Blätter aus feinem Gold. Gleich ging die Frau in den Wald zurück, um die weggeworfenen zu suchen, fand sie aber nicht mehr. Doch schon die wenigen, die ihr verblieben waren, machten sie reich.
In alter Zeit hat man den Rübezahl voll Ehrfurcht angeredet: Domine Johannes. Leute, die höher oben im Gebirge wohnen, wissen dies noch und vermeiden auch heute die dem Berggeist verhaßte Benennung : Rübezahl, die als Spottname gilt – und wohl keineswegs ein harmloser Spott ist. Dem Herrn Johannes hat man zur Zeit der Sommersonnenwende schwarze Hähne geopfert.

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Das Riesengebirgslied

Deutscher Informationsdienst

Das Riesengebirgslied wurde von Othmar Fiebiger (1886–1972; Text) und Vinzenz Hampel (1880–1955; Melodie) geschrieben.

Othmar Fiebiger dichtete um 1912 eine erste Dialektfassung des Textes während eines Aufenthaltes auf der Peterbaude im Riesengebirge.[1][2] Vinzenz Hampel schuf die Vertonung. Text und Melodie erschienen 1914 erstmals in gedruckter Form in der Festschrift des Trautenauer Gesangsvereins „Harmonie“.[3] Nach seiner Veröffentlichung verbreitete es sich als volkstümliche Weise sehr schnell in ganz Schlesien.

Während seiner Geschichte wurde mehrmals die öffentliche Aufführung, teilweise sogar der Druck und die Veröffentlichung verboten. In der Tschechoslowakei nahm man seit 1920 Anstoß an dem Ausdruck „deutsches Gebirge“ im Refrain, doch auch im Nationalsozialismus wurde das Rübezahlbild des Hohenelber Malers Fritz Hartmann kritisiert, das alle Ausgaben schmückte; es entspreche nicht dem Bilde des Berggeistes, das im Volke lebe.

Das Lied war im Laufe der Jahre, bis zu seiner heutigen endgültigen Fassung, einigen Änderungen unterworfen. Bis 1945 betraf das vor allem den Refrain, der sich von „Riesengebirge, Riesengebirge“ über „Riesengebirge, Märchengebirge“ hin zu „Riesengebirge, deutsches Gebirge“ änderte. In der endgültigen Fassung wurde es ca. 1920 in diversen Heimatblättern abgedruckt.

Nach 1945 wurden durch die aus ihrer Heimat Vertriebenen zwei zusätzliche Strophen angefügt. In dem erfolgreichen Heimatfilm Grün ist die Heide sang Kurt Reimann 1951 das Riesengebirgslied

Liedtext: Das Riesengebirgslied

Blaue Berge, grüne Täler,
mitten drin ein Häuschen klein.
Herrlich ist dies Stückchen Erde
und ich bin ja dort daheim.
Als ich einst ins Land gezogen,
hab ́n die Berg mir nachgesehn,
mit der Kindheit, mit der Jugend,
wußt ́ selbst nicht, wie mir geschehn:
O mein liebes Riesengebirge,
wo die Elbe so heimlich rinnt,
wo der Rübezahl mit seinen Zwergen
heute noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesengebirge, deutsches Gebirge,
meine liebe Heimat du!
Ist mir gut und schlecht gegangen,
hab gesungen und gelacht,
doch in manchen bangen Stunden
hat mein Herz ganz still gepocht.
Und mich zog ́s nach Jahr und Stunde
wieder heim ins Elternhaus,
hielt ́s nicht mehr vor lauter Sehnsucht
bei den fremden Leuten aus.
O mein liebes Riesengebirge …

Teuere Heimat, Vater, Mutter,
und ich liege an ihrer Brust
wie voreinst in Kindheitstagen,
da vom Leid ich nichts gewußt.
Wieder läuten hell die Glocken,
wieder streichelt ihre Hand,
und die Uhr im alten Stübchen
tickt wie grüßend von der Wand:
O mein liebes Riesengebirge….

Und kommt ́s einstens zum Begraben,
mögt Ihr Euren Willen tun,
nur das eine, ja das eine:
Laßt mich in der Heimat ruhn!
Wird der Herrgott mich dann fragen
droben nach dem Heimatschein,
will ich stolz und deutsch und deutlich
vor dem Himmelstore schrein:
Bin aus dem lieben Riesengebirge

Text: Othmar Fiebinger; Melodie: Vinzenz Hampel

Deutscher Spielfilm

 Ruebezahl Herr der Berge 1957

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