Die schönsten deutschen Heimatsagen – Die schöne Melusine und das Schloß Staufenberg

Die Melusinensage von Schloss Staufenberg

Egenolf von Staufenberg schrieb das mittelalterliche Heldenepos über den Ritter Peter Diemringer von Staufenberg um 1310.

Schauplatz der Legende ist Schloss Staufenberg in der Ortenau. In 1192 mittelhochdeutschen Versen faßte Egenolf zusammen, was er beim Schein der Kienfackeln, als Knabe noch, im Rittersaal, aus dem Munde fahrender Sänger und seiner Vorfahren vernommen und auch über den Heros der Staufenberger Geschlechter geschrieben fand.

Einst wollte Ritter Peter mit seinem Knappen nach Nußbach zur Kirche reiten. Unterwegs sah er auf einem Steine sitzend, eine wunderschöne Frau, ein Bildnis, wie Knappe und Ritter es nie gesehen. Ein herrliches Kleid aus köstlich Parma-Seide, in Gold gestickt, überm Herzen ein Geschmeide so reich , inmitten ein Karfunkel ohnegleich, zierte die  Frau.

Bildquelle: upload.wikimedia.org

Des Ritter Peters Herz war  hoch entzückt. Die schöne Frau erzählte ihm, daß sie ihn erwartet habe und ihn auch seit vielen Jahren bei Turnieren und Kämpfen, ja sogar bei seiner Kreuzritterfahrt zum heiligen Grab begleitet und beschützt habe.

Der Ritter wollte nun die schöne Frau nicht mehr missen und bat sie gleich um ihre Hand.

„Wo immer du es wünschest, und ganz alleine bist, will ich zu dir kommen. Doch du darfst kein ander Weib dir ehelich nehmen sonst wirst du innerhalb von drei Tagen sterben“, gab ihm die Melusine auf seinen Wunsch zur Antwort. Ritter Peter willigte ein und gelobte bei Gott und seinem Leben ewige Treue.

Bildquelle: de.wikipedia.org

Viele schöne Stunden verbrachte der Ritter mit Melusine sobald und so oft er sie herbeisehnte. Der tapfere Recke war bekannt in vielen Ländern und manche schöne Frau von edlem Geschlecht begehrte sein Herz.

Als Ritter Peter nach langer Zeit wieder auf Schloss Staufenberg kam, rieten ihm seine Brüder und Freunde, doch endlich ein ehlich Weib zu nehmen. Der Ritter sprach: „Gern würd ich tun, was ihr gebietet, doch würde ich mich eher in Riemen schneiden lassen als ein ehlich Weib zu nehmen.“ Melusine warnte den Ritter nochmals eindringlich und erinnerte ihn an seinen Schwur.

Eines Tages war zu Frankfurt ein großes Turnier. Der König fand Gefallen an dem tapferen Recken und trug ihm seine Base zur Frau und große Ländereien  an. Bedrängt von allen Seiten erzählte der Ritter, daß er bereits ein Weib habe und wie es sich mit Melusine zutrug. Die Herren ringsum und ein alter Kaplan rieten ihm von Melusine zu lassen, da diese nur des Teufels sein könne. Derart bedrängt und verwirrt, vergaß er, was er seiner Liebsten versprochen hatte, und die Base des Königs wurde ihm zur Hochzeit auf Schloss Staufenberg geschickt.

Bildquelle: de.wikipedia.org

Ein letztes mal vor der Hochzeit erschien ihm Melusine und verkündete ihm: „Sobald die Hochzeit du wirst wagen. Mein Herz dies nimmer kann ertragen, ich sag´ dir was geschehen muß: ich lasse sehen meinen Fuß vor alle die zugegen sind, sobald dein Hochzeitsfest beginnt: Wenn eure Augen das erblicken, nicht säume, nach dem Priester zu schicken, zur Beichte noch hast du die Zeit, zu rüsten für die Ewigkeit, nach der Heil´gen Wegzehrung sollst du verlangen und auch das heilige Öl empfangen. Zur rechten Zeit tu, was dir not, dein Seel´befehl dem Herrn Gott!

Als nun die Hochzeit gefeiert wurde und alle froh bei Tische saßen, da sah man fast ohne Laut, wie etwas durch die Decke stieß.Ein Menschenfuß wurde sichtbar, entblößt bis an das Knie, umgeben von einem lichten Schein. Da schrie der Ritter auf , begann sich die Haare zu raufen und rief: „O weh, o weh mir armen Mann. Ihr habt mich und euch verderbt, wir sind nun allen Glücks enterbt, und nach drei Tagen bin ich tot!“

Melusines Geheimnis enthüllt, aus Le Roman de Mélusine. Eins von sechzehn Bildern des Guillebert de Mets, circa 1410. Original im Besitz der Bibliothèque nationale de France.

Bildquelle: upload.wikimedia.org

Das Fest hörte auf und Ritter Peter schickte nach dem Pfarrer um seine letzte Beichte abzulegen. Seine ihm vermählte Frau befahl er in die Obhut seiner Brüder und beschloss sein Leben. Große Trauer und Klage war im ganzen Land. Die leidgeprüfte junge Frau vollendete ihr Leben in einem Kloster.

Text Josef Werner

nach den Unterlagen von E.R.Preiser

http://www.museum-durbach.de/

Wappen der Familie Stauffenberg

schloss-greifenstein.de

dentapress.de

Im Schloß Staufenberg unweit des Weinortes Durbach wohnte einst ein Amtmann, dessen Sohn Sebald Vogelsteller war. Als der Jüngling wieder einmal im Stollenberger Wald seine Liebhaberei betrieb, hörte er einen lieblichen Gesang. Er ging bergauf den klangvollen Tönen nach. Da erblickte er im Gebüsch ein wunderschönes Weib. Flehend schaute es den herantretenden Jüngling an und rief: „Schon lange harre ich deiner. Ich bin verwünscht. Erbarme dich meiner und erlöse mich! Du brauchst mich nur dreimal dreifach zu küssen, dann bin ich erlöst.“
Auf Sebalds Frage, wer sie sei, antwortete die Waldfrau: „Ich heiße Melusine und habe einen großen Brautschatz. Wenn du mich erlöst, bin ich mit meinem Schatze dein. Du mußt mich drei Morgen hintereinander, früh um neun Uhr, auf beide Wangen und den Mund küssen. Dann ist die Erlösung vollbracht. Fürchte dich nicht, besonders nicht am dritten Tag!“
Melusine trat dann aus dem Busch hervor, und Sebald konnte sie genau betrachten. Sie war sehr schön, blond und hatte blaue Augen, aber keine Finger. Statt ihrer sah man eine trichterförmige Höhlung und an Stelle der Beine Fischschwänze. Sebald gab ihr zunächst die ersten drei Küsse. Darüber war Melusine sehr erfreut und bat ihn, am zweiten und dritten Tag ganz bestimmt wiederzukommen. Dann kroch sie in ihren Busch zurück und sang:
Kommt und erlose deine Braut, Hüte dich wohl zu erschrecken! Sebald, nimm dich wohl in acht! Einmal war es recht gemacht.
Nun verschwand sie, Sebald ging heim, sagte aber nichts von seinem Erlebnis. Am andern Morgen eilte er in den Stollenberger Wald; Melusine sang wie tags zuvor, und er näherte sich ihr. Diesmal hatte sie jedoch Flügel und einen Drachenschweif. Trotzdem trat er furchtlos auf sie zu und küßte sie dreimal. Sie bedankte sich wieder wie am ersten Tag und versank in die Erde. Am dritten Tag hatte sie einen scheußlichen Krötenkopf, und ein Drachenschwanz umschlang furchtbar ihren Leib. Da erfaßte Sebald ein Grauen vor dem giftdräuenden Ungeheuer, und er rief abwehrend: „Kannst du dein menschliches Antlitz nicht entblößen, so kann ich dich nicht küssen.“
„Nein!“ rief Melusine und streckte mit lautem Schrei ihre Arme nach ihm aus. Da floh Sebald, von Entsetzen gepackt, den Berg hinunter. Atemlos kam er bei seinem Vater in der Burg an. Als er nun sein Erlebnis erzählte, wurde er vom Vater wegen seiner Furchtsamkeit gescholten.
Zwei Jahre vergingen. Sebald suchte den Stollenberger Wald nicht mehr auf, denn er fürchtete die Rache der von ihm betrogenen Waldfrau. Auf Wunsch seines Vaters heiratete er die Tochter eines Amtsvogtes. Die Hochzeit wurde im Schloß Staufenberg abgehalten. Als aber die Gesellschaft fröhlich beim Schmause saß, spaltete sich die Decke des Saales, und ein Tropfen fiel auf Sebalds Teller. Sebald aber hatte es nicht bemerkt und aß weiter. Da fiel er plötzlich tot nieder. Zu gleicher Zeit zog sich ein kleiner Schlangenschwanz in die Decke zurück.
So rächte sich die verzauberte Melusine an dem Mann, der ihre Hoffnung auf Erlösung enttäuscht hatte.

Staufenberg castle

dailypano.yakohl.com

Veröffentlicht am 12.02.2014

Die schöne Melusine und das Schloss Staufenberg
The beautiful Melusine and the castle of Staufenberg. German legend
from Durbach — Baden Baden
Erzählt von Monika Klose in der Märchenstunde: Frauen, die sich trauen
Told by Monika Klose in her session: Women who dare
Gefilmt von Toni Nottebohm
Im Goethe-Institut Barcelona 20.12.13

2 Kommentare zu “Die schönsten deutschen Heimatsagen – Die schöne Melusine und das Schloß Staufenberg

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