»Betrügerisches Geld« ‒ einfach gemacht

Janne Jörg Kipp

In den vergangenen Tagen spitzte sich das Schicksal Griechenlands und seiner Zugehörigkeit zur Eurozone weiter zu. Vieles scheint unverständlich, auf beiden Seiten. Doch auch das Phänomen der widerspenstigen Griechen, die noch nicht einmal ihre Steuersünder mehr verfolgen wollen, und der erfolglosen Troika-Politik ist erklärbar. Das Buch Betrügerisches Geld von Joseph Plummer zeigt in einfachster Art und Weise, wie Geldpolitik funktioniert. Eine sehr dringende Empfehlung für alle, die wissen wollen, was um uns herum vorgeht.

Plummer ist Amerikaner, ein erfolgreicher Unternehmer. Dennoch hat er sich nicht korrumpieren lassen. Er forschte und schrieb: Bücher, die aufklären sollen über die westliche »Demokratie«. Gerade Griechenland lieferte jüngst ein beeindruckendes Schauspiel dafür, welche geschäftlichen Interessen neben den eigenen Versäumnissen und Absurditäten hinter dem Geschehen stecken. Es geht um Geld, denn »Geld bedeutet Macht«, eröffnet Plummer. Das klingt nicht sonderlich überraschend, das wissen wir alle. Aber wie wird diese Macht tatsächlich organisiert? Im Kern? Wie funktioniert dieses System tatsächlich?

Dem Autor ist auf 176 Seiten aus meiner Sicht der ganz große Wurf gelungen. Eine Erklärung für das »Geld«-System, die ich in dieser beeindruckenden Klarheit noch nicht gelesen hatte. Viele Leser werden wissen, dass Geld aus dem »Nichts« entsteht. Jeder Kredit erzeugt in unserem Papiergeldsystem Geld, da sofort neue Forderungen gegen die Bank entstehen, die durch nichts als einen Bruchteil der Einlagen gedeckt sind.

So weit so gut, Plummer aber zeigt Punkt für Punkt, warum und wie die großen US-Banken vor gut 100 Jahren beschlossen, dieses System krisenfest zu machen. Warum Sie die FED gründeten, den letztlich privaten Zusammenschluss des Bankensystems. Die großen US-Banken hatten festgestellt, dass die US-Unternehmen immer mehr Geschäfte mit eigenem Kapital finanzierten, also auf Kredite verzichten konnten. Kredite aber eröffnen Banken Zugang zu ganz einfachen Gewinnen. Dem neuen Geld, also der Forderung gegen die Kreditnehmer, stehen natürlich Verbindlichkeiten gegenüber, falls die Kreditnehmer ihr Kapital auch abrufen. Kein Gewinn, kein Verlust also durch das neue Geld? Mitnichten. Die Banken können wie beschrieben auf Knopfdruck Geld = Kredite produzieren und verlangen aus dem schieren Nichts heraus Zins darauf. Zinsgewinne per Knopfdruck. Dies ist das ganze Geheimnis.

Ein schönes Geschäft, das jedoch natürlich Feinde hat. Kapitalabfluss aus Banken, sodass das Geld nicht wie erhofft mehrfach verliehen werden kann. Zunehmender Wettbewerb, die Eigenfinanzierung der Unternehmen und heute wären es sicher Verbraucherrechte.

Wenn also ein Zusammenschluss der größten Banken zum einen die Ausfallrisiken der Kredite reduzierte, durch ein gemeinsames Einlagensicherungssystem und die natürlichen Feinde zum anderen ausgeschaltet werden können, dann sollte dies ein noch lukrativeres Geschäft werden. Und so trafen sich einflussreiche Männer: Rockefeller, Rothschild, Morgan und Warburg. Heraus kam mit der FED eine Organisation, die quasi-staatlich auftretend die Geschäfte absicherte und begann, die Zinskontrolle zu übernehmen. Als beste Schuldner erwiesen sich selbstverständlich die Staaten selbst, denn diese würden ihre Kredite und damit den Geldtopf der Banken niemals verringern. Nun galt es nur noch, das Risiko zu reduzieren. Der »Bailout« wurde programmiert. Das Risiko verlagerte sich in den schlimmsten aller Fälle von den Banken auf die Allgemeinheit. Ein Mechanismus, der nur noch der Öffentlichkeit verkauft werden musste.

Teil dieses Mechanismus wurden der Einlagensicherungsfonds FDIC und die sogenannte Federal Deposit Loan Corporation. Garantieinstitutionen für die ganz großen Kredite an Regierungen und Großunternehmen. Im Krisenfall dann »wird immer das gleiche Argument aufgetischt: ›Es geschieht zum Wohle der Allgemeinheit‹«. Wie recht Joseph Plummer hat, sehen wir aktuell in Europa. Das gesamte Rettungsnetz der Eurozone hat »zum Wohle der Allgemeinheit« Kredite der Banken und Versicherungen in Griechenland (aber auch in Spanien, Portugal und so fort) abgesichert, damit das System weiterläuft.

Das Muster ist exakt dasselbe, überall und immer fort. Die »ELA«-Programme der Eurozone finanzieren griechische Banken »zum Wohle der Allgemeinheit«, damit diese zahlungsfähig bleiben. Aber nicht, um 60 Euro pro Bankkunden zu garantieren, sondern um der Regierung die Anleihen abzukaufen. Es verdient: das Bankensystem. Ohne es zu wissen, zeigt Plummer in einfachsten Worten, wie es weitergehen wird. Im zweiten Schuldenschnitt in Griechenland … »Wie wird die Bank reagieren (wenn die Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden beim Schuldenschnitt, der Autor)? Wenn die Kredite platzen, verliert sie sowohl ihre Aktivposten als auch die sehr lukrativen Zinszahlungen … . Nach intensiven Verhandlungen erklärt sich die Bank gnädigerweise bereit, die Kredite ›umzuschulden‹ (Dies bedeutet eine Senkung der Zinsen und eine Verlängerung der Laufzeit).« Das Geschäft also kann dann einfach weitergehen. Erst im »Finale, dem ›Bailout‹, wird die finanzielle Last von den Schultern der eigentlichen Verursacher (Kreditnehmer und Bank) genommen und der Bevölkerung aufgebürdet.«

Wie schlimm das Spiel enden kann, führt Plummer in kurzen Worten weiter aus. Denn eines Tages wird auch die Einlagensicherung nicht funktionieren. Denn die bürgt für Geld, das aus dem Nichts kam. Das also niemand hat. Wer zahlt am Ende?

Dafür gibt es anschließend zahlreiche Beispiele. So zum Beispiele von der Continental Illinois. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie private Haftungsfälle und Schulden per Aktien dem Staat aufgebürdet werden. Wer die Geschichte der Commerzbank kennt, wird hier eine Blaupause finden.

Dasselbe sehen wir anschließend für Sparkassen in den USA, in der Immobilienkrise, in der sogenannten Finanzkrise. Alles einem einfachen Schema folgend, alles mit Zahlen unterfüttert. Das Bankensystem schafft per Kredit Geld, kassiert Zinsen, bring den Kapitalstrom an Märkte, die diese Kredite eines Tages nicht mehr werden bedienen können, ruft den volkswirtschaftlichen Schaden aus, wird von staatlichen Institutionen »gerettet« und darf genauso weitermachen. Die staatlichen Institutionen produzieren per Anleihen, die ihnen die Banken mit Geld aus staatlichen Töpfen abkaufen entweder selbst neues Geld und verwässern den Geldwert ihrer Bürger oder erheben gleich neue Steuern.

Das Ganze ist nicht nur das Machwerk der Bankenvereinigung namens FED, sondern nutzt deren Rahmen für eine noch wesentlich weiterführende Herrschaftspolitik. IWF und Weltbank sind letztlich gegründet worden, um weitere Kredite an notleidende Staaten zu organisieren. Kredite, die mit Auflagen verbunden sind und Geld verleihen, das wieder aus dem Nichts stammt. Scheinbare Sparauflagen, staatliche Hilfen, finanziert von deren Bürgern sorgen schließlich dafür, dass das Geschäft weiterläuft. Nach Plummers Auffassung im Dienste einer »Neuen Weltordnung«… .

Der Weg scheint schon recht weit fortgeschritten. Unter anderem wurde als neue Weltwährung schon vor mehr als 40 Jahren das »Sonderziehungsrecht« (SZR) des IWF gegründet. Diese »Währung« funktioniert nach demselben Prinzip: Staaten leihen dem IWF Geld. Dieser zieht daraus ‒ also aus dem Nichts ‒ zusätzlich Sonderziehungsrechte, die dann wiederum verliehen werden. Werden die SZR nicht zurückgezahlt, springen die Mitgliedsländer des IWF ein. Also Sie und ich.

Wer diese Geschichte in einfachen Abschnitten nachvollziehen möchte und wie durch die Lupe die Vorgänge identifizieren möchte, hat dank der sehr einfach erklärten Zusammenhänge, zahlreicher historischer Beispiele und verblüffenden Hintergründen die bestmögliche Beschreibung in seinen Händen.

Dieses Buch hilft, Geld zu verstehen, seine Hintergründe und Profiteure zu entlarven und letztlich auch, sein eigenes Programm dagegen zu entwickeln. »Wie wir sie aufhalten können« nennt sich der Abschluss des unglaublich interessanten, einfach verständlichen Buches. Ich empfehle es aus vollem Herzen. Sie werden es benötigen.

 

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