Verteidigungsminister: Griechische Armee bereit, einzugreifen

Udo Ulfkotte

Am Donnerstag meldeten viele deutsche Medien das, was Leser von Kopp Online schon am vergangenen Montag erfahren hatten: In Athen besteht die Gefahr eines Militärputsches. Und dann verschwanden die Berichte oder wurden heruntergespielt.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst vor dem Hintergrund der Entwicklung in Griechenland auch die Gefahr eines Eingreifens der Militärs sieht. Es gibt dazu Hintergründe, die man in deutschsprachigen Medien  vergeblich sucht: Trotz Hilfsprogrammen und Austeritätspolitik ist Griechenland weiterhin Europas größter Rüstungsimporteur.

Nach BND-Angaben hat die Regierung Tsipras gerade erst einen Vertrag mit dem US-Konzern Lockheed Martin über die Modernisierung von Flugzeugen unterzeichnet. Insgesamt geht es bei den Neuprojektierungen der Generäle derzeit im Hintergrund um Aufträge im Wert von mehr als 4,2 Milliarden Euro – und um entsprechend viele Schmiergelder. Da ist der Vertrag mit Lockheed Martin über die Modernisierung von Flugzeugen im Wert von knapp einer halben Milliarde Euro noch ein vergleichsweise kleines Geschäft.

Man könnte also erwarten, dass es bei der Athener Armee realistische Einsparungsmöglichkeiten gibt. Aber der Verteidigungsminister erklärte unlängst: »Sie sollten nicht glauben, dass wir den Rüstungshaushalt um auch nur einen Euro kürzen werden.« Dabei hat Griechenland mehr als 500 Militärstandorte.

Und es wäre aus der Sicht eines neutralen Dritten sinnvoll, einen Teil davon zu schließen. Allein, die Militärs wollen das nicht. Klar ist: Wenn die Griechen am Sonntag Sparmaßnahmen zustimmen, dann weiß die Armee nicht mehr, womit sie ihren gewaltigen Apparat finanzieren soll.

In Fachkreisen wird daher die Frage diskutiert, wie die Generäle reagieren werden. Die Regierung Tsipras hat bislang Rücksicht auf die Armee genommen und vor allem nicht unter Hochdruck gegen korrupte ranghohe Militärs ermittelt. Klar ist: Bei jedem neuen Rüstungsgeschäft fließen Gelder.

Und so ist es kein Wunder, dass die ranghöchsten griechischen Militärs ganz sicher zu den größten Verlierern gehören werden, wenn die Sparmaßnahmen durchgesetzt und fest eingeplante Rüstungsgeschäfte gestrichen werden.  Am Donnerstag meldete dann der deutsche Nachrichtensender N-TV:

+++ 16:07 Verteidigungsminister: Griechische Armee bereit, einzugreifen +++ Griechenlands Verteidigungsminister von der rechten ANEL-Partei sorgt mit einem Satz für Unruhe: Berichten zufolge sagte er: »Das Militär stellt die Stabilität im Land sicher.« Weitere Ausführungen machte er nicht.

Und das Handelsblatt brachte den Aufmacher »Angst vor Staatsstreich in Athen«, siehe nachfolgenden Screenshot:

Wenige Stunden später ist der Artikel mit der Überschrift »Angst vor Staatsstreich in Athen« wie von Zauberhand verschwunden. Und auch der Spiegel berichtet nun, warum die Generäle sich ganz sicher ruhig verhalten werden. Schließlich hat man den Journalisten das so gesagt, Zitat: »Heute sind die Streitkräfte komplett demokratisch und pflichtbewusst

Wie bitte? Woher ist sich der Spiegel-Journalist da so sicher? Und was ist mit dieser Vorrangmeldung, die wenige Minuten zuvor über die Ticker lief:

Es ist offenkundig nicht gewünscht, dass über die möglichen Szenarien in allen möglich erscheinenden Facetten berichtet wird. Teile der Realität, vor denen auch der BND als Möglichkeit warnt, werden uns offenkundig von den Massenmedien vorenthalten. Niemand weiß, was in den nächsten Tagen in Athen wirklich passieren wird. Aber man tut in diesen Tagen wohl gut daran, sich nicht auf gekaufte Journalisten zu verlassen.

Vielleicht ist ja in Wahrheit alles ganz anders als das, was wir gerade in den Medien zu Griechenland präsentiert bekommen. Vielleicht verläuft ja im Hintergrund auch alles nach einem Plan, den deutsche Politiker und Journalisten nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Oder schlicht nicht verstehen.

Frank Schäffler beschreibt eine Strategie der griechischen Regierung, die genial wäre, wenn sie tatsächlich so verfolgt würde.

In wenigen Tagen werden wir wissen, ob wir von unseren Journalisten zum Thema Griechenland korrekt unterrichtet wurden. Es sind übrigens die gleichen Journalisten, die uns den Euro einst als sichere Währung mit angeblich wundervoller Zukunft verkauft haben.

Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos sagte jetzt, Griechenland befinde sich »im Krieg« mit der EU und werde nicht nachgeben. Darüber berichtet heute der Londoner Telegraph, aber erstaunlicherweise nicht ein deutscher Journalist.

Der Telegraph berichtet auch, dass den Geldautomaten genau einen Tag VOR dem Referendum das Geld ausgehen wird, sie werden dann nicht mehr bestückt.

 

So will die EU Druck auf die Griechen ausüben, damit diese für die EU stimmen. Wir hatten ja schon am Montag unter Berufung auf den BND darüber berichtet, wer darüber entscheidet, ob und wann die Geldautomaten wieder gefüllt werden: das Söldnerunternehmen G4S – alle Hintergründe dazu finden sich hier. Wer diese Hintergründe kennt, der weiß auch, ob und wie realistisch ein möglicher Putsch der Armee ist…

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