Jan van Helsing: Aber das sind doch eher Ausnahmen, oder?
Michael Morris: Leider nein. Die Situation ist extrem kritisch. Ich beobachte sie seit Jahren aufmerksam vor Ort. In San Francisco kostet der Luxus eines eigenen Zimmers mit eigenem Bett mittlerweile 2000 US-Dollar pro Monat und mehr. Wohlgemerkt: keine Wohnung, sondern nur ein Zimmer! Um sich das leisten zu können, muss man mindestens 4000 US-Dollar verdienen, was nur den wenigsten jungen Menschen gelingt. Die meisten von ihnen müssen sich für 1000 US-Dollar monatlich mit zwei oder drei anderen arbeitenden Menschen ein Zimmer teilen, manche sogar ein Bett.
Jan van Helsing: Die Menschen müssen sich in San Francisco ein Bett teilen? Im Ernst? Das erinnert an die »Bettgeher« zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa!
Michael Morris: Ja, wir bewegen uns im sozialen Bereich eindeutig rückwärts. Immer mehr Menschen können sich »wohnen« nicht mehr leisten. Eine desolate 75m2-Wohnung kann in San Francisco heute schon mal 1,5 Millionen US-Dollar kosten, ein neu errichtetes Einfamilienhaus in Los Angeles auch gerne mal sechs Millionen US-Dollar oder mehr. Immobilien dienen heute nicht mehr dem Wohnen, sondern der Spekulation. Die Reichen wissen dank der Nullzinspolitik nicht mehr wohin mit ihrem Geld. Sie überbieten sich beim Bau und Kauf von Immobilien gegenseitig und treiben so die Preise hoch. Genauso stecken sie Unsummen in komplett überbewertete Aktien und treiben so die Aktienindizes nach oben.
In den US-Metropolen erleben wir einen Bauboom im Superluxussegment. In New York City werden immer mehr Wohnungen errichtet, die 50 000 US-Dollar Miete und mehr PRO MONAT kosten! Die Politik der letzten Jahre war eine Politik für die Reichen und gegen die Armen dieser Welt – zusehends auch immer mehr gegen die Mittelschicht, die sukzessive verschwindet.
Jan van Helsing: Aber bedeuten steigende Mietpreise denn nicht, dass es immer mehr reiche Menschen gibt, die sich diese Preise auch leisten können?
Michael Morris: Ja, und gleichzeitig gibt es immer mehr arme Menschen, denn der Mittelstand wird systematisch zerstört und ausgedünnt. In den USA sind zahlreiche Städte wie Chicago oder Detroit pleite, selbst die achtgrößte Wirtschaft der Welt, Kalifornien, ist seit Jahren zahlungsunfähig. Jedes Jahr schließen tausende Geschäfte. Zahlreiche Kleinstädte gleichen Geisterstädten. Immer mehr alte Menschen leben in bitterer Armut. Das Land verrottet von innen her. Dennoch geben die USA jährlich 650 Milliarden US-Dollar für ihre militärischen Aktivitäten im Ausland aus. Krieg und Rüstung sind der einzig verbliebene Motor der US-Wirtschaft und die einzige Möglichkeit, die Dominanz des US-Dollars und der US-Firmen auf dem großen globalen Markt zu erhalten. Die US-Politik hat den eigenen Laden nicht im Griff, schreibt aber allen anderen Nationen immer noch vor, was sie zu tun haben. Dieses Kolonialherren-Denken beruht immer noch auf der »Manifest Destiny« des 19. Jahrhunderts, also der Überzeugung, dass die USA – genauer die weiße US-Oberschicht – den göttlichen Auftrag zur Expansion hätten. Sie sind davon überzeugt, wie die Engländer vor ihnen, dass sie die Krone der Schöpfung seien und alle anderen sich unterzuordnen hätten. Wenn sie das nicht tun, dann werden sie entfernt.
Jan van Helsing: Sie beschreiben in Ihrem neuen Buch ausführlich die Hintergründe dieses Denkens und beleuchten genau die Entwicklung der USA hin zur Supermacht. Besonders interessant fand ich dabei die zwei Kapitel über Panama, das im Grunde von den USA geschaffen wurde, und worüber wir Europäer so gut wie nichts wissen.
Michael Morris: Ja, ich denke, dass es für uns Europäer sehr wichtig wäre, die Geschichte der USA und die Denkmuster der Mächtigen in dem Land besser zu verstehen, denn Europa wird nach wie vor von den USA regiert und scheint momentan mit in den Abgrund gezogen zu werden.
Im Jahr 1903 war Panama eine Provinz Kolumbiens, in der es den Wunsch nach Unabhängigkeit gab. Die US-Geheimdienste halfen den Separatisten beim Putsch gegen die Regierung und setzten daraufhin im neu geschaffenen Staat Panama eine Regierung ein, die den USA die Hoheit über den Panamakanal zusicherte. Diese Intervention war so simpel und erfolgreich, dass sie künftig zu einer Blaupause für die US-Außenpolitik wurde. Seitdem intervenieren die USA in jedem Land, das für sie strategisch von Vorteil ist. Sie haben rund um den Globus Militärbasen errichtet, Regierungen gestürzt und neue eingesetzt und sie haben den Zerfall des Ostblocks mit verursacht.
Sie haben während den 1980er-Jahren gemeinsam mit den Saudis die Mudschaheddin in ihrem Kampf gegen die Russen unterstützt, haben al-Qaida mit aufgebaut, haben ein Land nach dem anderen unterworfen, doch nun haben sie offenbar die Kontrolle über all das verloren, wie derIslamische Staat oder der Krieg in Syrien beweisen. Zudem zerbricht die USA von innen. Die konservativen Machthaber im Hintergrund scheinen das aber nicht wahrhaben zu wollen. Viele von ihnen scheinen völlig weltfremd zu sein und sich selbst komplett zu überschätzen. Anstatt ihre eigenen Fehler einzugestehen, bauen sie immer wieder neue Feindbilder auf, um das Volk abzulenken. Doch mit Wladimir Putin könnten sie sich doch übernommen haben.
Jan van Helsing: Was genau meinen Sie, wenn Sie davon sprechen, dass die USA von innen her zerfallen? Wie muss man sich das konkret vorstellen? Meinen Sie die Proteste und Rassenunruhen?
Michael Morris: Auch, aber in den USA sind heute offiziell mehr als zwei Millionen Jugendliche und junge Menschen obdachlos. Dazu kommen mehrere Millionen älterer Obdachloser. Durch die steigenden Mietpreise werden es täglich mehr. Viele dieser jungen Menschen ziehen in kleinen Gruppen durchs Land. Sie vagabundieren, sind desillusioniert, wütend und nehmen oft harte Drogen, um sich zu betäuben. Sie stehlen und brechen ein, um über die Runden zu kommen. Sie bleiben so lange an einem Ort, bis sie von der lokalen Exekutive vertrieben werden und weiterziehen müssen. Sie prägen mittlerweile das Stadtbild vieler US-Kleinstädte. Die meisten dieser obdachlosen Jugendlichen sind weiß. Sie gehören der ehemaligen weißen Mittelschicht an, die konstant ausgedünnt wird. Sie sind von der privilegierten Oberschicht ausgestoßen worden und konkurrieren nun mit anderen Randgruppen der Gesellschaft um die Brotkrumen am Rande der Straße. Damit sind Unruhen vorprogrammiert.
Ein großer Teil der afroamerikanischen Familien in den USA ist zerrüttet, viele schwarze Familienväter sitzen im Gefängnis – oft wegen lächerlich kleiner Vergehen. Schwarze und Hispanics wurden jahrzehntelang von einer weiß dominierten Exekutive benachteiligt, schikaniert, weggesperrt oder getötet. Es ist wie im Lied »Zehn kleine Negerlein«. Täglich werden in den USA »zwei kleine Negerlein« von Polizisten erschossen und kaum jemand kümmert sich darum. Niemand glaubt in den USA mehr daran, dass die Polizei zum Schutz der Bevölkerung da sei. Die Polizei ist dank zahlreicher absurder Gesetze und Verordnungen zum Feind des Volkes geworden. Die Polizei darf Bargeld, das sie bei Fahrzeugkontrollen findet, beschlagnahmen und frei darüber verfügen; sie darf »Verdächtige« jederzeit ohne Beweise oder Gerichtsverfahren einsperren. Gewaltexzesse und Mord durch die Polizei sind an der Tagesordnung. Noch können die wütenden Massen mittels sozialer Medien und Ablenkungsmanöver von den Vierteln der Reichen ferngehalten werden. Aber nicht mehr lange.
Jan van Helsing: Sie gehen von Unruhen aus?
Michael Morris: Oh ja, und ich weiß, wie sie aussehen können. Ich habe 1992 die Riots (Aufstände) nach dem Fall Rodney King miterlebt. Ich war dabei, als das Land für Tage im Ausnahmezustand war, das öffentliche Leben stillstand und ganze Stadtviertel in vielen Großstädten brannten. Das war nicht schön. Und es kann jederzeit wieder passieren. Und diesmal ist die soziale Kluft zwischen arm und reich noch viel größer. Also ist die Gefahr groß, dass die Regierung, wenn es brenzlig wird, ein großes Ablenkungsmanöver startet und einen Krieg im Außen anzettelt. Ein äußerer Feind ist das effektivste Mittel, um ein gespaltenes Volk wieder zu einen – zumindest für kurze Zeit.
Jan van Helsing: Der Ausdruck »zehn kleine Negerlein« ist aber politisch gar nicht mehr korrekt, so etwas darf man doch heute nicht mehr sagen. Schon gar nicht in den USA.
Michael Morris: Ja, ist es nicht interessant, dass diese heuchlerische »political correctness« aus den USA kommt, aus einem Land, das alle Bürgerrechte mit Füßen tritt und Freund und Feind ausspioniert? Und ist es nicht bemerkenswert, dass genau jene Heuchelei in Europa so Einzug gehalten hat?
Im Jahr 2008 wurde in Paris der europäische »Rat für Toleranz und Versöhnung« geschaffen, ein Gremium gespickt mit hochkarätigen und einflussreichen aktuellen oder ehemaligen europäischen Spitzenpolitikern, christlichen, muslimischen und jüdischen Vertretern, deren Aufgabe es ist, auszuarbeiten, wie man die Europäer zur »Toleranz« umerziehen kann. Das ist die moderne Form der Gedankenpolizei, vor der George Orwell bereits 1949 warnte.
Wie der Papst feststellte, befinden wir uns bereits im Dritten Weltkrieg. Dieser Krieg wird in unseren Breiten vorerst vorwiegend auf geistiger Ebene geführt, aber das ist nur die Vorbereitung für einen militärischen Krieg. Wir werden immer stumpfer und brutaler gemacht. Wir dürfen vieles nicht mehr sagen, nicht aussprechen, nicht einmal mehr denken, aber wir führen mehr Kriege als je zuvor, zerstören ein Land nach dem anderen. Der Wettbewerb innerhalb westlicher Firmen nimmt immer mehr zu, wird immer brutaler, aber nach außen tun wir so, als wären wir alle lieb, offen und tolerant. Diese Gesellschaft ist zutiefst verlogen.
Das Lied »Zehn kleine Negerlein« stammt aus den 1860er-Jahren und legt Zeugnis ab über den Rassenhass und die Arroganz einer reichen, weißen US-Finanzaristokratie. Ursprünglich hieß das Kinderlied »Zehn kleine Indianerlein«, und es sollte kleinen Kindern spielerisch vermitteln, dass die nordamerikanischen Ureinwohner dumm und nutzlos waren. US-Präsident Andrew Jackson hatte 1830 den Indian Removal Act unterzeichnet, ein Gesetz zur Zwangsumsiedlung der Ureinwohner. Man zerstörte ihre Werte und Traditionen systematisch, da man sie als primitiv und dümmlich ansah.
Nachdem man die »Indianerlein« in den USA innerhalb weniger Jahrzehnte nahezu ausgerottet hatte, ließ man fortan die »Negerlein« im Lied auftauchen, also jene schwarze Bevölkerung, die aus ihrer ursprünglichen Heimat geraubt worden war und nun als Sklaven auf den Plantagen der weißen Oberschicht schuftete. Indianerinnen wurden in den USA übrigens bis in die 1970er-Jahre hinein zwangssterilisiert und Schwarze durften ebenso lange nicht wählen. Heute sterilisiert die weiße US-Elite mittels ihrer Gutmenschenstiftungen im ganz großen Stil Afrikanerinnen – oft ohne deren Wissen und gegen deren Willen. Millionen Schwarze dürfen in den USA immer noch nicht wählen, weil sie im Gefängnis sitzen, wo sie kein Wahlrecht haben. Eine unliebsame Gruppe nach der anderen wird aus dem Verkehr gezogen. …
Jan van Helsing: Und nun geht es der weißen Mittelklasse an den Kragen? Sie gehen in Ihrem Buch auch auf das Problem der Überbevölkerung ein, das ebenfalls ein Lieblingsthema reicher, weißer Angelsachsen zu sein scheint. Worin besteht der Zusammenhang?
Michael Morris: Darin, dass das Establishment, die oberen Zehntausend, Angst vor der Masse von Menschen hat, die immer ärmer wird und sich eines Tages erheben könnte. Dafür werden Vorbereitungen getroffen. Den Mob zu dezimieren bedeutet, das Risiko für die herrschende Klasse zu minimieren.
Jan van Helsing: Das klingt so grausam und unmenschlich, dass die meisten Menschen sich weigern, solche Aussagen zu glauben.
Michael Morris: Ja, ich weiß, genau das macht es den Machthabern so einfach. Doch in der Upperclass sprechen zahlreiche führende Persönlichkeiten ganz offen davon, dass sie zwischen 30 Prozent und 90 Prozent der Weltbevölkerung auslöschen wollen. Offiziell begründen sie das damit, dass zu viele Menschen dem Planeten und dem Ökosystem schaden, doch in Wahrheit kümmert sie die Natur herzlich wenig.
Man muss begreifen, dass die meisten Menschen, die heute den Erdball bevölkern, in den Augen der Oberschicht nutzlos sind. Man braucht sie nicht mehr, denn anders als früher kann die meiste Arbeit heute von Maschinen und Computern erledigt werden. Zudem ist unser Finanzsystem am Ende und man weiß nicht mehr, wie man all die Arbeitslosen, Veteranen und Rentner noch länger bezahlen soll. Rund 50 Millionen US-Amerikaner leben von Essensmarken, und diese sozialen Programme werden nach und nach gekürzt, weil man das Geld lieber in Kriege und Rüstung steckt.
Man hat längst begonnen, diese »nutzlosen Esser« beiseitezuschaffen. Wie bei den »zehn kleinen Negerlein« verschwindet eines nach dem anderen und keiner vermisst es. Sowohl in den USA als auch in Europa verschwinden jedes Jahr etwa je eine Million Menschen spurlos. Die meisten von ihnen sind Kinder und Jugendliche. In jedem US-Supermarkt oder Einkaufszentrum hängen dutzende Bilder verschwundener Kinder oder Teenager.
Jan van Helsing: Ich muss gestehen, dass ich das eines der erschütterndsten Themen in Ihrem Buch fand. Mir war bis dahin nicht klar, dass jedes Jahr rund zwei Millionen Menschen spurlos verschwinden und die Polizei sich darum nicht kümmert. Das ist wirklich unvorstellbar. Das ist mehr als die Einwohnerzahlen von Hamburg oder Wien.
Michael Morris: Ja, das ist unvorstellbar, aber wahr. Die Polizei hat Besseres zu tun, sie muss die Reichen beschützen, nicht nur in den USA. Dasselbe spielt sich in etwas kleinerem Rahmen auch in Europa ab. Man sollte nicht vergessen, dass in weiten Teilen Europas mehr als die Hälfte aller Jugendlichen arbeitslos ist. Bislang konnten viele von ihnen von ihren Familien aufgefangen werden, aber auch denen geht langsam das Geld aus, da immer mehr Familien aus dem Mittelstand nach unten abrutschen.
Es wird bald krachen in Europa. Doch bevor es der Upperclass an den Kragen geht, wird sie versuchen, einen Krieg gegen Russland anzuzetteln. Alle Vorbereitungen dafür sind getroffen. Ein Krieg war für Politiker in Bedrängnis schon oft die Ultima Ratio. Zudem würde er das Problem der Überbevölkerung ein wenig eindämmen. Ich glaube nicht, dass all die Aufrüstung, die gerade in Europa stattfindet, nur Drohgebärde ist.
Jan van Helsing: Denken Sie wirklich, dass die Elite einen großen Krieg zulassen würde? Hat sie nicht selbst viel dabei zu verlieren? Deutschland und Österreich haben beide Weltkriege gegen Russland verloren. Sie beschreiben im Buch, dass sie auch den nächsten verlieren würden. Würden sich die oberen Zehntausend also wirklich darauf einlassen?
Michael Morris: Sie haben es bereits immer und immer wieder getan. Für sie ist vorgesorgt, mit Bunkern und abgelegenen Anwesen. Es gibt in den westlichen Führungsebenen doch weder Moral noch Anstand oder Weitblick. Gier, Angst und Selbstüberschätzung sind die treibenden Kräfte. Im Jahr 1950 verdienten Manager das 30-Fache von Arbeitern, heute ist es das 500-Fache. Diesen Umstand hat der US-Milliardär Nick Hanauer bereits im Juli 2014 offen angeprangert, und er hat vor Aufständen gewarnt. Irgendwann wird der Bogen überspannt sein.
Doch statt gegenzusteuern, bauen jene, die unsere Politiker steuern, die Exekutive zu einem Schutzwall gegen die Bevölkerung auf. Wer gegen diese unmenschlichen Zustände angeht, wird als »Terrorist« eingestuft. Dabei geht der Terror zunehmend vom Staat aus. Das Pentagon verschenkte in den Jahren 2013 und 2014 mehr als 600 Radpanzer an lokale US-amerikanische Polizei-Stationen. Diese sogenannten MRAP-Fahrzeuge bewahren Insassen vor der Wirkung von Minen, Sprengfallen und vor direktem Beschuss von Panzerabwehrwaffen. In den USA wird die Polizei also zu einer Armee ausgebaut, die sich für einen brutalen Bürgerkrieg rüstet!
Jan van Helsing: Aber Europa ist anders. Die USA sind immer in allem extremer.
Michael Morris: Nicht wirklich. Dasselbe passiert in Europa. Im italienischen Vicenza halten die europäische Gendarmerie-Truppe und die sogenannten »Stabilisierungseinheiten« mehrerer EU-Staaten regelmäßig Anti-Terror-Übungen ab. Dort werden Spezialeinheiten aus ganz Europa im Häuserkampf und in den Techniken der »zivilen Konfliktlösungsstrategie« geschult. Nahe der französischen Kleinstadt Sissonne trainieren Deutsche und Franzosen in einer riesigen Übungsstadt gemeinsam, wie man Aufstände unterdrückt und Aufständische ausschaltet.
Jan van Helsing: Wo bleibt der Hoffnungsschimmer? Es ist Sommer, die Menschen wollen mit einem positiven Gefühl in den Urlaub fahren. Was können Sie ihnen sagen?
Michael Morris: Wenn Sie Spaß haben wollen, lesen Sie bloß nicht mein neues Buch! Genießen Sie das Leben in vollen Zügen, grillen Sie, gehen Sie schwimmen, lachen Sie und tun sie so, als wäre alles gut.
Nein, im Ernst – ich glaube, man kann sein Umfeld realistisch und kritisch beurteilen und sich dementsprechend verhalten, ohne deshalb gleich in Depressionen zu verfallen. Wir leben in schwierigen und gefährlichen Zeiten, umso wichtiger ist es, wach und aufmerksam zu sein. Wir sollten keine Angst vor einem Krieg haben, wir sollten ihn einfach nur verhindern. Es gibt bereits zu viel Angst auf diesem Planeten. Es gibt immer Licht und Schatten, gut und böse. Wichtig ist nur, dass wir versuchen, ein Gleichgewicht zu halten und das Dunkle nicht zu mächtig werden zu lassen. Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Die Gefahr eines Dritten Weltkrieges ist sehr real, ebenso wie die Möglichkeit, dass die Bevölkerung sich erhebt und entschlossen ein Ende der Kriegshetze fordert. Danach kann sie wieder grillen und schwimmen und Spaß haben. …
Jan van Helsing: In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und allen Lesern einen schönen, ausgelassenen und friedlichen Sommer. Und vielen Dank für das Interview.