
Der »häßliche Deutsche« ist unsterblich. Dazu genügt ein Blick in die Tagespresse, ins Fernsehen oder ins Internet. Doch warum sind die Aversionen, die Deutsche auslösen, so viel heftiger, als die, die sonst eine Gruppe gegenüber anderen, ein Volk gegenüber anderen empfindet und äußert. Viele glauben, die Ursache liege in der NS-Zeit. Die Deutschen büßen eben für Hitler und Auschwitz. Aber diese Überlegung greift zu kurz. Der »häßliche Deutsche« wurde nicht 1933 oder 1945 geboren, sondern 1914 erfunden. Er war und ist das Ergebnis einer skrupellosen Propaganda, die die Gegner Deutschlands während des Ersten Weltkriegs in Umlauf brachten – mit dem Ziel, die Deutschen als Barbaren aus dem Menschengeschlecht auszustoßen.
Eine Kundenrezension:
Selbstverständlich wurde den Deutschen die Alleinschuld am Kriege zugesprochen. Damit verbunden war die Vorstellung von einer Kollektivschuld der deutschen Nation . Seit 1916 gab es die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation“. Bezeichnungen wie „Vieh“, „Bestie“ oder „Hunnen“ waren gang und gäbe. Allgemein verbreitet war die Vorstellung, dass die „Menschheit“ „Deutschland vernichten“ müsse.Die Deutschen konnten dem nichts entgegensetzen. Ihre Propaganda war durch ihre Betulichkeit charakterisiert. So lehnte die deutsche Seite zum Beispiel jegliche Aufforderung an die Soldaten des Gegners zu Ungehorsam oder Meuterei ab.
In Frankreich hatte man dagegen seit 1871 Revanchegedanke kultiviert. Seit 1881 gab es dort in den Schulen eine vormilitärische Ausbildung in „Schulbataillonen“, seit 1893 an den Volksschulen Schießübungen (mit scharfer Munition). Der Grad der Feindseligkeit ging in jedem Fall über alles hinaus, was es auf deutscher Seite gab. Niemand in Deutschland kam auf den Gedanken, den Beitrag Frankreichs zur europäischen Kultur zu bestreiten. Französisch gehörte selbstverständlich zu den Sprachkenntnissen der Gebildeten.
In England, Amerika und Frankreich bestand die traditionelle Auffassung, das auserwählte Volk Gottes bzw. (in Frankreich) die führende Nation der Weltzivilisation zu sein.
Es war vor allem die britische Regierung, die 1914 die Büchse der Pandora öffnete. Deutsche in Großbritannien wurden in Lager gesperrt und ihres Eigentums beraubt. Der Mob stürmte deutsche Geschäfte. Es gab regelrechte Pogrome. Der Kaiser wurde als „Beast of Berlin“ dargestellt, und der liberale Politiker Lloyd George gewann 1918 die britischen Wahlen mit der Parole „Hang the Kaiser „.
Gleichzeitig versprachen die Alliierten den Deutschen in Flugblätter, die sie über den deutschen Linien abwarfen, einen milden Frieden – ganz anders als er dann in Versailles Wirklichkeit wurde. Die Verwendung von Schwarzrotgold in diesen Flugblättern, so Weißmann, erklärt viel von der Ablehnung dieser Farben durch weite Teile der deutschen Bevölkerung in der Weimarer Republik.Als Fazit kann man festhalten: Nicht wie immer noch oft in volkspädagogischer Absicht behauptet, die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts – der Nationalsozialismus und Kommunismus – , sondern die Westmächte im Ersten Weltkrieg waren die Erfinder der modernen, unbeschränkten Massenpropaganda. Eine Tatsache, um die die deutschen Universitätshistoriker nach wie vor einen weiten Bogen machen und die in den landläufigen Darstellungen des Ersten Weltkrieges, sei es im Fernsehen, in Büchern oder in der Schule und Universität, verschwiegen wird.
Dabei hatte die Kriegspropaganda der Alliierten durchaus auch eine langfristige Wirkung.. In Deutschland nahm man die Demokratie- und Völkerbund-Rhetorik der Alliierten vor allem als Heuchelei war. Churchill, Roosevelt und Henry Morgenthau hatten ihre politische Prägung im Ersten Weltkrieg erhalten. Nicht zuletzt wurzelten Hitler und der Nationalsozialismus in dem Haß, der im Ersten Weltkrieg und in Versailles gezeugt worden war. Und auch heute noch ist der Gut-Böse Antagonismus ein Muster, das die westlichen Kriegspropaganda bestimmt („Achse des Bösen“ usw.).
Es ist zu hoffen, dass es Weißmann mit seinem gut geschriebenen und reich mit farbigen Abbildungen versehenen Buch – darunter viele Propagandaplakate, die sonst schwer zu finden sind – , gelingt, aufklärend zu wirken und das Tabu, das es um die antideutsche Propaganda nach wie vor gibt, ein Stück weit einzureißen.

