Tolerant, toleranter, totalitär

von Felix Krautkrämer

Zum Schutz der Toleranz dürfen einige Meinungen nicht geäußert werden Foto: picture alliance/ZB/dpa

Zum Schutz der Toleranz dürfen einige Meinungen nicht geäußert werden Foto: picture alliance/ZB/dpa

Eine Kolumnistin empfiehlt einem Leser, seine zwei Kinder nicht zu einer Schwulen-Hochzeit zu schicken – und verliert ihren Job bei der Zeitung. Einem Münchner Gastwirt, der sich weigert, rechte Gäste rauszuwerfen und wie Aussätzige zu behandeln, droht der Entzug der Konzession.

Ein Berliner Politikwissenschaftler sieht sich plötzlich und grundlos auf einem anonymen Internetpranger mit Rassismus- und Sexismusvorwürfen konfrontiert. Sein Vergehen: Er betrachtet politische Prozesse differenziert und richtet seine Lehre auch an der Realität aus – und nicht nur an linken Wunschvorstellungen.

Das ist Deutschland 2015. Jenes Deutschland, in dem nahezu täglich von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Medien und der vielbeschworenen „Zivilgesellschaft“ das hohe Gut der Toleranz gepredigt wird. Aber wie so oft bei falschen Predigern ist auch dieser Kelch statt mit Wasser randvoll mit Wein gefüllt.

Abweichende Meinungen werden bekämpft

Und offenbar haben sich die Gesinnungswächter mittlerweile so ausgiebig an diesem bedient, daß sie blind vor Trunkenheit sind. Blind in dem Glauben, Gutes zu tun, merken sie dabei nicht einmal mehr die Verwerflichkeit ihrer eignen Methoden.

Die Homolobby, die mit ihrem Wutgeheul für den Rauswurf der Zeitungskolumnistin sorgte, hat mit ihrer beleidigten Empörung vor allem eines gezeigt: die eigene Intoleranz. Abweichende Meinungen werden mit allen Mitteln bekämpft. Wer es wagt, sie zu äußern, muß damit rechnen, geächtet zu werden.

Das kennt man aus Diktaturen mit demokratischem Antlitz. Da durfte auch jeder seine Meinung frei äußern – er mußte nur mit den entsprechenden Konsequenzen leben. Und die reichten von Ausgrenzung über Studier- und Berufsverbot bis zu Ausbürgerung oder Gefängnis.

Es ist kein Geheimnis, daß nicht überall, wo „demokratisch“ draufsteht, auch Demokratie gelebt wird. Auch die Diktatur des realexistierenden Sozialismus nahm für sich in Anspruch, demokratisch zu sein und dem Guten zu dienen. Die Wirklichkeit aber sah anders aus.

Offiziell herrscht Meinungs- und Berufsfreiheit

Und heute? Offiziell ist die Bundesrepublik ein demokratischer Rechtsstaat mit grundgesetzlich garantierter Meinungs- und Berufsfreiheit. Das Gegenteil also von einer totalitären Gesinnungsdiktatur.

Denn Totalitarismus, so das Internetlexikon Wikipedia, bezeichnet eine Herrschaft, die „in alle sozialen Verhältnisse hineinzuwirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen ‘neuen Menschen’ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen“. Wer könnte hierbei schon an die Bundesrepublik im Jahr 2015 denken?

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2015/tolerant-toleranter-totalitaer/

5 Kommentare zu “Tolerant, toleranter, totalitär

  1. ja,wir sollen tolerant allemgegenüber sein-wird uns von den lügenmedien eingetrichter-dabei sind gerade die-intolerant bis geht nicht mehr…

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  2. Toleranz kommt
    von Tolerare d.h. erleiden, erdulden.
    Toleranz hoert dort auf, wo wir unsere eigenen Grenzen verletzen. Wo wir vom Dulden zum Erdulden gezwungen werden. “ Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen das eigene Ideal“ (Nietzsche)
    „Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden
    Gesellschaft“
    ( Aristoteles)
    “ Heute sind wir voll Entzuecken, morgen beugen wir den Ruecken.
    Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land. Heute sind wir liberal, morgen haengen wir am Pfahl.“ ( Helmut
    Zott)
    Dem deutschen Volk zur Mahnung
    “ Es lebt still und
    unscheinbar.
    Es stirbt, weil das
    so ueblich war.“

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