Udo Ulfkotte
Die heikle Nähe von Leitmedien zur Elite wird in der Öffentlichkeit derzeit ganz genau beobachtet. Nun ist auch die renommierte Neue Zürcher Zeitung ins Visier geraten.

Die 1780 gegründete Neue Zürcher Zeitung zählt im deutschsprachigen Raum zu den »Leitmedien«. Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte einmal, dass er lieber die NZZ lese als die Berichte des BND. Diese Aussage erscheint inzwischen in einem völlig neuen Licht. Denn Eric Gujer, der Chefredakteur der NZZ, steht nun im Zentrum einer Geheimdienstaffäre.
Seine Nähe zum Schweizer Geheimdienst »Nachrichtendienst des Bundes (NDB)« könnte ihm zum Verhängnis werden. Nach Angaben der Schweizer Zeitung Blick und der NZZ-Sprecherin Myriam Käser ist NZZ-Chef Gujer »Mitglied des Gesprächskreises Nachrichtendienste in Deutschland«. Zudem heißt es über ihn:
»Im Vorfeld der Ausarbeitung des Nachrichtendienstgesetzes konsultierte der NDB verschiedene Experten aus Wissenschaft, Medien, Justiz, Politik und Wirtschaft«, erklärt NZZ-Sprecherin Myriam Käser gegenüber Blick.ch. Und: »Eric Gujer wurde als Strategie-Experte und langjähriger Deutschlandkorrespondenten zu verschiedenen Fragen insbesondere im Zusammenhang mit dem deutschen Nachrichtendienstgesetz (NDG) und der parlamentarischen Kontrolle der Nachrichtendienste in Deutschland konsultiert.«
Gujer hat auch ein Buch über den BND geschrieben (»Kampf an neuen Fronten«). Wie peinlich ist es da, wenn die NZZ die »heikle Nähe von Leitmedien zur Elite« geißelt? NZZ-Chefredakteur Eric Gujer »beriet den Nachrichtendienst« (den Schweizer Nachrichtendienst des Bundes NDB), so die Schlagzeile des Schweizer Kommunikationsportals Persönlich.
Gujer arbeitete viele Jahre für die NZZ als Korrespondent in Berlin. Er zählt zu den Alpha-Journalisten. Und seine Nähe zur Elite bringt nun die ganze NZZ in Verruf, die such fragen lassen muss, ob es in ihren Reihen gekaufte Journalisten gibt.
Anders gefragt: Ist diese Nähe eines Chefredakteurs noch hinnehmbar? Oder bleibt von heute an beim Lesen der NZZ nicht etwa der üble Geschmack, dass die Berichterstattung vom Denken der Eliten oder gar der Geheimdienste beeinflusst wird?
Für mich ist die NZZ ab heute jedenfalls Altpapier, welches in den Papierkorb gehört – zumindest bis Chefradakteur Eric Gujer vor die Tür gesetzt wurde. Geheimdienste beraten und ein angeblich unabhängiger Journalist sein – das funktioniert nicht. Ich weiß das eigener Erfahrung.
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